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Wild Card

Originaltitel: Wild Card__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Simon West__Darsteller: Jason Statham, Michael Angarano, Dominik García-Lorido, Sofía Vergara, Stanley Tucci, Milo Ventimiglia, Hope Davis, Angela Kerecz, Anne Heche, Max Casella, Matthew Willig, Jason Alexander u.a.
Wild Card

Unter Simon Wests Regie spielt Jason Statham einen Bodyguard in Las Vegas in „Wild Card“

In den 1970ern und 1980ern war Burt Reynolds vor allem als Actionstar und Kerniger-Kerl-Darsteller gefragt, ähnlich wie Jason Statham („Homefront“) dieser Zeit, so macht es fast schon Sinn, dass Statham nun die Hauptrolle in „Wild Card“ spielt, der auf „Heat“ von 1986 mit Reynolds in der Hauptrolle basiert.

Nick Wild (Jason Statham) lebt und arbeitet in der Spielerstadt Las Vegas, macht aber keinen sonderlich guten Eindruck: Im Suffkopf baggert die Freundin eines Schwächlings mit Toupet an, bricht einen Streit vom Zaun und wird von dem Unterlegenen verdroschen. Doch wie eine Folgeszene herausstellt, war das nur eine Inszenierung, damit die Holde ihren Mann für einen großen Helden hält, für die man Nick Geld anbot. Ob das nun viel würdevoller ist, ist die Frage, auch wenn die Szenen immerhin mit dem Image des Hauptdarstellers kokettieren.

Nick träumt davon genug Geld zusammen zu bekommen, damit er sich eine Auszeit von fünf Jahren nehmen kann, weshalb er sich als Bodyguard und Schläger verdingt. Derzeit soll er den jungen Start-Up-Millionär Cyrus Kinnick (Michael Angarano) bei seinem Vegas-Besuch beschützen. Außerdem meldet sich eine Freundin Nicks, das Callgirl Holly (Dominik García-Lorido), nachdem ein Freier sie verprügelt hat und sie Rache will, doch der ist Sohn eines Mafiabosses…

Wild Card

Nick Wild (Jason Statham) passt auf Cyrus Kinnick (Michael Angarano) auf

Man kann es fast schon mutig finden, dass Simon West („The Expendables 2“) hier fast eins zu eins einen Film neu auflegte, den schon fast 30 Jahre zuvor kaum jemand sehen wollte: Damals spielte der Film bei einem Budget von 17 Millionen Dollar noch nicht einmal 3 Millionen ein. Das Remake nimmt außer ein paar Modernisierungen eigentlich keine Änderungen vor, weshalb zu vermuten ist, dass man einfach das alte Script des im Vorspann genannten Drehbuchautoren William Goldman (der nicht nur das Drehbuch der Erstverfilmung, sondern auch die Romanvorlage schrieb) als Grundlage nahm – seit „Dreamcatcher“ hat Goldman keinen Drehbuchcredit mehr in seiner Filmographie. Noch dazu ist der Reynolds-Film alles andere als ein verkanntes Meisterwerk, weshalb „Wild Card“ so gut wie alle von dessen Schwächen übernahm.

Es gibt also auch in „Wild Card“ kaum einen kohärenten Plot, eher eine Ansammlung von Geschichtchen aus Nicks Leben, die durch den Handlungszeitraum von wenigen Tagen miteinander verknüpft sind und sich durch ihre Hauptfigur überschneiden. Doch die Rachegeschichte gewinnt nie Zug, die Kommentare zu Nicks Vergangenheit belaufen sich auf belanglos-uninteressante Andeutungen und wenn Cyrus am Ende darauf besteht, dass er etwas gelernt habe, indem er quasi den ganzen Film hinter Nick hergedackelt ist, dann wirkt das fast schon unfreiwillig komisch. Das Ende, das den Film einfach so aufhören lässt, ist in seiner Dreistigkeit dann fast schon mutig zu nennen. Immerhin: Bis dahin haben sich fast alle Probleme selbst aus der Welt geschafft, oft durch den deus ex machina, aber viel an Konflikt war bis zu dem Zeitpunkt eh nicht da.

Insofern beschränkt sich die Action auch auf drei der üblichen Keilereien, von denen die erste extrem zügig vorbei ist und die letzte als Quasi-Showdown ebenfalls recht kurz ausfällt. Immerhin nimmt Nick im mittleren Set-Piece des Films diverse Gegner und Teile einer Casino-Ausrichtung auseinander, was auch formschön aussieht, doch mit Corey Yuen („The Transporter“) und Ron Yuan („Olympus Has Fallen“) sind dann auch zwei fähige Leute für Actionszenen und Second Unit verantwortlich. Dabei gibt sich der Film halbwegs bodenständig; Nick haut zwar größere Gegnermengen zu Klump, dies aber vor allem effektiv, ohne großes Rumgehampel und unter Einbeziehung aller greifbaren Gegenstände – im Finale wird gar das Frühstücksbesteck verwendet.

Wild Card

Holly (Dominik García-Lorido) will Rache, Nick soll ihr helfen

Ein großes Problem des Films besteht zudem darin, dass Goldmans Drehbuch auch als Studie eines gescheiterten Mannes gedacht ist. Sicher beherrscht Jason Statham die schon oft von ihm verkörperte Rolle des etwas abgefuckten Profis, doch hier hätte er mehr Schauspielleistung bringen müssen, was ihm auch durchaus zuzutrauen ist. Doch wenn Nick eben nicht nur runtergekommene Schläger, sondern auch ein obsessiver Zocker sein soll, dann strauchelt „Wild Card“ ungemein: In den Szenen am Spieltisch wirkt Statham viel zu cool, viel distanziert als dass man ihm den Spielsüchtigen abkauft. Wenn er sich trotz Glückssträhne und entgegen jeder Vernunft entscheidet weiterzuspielen, dann riecht das nur nach Drehbuchkniff ihn in der Stadt zu halten, entfaltet sich nicht aus dem Film heraus.

Das auch insofern ein Problem, dass Statham der zentrale Akteur ist, trotz vieler bekannter Namen im Cast. Sofía Vergara („Machete Kills“), teilweise als zweite auf der Besetzungsliste geführt, ist besagte Freundin, die nur in der Auftaktszene auftaucht, Jason Alexander („Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“) ist einmal kurz mit von der Partie, ebenso Anne Heche („Die etwas anderen Cops“), und Hope Davis („The Weather Man“) als Kartengeberin ist auch nur ein bekanntes Gesicht in wenigen Szenen. Ebenfalls nur einen Auftritt hat Stanley Tucci („The Hunger Games“) als Unterweltboss, aber die Szene reißt er an sich – neben der zentralen Casino-Klopperei einer der beiden einprägsamen Momente des Films. Milo Ventimiglia („The Divide“) ist ein okayer Übelwicht mit wenig Screentime, wie auch die hoffnungsvollen Nachwuchsdarsteller Michael Angarano („Empire State“) und Dominik García-Lorido („La Linea“) sich ganz ordentlich aus der Affäre ziehen, aber kaum in Erinnerung bleiben.

So glänzt Jason Statham hier mit Charisma und Präsenz, aber nicht mit genug Schauspielerei um das Portrait eines Schlägers und Spielers eingängig zu machen. Ein paar routinierte Actionsequenzen, eine starke Szene mit Stanley Tucci und Simon Wests brauchbare Regie sorgen da noch für ein paar Momente, aber das Drehbuch baut keinen Spannungsbogen auf, lässt jeden Konflikt versanden und bringt auch keine der Figuren nahe genug um „Wild Card“ wirklich interessant genug zu machen.

„Wild Card“ startet am 12. Februar 2015 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 12.2.2015 in den deutschen Kinos

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