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X-Men – Zukunft ist Vergangenheit (Comic)

Panini Comics fasste anlässlich des Kinostarts des neuen X-Men-Abenteuers die Hefte 138 – 143 der „Uncanny X-Men“ Reihe aus den 80ern in einem Sammelband zusammen. Dabei enthalten die Hefte 141 und 142 die Storyline von „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“. Diese gilt als wichtiger Meilenstein in der Comic-Geschichte der X-Men und wurde als eigentlicher Ideenlieferant für den neuesten X-Men-Streifen „X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ auserkoren. Wir stellen euch den gesamten Sammelband vor und fokussieren auf die wichtigsten Unterschiede zwischen Comicvorlage und Film.

X-Men-Comic

“X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” – Die Comicvorlage zum aktuellsten X-Men-Kinofilm.

Die Storys des Sammelbandes

Dieser Band steigt richtig episch ein: Nach dem Tod von Jean Grey, der Höhepunkt der in den vorhergehenden Heften abgefeierten Dark-Phoenix-Saga, steht ein gebrochener Cyclops in Heft 138 am Grab seiner großen Liebe und lässt alle bisherigen Schlachten der X-Men Revue passieren. Fast eine gesamte Ausgabe wird diesem ausführlichen Rückblick eingeräumt und erlaubt einen schnellen Überblick über die wahrhaft epischen Konfrontationen der Mutanten.

Dann steigt eine im Vergleich zu der „Einleitung“ geradezu klein skalierte Story um einen Wendigo, der eine kleine Familie attackierte, den Vater umbrachte und Mutter und Kind verschleppte. Wolverine bricht gen Kanada auf, um die beiden Verschollenen zu finden. Am Ende dieser „Monster of the Week“-Ausgaben (Die Hefte 139/140) deuten die letzten Panels an, dass etwas Großes bevorsteht…

Die Handlung springt nun in den Heften 141 („Zukunft ist Vergangenheit“) und 142 („Zeit aus den Fugen“) in das zukünftige Jahr 2013. Ein Atomkrieg hat die Welt zerstört und die Gesellschaft wurde komplett aufgespalten in Menschen, Menschen mit korrumpierten Genen und Mutanten. Letztere müssen spezielle Halsbänder tragen, die sie als Mutanten kennzeichnen, ihre Kräfte unterdrücken und sie „unsichtbar“ für die Sentinels, riesenhafte Roboter, machen. Nehmen die Mutanten die Halsbänder ab, werden sie sofort von den Sentinels gejagt und zur Strecke gebracht. Bis 2013 sind so beinahe alle X-Men getötet worden und die letzten Überlebenden suchen nach einer Möglichkeit, dieses Schicksal irgendwie abzuwenden. Und eines Tages ist es soweit: Ein Plan wurde entwickelt und man setzt alle Hoffnungen in eine Verzweiflungstat:

Man transferiert das Bewusstsein von Kitty Pryde, eine Mutantin, die durch Wände laufen und Moleküle vielfältig manipulieren kann, in ihr junges Ich von 1980. Sie soll so verhindern, dass ein Anschlag auf einen amerikanischen Senator verübt wird. Kann man diesen vereiteln, kann man eventuell auch verhindern, dass mutantenfeindliche Strömungen als Folge des Attentates zunehmen und den Krieg zwischen Menschen, Mutanten und Sentinels auslösen. Ein verwegener Plan, flankiert durch eine lebensmüde Aktion im Jahre 2013, bei der die letzten überlebenden X-Men versuchen, die Schaltzentrale der Sentinels zu zerstören…

Vollkommen antiklimaktisch mutet nach der wuchtigen und hervorragenden Story um die Sentinels der wirklich seichte Rausschmeißer des Sammelbandes an. Darin geht es um Kitty Prydes weihnachtliche Auseinandersetzung mit einem eindeutig von Alien inspirierten Unwesen in Xaviers Schule für Mutanten…

Starkes Storytelling trifft klassisches Artwork

Der als „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ verkaufte Sammelband ist ein großartiges Stück Comickunst. Der epische Einstieg rund um Cyclops und Jean Grey ermöglicht es, den Sammelband losgelöst von allen bisher erschienen Heften zu genießen und vollumfänglich zu verstehen. Klar, es fallen viele Namen und so manchen Helden muss man sich ganz sicher erst einmal zusammenrecherchieren, aber die Taktik geht vollkommen auf. Man hat wirklich das Gefühl, mittendrin zu sein und sich mit dem, was bisher geschah, ausreichend auszukennen. Die darauffolgende Story umreißt ein wenig den allgemeinen Aufbau der „X-Men“-Geschichten. Eine Gefahr wird aufgebaut und durch die Mutanten in einem epischen Fight niedergerungen. Wichtiger als die Geschichte um den Wendigo sind aber andere Momente: Etwa jene im Gefahrenraum (eine Art Trainingsraum) der X-Men, der zum Dreh- und Angelpunkt der grundlegenden Ereignisse der folgenden Geschichte wird, und natürlich die Installation der Figur der Kitty Pryde…

X-Men-Comic

Ein Blick ins Artwork

Jene wird zum Hauptantrieb der Hefte 141 und 142, die freilich die eigentliche Vorlage für Bryan Singers Kinoadaption gewesen sind. Die beiden Hefte sind richtig spannend und haben ein enormes Tempo, was durch die parallel ablaufenden Handlungen in 1980 und 2013 noch verschärft wird. Und die darin eingebetteten Superhelden-Keilereien machen richtig Laune. Auch das Zuspitzen des Szenarios der Animositäten zwischen Menschen und Mutanten sitzt, wobei die Sentinels als dritte und am Ende lachende Kraft aus den Ereignissen hervorgehen. Und wenn man dann erfährt, dass so gut wie alle Mutanten (selbst Xavier!) von den Sentinels ausgelöscht wurden, bekommt die Story einen richtig fiesen Dreh. Die Folge ist eine packende und sich wundervoll organisch entwickelnde Story.

Im Übrigen fällt nicht nur in dem Zweiteiler sofort auf, wie stark sich die Charaktere in allen Geschichten entfalten dürfen. Hier entstehen wirklich Figuren mit Ecken und Kanten, für die ihre jeweiligen besonderen Eigenschaften und Kräfte Segen und Fluch zugleich sind. So erleben wir beispielsweise Wolverine, der gegen seinen Berserkermodus ankämpfen muss, damit die tierische Seite nicht zu viel Kontrolle über ihn gewinnt. Bei vielen anderen Figuren werden derartige „Probleme“ auch immer wieder eindrücklich herausgestellt. Meist über innere Monologe.

Das Artwork des Comics ist im Vergleich zu manch heutigem Grafikhammer freilich ein ganz anderes. Die Zeichnungen sind aus heutiger Sicht – ohne den Fans der Comics aus jener Zeit zu nahe treten zu wollen – simpel und eher funktional denn schön. Der Detailgrad ist gerade in den Hintergründen eher gering. Diese wirken teils auch eigenwillig koloriert. Richtig detailliert werden eigentlich nur die handelnden Figuren herausgearbeitet, die dann aber sogleich um so plastischer ausfallen. Dennoch sollen diese Worte die Arbeit von John Byrne in keiner Weise schmälern. Die Sehgewohnheiten sind heute einfach nur ganz andere. Und „Zukunft ist Vergangenheit“ hat seinen heutigen Stellenwert in der X-Men-Mythologie ganz sicher nicht nur wegen seinen Sprechblasen. Bei diesen fällt sofort auf, wie textlastig sie gestaltet sind. Dementsprechend sollte man auch runde zwei Stunden Lesezeit für den Sammelband einplanen. Leider gibt es dabei viele Dopplungen an Informationen. Der Sinn ist freilich klar: Ein Einstieg in die Serie sollte jederzeit möglich sein. Zusammenhängend gelesen ermüden die in jedem Heft wiederholten Hinweise, dass etwa Wolverine voll das superduper Adamantium-Skelett hat, allerdings sehr.

Die Unterschiede zwischen Comicvorlage und Film

Comicpuristen dürften mit Singers Verfilmung sicherlich so ihre liebe Not haben, denn im Grunde entlehnte man nur die grundlegende Story der Comicvorlage: In der Zukunft sind die Mutanten beinahe komplett ausgerottet. Nur wenige kämpfen noch im Untergrund. Die kreuzgefährlichen Sentinels sind allzeit bereit, sie auszulöschen, und seinen Anfang nahm alles aufgrund eines Attentates in der Vergangenheit – ausgeübt durch Mystique. Weshalb man nun das Bewusstsein eines Charakters in die Vergangenheit und damit in sein früheres Ich schickt, um all diese Vorgänge abzuwenden.

X-Men-Comic

Unten sind die Sentinels (die lila Burschen) des Comics zu sehen.

Und damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. So wird im Film Wolverine in die Vergangenheit geschickt. Der Grund: Nur er könne mit seinen Selbstheilungskräften die „Bewusstseinsreise“ überstehen. Im Comic muss dafür Kitty Pryde herhalten. Und das nur, weil sie in der Vergangenheit so jung ist, dass sie keine Psi-Sperren aufbauen und ihr eigenes, gereiftes Bewusstsein abstoßen kann. Während in der Filmzukunft im Jahre 2023 noch ziemlich viele X-Men leben und auch alleine ihren Kampf gegen die Sentinels ausfechten, wird im zukünftigen 2013 des Comics angedeutet, dass zum einen so gut wie alle Mutanten ausgelöscht sind (auch viele, die im Film noch aktiv ins Geschehen eingreifen) und zum anderen auch Teams wie „Die Rächer“ oder „Die Fantastischen Vier“ in den Kampf gegen die Sentinels verwickelt waren. Ein solcher Hinweis in einem Nebensatz hätte den Film auch deutlich epischer wirken lassen. Da Xavier im Comic bereits tot ist, spielt auch sein Zusammenwirken mit Magneto nicht ansatzweise diese große Rolle wie es Singer in seinem Film darstellt. Und die Sentinels sind im Film schon deutlich bedrohlicher und unbesiegbarer aufgestellt. Im Comic ist es mehr ihre bloße Übermacht und vor allem ihre Größe, die sie siegen lässt.

Auch in der Vergangenheit von Film und Comic sind die Unterschiede enorm. Zum einen springt man im Comic in die 80er, im Film waren es die 70er. In der Comicvorlage mutieren die meisten Figuren, die im Film eine Hauptrollen spielen, zu absoluten Randfiguren. Derweil spielt die im Film vernachlässigte Storm im Comic ebenso eine Hauptrolle wie der im Film unterbeschäftigte Colossus oder der gar nicht in Erscheinung tretende Angel. Bolivar Trask, der im Film die Sentinels entwickelt hat, findet im Comic keinerlei Erwähnung und dementsprechend richtet sich das Attentat auch nie gegen ihn. Mystique, die im Film einzelgängerisch agiert, schart im Comic eine Handvoll illustrer Mutanten um sich, die das Feuer beherrschen, feste Materialien mit Willenskraft zerlegen und unbändige Kräfte entwickeln können. Auch ist Mystique hier nicht die eigentliche Attentäterin. Auch und vor allem die Action unterscheidet sich zwischen Comic und Film enorm. Wo der Film auf große Bilder und Spektakel satt setzt, sind es im Comic durchgehend Mano-a-Mano-Konfrontationen zwischen Sentinels und Mutanten bzw. Mutanten und bösen Mystique Mutanten. Last but not least gönnt sich der Comic einen wesentlich offeneren, beinahe schon negativ ausklingenden Schluss…

Man sieht, die Unterschiede zwischen Vorlage und Adaption sind gewaltig, aber ich muss sagen, dass beide Ansätze hervorragend funktionieren und jeder auf seine Weise für spannende, sehr flotte und extrem durchdacht wirkende Unterhaltung sorgt. Singer hat die wichtigsten und interessantesten Eckpunkte der Comicvorlage verstanden und treffend auf „sein“ Filmfranchise übertragen. Dafür von meiner Seite ein Chapeau!

Fazit zum „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ Sammelband

Die Highlights des Sammelbandes sind freilich die Hefte 141 und 142. Keine Frage. Dahingehend fallen vor allem die Story um Kitty Pryde und ihr Alien ebenso ab wie die Wendigo-Episode. Beide Geschichten bieten ein klassisches Superheldenszenario ohne besondere Auswirkungen auf das große Ganze. Hauptsache, die Mutanten-Fähigkeiten werden angewandt und es setzt ordentlich Keile. Stark für Einsteiger ist derweil Heft Nummer 138, das einen umfassenden Rückblick auf mehrere Jahre X-Men-Geschichte wirft und in seiner geballten Form sicherlich auf den ersten Blick überfordert, in Hinblick auf den großen Knaller des Sammelbandes aber einen netten Einstieg darstellt.

Der Comicband von Panini Comics bietet neben Hintergrundinfos zur Wichtigkeit der vorliegenden Ausgaben für das X-Men-Universum diverse Informationen zu dem Autor Chris Claremont und seinen Zeichner und Co-Autor John Byrne. Diese lancierten mit der „Zukunft ist Vergangenheit“ Storyline eine ihrer letzten bahnbrechenden Zusammenarbeiten für die X-Men, trennten sich ihre Wege doch nach dem nächsten Heft.

In diesem Sinne:
freeman

Alle Informationen zu „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“

X-Men: Die Zukunft ist Vergangenheit
Chris Claremont (Autor), John Byrne (Co-Autor, Zeichnungen)
Broschiert: 140 Seiten
Verlag: Panini (19. Mai 2014)
ISBN-13: 978-3862019250

Zur Leseprobe

Copyright aller Bilder: Panini Comics/Panini Verlags GmbH

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Categorised in: Comictipps, Der Actionfilm

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