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Vendetta

Originaltitel: Vendetta__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Jen Soska, Sylvia Soska__Darsteller: Dean Cain, Paul Wight alias The Big Show, Michael Eklund, Benjamin Hollingsworth, Adrian Holmes, Matthew MacCaull, Kyra Zagorsky, Aleks Paunovic, Jonathan Walker, Dee Jay Jackson u.a.
Vendetta

The Big Show gibt den miesen Killerlump in der WWE-Produktion “Vendetta”.

Paul Wight alias „The Big Show“ ist schon seit einigen Jahren eines der Aushängeschilder der Wrestling Liga WWE. Und das nicht ohne Grund, denn der an Riesenwuchs leidende Hüne ist eine absolut ehrfurchtgebietende Erscheinung. Davon macht er nun erstmals auch in einer Filmrolle so richtig Gebrauch, nachdem er bisher vor allem in schwachbrüstigen 0815-Komödien verheizt wurde. „Vendetta“ heißt die Produktion aus den WWE-Studios und erzählt folgende Geschichte:

Cop Mason Danvers ist schon eine ganze Weile hinter dem Schwerverbrecher Victor Abbott und dessen Crew her, als es ihm endlich gelingt, den riesigen Bösewicht festzusetzen. Als wenige Monate später wichtige Belastungszeugen mal eben verschwinden, müssen die Behörden Abbott wieder auf freien Fuß setzen. Der hat es nun auf Danvers abgesehen und meuchelt eiskalt dessen schwangere Frau. Danvers gelingt es daraufhin erneut, Abbott festzunehmen.

Doch Danvers spürt, dass er Abbott hätte killen sollen, denn dass der Hüne hinter schwedischen Gardinen gelandet ist, befriedigt sein Gefühl nach Vergeltung so gar nicht. Irgendwann geht es mit Danvers durch. In einem Akt brutalster Gewalt killt er Victor Abbotts Bruder und dessen Handlanger und fährt dafür ein. Natürlich in genau das Gefängnis, in dem auch Abbott einsitzt…

Bis hierhin bemüht „Vendetta“ eine ganze Wagenladung an Klischees. Die Vorgeschichte um Danvers und Abbotts Beziehung ist so nichtig wie schon oft gesehen (zuletzt wurde sie in „Riot“ recht ähnlich zelebriert). Mit Ankunft in dem Knast purzeln dann die bekannten Motive im Sekundentakt: Danvers arbeitet natürlich in der Wäscherei, es gibt fiese Wärter, einen fiesen Direktor, noch fiesere Mitgefangene, die Ungehorsamen landen im Loch, die anderen trainieren lustig mit Hanteln auf dem Hof usw. usf.

Vendetta

The Big Show zeigt Dean Cain (beide stehend!!!), wo der Bauer den Most holt.

Und gerade, wenn man das Gefühl hat, der Film igle sich in seiner Klischee-Parade ein, gelingt dem Drehbuch ein interessanter Coup. Denn zu den beiden verfeindeten Parteien Danvers und Abbott gesellt sich mit dem Direktor des Gefängnisses eine dritte Kraft, die ab sofort für diverse interessante Richtungswechsel sorgt. Auf einmal drehen sich die Kräfteverhältnisse. War soeben noch Abbott überlegen und schien alle Trümpfe in der Hand zu halten, ist kurze Zeit später Danvers der Protegé des Direktors. Damit ist plötzlich Abbott der Schwache in dem Spiel…

Diese Richtungswechsel sind enorm reizvoll und bieten beiden Hauptdarstellern einige Momente, um durchaus ein wenig zu glänzen. Vor allem Dean Cain („5 Days Of War“) als Abbott muss als unbedingter Gewinner dieses Filmprojektes genannt werden. Vom Drehbuch schon effektiv in Richtung müder und ausgebrannter Cop gedrückt, wird aus Danvers aufgrund der erstaunlich uneitlen Darstellung Cains ein wahrlich gebrochener Mensch. Der in seinen Racheaktionen verstörend unmenschlich zu agieren vermag. Und das derart effektiv, dass man in den Momenten, in denen der Direktor den Ex-Cop unterstützt, die Bindung zu dessen Charakter verliert, einfach weil die Rücksichtslosigkeit Danvers dann fast schon schockierend derb ausfällt.

Andersherum darf der physisch irre präsente Big Show vom sonst so brutalen Bösewicht zum verunsicherten und nach Auswegen suchenden, getriebenen Tier mutieren, wenn der Direktor ihn nicht mehr unter seine Fittiche nimmt. Und wenngleich Big Show nun kein großartiger Schauspieler ist, funktioniert er in der Rolle doch verdammt gut.

Vendetta

Cop Danvers ist auf Rache aus.

Für den Film gilt dasselbe. Der läuft nun straight auf den Showdown zu, in dem das lange Zeit recht intim wirkende Duell Danvers vs. Abbott vs. Direktor plötzlich recht groß skaliert wird. Denn auf einmal geraten wer weiß wie viele Gefangene und Wärter mitten in die Schusslinie und der Film macht keinerlei Gefangene. Bis dahin atmete der Film schon eine derbe Brutalität. Schusswunden safteten heftig, spitze Gegenstände wurden in Körper getrieben, Genicke gebrochen und so gut wie alle Faustkämpfe, von denen es einige gibt, endeten in wüsten Ground-And-Pound-Momenten, bei denen die Gegner (meist offscreen) zu Klump geschlagen wurden. Diese bisher gut über den Film verteilten Gewalttätigkeiten verdichtet das Finale noch einmal und bietet eine deftige Aneinanderreihung derber Bluttaten.

Dabei wird größtenteils richtig intensiv gestorben. Es wird unzählige Male auf bereits wehrlos geschlagene Menschen eingeprügelt. Immer und immer wieder. Vor allem dank Danvers eigenwilliger Schlagringe wird obendrein derb zur Ader gelassen. Spätestens hier dürfte sich eine reguläre uncut-Veröffentlichung für den deutschen Raum erledigt haben. Was in jedem Fall gefällt, ist, dass vor allem Cains Danvers immer ein ganz normaler Brawler bleibt. Der keine besonderen Kampfsportfähigkeiten hat, selbst ordentlich einstecken muss und diesen Status Quo nie verliert. Das lässt ihn nämlich sogar gegen einen verletzten Big Show immer noch sehr verwundbar wirken.

Vendetta

Abbott und Direktor Snyder hecken einen Plan gegen Danvers aus.

Zudem stimmt die Spannungskurve definitiv und es kommt an vielen Punkten auch eine ordentliche Atmosphäre auf. Leider haben die WWE-Studios für „Vendetta“ mal wieder nicht allzu viel Kohle locker gemacht. Zwar müht sich der Film redlich, doch spätestens im Knast wirken die Schauplätze doch viel zu begrenzt. Man hat das Gefühl, immer nur zwischen drei oder vier Sets hin und her zu wechseln. Man bekommt gar kein Gefühl für den Knast, seine Ausmaße und seinen Aufbau. Dafür setzen die regieführenden Soska-Twins immer wieder auf interessante Perspektiven und ein schlüssiges Farbkonzept, bei dem nach freudigen Beginn für Danvers nach und nach jegliche Farbe aus dem Film zu weichen scheint, bis er gegen Ende eigentlich nur noch aus Düster-Tönen besteht.

Nach Kane war Big Show nun bereits der zweite WWE-Superstar, den die Soska Twins in Szene setzen durften. Nach ihrem Indie-Erfolg „American Mary“ mutete die Wahl der WWE-Studios als neue Produktionsheimat etwas seltsam an und bei Kanes „See No Evil 2“ ging die Rechnung auch noch nicht auf. Bei „Vendetta“ sieht das nun aber deutlich besser aus. Wirkt der Film zunächst etwas zu lange wie ein x-beliebiger Knast-Actioner mit Rache-Thematik, entwickelt „Vendetta“ bald einen ganz eigenen, sehr interessanten Flow, der aus Tätern Opfer und aus Opfern Täter macht und damit für Spannung sorgt. Das ist nicht immer logisch und auch so manche Story-Entwicklung ist nicht sonderlich plausibel, aber das Konstrukt funktioniert dennoch. Neben Dean Cain und The Big Show ist es vor allem Michael Eklund („The Marine 3“) als schmierig durchtriebener Knastdirektor, der die Story überzeugend am Leben hält. Ein weiteres Highlight ist der treibende Soundtrack der Newton Brothers, die dem Film beständig ein mächtiges, basslastiges Grundfundament auf den Weg mitgeben und den optisch leider etwas billig wirkenden Film deutlich aufwerten. Für Actionfans nicht uninteressant ist die gut über den Film verteilte Actiondichte, die sich in teils sehr brutalen Gewalteinlagen entlädt. Diese ist, bis auf eine CGI-Schrotgewehr-Einlage, handgemacht und immer überzeugend in Szene gesetzt.

Über eine deutsche VÖ ist mir bisher nichts bekannt. In Großbritannien existiert eine DVD von Lionsgate, die den Film uncut mit einer Freigabe ab 18 enthält und auch ein paar Extras mitliefert.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Lionsgate__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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