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Werwolf – Das Grauen lebt unter uns

„Werwolf – Das Grauen lebt unter uns“ war ursprünglich mal als Sequel für „The Wolfman“ von 2010 gedacht, wurde nach dessen Flop jedoch zum eigenständigen Direct-to-Video-Film unter der Regie von Louis Morneau. In diesem Mix aus Horror, Fantasy und Action will eine erfahrene Jägertruppe einen Werwolf zur Strecke bringen, der eine Dorfgemeinschaft terrorisiert.

Originaltitel: Werewolf: The Beast Among Us__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Louis Morneau__Darsteller: Ed Quinn, Stephen Rea, Guy Wilson, Nia Peeples, Rachel DiPillo, Adam Croasdell, Ana Ularu, Steven Bauer, Florin Piersic Jr., Emil Hostina, Radu Iacoban, Dan Badarau, Robert Freeman u.a.
Werwolf - Das Grauen lebt unter uns

In “Werwolf” von Louis Morneau begibt sich ein Jägertrupp auf eine actionreiche Werwolfhatz

Joe Johnstons Neuverfilmung von „The Wolfman“ wurde für Universal zum bösen Kassenflop, doch das Studio setzte sein klassisches Filmmonster nur zwei Jahre später im Direct-to-Video-Bereich ein, in „Werwolf – Das Grauen lebt unter uns“ , entwickelt aus der ursprünglichen Idee zu einem Sequel für den 2010er Film.

Im Fall von „Werwolf“ ging man weg vom klassischen Horror, zäumte das Ganze deutlich krawalliger auf und beauftragte den actionerfahrenen Louis Morneau („Retroactive“) mit der Regie. So geht es auch schon in der Auftaktsequenz ordentlich rund, wenn eine einsame Maid im Rotkäppchen-Look durch den Wald hetzt, vergeblich an die Tür einer Hütte klopft, in der sich ein Paar nebst Sohn verbarrikadiert hat – und sich dann selbst als Werwölfin erweist, welche die Eltern verhackstückt, ehe sie von dem Jungen ihrerseits zur Strecke gebracht wird. Das knallt theoretisch schon ganz gut, lässt allerdings leider schon den hakeligen Schnitt erahnen, was leider kein allzu gutes Omen für den folgenden Film bedeutet.

25 Jahre später ist Charles (Ed Quinn), der Junge aus der Auftaktszene, ein gestandener Mann und gefürchteter Werwolfjäger, der mit seiner Crew durch das 19. Jahrhundert zieht und die Biester zur Strecke bringt. Obwohl in der Vergangenheit angesiedelt, ist „Werwolf“ einer jener seltenen Werwolf-Filme, in denen gar nicht groß über nächtliche Attacken und den Täter gerätselt wird, sondern die mörderischen Lykanthropen und ihr Vorgehen Allgemeinwissen sind. Also heuert eine werwolfgeplagte Dorfgemeinschaft Charles und seine Crew an, als ein besonders biestiger Vertreter seiner Gattung dort für ordentliche Hackepeter sorgt. In Erweiterung der klassischen Werwolfmythen handelt es sich um ein besonderes Exemplar, das nicht nur in den Vollmondnacht, sondern auch den Nächten davor und danach aktiv wird und irgendwann vielleicht sogar lernen könnte, sich einfach nach eigenem Wunsch und Willen zu verwandeln.

Vor Ort bekommt die Jägertruppe Unterstützung von dem jungen Daniel (Guy Wilson), der sonst Gehilfe des ortsansässigen Arztes (Stephen Rea) ist. Doch der Werwolf erweist sich nicht nur als gerissen, schnell keimt auch der Verdacht auf, dass einer der Dorfbewohner die Bestie ist, die unerkannt unter den Menschen lebt…

Werwolf - Das Grauen lebt unter uns

Stefan (Adam Croasdell) und Charles (Ed Quinn) wollen den Lykranthropen zur Strecke bringen

In vielen großen Werwolf-Filmen geht es um einen Protagonisten, der gebissen wird und dann mit seinen Trieben zu kämpfen hat, von „Der Wolfsmensch“ über „American Werewolf“ bis „Ginger Snaps“, doch von dieser Formel wendet sich Morneaus Film ab. So ist „Werwolf“ auch eine Art Lykanthrophen-Whodunit, das leider wenig Energie in das große Rätselraten steckt. Sicher, ein paar rote Heringe werden ausgelegt, wenn der Ortsvorsteher abends komische Zuckungen zu haben scheint, Daniels Mutter Vadoma (Nia Peeples) während einer Werwolf-Attacke nicht aufzufinden ist oder der Vater von Daniels Love Interest Eva (Rachel DiPillo) morgens immer so unausgeschlafen ist. Doch all diese Nebenfiguren tauchen viel zu wenig auf, die Frage nach dem Werwolf aus den eigenen Reihen wird eigentlich erst im letzten Drittel so wirklich gestellt und dann auch vergleichsweise schnell aufgelöst. Immerhin gibt es die eine oder andere Überraschung, aber das entschädigt kaum für die zähe Anlaufphase.

Allerdings will „Werwolf“ auch mehr ein Fantasy-Actionfilm im Horrorgewand sein, denn bei den Konfrontationen zwischen Mensch und Wolf wird für Schauwerte gesorgt, auch durch das illustre Waffenarsenal der Jäger, die unter anderem mit Flammenwerfer, einer Art Gattling-Gun oder einer Gebissprothese aus Silber für den Nahkampf ins Gefecht ziehen. Es werden Fallen gestellt, während der Gegner mit Fellbezug außerordentlich schlau darin ist diese zu umgehen oder andere an seiner statt hineintappen zu lassen. Das könnte also für ordentlichen B-Movie-Rabatz sorgen, mit Morneau sitzt auch nicht die schlechteste Wahl auf dem Regiestuhl, doch leider versägen er und Cutter Mike Jackson („Joy Ride 2 – Dead Ahead“) die eine oder andere Szene im Schneideraum, wenn aus dem schweißtreibend gedachten Kampf auf Leben und Tod dann ein unübersichtliches Kuddelmuddel wird. Das ist schade, denn manche Konfrontation ist dann wieder sehenswert, etwa der Showdown, aber insgesamt ist die Qualität der Action durchwachsen.

Wobei manche Unsauberkeit vielleicht auch aus der Not geboren ist, um die titelgebende Bestie nicht zu oft und zu deutlich zeigen müssen. Wenn da ein Wolfskopf oder Wolfsarm ins Bild ragt, dann ist das noch brauchbare Prosthetic-Handarbeit, bei den CGI-animierten Ganzkörperaufnahmen des Werwolfs sieht man dagegen die Limitierungen in Sachen Effektqualität. Immerhin matscht „Werwolf“ teilweise überraschend saftig, auch wenn die Kills dann für einen Splatterfilm zu rar gesät sind, für ein eher klassisches Horrorstück zu wenig Spannung aufbauen, zumal eh oft nur Kanonenfutter dahingemetzelt wird. Aber selbst der Tod der einen oder anderen wichtigen Figur geschieht extrem beiläufig, sodass der Überlebenskampf wenig Dramatik hat.

Werwolf - Das Grauen lebt unter uns

Kazia (Ana Ularu) führt eine der Waffen aus dem illustren Arsenal der Jäger vor

Schade auch, dass „Werwolf“ Zeit mit dem Anreißen diverser Subplots verplempert, die danach keine Rolle mehr spielen. Charles‘ dramatische Hintergrundgeschichte, die Missbilligung der Liebe von Daniel und Eva durch ihren Vater oder ein kurzer Anflug von Eifersuchtsgeschichte – all das ist mehr als reine Hintergrundinfo, wird aber auch nicht so recht ausgearbeitet und bleibt daher eher Bremsmaterial im Werwolfplot. So ist „Werwolf“ dann mit am interessantesten, wenn er das Szenario ausmalt wie die Leute mit der Lykanthropenplage umgehen, darunter sogar die Erledigung Infizierter noch in der Praxis durch den Onkel Doktor via Kopfschuss. Gebissene werden hier übrigens nicht direkt zum Werwolf, sondern sogenannten Wurdaleks, die zwar ähnliche Gelüste, aber weniger Kraft als ein waschechter Lykanthrop haben.

Für Stephen Rea war dies hier neben „Underworld: Awakening“ direkt die zweite Begegnung mit Werwölfen im Jahr 2012, seine Rolle reißt er auch solide herunter, ist aber vor allem Veredelung eines Direct-to-Video-Films durch einen bekannteren Namen. Ed Quinn („Navy Seals vs. Zombies“) macht sich recht gut als harter Hund und potentieller Actionheld, auch wenn es dann doch nicht einmal zum B-Star reichte. Zu seiner Crew gehören Ana Ularu („Siberia – Tödliche Nähe“), Adam Croasdell („Extraction“) und ein kaum wiederzuerkennender Steven Bauer („Pit Fighter“), die noch ein paar Akzente setzen. Bestenfalls routiniert ist Guy Wilson („Swelter“) als jugendlicher Protagonist, blass Rachel DiPillo („Recovery“) als sein Gschpusi. Auch Nia Peeples („Half Past Dead“) als besorgte Mutter mit Arbeit im Puff macht eine eher unglückliche Figur.

So hätte „Werwolf – Das Grauen lebt unter uns“ eigentlich das Potential zum schmissigen B-Vorläufer des ähnlich gelagerten, ein Jahr später erschienenen „Hänsel & Gretel – Hexenjäger“ gehabt, ist dann aber doch ein eher mäßiger Mix aus Action, Horror und Fantasy. Die Suche nach der Identität des Werwolfs wird vom Drehbuch teilweise stiefmütterlich behandelt, das Budget des im Ostblock gedrehten Films ist sichtbar knapp und die Action trotz der Regie durch Louis Morneau eher durchwachsen. Schade um die guten Ansätze und einige starke Einzelpassagen.

Universal hat „Werwolf – Das Grauen lebt unter uns“ hierzulande auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben und identisch mit der amerikanischen Unrated-Fassung des Films. Das Bonusmaterial umfasst entfallene Szenen und drei Featurettes.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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