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West of Hell – Express zur Hölle

Originaltitel: West of Hell__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Michael Steves__Darsteller: Tony Todd, Michael Eklund, Lance Henriksen, Jennifer Laporte, Jill Hoiles, Jeryl Prescott, Richard Riehle, Yousef Abu-Taleb, Nick Bennett, Omono Okojie u.a.
West of Hell mit Lance Henriksen DVD Cover

Lance Henriksen gibt in “West of Hell” den Belzebub!

Ein Mann mit einem verdächtigen Gepäckstück, das in seiner Form frappierend an ein Gewehr erinnert, besteigt einen Zug nach Atlanta. Als das Stählerne Ross, das einst den Wilden Westen zu erschließen half, mühsam losrollt, bahnt sich der Mann seinen Weg durch die Waggons. Er ist auf der Suche nach den Hargraves. Eine steinreiche Familie, die den Mann und seine Angehörigen einst als Sklaven hielt. Mehr noch, sie töteten die Tochter des Mannes, der nun auf Rache sinnt.

Als er seinen Peinigern endlich gegenübersteht, tut sich ein echtes Problem auf. Die Hargraves haben einen Söldner als Bodyguard engagiert. Der wechselt gegen Bares zwar schneller die Seiten als andere ihre Unterhosen, aber vertrauen kann man einem windigen Windhund wie ihm nie. Das muss auch unser rachedurstiger Jericho erfahren.

Doch damit nicht genug: Auch mit dem Zug selbst scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Wieder und wieder werden die wenigen Fahrgäste mit ihren Sünden konfrontiert. Die Lage verkompliziert sich deutlich, als der Teufel höchstselbst auftaucht…

Schaut in “West of Hell” hinein

Schlechte Ideen hat „West of Hell“ weiß Gott nicht. Und die grundlegende Handlung des Horrorfilms im Westerngewand könnte auch durchaus spannend sein, wenn, ja wenn die Macher ihre Story wirklich in den Griff bekommen hätten. Zunächst steigen sie sehr atmosphärisch in ihren Film ein. Lassen viel im Ungewissen und können sich auf einen sehr souverän aufspielenden Tony Todd („Sabotage – Dark Assassin“) als Jericho verlassen. Der harmoniert auch prächtig mit dem angenehm verschlagen aufspielenden Michael Eklund („Vendetta“) als Bodyguard der Hargraves. Bis dahin ist „West of Hell“ ein angedeuteter Rachefeldzug.

Doch auf einmal switcht der Film fast schon urplötzlich in den Horrormodus um. Es wird kurz angerissen, dass dieser Umschwung etwas mit einem Gepäckstück zu tun haben könnte, dennoch wird man den Eindruck nicht los, irgendetwas Wichtiges verpasst zu haben. Zumal das Gepäckstück keinerlei Rolle mehr spielen wird. Stattdessen regieren nun Visionen und Alpträume und man erschießt sich, um danach von den Toten zurückzukehren. Und irgendwann schaut dann der Teufel vorbei und stellt allen Charakteren haarige Aufgaben.

„West of Hell“ holpert da schon länger ganz gewaltig. Tut sich schwer, einen Zusammenhang zwischen die einzelnen Sequenzen zu bekommen und zieht sich dank bedeutungsschwangerer Szenen enorm. Vor allem im Mittelteil verliert man mehr und mehr das Interesse an dem Film. Was sich auch in Richtung Finale nicht bessert. Zwar setzt es hier noch einmal ein paar starke Szenen und diverse Gewalttätigkeiten (Gesicht abreißen, Skalpierung), begeistern kann „West of Hell“ allerdings längst nicht mehr.

Und das, wo „West of Hell“ für einen Low-Budget-Film mit einer absolut grandiosen Optik aufwartet. Die Schauplätze werden ausschließlich mit Kerzen und Gaslampen ausgeleuchtet. In der Folge erstrahlt alles im warmen, erdig braunen Düsterlook, der „West of Hell“ eine nette surreale Atmosphäre verleiht. Auch die wenigen Effekte (teils CGI, teils handmade) sind sauber umgesetzt und funktionieren. Nur die teilweise peinlich schlechte Musik passt so gar nicht ins Bild der erstaunlich starken technischen Umsetzung.

Ein weiterer Pluspunkt sind die wirklich guten Darsteller. Neben Todd und Eklund darf Lance Henriksen („Flucht aus Absolom“) als Teufel die Charaktere verführen und seinen finsteren Charme aufblitzen lassen. Daneben setzen Jennifer Laporte als umtriebige Annie Hargraves und Jeryl Prescott als ehemalige Sklavin Desdemona weitere echte Glanzpunkte.

“West of Hell” hätte etwas Feinschliff gut getan

Zugegeben, die Story von „West of Hell“ hat was. Sie mäandert immer wieder um die Themen Schuld, Sühne und Vergebung und liefert dafür durchaus achtbare Einzelepisoden ab. Vor allem das Thema Sklaverei generiert hierbei ein paar sehr eindrückliche, finstere Momente. Aber Regisseur Michael Steves liefert kaum mehr als eine zusammenhanglose Nummernrevue, deren Einzelteile teilweise extrem in der Luft hängen. Die Spannung bleibt so leider schnell auf der Strecke. Das man nicht vollends das Interesse verliert, liegt an den guten Darstellern und der mal wirklich grandiosen Optik. Der sieht man in ihrer Stringenz und Konsequenz, die der Handlung leider komplett abgeht, zu keiner Sekunde an, dass man hier nur einen kleinen Low-Budget-Film vor Augen hat.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien von dem Label Daredo / White Pearl Movies. Der Film ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Daredo / White Pearl Movies__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creepy Hauntings, Reviews

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