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Valerian – Stadt der Tausend Planeten

Originaltitel: Valerian and the City of a Thousand Planets__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Luc Besson__Darsteller: Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen, Rihanna, Kris Wu, John Goodman, Ethan Hawke, Rutger Hauer, Mathieu Kassovitz, Emilie Livingston, Sam Spruell, Louis Leterrier, Olivier Megaton u.a.
Valerian deutsches Plakat

Luc Besson verfilmt eine bekannte Comic-Serie als “Valerian – Stadt der Tausend Planeten” unter anderem mit Rutger Hauer.

Zu den Klängen von David Bowies „Space Oddity“ fabriziert Luc Besson („Lucy“) schon in den ersten Minuten seines neuesten Filmes „Valerian – Stadt der Tausend Planeten“ Augenfutter vom Allerfeinsten. Alles beginnt mit einer in den 70ern in die Erdumlaufbahn geschossenen Raumstation. Über die Jahre hinweg wird diese immer weiter ausgebaut. Zunächst stoßen alle Nationen der Erde nach und nach zu dem Projekt. Irgendwann kommen außerirdische Rassen hinzu. Die Raumstation wächst und wird zu einem blühenden Hort des Lebens. Sie wird zu Alpha, der Stadt der Tausend Planeten.

Gänzlich ohne Worte zelebriert Luc Besson hier ein Idealbild des harmonischen Miteinanders, in dem keinerlei Misston das Anwachsen des Projektes begleitet. Jeder dazustoßende „Neuling“ wird ein selbstverständlicher Teil des Ganzen. Und so wird Luc Besson schon in seinen ersten Filmminuten seine Botschaft vom friedlichen Miteinander über alle Grenzen hinweg los…

Dann spricht Rutger Hauer („Beyond Valkyrie“) zum Publikum und erklärt uns, dass die Station eine kritische Masse erreicht habe, die das Gravitationsfeld der Erde beeinflusse, weswegen man sie tiefer ins All befördern müsse. Das Weltraumabenteuer rollt!

Luc Besson schaltet nun in seine eigentliche Geschichte um. Das macht er mit einer ganzen Wagenladung an Ethnokitschbildern, in denen fragil und wunderschön wirkende Wesen ihr Zusammenleben mit der Natur zelebrieren. Die Avatar-ähnliche Grundstimmung wird jäh gestört, als sich der Himmel der Welt der sogenannten Pearls verfinstert und brennende Kriegsschiffe auf den Planeten herabregnen. Am Ende der Apokalypse steht der Tod einer Pearl-Prinzessin. Als deren Lebensenergie entweicht, rast selbige durch das All und trifft… Valerian! Verkörpert von Dane DeHaan („The Place beyond the Pines“).

Schaut in den visuell beeindruckenden Bilderrausch „Valerian“ hinein

Und so sehr man sich bisher in die rauschhaften Bilderwelten Bessons hat fallen lassen können, so wenig will die Identifikation mit diesem Helden funktionieren. Geschweige denn mit Laureline, Valerians Weggefährtin, und deren Darstellerin Cara Delevingne. Natürlich ist die Argumentation von Besson nachvollziehbar, dass, um die finanziellen Risiken der teuersten europäischen Produktion schlechthin ein wenig zu minimieren, vor allem ein möglichst junges Publikum abgeholt werden müsse. Vielleicht funktionieren die Helden für die junge Zielgruppe auch. Mag sein. Für Zuschauer jenseits des Teenie-Alters aber sind diese Helden komplett unbrauchbar und funktionieren kein Stück als Führer durch Bessons Bilderstürme.

Beide Darsteller wirken viel zu jung und viel zu unbedarft. Wenn sie über Liebe und das Heiraten parlieren, muss man als Zuschauer unfreiwillig schmunzeln. Nebenher geht es um Ficklisten und ähnlich reife Bestandteile eines „erfüllten“ Lebens. Auch werden beide Figuren als mega erfahrene Agenten eingeführt. In keiner einzigen Szene des Filmes strahlen sie auch nur ansatzweise diese Erfahrung aus.

Valerian Dane DeHaan

Dane DeHaan als Valerian.

Aus irgendeinem Grund möchte Luc Besson mit beiden Figuren auch noch Screwball-Elemente in den Film bringen. Doch das Gekabbel, es funktioniert nicht. Weil man beide Figuren eben nicht ernst nimmt. Und da beide Darsteller auch noch so jung und unbekannt sind, ist da nicht einmal ein Image da, mit dem man in diesen Szenen vielleicht noch hätte spielen können. Kurzum: Valerian und Laureline, diese altgedienten Comichelden aus der Feder von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin, funktionieren in ihrem ersten großen Filmauftritt kein Stück. Was noch dadurch verschärft wird, dass Besson gefühlt jeden halbwegs möglichen Vorwand nutzt, um die beiden Figuren zu trennen und solo losschlagen zu lassen. So entsteht erst recht keine Chemie zwischen seinen Hauptfiguren.

Dabei ist beispielsweise Frau Delevingne nicht halb so mies wie in „Suicide Squad“, sie ist aber in ihrer Performance immer noch meilenweit von den sonst so starken Frauenfiguren Bessons weg. Auch weil das Drehbuch ihrer Laureline kaum mehr Eigenschaften als bockig, trotzig und hochnäsig zugesteht. Und DeHaan scheint von Besson angewiesen worden zu sein, bloß keinen zu tatkräftigen Helden zu entwerfen. In der Folge agiert DeHaan als Valerian so blass, dass er sich ab und an kaum von den Hintergründen im Film abzuheben vermag.

Valerian Cara Delevingne

Cara Delevingne als Laureline.

Blöderweise – und jetzt wird es richtig tragisch – hat Luc Besson die Idealbesetzung für Valerian in seinem Cast! Und verheizt ihn für drei Auftritte: Clive Owen („Last Knights“). Der entwickelt, trotz augenrollendem Overactings, ein Charisma, das die beiden Hauptfiguren in den gemeinsamen Szenen zu unwichtigen Statisten degradiert. Und schaut euch an den Bahnhofskiosken dieser Welt mal die neu aufgelegten „Valerian“-Hefte an und sagt mir, wen ihr da seht? Owen oder DeHaan? DeHaan? Ich empfehle eine Brille.

Dass es „Valerian“ nicht vollends verkackt, ist einzig und allein Luc Bessons Verdienst. Der erzählt uns im weiteren Verlauf eine (nicht wirklich spannende) Story, in der die “Stadt der Tausend Planeten” in höchster Gefahr schwebt. Dabei fantasiert er jedoch eine Welt zusammen, die vor Details schier zu bersten droht. Jede Szene scheint nach dem Motto „Da geht doch noch ein bisschen mehr!“ entwickelt worden zu sein. Die Folge ist eine Bilderflut sondergleichen, in der die Charaktere durchs Weltall fliegen, über unendlich tiefe Straßenschluchten balancieren und sogar gleichzeitig in zwei Dimensionen einen kniffligen Auftrag erfüllen. Im Grunde ist es schier unmöglich, alle Einzelheiten des Filmes zu erfassen.

Zumindest ist das 3D des Streifens in diesem Fall mal wirklich hilfreich. Denn selbiges hilft, zumindest die Dimensionen der riesigen Sets und deren räumliche Staffelung zu begreifen. Diese Flut an Bildern, an Ideen und optischen Reizen macht denn auch häufiger komplett mundtot. Und dass, wo im Mittelteil irgendwann auch die Story in der Reizüberflutung verloren geht. Selbige kehrt erst im Showdown mit aller Macht zurück und wirkt dann gar nicht mal so schlecht erzählt, wie anderswo aktuell überall behauptet wird. Es wäre aber dennoch schön gewesen, wenn die Geschichte eben über den ganzen Film hinweg von Relevanz gewesen wäre und nicht nur in den ersten und den letzten Minuten.

Valerian Clive Owen

Wäre vermutlich die bessere Wahl für die Rolle des Valerian gewesen: Clive Owen.

Was am Ende bleibt, ist ein viel zu langes Dauerbombardement mit Farben, Formen, fremden Wesen, seltsamen Witzen, schrägen Ideen, überdrehter Action, netten 3D-Effekten, irren Kostümen, starken Special Effects und beeindruckenden Sets. Man meint wirklich, jeden einzelnen Euro des wahnwitzigen Budgets in dieser irrwitzigen Travestie wieder zu erkennen. Und sobald die Geschichte aufblitzt, kann sie sogar mit der Optik Schritt halten, auch dank eines Overloads an Kitsch und Melodramatik. Alles an „Valerian“ ist einfach überlebensgroß und überwältigend. Alles, bis auf die beiden farblosen Helden. Die hätten ein „Mehr“ in allen Abteilungen dringend nötig gehabt. Dann hätte „Valerian – Stadt der Tausend Planeten“ auch die Chance gehabt, so richtig einzuschlagen!

6 von 10

„Valerian“ läuft seit dem 20. Juli 2017 in den deutschen Kinos, kommt von Universum Film und ist mit einer FSK 12 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Mehr Informationen zu „Valerian“

Wir waren für euch bei der Deutschlandpremiere von „Valerian“

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 20.7.2017 in den deutschen Kinos

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