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Warrior

Originaltitel: Warrior__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Gavin O’Connor__Darsteller: Joel Edgerton, Tom Hardy, Nick Nolte, Jennifer Morrison, Frank Grillo, Kevin Dunn, Maximiliano Hernández, Bryan Callen, Sam Sheridan, Fernando Chien, Jake McLaughlin, Vanessa Martinez, Noah Emmerich u.a.
Warrior

Mixed-Martial-Arts-Drama um zwei ungleiche Brüder: Gavin O’Connors „Warrior“

Freut das Feuilleton sich bei angeblichen Hochkulturverwurstungen von angeblichen B-Film-Sujets einen Ast, dann ist nicht selten Vorsicht geboten, doch Gavin O’Connors „Warrior“ ist tatsächlich ein gelungenes MMA-Drama auch für all jene, die sonst weniger mit Kampfkunstfilmen am Hut haben.

Pittsburgh, eine Arbeiterstadt in einer Zeit, als der Arbeiter ausstirbt. Hierhin kehrt der Ex-Soldat Tommy Conlon (Tom Hardy) aus dem Irakkrieg zurück, zu seinem früher alkoholkranken Vater Paddy (Nick Nolte), der er vor 14 Jahren mit der todkranken Mutter verließ. Wirklich wiedersehen will er den Vater nicht, stattdessen soll dieser ihm beim Training für ein hochdotiertes MMA-Turnier helfen. Geradezu zornig fordert der Sohn diese Hilfe von seinem Vater ein, als wäre es eine zu begleichende Schuld für damaliges Fehlverhalten, während die eigene Vergangenheit und das Zwischenmenschliche tabu bleiben sollen.

Tommys Bruder ist Brendan (Joel Edgerton), der sich auch vom Vater losgesagt hat, damals allerdings nicht mit Tommy floh, da er seine Jugendliebe Tess (Jennifer Morisson) nicht zurücklassen wollte. Brendan schlägt sich mehr schlecht als recht durch in seinem Beruf als Lehrer durch, liebt seine (mittlerweile Ehe-)Frau Tess und seine kranke Tochter sehr. Arbeiter, Soldaten, Lehrer – sie alle sind unterbezahlte, ausgebrannte Auslaufmodelle in Gavin O’Connors hemdsärmeligem Working-Class-Drama.

Brendan war früher ebenfalls MMA-Fighter und als die Arztkosten und die Hypothek fürs Haus zu sehr ins Geld fallen, bessert er die Haushaltskasse mit Kämpfen auf. Auch sein Ziel ist bald das Sparta genannte Turnier, auf das auch sein Bruder hinarbeitet…

Warrior

Tommy Conlon (Tom Hardy) trainiert mit Vater Paddy (Nick Nolte)

Schauspielerkino der etwas anderen Sorte: Hier sind die Hauptdarsteller mimisch wie körperlich gefordert. Vor allem Tom Hardy („The Dark Knight Rises“) gelingt der Spagat zwischen beeindruckender Physis und überzeugender Darstellung des innerlich getriebenen Draufgängers mit emotionalem Ballast, den er nicht offenbaren will, sehr eingängig, stets zwischen Verschlossenheit und unkontrollierter Aggression schwankend. Dagegen ist Joel Edgerton („Zero Dark Thirty“) rollenbedingt der zurückhaltendere Typ, das Gegengewicht zu dem aufbrausenden Filmbruder, offener und zivilisierter, aber nicht uninteressanter. Nick Nolte („Gangster Squad“) ist als Support eine gelungene Ergänzung – böse Zungen könnten sagen, dass er aufgrund der Nähe zu seiner Rolle, was den Alkkonsum angeht, dies so gut schafft. Nebenrollenveteranen wie Frank Grillo („The Grey“, „Captain America: The Winter Soldier“) und Kevin Dunn („Transformers“-Reihe, „Fire with Fire“) setzen noch kleinere Akzente, stehen aber wie der Rest des Ensembles hinter den drei Hauptdarstellern klar zurück.

Tatsächlich punktet „Warrior“ als von Klischees nicht freies, aber eingängiges Drama, das verschiedene Lebens- und Männlichkeitsentwürfe aufeinander prallen lässt, während die gemeinsame wie eigene Vergangenheit der Figuren stets über alledem thront, manches wird erklärt, anderes bleibt der eigenen Interpretation überlassen – doch all das ist stets ausbalanciert, erklärt alle Beteiligten zu beschädigten, aber weder unsympathischen noch unnachvollziehbaren Figuren. Ein Befreiungsschlag ist es dann, wenn die beiden Brüder sich am Ende zum ersten Mal wirklich aussprechen, emotional inszeniert und gleichzeitig doch frei von Kitsch.

Warrior

Tommy und Brendan (Joel Edgerton) treffen im Ring aufeinander

Bei den Nebenfiguren, vor allem wenn während des Sparta-Events kräftig auf jubelnde Gattinnen daheim usw. geschnitten wird, trägt der Film etwas dick auf, auch die Auflösung des Konflikts folgt gewohnten Hollywoodmustern und eines ist am Ende klar: Trotz seiner Drama-Komponente und der Besetzung gehorcht auch „Warrior“ dramaturgisch den gleichen Regeln wie unzählige artverwandte B-Pictures. Das ist nicht kein schlimmes Vergehen, zeigt aber auch, dass die Beurteilung oft von der Verpackung (Regie, Besetzung) abhängt, denn de facto sind die Unterschiede zwischen „Warrior“ und Isaac Florentines „Undisputed“-Sequels eher gradueller Natur: Bei O’Connor gibt es etwas mehr Drama, bei Florentine etwas mehr Action, aber beides ist in allen Filmen vorhanden und wird mit dem nötigen Ernst behandelt.

Das ist auch erfreulich so, denn gerade in der zweiten Hälfte kann „Warrior“ mit ebenso dynamischen wie realistischen MMA-Matches aufwarten, die auch zeigen, was die Actionszenen gelungener Kampfsportfilme leisten können: Der Stil der Kämpfer sagt viel über ihr Seelenleben aus, Tommys unbändige Frontalattacken mit oft blitzschnellen Knockouts werden mit Brendans überlegtem, taktischen Gefighte kontrastiert, schick inszeniert und spektakulär choreographiert sind aber beide Sorten von Matches. Eine obligatorische Trainingsmontage gibt es in der Filmmitte auch, die dank des pfiffigen Splitscreen-Einsatzes echten Pep hat und so die Genreregeln befolgt, sie aber gleichzeitig auf frische Weise optisch aufpoliert präsentiert.

Gelegentlich trägt Gavin O’Connors MMA-Drama zwar etwas dick auf, gerade wenn Brendan sich mit mannigfaltigen Problemen (Geld, die Unverträglichkeit von Lehrerjob und Fighternebenverdienst, Sorge der Ehefrau) herumschlagen muss, und im Grunde befolgt auch die gehobene Variante den gleichen Regeln wie die B-Pictures des Genres, aber was soll’s: „Warrior“ ist ein grandios gespielter Vertreter seiner Zunft, wuchtig und dynamisch in den von J.J. Perry („Homefront“, „Best of the Best 3“) choreographierten Fights und im Main-Event so mitreißend, dass die Schwächen des Films kaum ins Gewicht fallen.

Der Film ist hierzulande bei Universum Film auf DVD und Blu-Ray erschienen. Neben sehr guter Bild- und Tonqualität überzeugt die Veröffentlichung mit interessantem Bonusmaterial, darunter ein Audiokommentar, eine entfallene Szene und Making Ofs.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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