Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Upgrade

Originaltitel: Upgrade__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Leigh Whannell__Darsteller: Logan Marshall-Green, Betty Gabriel, Harrison Gilbertson, Christopher Kirby, Benedict Hardie, Clayton Jacobson, Melanie Vallejo, Sachin Joab, Richard Cawthorne u.a.
Upgrade deutsches DVD Cover

“Upgrade” rockt einfach die Bude!

Grey ist in einer nicht näher bezifferten Zukunft das, was wir heute Old School nennen. Im Gegensatz zu seiner Frau Asha, die die technologischen Vorzüge ihrer Zeit genießt und mit Begeisterung nutzt, schraubt Grey noch an alten Karren rum und macht sich am liebsten bei allem die Hände so richtig schmutzig. Vielleicht sind es genau diese Gegensätze, die die Liebe zwischen Grey und Asha immer noch größer werden lassen.

Eines Tages fahren beide gemeinsam zu Greys aktuellem Auftraggeber Eron Keen, für den Grey einen alten Benziner aufgebohrt hat. Der Tech-Pionier hat sich vollkommen in seinen High-Tech-Palast zurückgezogen und tüftelt hier an neuen technologischen Quantensprüngen. Aktuell arbeitet er an einem neuen Mikrochip namens Stem… Auf dem Rückweg von Eron spielt das autonom fahrende Auto von Grey und Asha verrückt. Am Ende einer wilden Fahrt überschlägt es sich in einem irre heruntergekommenen Viertel.

Hier tauchen vier Kerle auf, die ganz offensichtlich nicht gekommen sind, um zu helfen. Wenige Augenblicke später erschießen sie Asha und verpassen Grey eine Kugel in den Kopf. Drei Monate danach ist Grey vom Hals abwärts gelähmt und muss sich bewegungslos in ein neues Leben einfinden. Das gelingt ihm alles andere als gut. Nach einem Selbstmordversuch steht urplötzlich Eron Keen an seinem Bett und schlägt ihm einen Ausweg vor.

Er möchte Grey Stem transplantieren. Sein Mikrochip soll aufgrund von Befehlen von Greys Gehirn sämtliche körperliche Funktionen Greys steuern. Grey sagt in seiner Verzweiflung zu. Einzige Bedingung Keens: Niemand darf von Stem erfahren. Grey darf dessen Vorzüge also nur im Geheimen genießen. Die Operation klappt und Grey erkennt die Möglichkeiten Stems sehr schnell.

Die künstliche Intelligenz, die sogar mit Grey kommuniziert, hilft ihm, die Mörder seiner Asha zu finden, zu stellen und umzubringen. Anfangs ist Grey von den Möglichkeiten Stems begeistert, doch irgendwann beginnen sich die Probleme zu häufen. So ist Keen von den nächtlichen Rachfeldzügen Greys alles andere als erfreut und droht mit der Zwangsabschaltung Stems. Stem strebt mehr und mehr nach Unabhängigkeit. Und obendrein nimmt eine Polizistin Grey seine Querschnittslähmung irgendwann nicht mehr ab und kommt ihm bedenklich nahe…

Schaut in “Upgrade” hinein

Die australische Blu-ray von „Upgrade“ spielt mit einem gewissen Retro-Faktor. Gestaltet etwa das Menü im verwackelten und verrauschten VHS-Look. Der Film selber ist in seinem Look keineswegs auf retro getrimmt. Eher ist es seine geradlinige, anfangs sehr aufs Wesentliche reduzierte Erzählweise, die in Verbindung mit der Konsequenz der Story und der mal wirklich unbefangenen Gewaltgeilheit retro anmutet.

Dabei ist die Story selbst angenehm straight aufgezogen und orientiert sich an den Mustern gängiger Rache-Actioner. Ein Mann verliert seine große Liebe, sieht zunächst keinerlei Ausweg für sich und findet ihn dann doch in diversen derben Vergeltungsmaßnahmen. Damit diese anrollen können, muss die künstliche Intelligenz Stem in der Handlung installiert werden.

Upgrade mit Logan Marshall-Green und Melanie Vallejo

Asha und Grey in glücklichen Tagen.

Diese liefert eine köstliche Variation zu den üblichen Rachefilmen und birgt eine Unmenge schwarzen Humors. Dabei baut Regisseur und Drehbuchautor Leigh Whannell (Eines der „SAW“-Masterminds) seinen „zweiten Hauptdarsteller“ Stem neben dem irre starken Logan Marshall-Green („Spider-Man: Homecoming“) als Grey behutsam und langsam auf. Lässt Stem zunächst nur dessen Querschnittslähmung überwinden, was Marshall-Green mittels eines coolen, roboterhaften Ganges auch für den Zuschauer visualisiert bekommt.

Wenn Stem sich dann erstmals mit der Stimme von Simon Maiden zu Wort meldet, entwickelt „Upgrade“ einen ganz eigenen Flow. Ab sofort unterhalten sich die beiden beständig, betätigen sich als Detektive und gehen auf Rachetour. Spätestens da wird es dann trotz aller Gewalttätigkeit richtig witzig. Denn wenn der im Kampf ungeübte Grey die Kontrolle vollends an Stem übergibt und sich dann mit ungläubigen Blicken selbst dabei zuschaut, wie er die Gegner förmlich zerstört, schwingt ein wirklich irrer schwarzer Humor mit.

Upgrade mit Logan Marshall-Green als gelähmter Grey

Detective Cortez nimmt Grey bald nicht mehr ab, dass er er gelähmt ist.

Und eine geniale optische Darstellungsweise. Denn Leigh Whannell „verschmilzt“ in diesen Momenten Grey mit der Kamera. Neigt der sich leicht zur Seite, geht die Kamera sofort mit. Überschlägt er sich, überschlägt sich die Kamera. Rutscht er an einer Wand hinunter, rutscht die Kamera den gleichen Weg neben ihm an der Wand hinunter. Ganz zu schweigen davon, wenn sie unmittelbar hinter Grey irgendwelche Treppenhäuser hinunter hechtet. Das Ergebnis fühlt sich irre dynamisch, angenehm frisch und teils wirklich ungesehen an.

Auch abseits der Action rockt die Bebilderung von „Upgrade“. Der kommt als formvollendeter, düsterer Nachtmahr daher, in dem es gefühlt nie Tag zu werden scheint. Die Bilder sind gritty und direkt. Nur im Tech-Palast von Keen dominieren klare Linien und moderne Formen. Unter den Bildern dröhnt und wabert ein finsterer, elektronischer Score, der immer die richtigen Töne findet. Die Zukunft wird mittels futuristischer, autonomer Autos bebildert. Fluggefährte und ähnliche Modernismen klammert „Upgrade“ aus.

Upgrade mit Logan Marshall-Green im Rachemodus

Mithilfe von “Stem” kann der eigentlich gelähmte Grey seinen Rachegelüsten nachgehen.

Offensiv futuristisch sind eigentlich nur noch die cool upgegradeten Gegner Greys. Die besitzen in ihre Arme eingebaute Waffen, mit denen sie aus ihren Händen feuern können. Nachgeladen wird über eine Öffnung in der Muskelpartie des Oberarms. Sehr geil sind auch mikroskopisch kleine „Klingen“, die die Lumpen aushusten und so in die Atemwege der Gegner gelangen lassen. Dort beginnen die Klingen dann ihr mörderisches Werk.

Bei solchen Gegnern ist klar, dass deren Beseitigung kein Zuckerschlecken ist. Dementsprechend rüde geht es in „Upgrade“ auch zu. Gegner werden förmlich zu Klump geschossen, Schädel zum Platzen gebracht, Extremitäten gebrochen, Gesichter zerschnitten, Schädel gespalten. „Upgrade“ ist wahrlich kein Kind von Traurigkeit, suhlt sich aber nicht im Splatter. Zwar ist die Gewalt trotzdem reichlich selbstzweckhaft, wird durch den bereits erwähnten, topp funktionierenden Humor aber immer wieder aufgefangen.

“Upgrade” ist knallhart, frisch und witzig

Lange Zeit kann die Story mit den lancierten Ideen Whannells nicht wirklich mithalten. Die grundlegende Rachestory wirkt immer ein wenig zu lapidar, obschon sie auch aufgrund des starken Hauptdarstellers topp funktioniert und mitreißt. Doch selbst Fans vertrackter Storys bekommen gegen Ende genügend Gründe, um sich an „Upgrade“ zu erfreuen. Immerhin will beispielsweise Stem bald mehr Autonomie, was freilich auch interessante Fragen um die Machbarkeit aufwirft. Denn inwiefern könnten sich Mensch und künstliche Intelligenz eigentlich einen Körper fair teilen?

Derweil legt Whannell in Richtung Finale immer stärker zu. Anfangs fühlt man sich sogar noch megaschlau, weil der vermeintlich finale Twist recht vorhersehbar wirkt. Doch da startet Whannell erst durch! Twistet noch einmal gehörig und dann sogar richtig geil. Und läuft dann der Abspann, hat man ein Unhappy-Happy-Ending erlebt, das man so auch noch nie gesehen hat.

Kurzum: „Upgrade“ ist ein gewaltgeiler, irre schneller, teilweise richtiggehend begeisternder Actiontrip geworden, der von seinem gesprochenen!!! Vorspann mit Audiovisualisierungen bis zu seinem coolen Finish einfach nur absolut genial zu unterhalten versteht.

9 von 10

Eine deutsche Veröffentlichung ist von Universal Pictures Home Entertainment für den 11. April 2019 vorgesehen und wartet mit einer unerwartet milden FSK 16 Freigabe auf. In Finnland soll bereits eine Blu-ray mit deutschen Ton erhältlich sein. In den USA ist der Film von Universal Pictures Home Entertainment auf DVD und Blu-ray erschienen. Diesem Review lag die australische Blu-ray des Labels Madman zugrunde. Da die Australier wie Deutschland den Regionalcode B bei Blu-rays nutzen, läuft diese auch problemlos auf hiesigen Playern. Eine DVD mit dem Regionalcode 2 erhaltet ihr in England. Dort hat es Universal Pictures UK bislang nicht geschafft, eine Blu-ray auf den Markt zu werfen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universal Pictures Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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