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Vigilante Diaries

Originaltitel: Vigilante Diaries__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Christian Sesma__Darsteller: Jason Mewes, Quinton ‘Rampage’ Jackson, Paul Sloan, Kevin L. Walker, Michael Jai White, Michael Madsen, Mike Hatton, James Russo, Arman Nshanian, Danny Trejo u.a.
Vigilante Diaries

Michael Jai White und Michael Madsen beehren “Vigilante Diaries” mit ihrer Gegenwart.

“Vigilante Diaries” basiert auf der gleichnamigen, zu weiten Teilen mittels Crowdfunding finanzierten Webserie. Die lief zwar nur eine Staffel lang, war aber erfolgreich genug, um eine Spielfilm-Version der Handlung auf den Weg zu schicken. Die erzählt nun folgende Geschichte:

Eines schönen Tages sprengt ein gewaltiger Kerl einen armenischen Waffenschieberring. Dabei wird er von dem verkappten Filmemacher Mike Hanover gefilmt, der den brachialen Einsatz des riesigen Kerls viral gehen lässt und damit den Vigilante erschafft. Eine Art Superheld, der unsere Welt zu einem besseren Ort macht. Fortan begleitet Mike den Vigilante bei dessen Einsätzen, bis dieser eines Tages in eine Falle läuft.

Ein mexikanisches Kartell setzt den Vigilante fest und ist nur zu gerne bereit, ihn für ein erkleckliches Sümmchen an jeden auszuliefern, der eine Rechnung mit ihm offen hat. Wenig überraschend meldet sich ein armenischer Lump als erstes, denn der Vigilante killte beim Ausheben des armenischen Waffenschieberringes dessen jüngeren Bruder.

Doch bevor Vigilante ausgeliefert werden kann, wird er von ein paar Söldnern und seinem Sidekick „The Kid“ befreit. Natürlich macht der armenische Lump weiterhin verbissen Jagd auf den Vigilante. Als er dessen Frau Jade und damit auch deren ungeborenes Baby entführt, dreht der Vigilante erst so richtig auf. Bei seinem brachialen Feldzug entgeht dem Vigilante aber, dass da im Hintergrund ein viel größeres Ding am Köcheln ist…

„Vigilante Diaries“ erzählt seine eigentlich simple Geschichte ein wenig zu kompliziert. In Kapitel aufgeteilt wird wild in der Erzählzeit vor- und zurückgesprungen, was es vor allem zu Beginn sehr schwer macht, zu erkennen, wer da nun wie und warum mit wem zusammenhängt. Am Ende bleiben dann auch diverse Fragezeichen über dem Kopf des Zuschauers bestehen. Doch das ist gar nicht mal so schlimm. Denn der Film holpert dank seines flotten Tempos über diverse derartige Probleme einfach hinweg.

Schlimmer ist derweil, dass die verschiedenen Storystränge niemals so recht zusammenfinden. Wie zum Beispiel die sehr persönlich angelegte Rachegeschichte um den Armenier und den Vigilante mit dem die ganze Welt bedrohenden Plan eines weiteren Bäddies im großen Showdown zusammenhängt, erschließt sich nicht wirklich. So wirken manche Storyteile einfach nur wie dran gepappt und machen dramaturgisch meist keinen rechten Sinn. Konfusion ist die Folge. Und diese stellt der Spannungskurve ordentlich ein Bein…

Vigilante Diaries

Michael Jai White ballert sich durch eine Plansequenz.

Doch „Vigilante Diaries“ versucht mit anderen Qualitäten von diesen Problemherden abzulenken. Was dabei sofort ins Auge fällt, ist die wertige Inszenierung. Farbsatte Bilder, flotte Kamerafahrten, coole Karren, stampfende Beats und internationale Schauplätze machen Laune und heben den Film weit über den aktuellen Genre-Durchschnitt.

Zudem macht der Film in flotter Folge Action. Steigt direkt mit einer feinen Plansequenz rund um Michael Jai Whites („The Fighters 3: No Surrender“) Charakter ein und punktet sowohl mit aufwändigeren Actionmomenten als auch mit einer äußerst dynamischen Kamera. Leider fallen schon in dieser Szene die CGI-Mündungsfeuer und diverse CGI-Blutspritzer negativ ins Auge. Hinzu kommt, dass die Ballereien jedweden Impact vermissen lassen. Es kommt einfach kein rechter Druck auf. Und die Umgebung wird bei dem Geballer sowieso wieder nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Vigilante Diaries

Michael Madsen gibt eine Art Erzähler.

Diese Probleme ziehen sich durch alle Ballereien. Diese wirken alle ein wenig hüftsteif und lahm. Zumindest versucht man ihnen mittels CGI-Wunden ein paar harschere Momente zu verschaffen. Dagegen machen die physischen Konfrontationen richtig Spaß. Hier begleitet die Kamera jeden kraftvolleren Move mit einem Schwenk oder einer rasanten Kamerafahrt. In der Folge haben die Keilereien richtig Druck und hätte man einen geilen Choreografen an Bord gehabt, wären sie noch größere Schmuckstücke geworden. So ragen sie aus der Action zumindest heraus.

Eine ziemliche Enttäuschung ist eine Autoverfolgungsjagd gegen Ende des Filmes. Der sieht man das geringe Tempo, mit dem die Karren wirklich fahren, immer an. Einige Upspeeding-Versuche geraten förmlich lachhaft. Und spektakuläre Momente (Überschläge, Auffahrunfälle) hat es leider auch keine. Genauso verquast sind leider die beiden unmittelbar aufeinanderfolgenden Showdowns. Während der Vigilante im ersten noch einige Lumpen umhauen darf und ein scharfer Catfight zwischen zwei heißen, sehr leicht bekleideten Damen wirklich fetzt, darf der Held sich im zweiten nur noch den Arm brechen lassen. Und schlimmer noch: In beiden Finalen darf er den jeweiligen Bäddie nicht killen! Er gerät nicht einmal wirklich mit ihnen aneinander. Es scheint, als schielte man hier überdeutlich in Richtung Fortsetzung. So richtig befriedigen kann den Zuschauer selbst diese Aussicht nicht. Der hätte lieber zwei geile Fights mit brutalen Finishern gesehen.

Das Potential war da, immerhin wird einer der Bäddies von Michael Jai White gegeben. Der hat zu Beginn zwar die coole Plansequenz auf der Habenseite, wird ansonsten actionseitig aber total verschenkt. Und insgesamt ist seine Rolle auch alles andere als groß ausgefallen. Das gilt auch für Michael Madsen („The Hateful 8“), der wie eine Art Erzähler die Handlung des Filmes einklammert und zudem mit dem Vigilante eine gemeinsame Vergangenheit hat, ohne dass so wirklich erkennbar wäre, wie die beiden nun eigentlich zueinander stehen.

Vigilante Diaries

Paul Sloan gibt einen wenig charismatischen Helden.

Ein paar witzige Momente hat Jason Mewes („The Night Crew“) als Dampfplauderer Mike Hanover. Und Quinton ‘Rampage’ Jackson („Fire with Fire“) hat mit einer Bombenentschärfung den größten Lacher auf seiner Seite. In der Action darf der wuchtige Mime aber nicht viel zeigen. Das macht vor allem Paul Sloan („Stiletto“) als Vigilante, der zumindest physisch sehr präsent rüberkommt und in der Action eine ganz nette Figur macht, insgesamt aber wenig Charisma als Held der Chose zu versprühen vermag. In einem Cameo ist auch Danny Trejo („3 Headed Shark Attack“) am Start und wiederholt seine Barkeeperrolle aus „From Dusk Till Dawn“. Die weibliche Besetzung des Streifens weiß durch die Bank sehr gut zu gefallen. Hier hat Regisseur Christian Sesma („AWOL-72“ aka „Fahnenflüchtig“) ein wirklich gutes Auge bewiesen und setzt die Frauenriege durchweg ziemlich sexy in Szene.

Was am Ende bleibt, ist ein in erzählerischer Hinsicht verquaster Actioner. Das Drehbuch hätte man gerne deutlich geradliniger und auch logischer aufbauen und die Dynamik zwischen den Figuren schlüssiger anlegen dürfen. In der jetzigen Form geht leider nicht viel zusammen bei den „Vigilante Diaries“. Das nette Tempo, die häufig aufkommende Action, ein paar witzige Momente, ein spielfreudiges Ensemble und die äußerst wertige technische Umsetzung retten den Film allerdings über diverse Unebenheiten hinweg. Hätte man dann die Action allgemein auf dem Niveau abgefeuert, wie die Keilereien umgesetzt wurden, „Vigilante Diaries“ hätte richtig gut rocken können. Doch leider sorgen die Inkonsequenzen in den beiden Showdowns, die gurkige Autoverfolgungsjagd und die CGI-verseuchten Ballereien für weitere Enttäuschungen. So ist „Vigilante Diaries“ bei weitem nicht komplett missglückt, ein richtiger Kracher sieht allerdings auch ganz anders aus.

5 von 10

In UK erschien eine ab 15 freigegebene, ungeschnittene DVD von dem Label Altitude. Eine Blu-ray erschien in den USA. In Deutschland hat sich Tiberius Film / Sunfilm des Filmes angenommen und veröffentlicht ihn uncut mit einer FSK 18 Freigabe auf DVD und Blu-ray. In deutschen Landen heißt der Film “L.A. Outlaws – Die Gesetzlosen”.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Altitude__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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