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Your Move

Originaltitel: Your Move__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Luke Goss__Darsteller: Luke Goss, Robert Davi, Patricia De Leon, David Fernandez Jr., Tonya Bordeaux, Jeanette Samano, Luis Gatica, Alain Mora, Jack Carlisle, Barbarella Pardo u.a.
Your Move DVD Cover

Hauptdarsteller Luke Goss legt mit “Your Move” auch sein Regiedebüt vor.

Luke Goss hat es sich, abgesehen von einigen wenigen Ausflügen in A-Gefilde („Hellboy 2“, „Blade 2“), scheinbar in der Nische für kleine und kleinste B-Movies gemütlich gemacht. Hier fabriziert er große Gülle wie „Beyond Justice“, aber auch brauchbare Flicks wie „The Night Crew“. Das große Problem des sympathischen Mimen ist, dass der ganz große Wurf irgendwie ausbleibt und die Qualität seiner Produktionen zu extrem schwankt. Man erkennt infolgedessen keinerlei Aufwärtstrend für ihn und auch die Verpflichtungen für A-Filme sind immer seltener geworden.

Was tun? Luke Goss beschloss, bei einem seiner nächsten Projekte „All in“ zu gehen und seine Ambitionen im Filmbusiness zu unterstreichen. Also schrieb er sich selbst ein Drehbuch auf den Leib und übernahm folgerichtig die Hauptrolle im daraus entstehenden und von ihm mitfinanzierten „Your Move“. Und last but not least stellt ebenjener Streifen auch sein Regiedebüt dar.

In „Your Move“ spielt Luke Goss den erfolgreichen Geschäftsmann David. Der lebt mit seiner Frau und seiner Tochter eigentlich in Mexiko, reist für seine Geschäfte aber in der ganzen Welt umher. Aktuell weilt er in New York, wo er einen weiteren Geschäftsabschluss getätigt hat. Mit ordentlich Fast Food und einer Flasche Rotwein will er den Erfolg mit seiner weit entfernten Familie via Videochat feiern.

Doch David kommt gar nicht so recht dazu, mit seinen Lieben zu jubilieren, da sich urplötzlich ein Kerl auf Davids Familie stürzt und dieser heftig zusetzt. Irgendwann starrt der Lump bar jedweder Maskierung provozierend in das Videofenster und zischt David die titelgebende Phrase entgegen:

Your Move!

Es ist also an David, zu handeln. Da er kein Liam Neeson ist, wendet er sich folgerichtig an die Polizei. Die entsenden zwei Kollegen, die David für dessen Ausführungen, er sei via Videochat bei der Entführung seiner Familie zugegen gewesen, nur müde belächeln. Echtes Neuland, dieses Internet. Ein weiteres Problem: Die Zuständigkeit der New-Yorker-Polizei endet schon weit vor den Grenzen zu Mexiko. Zumindest wolle man die Polizei vor Ort in Kenntnis setzen, diese werde sich dann alsbald bei David melden.

Anstelle der mexikanischen Polizei kontaktiert die Schwester von Davids Frau den besorgten Geschäftsmann. Sie habe die Wohnung verwüstet vorgefunden und darum die Polizei gerufen. Sie vermittelt David ein Gespräch mit dem Detective vor Ort: Romero. Der hört sich Davids Story an und bittet David sofort, gen Mexiko zu reisen und mit seinen Erkenntnissen die Ermittlungen zu beschleunigen. Das muss er David freilich nicht zweimal sagen und schon sitzt der im Flieger.

Doch obschon sich Romero alle Mühe gibt, gehen David die Ermittlungen viel zu langsam voran. Zudem hat ihn an dem Überfall auf seine Familie etwas gestört. Wirkte es doch, als kenne der Lump seine Familie nur zu gut. Als die Schwester von Davids Frau einen Verdacht äußert, der mit der Reitsportvergangenheit von Davids Frau zu tun hat, beginnt Davis selbst intensiver zu forschen…

Schaut in “Your Move” von und mit Luke Goss hinein

Und ebenjener Tipp ist dann sozusagen der finale Genickschuss für „Your Move“. Der etabliert seine Ausgangssituation zwar rasend schnell, verfällt hernach aber in eine Art Starre. Die ist sogar durchaus logisch nachvollziehbar. Immerhin geht David den Behördenweg und lässt andere machen. Da der Film aber stets bei ihm bleibt, passiert in der Folge nicht viel. Man erlebt keine Ermittlungen mit, es wird nicht nach Verdächtigen gefahndet, falsche Fährten hat es erst recht nicht. „Your Move“ plätschert einfach dahin.

Dass David dann die Lösung einfach auf dem Silbertablett serviert wird, keinerlei Twists mehr gereicht werden und die wahre Identität des Täters – inklusive Wohnort!!! – unverrückbar bekannt sind, hat dann katastrophale Auswirkungen auf das ohnehin nicht hohe Tempo des Filmes. Um „Your Move“ überhaupt noch am Leben zu halten, muss das Drehbuch ein paar echt üble Winkelzüge auspacken, die größtenteils arg lachhafter Natur sind.

So schleppt sich der Film mühsam dahin, um irgendwann in sein finales Drittel zu münden. Und in dem wird einfach ordentlich gefoltert. Warum auch nicht? Mit einer Arschruhe werden Finger vom Lump abgeschnitten, seine Hände zertrümmert, die Kauleiste verbogen. David hat keine Eile bei seinem Tun. Und das, wo er keine Ahnung hat, wie es seiner Familie geht! Hat die überhaupt genug zu essen und zu trinken? Sind beide unversehrt, oder brauchen sie Hilfe? Goss schafft es nie, die Situation zuzuspitzen. Und so bekommt er nie auch nur den kleinsten Anflug von Spannung in seine Erzählung.

Technisch zumindest muss er sich keinerlei Vorhaltungen machen lassen. Er inszeniert in breiten Widescreen-Bildern und versucht, einem zu cleanen Digitallook entgegen zu wirken. So taucht er sämtliche abendliche Szenerien in mal wirklich satte Komplementärfarben. Goss serviert teilweise komplette Einstellungen im satten Blau, Rot, Gelb oder Grün, was einfach richtig geil ausschaut. Im Mexiko-Part seines Filmes schaltet er zwar etwas zu selbstverständlich in den Sepiafarbenlook, dreht aber auch hier maximalst an der Sättigung, um nicht einfach nur billig auszusehen. Mit durchschlagendem Erfolg.

Allgemein setzt Luke Goss bei „Your Move“ auf lange, ruhige Einstellungen, die teilweise richtiggehend toll durchgeplant wirken. Vor allem in dem Folterabschnitt gelingen ihm trotz der Brutalitäten sogar teilweise berückend schöne Momente. Seine Bebilderung dynamisiert er nur in einer Szene, die mit Jump Cuts, Bildern von Drohnenkameras und Reißschwenks Action antäuscht, wo, abgesehen von einer lahmen Verfolgungsjagd zu Fuß, keine wirkliche Action stattfindet.

Dementsprechend müssen Actionfans jetzt ganz hart bleiben: „Your Move“ bietet trotz seines passigen Szenarios und seines actionerfahrenen Hauptdarstellers keine Action. Goss schwebte für sein Regiedebüt wohl ein eher ruhiger, konzentrierter Thriller vor, der aus seinem gewohnten Oeuvre heraussticht. Und der ihn auch darstellerisch mehr fordert. Was durchaus funktioniert, denn die Szenen, in denen Goss am ganzen Körper zitternd vom Schicksal seiner Frau berichtet, haben was.

Auch sonst gefällt sein emotional aufgeladenes Spiel. Vor allem im Zusammenspiel mit Robert Davi („Left to Die“), der hier mit seiner übersouveränen Art mehr als einmal zum Showstealer mutiert. Eine starke Show liefert auch Alain Mora als Entführer, der im Verlauf des Filmes immer weiter ins Wahnsinnige abgleiten darf und das absolut glaubwürdig rüberbringt.

“Your Move” ist ein Entführungsthriller, dem die Spannung entführt wurde

Am Ende entpuppt sich „Your Move“ als komplett spannungsloser Entführungsthriller, der sowohl an einer wenig gehaltvollen Story als auch an einem wenig eleganten Drehbuch krankt. Zwar merkt man dem Film die Ambitionen seines Machers an, etwas abzuliefern, was nicht dem üblichen Luke-Goss-Tand entspricht – was sich vor allem in einer extrem ansprechenden Bildsprache, einem ungewohnt ruhigen Erzählstil und guten Darstellerleistungen äußert, aber leider haben ebenjene Ambitionen des Regie-Debütanten Luke Goss im Zusammenhang mit der wirklich extremen Vorhersehbarkeit und Spannungslosigkeit seiner Geschichte nur eines zur Folge: Gähnende, zumindest schön anzusehende Langeweile…

3 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bislang nichts bekannt. In Großbritannien erschien der Film von dem Label Thunderbird Releasing ausschließlich auf DVD und hat eine Freigabe ab 15.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der UK-VÖ: Thunderbird Releasing__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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