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War

Originaltitel: War__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Philip G. Atwell__Darsteller: Jet Li, Jason Statham, John Lone, Devon Aoki, Luis Guzmán, Saul Rubinek, Ryô Ishibashi, Sung Kang, Mathew St. Patrick, Nadine Velazquez, Andrea Roth, Mark Cheng u.a.
War

Jason Statham jagt Jet Li in der Actionbombe “War”

Gut ist es um das traditionelle Actionkino nicht bestellt in unseren Tagen: Inmitten überteuerter und CGI-überfrachteter Mammut-Blockbuster, am Rechenknecht zusammengeschusterter PG-13-Ware und einer nicht enden wollenden Welle von Comic- und Videogame-Adaptionen hat sich der gute alte Actionfilm denkbar rar gemacht. Geht hin und wieder eine Produktion immerhin das Risiko eines R-Ratings ein und serviert Haudruff-Krawall der härteren Gangart, so rekrutiert sich das Angebot überwiegend wahlweise aus hippen, modern aufgezogenen Highspeed-Filmen wie „Crank“ oder „Shoot Em Up“, wenngleich letzterer auch mit Referenzen an die Klassiker eines John Woo aufwarten konnte, oder stellt auf gewalttätigerem Ausgangsmaterial basierende Comic- und Videogameware dar, wie es beispielsweise die „Resident Evil“-Filme oder das letztjährige stylishe Leinwanddebüt des „Hitman“ präsentierten.

Klassische Action im Geiste der 80er- und 90er-Jahre findet darunter nur noch allzu selten ihren Platz, neben der liebevollen Nostalgie-Hommage „The Marine“ war es 2007 vor allem der formidable Sniper-Kracher „Shooter“ des Genrekönners Antoine Fuqua, der vorexerzierte, wie die konsequente Transferierung alter Tugenden in modernes Post-Millenniums-Gewand auszusehen hat. Mit dem ursprünglich als „Rogue“ angekündigten und in diversen Ländern als „Rogue Assassin“ releasten „War“ geht dieses Jahr endlich ein weiterer gelungener Vertreter dieser Zunft an den Start, der es in Deutschland unverständlicherweise lediglich zu einer direct-to-DVD-Premiere brachte, kann er doch in den Hauptrollen mit einem wahrhaft namhaften Duell der Giganten aufwarten:

Im Regiedebüt von Philipp G. Atwell treffen keine geringeren als Jet Li und Jason Statham als erbitterte Antagonisten aufeinander. Zwar war Statham Li schon 2001 in James Wongs insgesamt enttäuschender PG-13-Sci-Fi „The One“ als zwischen Paralleluniversen umherspringender Cop auf den Versen, damals hauptsächlich aus den Guy-Ritchie-Knallern „Bube, Dame, König und GrAs“ und „Snatch“ bekannt allerdings noch nicht mit dem Status eines ebenbürtigen Genrehelden versehen und folglich in eher kleiner Rolle untergebracht.

Anno 2008 hat sich das geändert: Während Dwayne „The Rock“ Johnson sich nur noch in Komödien und Familienproduktionen verheizen lässt und auch Konkurrent Vin Diesel länger nichts mehr von sich hören ließ und allenfalls auf ein Genrecomeback in Mathieu Kassovitz’ „Babylon A.D.“ hoffen kann, ist der charismatische Brite der einzige, der sich nicht nur einen beachtlichen Ruf als Actiondarsteller aufbauen konnte, sondern selbigem auch in zahlreichen Genreproduktionen treu bleibt und nicht in erster Linie auf dem DTV-Markt, sondern der großen Leinwand zu bewundern ist, wo ihm die „Transporter“-Reihe, der in Kürze fortgesetzte „Crank“ oder demnächst das „Frankensteins Todesrennen“-Remake „Death Race“ erfolgreiche Präsenz sichern. Nur für den Home Entertainment- Mark releaste Streifen wie „Chaos“ bilden die Ausnahme, auch „War“ feierte in den USA auf der großen Leinwand Premiere. Warum den Film in Deutschland das „Lucky Number Slevin“-Schicksal ereilte und trotz Starbesetzung kein Kinostart drin war, bleibt schleierhaft.

Zumal mit Jet Li ein mehr als zugkräftiger Überstar an Bord ist: Zwar cancelte man vor knapp zwei Jahren bereits unverdienterweise das Lichtspielhaus-Release des schlicht meisterlichen Hongkong-Epos „Fearless“, neben „Hero“ waren jedoch zumindest seine europäischen und US-Produktionen, zuletzt beispielsweise „Unleashed“ und „Born 2 Die“, stets auf der großen Leinwand zu bewundern gewesen. Und mit „War“ legt der momentan zweigleisig fahrende Li, der Hongkong-Produktionen wie „The Warlords“ gleichermaßen beehrt wie US-Streifen à la „Die Mumie 3“, seinen vielleicht besten Auftritt der West-Filmografie hin: „Romeo Must Die“ und „Kiss of the Dragon“ waren spaßig, „The One“ und „Born 2 Die“ eine Enttäuschung, „Unleashed“ solider Durchschnitt, die Performance der „Once Upon A Time in China“-Legende in Atwells „War“ als eiskalter, legendärer Profikiller stellt zweifellos ein neues Highlight dar.

Vor drei Jahren ermordete die Hitman-Legende Rogue (Jet Li) den Partner (Terry Chen) des FBI-Agenten Jack Crawford (Jason Statham) samt Familie. Nun mehren sich die Anzeichen, dass der dank zahlreicher Gesichtsoperationen einem Phantom gleichende Contract Killer in eine aufflammende Fehde der Triaden und Yakuza-Kartelle von San Franciso verwickelt ist. Während die verfeindeten asiatischen Gangsterbosse die Küstenmetropole in einen Kriegsschauplatz verwandeln, sieht Crawford die Zeit für seine Rache gekommen – doch Rogue spielt ein undurchschaubares Spiel, in dem nicht einmal seine Auftraggeber ihres Lebens sicher sein können…

In Sachen Story erfindet „War“ das Rad mit Sicherheit nicht neu, was ihm aber weniger als Nachteil denn nostalgischer Pluspunkt angerechnet werden sollte: Schließlich lieferte in den 80ern und 90ern kaum etwas so schöne Genreplots wie Unterwelt-Kriege der Triaden und Yakuza und das Revenge-Motiv der Handlung komplettiert das wunderbare Retro-Vergnügen – das sich wie schon bei „Shooter“ jedoch keineswegs in bewusst altmodischer Vergangenheits-Hommage manifestiert, sondern ganz im Gegenteil so hip, stylish und modern daherkommt, wie es sich für einen Actionfilm von heute gehört. Die (fast) perfekte Symbiose alter Tugenden mit chicem Up-to-Date-Gewand ist bei „War“ beispiellos geglückt, sodass dem kurzweiligen Entertainment nichts mehr im Wege steht.

Die Handlung gestaltet sich nicht über die Maßen komplex, erschöpft sich aber auch nicht in einem billigen Alibiplot, der in den ersten fünf Minuten bereits erzählt ist, sondern präsentiert dem Zuschauer ein unterhaltsames Crime-Verwirrspiel aus der San Franciscoer Asia-Unterwelt, in dem Protagonist Rogue fast im Minutentakt die Seiten zu wechseln scheint, sodass man nie weiß, woran man bei dem stilvollen, wortkargen Martial-Arts-Hitman gerade ist. Die netten Wendungen kulminieren am Ende schließlich in einem wirklich gelungenen Story-Twist, der Rogues Identität auf hübsch verblüffende Weise lüftet und dem finalen Duell zwischen Li und Statham einen ganz anderen Background verleiht.

Selbiges kämpferisches Zusammentreffen beschränkt sich auch tatsächlich auf den Showdown, denn zuvor werden – abgesehen von einer glasbruchintensiven Fußverfolgungsjagd über Hausdächer – Konfrontationen der Hauptdarsteller ausgespart und sich lieber darauf konzentriert, wie Li es schafft, dass sich die Gangsterhorden oder Yakuza und Triaden gegenseitig abschlachten. Stathams Cop ist da vom Actionstandpunkt her lange etwas unterbeschäftigt, lässt sich von Rogue an der Nase herumführen, sinnt seinen Rachegedanken nach und schnüffelt den Unterwelt-Geschäften der verfeindeten Organisationen hinterher, in denen gestohlene Luxuskarossen genauso wie wertvolle Pferdestatuen eine wichtige Rolle spielen.

Philipp G. Atwells Inszenierung der Chose gestaltet sich dabei als sensationeller Style-Overkill, der schillernde Hochglanzoptik mit teuflisch chicen Slow-Motion-Shots, einem coolen Soundtrack und jeder Menge dekorativer Bildinhalte kombiniert: Schicke Sportwagen, nackte Mädels und schillernde Locations kommen in perfekt getimtem Schnittgewitter zur Geltung, das sich lediglich auf die Actionszenen negativ auswirkt.

Zwar engagierte man mit Hongkong-Legende Corey Yuen einen fähigen und dank der Coregie bei den beiden „Transporter“-Filmen auch bestens mit Statham vertrauten Martial-Arts-Choreografen, in der teils hektischen Inszenierung können einige Actionsequenzen aber leider nicht ihre volle Wirkung entfalten. Einen Kampfkunst-Overkill sollte man von „War“ des Weiteren ebenfalls nicht erwarten: Während Statham nur sehr vereinzelt Transportersche Skills auspacken muss, um sich der Gegnerhorden und im Showdown-Duell schließlich Rogue zu erwehren, bekommt auch Li nicht im Übermaß Gelegenheit, seine Martial-Arts-Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ist es einmal soweit, ist es jedoch wie gewohnt ein Fest, dem Meister beim Austeilen zuzusehen.

Vielmehr aber konzentriert sich „War“ auf eine ausgewogene Mischung aus allen Angeboten der gängigen Actionpalette, wechselt Shootouts mit Explosionen, Auto- und Motorradjagden mit reichlich Swordplay ab. Neben dem Variantenreichtum ist es vor allem die erfrischend kompromisslose Härte, die den nicht immer optimalen Schnitt kompensiert: Ohne je zum selbstzweckhaften Splatterfest zu werden, geht es in „War“ hübsch grausam und brutal zur Sache, werden Köpfe und sonstige Extremitäten abgehackt, Leute durchbohrt und mit Samuraischwertern zersäbelt oder wahlweise blutigen Headshots niedergestreckt. Dass hier wirklich keine der involvierten Seiten mit fairen Mitteln kämpft, mitten in Martial-Arts-Fights kurzerhand in „Raiders of the Lost Arc“-Manier Schwertkämpfer mit Pistolen über den Jordan geschickt werden, sobald einer der Beteiligten eine Schusswaffe in die Hand kriegt, macht den zu Recht ein R-Rating tragenden Streifen umso spaßiger.

Schauspielerisch gibt es freilich keinen Grund zur Klage: Während mit Devon Aoki („DOA – Dead or Alive“) als Yakuza-Tochter noch ein bekanntes Gesicht in einer Nebenrolle zu sehen ist, gehört die Bühne ansonsten voll und ganz Li und Statham, die das Geschehen famos zu tragen vermögen. Li transportiert mit Minimalmimik eine souveräne Badguy-Performance (allein eine Szene gegen Anfang, in der er in einem Club aufräumt, ist grandios) und Statham zeigt einmal mehr, dass er die coolste Sau unter der Sonne und der fähigste Mann ist, den das aktuelle Hollywoodsche Actionstar-Aufgebot zu bieten hat.

Fazit: Das Aufeinandertreffen der Actionikonen Jet Li und Jason Statham erweist sich als wundervoller, traditioneller Actionthriller, der Oldschool-Tugenden bravourös mit stylisher, moderner Inszenierung verbindet. Sicherlich ist die Story über weite Strecken nicht neu, wenngleich sie mit einem überaus gelungenen Twist gegen Ende aufzuwarten vermag, und auch die Actionszenen weisen teils inszenatorische Schwächen auf, können dank Abwechslungsreichtum und erfrischender Härte den Genrefan aber dennoch voll und ganz überzeugen. Ein famoses Fest und der beste Oldschool-Update-Streifen seit „Shooter“.

© Ed Hunter



Die Begegnung Jason Statham vs. Jet Li verspricht uns “WAR”. Doch nach dem Fastdebakel “Chaos”, welcher die Begegnung Jason Statham vs. Wesley Snipes versprach und sich schlussendlich als totaler Ryan Phillippe-Film entpuppte, war ich dementsprechend vorsichtig.

Inhalt:
Der Partner des FBI-Agenten Jack Crawford wurde samt seiner Familie bei einem brutalen Attentat ermordet. Der hinterhältige Anschlag geht auf das Konto des Auftragskillers Rogue. Der hitzköpfige Crawford setzt nun alles daran, den Killer zu fassen. Während er sich förmlich in den Fall verbeißt, treibt ihn der gerissene Killer immer weiter in neue, gefährliche Situationen. Und je näher Crawford Rogue kommt, desto raffinierter und brutaler werden dessen Methoden. Zwischen dem zu allem entschlossenen FBI-Agenten und dem eiskalten Attentäter entwickelt sich eine mörderische Hetzjagd, die keine Gnade kennt.

Statham auf Rachemodus und Jet Li als Bad Guy – beste Ausgangslage für einen richtigen Kracher also. Und mit einer Spieldauer von 98 Minuten sollte “War” eigentlich ein richtig knackiger Actionfilm sein. Über die ernüchternden Kritiken im WWW sah ich hinweg und freute mich sehr auf den Release von “War”.

Ernüchterung im wahrsten Sinne. Startet “War” ziemlich furios und ist die Ausgangslage der Geschichte nach 9 guten Spielminuten schon gegeben, geht’s bergab. Zwar wird der Film nie ganz langweilig – bleibt jedoch weit davon entfernt, ein richtig guter Actionfilm zu sein.

Jason Statham macht eigentlich keinen großen Fehler und gibt sein Bestes. Als leichter Fan von ihm (ich oute mich als Crank- und Transporter-Liebhaber) frage ich mich, ob vielleicht nur spezielle Rollen wie die des schweigsamen Transporters oder eben des adrenalinausstoßenden Killers (nicht zu vergessen den psychopathischen Torhüter in “Mean Machine“) die einzigen Rollen sind, in denen Statham und seine Fähigkeiten wirklich aufblühen können.

Jet Lis Auftritt kann als leichte Enttäuschung angesehen werden. Obwohl ein harter Killer, darf Li viel zu wenig richtig vom Tresen ziehen und mal ein wenig Wushu auspacken. Es wirkt, als ob Li seine Rolle aus Lethal Weapon 4 irgendwie fortsetzt – ein absolut wortkarger Killer mit stets leicht lächelndem Blick.

Auf das erwartete Aufeinandertreffen der beiden Actiontitanen Statham und Li darf der Zuschauer dann auch lange warten…
… und wird brutal enttäuscht werden. Denn Regisseur Philip G. Atwell hat es versäumt, die Fightszenen richtig gut darzustellen. Ein schnelles und wirres Gekicke, Geschlage, Gestoße und Geballere ist das Resultat und wirkt alles andere als wirklich ansehnlich. Ganz großes Minus!

Positives gibt’s jedoch auch bei diesem Werk. Es wird dem Zuschauer nicht wirklich langweilig – immer passiert irgendwas. Coole Autos kommen vor, coole Kleider, zwei coole Darsteller – und als wirklich gelungen darf man den Storyturn bezeichnen, der sich im letzten Drittel des Films vollzieht. Da gibt’s doch noch eine nette Überraschung.

Fazit: Viel zu durchschnittlich und unspektakulär – hier wurde eine weitere Riesengelegenheit für ein legendäres Aufeinandertreffen zweier Actionhelden ausgelassen. Freue ich mich doch lieber auf “Crank 2” und “The Transporter 3“.

Die deutsche DVD/Blu Ray kommt von Constantin Film, hat eine bestechende Bild- und Tonqualität zu bieten und ist mit einer großzügigen FSK 18 Freigabe dankenswerterweise uncut.

© DomPatHug

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Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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