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Willy’s Wonderland

Originaltitel: Willy’s Wonderland__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Kevin Lewis__Darsteller: Nicolas Cage, Emily Tosta, Beth Grant, Ric Reitz, Chris Warner, Kai Kadlec, Caylee Cowan, Jonathan Mercedes, Terayle Hill, Christian Delgrosso, David Sheftell u.a.
Willy's Wonderland

In der Horrorkomödie “Willy’s Wonderland” kämpft Nicolas Cage gegen mörderische Animatronics

Die jüngere Karriere von Nicolas Cage ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man als nächstes bekommt. Auf langweilige 08/15-Thriller mögen eigenwillig-mutige Projekte wie „Mandy“ oder „Die Farbe aus dem All“ folgen, dazwischen vielleicht mal ein Genrefilm mit einigermaßen frischem Ansatz wie „Primal“. Nun also „Willy’s Wonderland“, dessen Prämisse und Appeal sich schnell zusammenfassen lassen: Nic Cage gegen mörderische Animatronics.

Der namenlose Held, den der Star spielt, erleidet eine Autopanne im amerikanischen Hinterland, der Backwoodfilm lässt schön grüßen. So mag ein geistiger Vorläufer des Films der Backwood-Slasher „Tourist Trap“ sein, in dem es ein Wachsfigurenkabinett in der Einöde war, das auf Opfer warte. Dort war es eine Horde Teens, deren Karriere irgendwo im Nirgendwo liegen blieb, hier ist es der einsame Loner, der in festen Intervallen, für die er extra die Uhr stellt, Energy Drinks aus Dosen schlürft. Ein Abschleppwagen bringt ihn ins nächste Örtchen, doch die Reparatur soll ordentlich Knete kosten und der Geldautomat funktioniert nicht. Doch es gibt eine Lösung: Er soll die Schulden abarbeiten, indem er das geschlossene Familien-Erlebnisrestaurant Willy’s Wonderland über Nacht auf Vordermann bringt.

Dort konnte man früher Hot Dogs mampfen, spielen und sich die acht animatronischen Maskottchen anschauen. Neben Willy, dem titelgebenden Wiesel, sind dies noch die Sirene Sara, das Chamäleon Cammy, die Schildkröte Tito, der Alligator Arty, der Ritter Knighty Knight, der Gorilla Gus und der Vogelstrauß Ozzie. Die plüschbezogenen Robokreaturen sind inzwischen so abgeranzt, dass man noch ihre ursprüngliche Natur sieht, sie aber gleichzeitig schon stillstehend etwas bedrohlich wirken. Im Horrorkino haben Killerpuppen und ähnliche Gestalten ja Tradition: Man denke an die erfolgreiche „Chucky“-Reihe oder den Produzenten Charles Band, der mit Filmen wie „Demonic Toys“, der „Puppet Master“-Reihe oder eben „Tourist Trap“ unzählige Vertreter dieses Subgenres ablieferte. „Willy’s Wonderland“ fügt sich aber auch in eine jüngere Welle von Filmen ein, in denen das Knuffige obszön und/oder mörderisch wird, in Komödien wie „Ted“ und „The Happytime Murders“ oder Horrorfilmen wie „The Banana Splits Movie“ oder „Benny Loves You“.

Während der namenlose Hausmeister sich an die Arbeit macht, will eine Gruppe von Teenager rund um Liv (Emily Tosta), die Tochter von Sheriff Lund (Beth Grant), den Spuk ein für alle Mal beenden und Willy’s Wonderland niederbrennen. Derweil erweist sich der Fremde als überraschend wehrhaft, als ihn die ersten Kreaturen angreifen…

Willy's Wonderland

Nicolas Cage lässt sich als namenloser Protagonist nur selten aus der Ruhe bringen

Nic Cage gegen mörderische Animatronics – auf diese Prämisse scheinen Regisseur Kevin Lewis („The Third Nail“) und Drehbuchautor G.O. Parsons mächtig stolz zu sein. So stolz, dass sie wenig Arbeit in andere Dinge steckten. Das fängt schon beim Spannungsaufbau an: Während vom Rest der Welt allenfalls Liv etwas gegen die Knuddelschurken ausrichten kann und die meisten schnell hinüber sind, fräst sich der Held mit seinen Skills, deren Herkunft nie erläutert wird, nur so durch die mörderischen Mottenfiffis, sodass bei fast jeder Begegnung von Anfang an klar ist, wie einseitig sie ausgeht. Das ist etwas schade, denn das Design der Animatronics ist ziemlich stark, die Actionszenen zwischen Mensch und Killerknuddel sind überraschend glaubwürdig und dynamisch in Szene gesetzt und „Willy’s Wonderland“ kann von der Schadenfreude zehren, die sich beim Publikum ausbreitet, wenn die Mörderbande auf einmal an jemanden gerät, der sich richtig wehren kann und ihr das Fell über die Ohren zieht.

Aber Schadenfreude allein trägt keinen Film über 90 Minuten und da machen sich die Probleme von „Willy’s Wonderland“ wieder bemerkbar. So können die Teenager nicht – wie ursprünglich von ihnen geplant – einfach die Butze von außen anzünden, sondern wollen dem Fremden helfen (nachdem schon zig Leute in dem Family-Fun-Center verreckt sind) und geraten dabei selbst ins Willy-Wunderland hinein. Und da fängt eine Blödheit an, die auf keine Kuhhaut geht. Dämliche Vorschläge wie jener, dass sich am besten aufteilt, kann man ja noch als genretypisch durchwinken, aber anderes Figurenhalten ist nicht verständlich. Die Teenager wissen, dass Willy’s Wonderland eine Art Opferstätte ist und was die Animatronics tun, aber hören dann trotzdem ganz blauäugig auf irgendwelche Harmlosigkeitsbekundungen der Killer. Und den Vogel schießt jene Szene ab, in vier der Gruppenmitglieder dem Fremden die Hintergrundgeschichte des Ortes herunterbeten, ein notgeiles Pärchen aber zeitgleich nichts Besseres zu tun hat, als sich ausgerechnet ins berüchtigtste Mörderzimmer des Etablissements zum Poppen zu verziehen – mit erwartbarem Ergebnis.

Willy's Wonderland

Liv (Emily Tosta) will dem Fremden helfen und gerät selbst in Lebensgefahr

So viel Blödheit und fehlende innere Logik kann man auch nicht mit dem Verweis darauf wegwischen, dass dies ja eine Horrorkomödie sei. Denn auch diese sollten ja in sich stimmig sein und für eine Gaga-Parodie ist „Willy’s Wonderland“ dann doch zu bodenständig. So laufen auch ein paar Running Gags ins Leere: Dass der Fremde, der den ganzen Film über kein einziges Wort spricht, auf den Timer genau seine Energy Drinks süppelt, dafür sogar andere Figuren in Notsituationen hängen lässt und anscheinend vollkommen ungerührt davon ist, dass er zwischen den Aufräumarbeiten regelmäßig Killer-Knuddelviecher plattmachen muss – all das ist schräg um des Schrägseins willen, aber hängt somit auch in der Luft. Es hilft auch nicht, dass die Teens – mit Ausnahme von Liv – überdeutlich nur als Metzelmasse da sind, deren Mitglieder nicht über Zuschreibungen wie „patente beste Freundin“ oder „unglücklich verliebter Kumpel“ hinauskommen oder gleich gar keine Eigenschaften mitbringen. Damit macht „Willy’s Wonderland“ seine guten Ansätze kaputt, die neben dem gelungen Creature Design eine nicht neue, aber ganz coole Hintergrundgeschichte und Überlebenskämpfe zu Kindergeburtstagsliedern beinhalten. Auch die nicht übermäßig vielen Blut- und Goreszenen sind ganz stimmig gemacht.

Dass Nicolas Cage („Jiu Jitsu“), sonst der große Meister des Overactings, hier als stummer Stoiker inszeniert wird, mag man wahlweise als Besetzung gegen den Strich oder als Verschwendung sehen, aber auch in dieser Rolle legt sich Cage so richtig ins Zeug. Seine coole Loner-Pose erinnert ein wenig an „Drive Angry“, also an jene Zeiten, in denen er solche Eskapaden noch mit weitem Kino-Release veranstalten durfte. Dass Cage so eine Präsenz hat, gereicht den Film zum Vorteil, denn der Star hat nicht nur die meiste Screentime, der Rest vom Fest ist auch fast gänzlich unbekannt. Allenfalls Beth Grant („Rock Star“) als grantigen Sheriff kennt man vielleicht noch, aber sie taucht nur für ein paar Passagen auf. Emily Tosta (bisher vor allem in kleinen Parts in Serien wie „The Last Ship“ zu sehen) in der zweitgrößten Rolle ist ganz okay, die sonstige Belegschaft dagegen eher mau, aber die meisten davon muss man auch nicht allzu lange ertragen.

Man kann mutmaßen, was man alles aus der Prämisse „Nic Cage gegen mörderische Animatronics“ hätten machen können – aber sicher mehr als „Willy’s Wonderland“. Die Horrorkomödie kann zwar mit Creature Design und ein paar gelungenen Einfällen punkten, ist aber in sich nicht stimmig, vor allem in Sachen Figurenverhalten, liegt mit ihrem Humorverständnis bestenfalls halbrichtig und baut auch nie Spannung auf, wenn sowohl Teenager als auch Schurken nach Schema F abserviert werden.

Splendid Film bringt „Willy’s Wonderland“ in Deutschland auf Blu-Ray und DVD. Neben den normalen Editionen gibt es noch ein Mediabook und eine Fan-Edition von sowohl Blu-Ray als auch DVD. Alle Discs haben eine Feature als Bonusmaterial, den Fan-Editionen liegt noch ein Fancard-Set bei.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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