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Vampire’s Kiss – Ein beißendes Vergnügen

Originaltitel: Vampire’s Kiss__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Robert Bierman__Darsteller: Nicolas Cage, Maria Conchita Alonso, Jennifer Beals, Elizabeth Ashley, Kasi Lemmons, Bob Lujan, Jessica Lundy, Johnny Walker, Boris Leskin, Michael Knowles u.a.
Vampire's Kiss mit Nicolas Cage

Vampir oder Nicht-Vampir, das ist in “Vampire’s Kiss” die Frage.

Peter ist ein Klischee-Yuppie durch und durch. Tagsüber gehört sein Leben seinem Job, in dem er seinen Untergebenen das Leben zur Hölle macht. Abends zirkuliert er zwischen den geilsten Partys der Stadt und schleppt eine Frau nach der anderen ab. Denen verspricht er gar die große Liebe, zumindest bis der nächste Morgen anbricht und er ihnen „charmant“ zu verstehen gibt, dass sie sich verpissen dürfen. Obendrein gehören regelmäßige Besuche bei einer Psychiaterin zu Peters normalen Abläufen. Man(n) will ja sein Leben irgendwie mit Sinn aufladen.

Eines Abends gerät Peter an die flotte Rachel. Die lässt sich nur zu gerne verführen. Mit ihr verbringt Peter wie gewohnt eine heiße Nacht, in der sich die Schönheit in ihn verbeißt. Fortan geht es mit Peters Leben bergab. Damit gehen körperlicher Verfall und ein unbestimmtes Hungergefühl einher. Zudem landet Peter noch häufiger mit Rachel in der Kiste und immer wieder zapft sie ihm noch mehr Blut ab.

Ist Rachel ein Vampir? Und wenn ja, was macht das aus dem gebissenen Peter? Der Yuppie rutscht in eine astreine Psychose ab, die ihn bald glauben lässt, ein untoter Blutsauger zu sein. Doch ist dem wirklich so?

Schaut in die Komödie mit Nicolas Cage hinein

Wir alle kennen und lieben Nicolas Cages Hang zum Overacting. Dennoch zuckt man unwillkürlich zusammen, wenn „Vampire’s Kiss“ anläuft und Cage von Sekunde eins an absolutes Vollgas gibt und alle bekannten Manierismen raus haut. Ohne eine Idee zu haben, in welche Richtung der Film sich entwickeln wird, wirkt das reichlich befremdlich und auch ziemlich anstrengend. Doch je mehr der Streifen Fahrt aufnimmt, umso mehr passt Cages irres Spiel auf Handlung, Tonalität und Atmosphäre von „Vampire’s Kiss“.

Je mehr die Grundidee des Filmes verfängt, umso mehr passt sich der Mime an selbige an. Großartig etwa, wenn er Murnaus „Nosferatu“ im TV schaut, nur um am nächsten Tag unbewusst mit der Gestik und Mimik des Filmvampirs durch seine Stadt zu laufen. Die Augen weit aufgerissen, die Schultern hochgezogen, den Kopf vorgestreckt. Ein großer Lacher. Spätestens wenn sich Peter Plastikvampirzähne kauft, und die – einmal angelegt – nie mehr herausnimmt, kommt der Zuschauer aus dem Feiern nicht mehr raus und läuft „Vampire’s Kiss“ absolut rund.

#metoo mit Vampirzähnen

Interessant ist, dass Regisseur Robert Biermann durchweg im Ungewissen lässt, ob Peter nun einfach eine Vollklatsche hat, oder er nicht doch an einen Vampir geraten ist. Wobei sich selbiger im Übrigen mehr wie ein Succubus verhält. Zudem kommt auch die spitze Satire vollends beim Zuschauer an. Wenn sich Peter als vermeintlicher Vampir nur noch asozialer verhält als ohnehin schon, weibliche Mitarbeiter bedrängt, durch die Gänge des Bürogebäudes jagt und heftigst mobbt, meint man beinahe einen aktuellen #metoo-Wiedergänger vor sich zu sehen. Nur dass DIESER Wiedergänger schon 1989 anprangerte, dass Männer in Führungsposition gerne mal ihre Macht ausnutzten.

Problematisch ist eigentlich nur, dass diese im Film sehr ernst gereichten Momente nicht so wirklich mit den Vampir-Elementen und den damit verbundenen Komikmomenten zusammengehen. Die Tonalitäten nicht ganz passen. „Vampire’s Kiss“ läuft zu dem Zeitpunkt allerdings schon so geschmiert, dass man über diesen Problemherd locker hinwegsieht. Der Film ist hier längst zu einer vampirischen Variante von „American Psycho“ mutiert. Einer höchst unterhaltsamen Variante obendrein.

Nicolas Cage aß für „Vampire’s Kiss“ lebende Kakerlaken

Wobei sich Peter nicht gar so mörderisch gibt, wie Patrick Bateman. Er tötet vornehmlich Tiere. Darunter eine Kakerlake. „Ich wollte etwas machen, das das Publikum schockt“, sagt Cage selbst im Audiokommentar zu dem Film. Und dass er die Szene, in der er eine Schabe verspeisen muss, zweimal drehen musste, wobei der Regisseur sich dann fieserweise für die Verwendung des ersten Takes entschied.

An der Seite von Nicolas Cage („Kill Chain“) agieren vornehmlich Frauen. Jennifer Beals („Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an die vorbei, sagen sie“) als Rachel und Maria Conchita Alonso („Running Man“) als Mobbingopfer Alva sind die bekanntesten Namen und machen ihren Job jeweils hervorragend. Wobei ausgerechnet Frau Beals als große Verführerin in ihren vermeintlichen Nacktszenen mit gewaltigen Pasties ihre Blößen bedeckt und damit nachhaltig verstört. Mag sein, dass dies zu den Entstehungszeiten noch in der Qualität des Trägermaterials unterging, dank HD sieht man die gewaltigen hautfarbenen Pflaster überdeutlich.

In technischer Hinsicht merkt man dem Film an, dass er nur einen schmaler Taler kosten durfte. Die Optik ist altbacken und frei von Höhepunkten. Wirkt teils wie jene einer Fernsehproduktion, hat aber zumindest ab und an mal ein paar nette Perspektiven zu bieten. Die Musik hingegen verkündet wie der Hauptdarsteller von Anfang an: Ich bin eine Satire! Und ich gebe Vollgas!

„Vampir’s Kiss“ steht und fällt mit seinem Hauptdarsteller

Wenn sich Nicolas Cage unter seinem zum Sarg umfunktionierten Sofa vor den Sonnenstrahlen versteckt, er mit einem angespitzten Brett durch die Gegend rennt und andere bittet, ihn zu pfählen, oder er mit weit aufgerissenen Augen im Vampirgang durch eine vollgestopfte Disco läuft, sind die Lacher nicht weit. Dann zieht Cage das ganze Unterfangen einfach mit und erntet der Film viele Sympathiepunkte.

Zumindest bei all denjenigen, die mit Overacting und speziell dem von Herrn Cage kein grundsätzliches Problem haben. Nichtfans von Nic werden durch diesen Film nämlich definitiv nicht bekehrt. Dazu ist er zu over. Und für alle Fans ist das Problem, dass im Film einige Zeit vergeht, bis das Vampirmotiv ausreichend verfängt. Bis dahin wirkt Cage im Cage-Modus sehr befremdlich. Wirkt der Film sehr sperrig und in der Demontage seines Helden ein wenig zu gewollt. Im Großen und Ganzen macht „Vampire’s Kiss“ aber eine Menge Spaß und hätte gut und gerne sogar noch ein wenig mehr abdrehen dürfen als ohnehin schon.

06 von 10

Koch Media hat dem Film ein Mediabook beschert. Dieses ist seit dem 12. März 2020 erhältlich und enthält den Film auf DVD und Blu-ray. Diese kommen jeweils mit dem Audiokommentar von Nicolas Cage und dem Regisseur sowie einigem Trailermaterial. Dazu ist der Film ungeschnitten. Das heißt, er ist knapp fünf Minuten länger als die ebenfalls als Extra beiliegende deutsche Kinofassung. Die bislang geschnittenen Szenen sind untertitelt. Die Datenträger sind ab 16 freigegeben.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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