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You’re Next

Originaltitel: You´re Next__Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Adam Wingard__ Darsteller: Sharni Vinson, AJ Bowen, Joe Swanberg, Nicholas Tucci, Wendy Glenn, Amy Seimetz, Rob Moran, Barbara Crampton, Ti West, Larry Fessenden, …

Das amerikanische Kino-Postermotiv.

Das amerikanische Kino-Postermotiv.

Das "Comic-Con"-Postermotiv.

Das “Comic-Con”-Postermotiv.

Als die US-amerikanische Independent-Produktion „You´re Next“ im September 2011 erstmals öffentlich aufgeführt wurde – genau genommen auf dem „Toronto International Film Festival“ sowie 14 Tage später auf dem „Fantastic Fest“ in Austin – erntete diese von Regisseur Adam Wingard („A Horrible Way to die“) in Szene gesetzte Kreuzung aus „Slasher“-Flick und „Home Invasion“-Thriller sowohl seitens des anwesenden Publikums als auch der vertretenen Presse ein eindrucksvolles Maß an Lob und Anerkennung. Umgehend sicherte sich „Lionsgate“ die Vertriebsrechte an dem Streifen – beließ ihn infolge dessen aber angrenzend zwei Jahre lang unveröffentlicht, u.a. da der vollzogene Zusammenschluss mit „Summit Entertainment“ eine Neugestaltung des betreffenden Release-Kalenders mit sich brachte und ein derart kleines wie gewalttätiges Werk (obendrein frei etwaiger zugkräftiger Namen auf der Cast&Crew-Liste) vor eben jenem Hintergrund nunmal keine allzu hohe Priorität zugesprochen erhielt. Im dritten Quartal 2013 war das Warten dann aber endlich vorüber – und gern vermag ich bereits an dieser Stelle der Besprechung zu vermelden, dass das Gebotene zumindest meiner persönlichen Vorfreude (nahezu vollständig) gerecht geworden ist…

Aus feierlichem Anlass ihres 35. Hochzeitstags lädt das vermögende Ehepaar Paul (Rob Moran) und Aubrey (Barbara Crampton) ihre vier erwachsenen Kinder (nebst Begleitung) zu einem gemeinsamen Wochenende auf ihrem abseits gelegenen Landsitz ein: Da wären Felix (Nicholas Tucci) und seine Freundin Zee (Wendy Glenn), Aimee (Amy Seimetz) und ihr Filmemacher-Boyfriend Tariq (Ti West), Drake (Joe Swanberg) und seine Gattin Kelly (Sarah Myers) sowie Crispian (A.J. Bowen) und seine neue Herzensdame Erin (Sharni Vinson). Des längeren schon hat sich die Familie nicht mehr in dieser Form zusammengefunden – was relativ unschwer nachzuvollziehen ist, sobald man mal Zeuge ihrer Interaktionen wird, bei denen fortwährend irgendwelche „bissige Spitzen“ in die jeweiligen Bemerkungen, Fragen und Ausführungen mit eingebunden werden. Zwischen all dem bemüht sich Erin um das Heraufbeschwören eines guten Ersteindrucks in der illustren Runde – und das mit achtlichem Erfolg, Charme und Engagement sei Dank. Im Rahmen des Dinners geschieht urplötzlich jedoch das Unfassbare: Als etwas in der Dunkelheit draußen die Aufmerksamkeit Tariqs erweckt und dieser an ein Fenster herantritt, um (nach Möglichkeit) einen genaueren Blick darauf zu werfen, durchschlägt sogleich der Pfeil einer Armbrust die Scheibe und bohrt sich tief in seine Stirn. Panik und Entsetzen bricht aus – bloß markiert diese Tat nicht mehr als nur den Anfang des fortan über sie hereinbrechenden Schreckens: Allem Anschein nach trachtet ihnen ein schweigsames, Tiermasken tragendes Trio gezielt nach dem Leben. Im Laufe der Nacht richten sie ein wahres Blutbad an – allerdings haben sie nicht mit gewissen Kenntnissen und Fertigkeiten eines ihrer potentiellen Opfer gerechnet…

„You´re Next“ eröffnet in Form einer weitestgehend konventionell gearteten Prolog-Sequenz, im Zuge derer ein Mann und eine Frau im benachbarten Hause des zukünftigen Schauplatzes auf brutale Weise ermordet werden. Obgleich prima in Szene gesetzt, hätte man auf diesen Einstieg im Grunde genommen problemlos verzichten können – primär da das Aufzeigen dieses grausamen Akts im Kontext der weiteren Handlung überhaupt nicht notwendig gewesen wäre und dabei schlichtweg zu früh bestimmte „Details“ preisgegeben werden, zum Beispiel hinsichtlich der Maskierung, Vorgehensweise sowie auch der konkreten Existenz der Killer an sich. Die Gegebenheit, dass von dort aus an der Song „Looking for the Magic“ der Dwight Twilley Band (resultierend aus der hakenden „Repeat“-Funktion des CD-Players jener Unglückseligen) kontinuierlich wiederholt wird, empfand ich indes als einen ebenso amüsanten wie zusagenden Einfall – doch muss ich gestehen, den in einem der Trailer stattdessen verwendeten, ungleich stimmungsvolleren Bob Dylan Klassiker „Perfect Day“ durchaus ein gutes Stück weit vermisst zu haben. Sei´s drum: Angereichert mit einem kräftigen Zusatz eines beseelt verfassten schwarzen Humors, folgt nun die straffe, dennoch aber rundum zufrieden stellende Einführung der Hauptprotagonisten, bei der die einzelnen (sowohl authentisch anmutenden als auch unterhaltsam wahrzunehmenden) Persönlichkeiten und Beziehungsgefüge überaus ergiebig dargelegt werden – und das trotz bzw. losgelöst der Tatsache, dass die Verantwortlichen ganz bewusst darauf geachtet haben, die meisten von ihnen nicht übermäßig sympathisch zu portraitieren. Paul etwa scheint zwar ein recht charismatisch-freundliches Familienoberhaupt zu sein – allerdings wird erwähnt, dass er ausgerechnet als leitender Mitarbeiter eines Waffen herstellenden Unternehmens zu seinem Wohlstand gekommen ist…

In Sachen Besetzung hat Wingard ein talentiertes „Indie-Ensemble“ für sein Projekt gewinnen können, aus deren Reihen er mit dem einen oder anderen bereits mal in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. AJ Bowen („the Signal“) mimt den erfolgloseren der Brüder wunderbar natürlich: Crispian hat sich für eine Profession entschieden, die ihm halt nicht so „das große Geld“ einbringt, und muss sich genau dafür nun immerzu Ratschläge und Sticheleien seitens des Großteils seiner männlichen Verwandtschaft anhören – weswegen er einem beinahe schon leid tun kann. Joe Swanberg, der sich inzwischen ja ebenfalls als Filmemacher einen Namen gemacht hat (siehe u.a. „Drinking Buddies“), verkörpert Drake herrlich überheblich und boshaft – und so gönnt man es ihm geradewegs, dass er (nach dem ersten Angriff) eine längere Phase seiner Screen-Time mit einem Pfeil im Rücken (bzw. in jener Schulterpartie steckend) durchleiden muss. Felix (Nicholas Tucci aus „Choose“) dagegen ist eher der ruhigere Typ, der nicht sonderlich viel für „Geselligkeit“ übrig hat und sich daher wesentlich lieber seiner von Wendy Glenn („11-11-11“) gespielten Freundin Zee zuwendet, welche nicht nur innerhalb jener Beziehung ersprießlich mit ihm harmoniert. Die Rollen der Eltern meistern Rob Moran („Peaceful Warrior“) sowie „Eighties Scream Queen“ Barbara Crampton („Re-Animator“) jeweils anstandslos – genauso wie Amy Seimetz („Upstream Color“) den Part ihrer einzigen Tochter, welche seit jeher das Gefühl hegt, sich ständig (nicht nur innerhalb der Familie) beweisen zu müssen. Darüber hinaus sind noch Sarah Myers („Absence“) als Drake´s Ehefrau Kelly sowie die beiden geschätzten Regisseure Ti West („the Innkeepers“) und Larry Fessenden („Wendigo“) mit von der Partie – während unter den Masken der Killer die drei „Wingard-Regulars“ Lane Hughes („1000 Year Sleep“), L.C. Holt („V/H/S/2“) sowie Skript-Autor Simon Barrett („V/H/S“) zu entdecken sind…

Unabhängig dessen, dass einzelne Nebenfiguren getrost ein wenig mehr Charakterzeichnung hätten erfahren dürfen, bietet der Streifen durchweg jedem seiner Beteiligten gewisse Augenblicke, in denen er oder sie glanzvoll im Mittelpunkt stehen darf. Als Tariq im Speisezimmer tödlich verwundet zu Boden sinkt, ist es allerdings Sharni Vinson, die den Film von eben jenem Moment an sowohl dominiert als auch auf absolut überzeugende Weise „trägt“: Im Laufe ihrer Karriere ist mir die sportliche Australierin ja bereits mehrfach aufgefallen – etwa in „Step Up 3D“, „Blue Crush 2“ oder „Bait 3D“ – doch wirklich „für sich gewinnen“ konnte sie mich bislang leider noch nie. In diesem Fall ist ihr das nun aber mit Bravour gelungen – vor allem da sich Erin als ein ziemlich furioses „Final Girl“ entpuppt. Zwar eine Art Außenseiterin in der Runde, u.a. in Anbetracht ihres gesellschaftlichen und geographischen Hintergrunds, präsentiert sie sich dennoch von Beginn an ebenso smart wie charmant – und offenbart im Angesicht der über sie hereinbrechenden Gefahr zudem spezielle „Survival Skills“, mit denen wohl keiner (auch nur im Entferntesten) gerechnet hat. Im Prinzip spricht es Bände, dass man dem Werk diese betreffende (ungewöhnliche) Backgroundstory so ohne weiteres „abkauft“: Von fehlender Glaubwürdigkeit oder unfreiwilliger Komik keine Spur – was in erster Linie der stets ernst und zielgerichtet gehaltenen Rollenkonzeption sowie der passionierten Performance Vinsons zu verdanken ist. Da die übrigen Anwesenden mit der chaotisch-verstörenden Lage völlig überfordert sind und gegen die Angreifer (auf sich allein gestellt) kaum eine reelle Chance hätten, übernimmt sie die Führungsposition und schlägt mit ausgeprägter bzw. angeglichener Härte zurück: Im Gegensatz zu den Hightech-Waffen, die Paul´s ehemaliger Arbeitgeber hergestellt hat, wird diese „Schlacht“ hier allerdings mit vergleichsweise „rustikalen Exemplaren“ (á la Machete, Axt und Armbrust) ausgefochten…

Mit der „Home Invasion Movie“-Struktur inzwischen ja weitläufig bekannt, lag es an Wingard und Barrett, sich u.a. im Bereich der inhaltlichen wie stilistischen Details von artverwandten Veröffentlichungen abzuheben. Die Dialogqualität ist überdurchschnittlich hoch und der in manche der Geschehnisse injizierte „dunkle“ Sinn für Humor weiß im nahezu selben Maße zu gefallen, wie dass die obligatorische „ruhigere Einführungsphase“ im Vorliegenden erfreulich bündig gehalten wurde. Der Schauplatz verfügt über diverse Räume auf mehreren Etagen, das Nichtfunktionieren von Handys wird schlüssig dargelegt, dank der Gruppengröße gibt es eine stattliche Zahl an „Opfer-Kandidaten“ und die einzelnen Kills kommen nicht bloß blutig und brutal daher, sondern zugleich auch angenehm clever und kreativ arrangiert. Aus den jeweiligen Situationen heraus werden einige echt schmerzhaft-fiese Fallen erdacht und aufgestellt, Gegenstände „zweckentfremdet“ (mit einem Standmixer als Highlight) sowie die Erwartungen des Publikums immer wieder ein Stück weit unterlaufen – beispielsweise beim Einsatz eines Fotoapparat-Blitzlichts im Keller, dem „Umschreiten“ eines Nagelbretts oder im Rahmen eines Spurts zur Vordertür hinaus. Als schade empfand ich dagegen, dass ein bis zwei „Enthüllungen“ etwas zu durchschaubar anmuten und das Ende bei mir (obgleich an sich fern von schlecht) einen minimal unbefriedigenden Eindruck zurückließ. Ferner ist anzuführen, dass die generierte Spannung und Atmosphäre nie die Intensität von (sagen wir mal) Bryan Bertino´s „the Strangers“ erreicht – was allerdings auch einer anderen Schwerpunkt-Setzung mit zuzurechnen ist. Untermalt seitens eines feinen Carpenter-esken Synthesizer-Scores, inspiriert bebildert von Andrew Palermo sowie hervorragend geschnitten und in Szene gesetzt von Adam Wingard, der erneut eine Menge Talent und handwerkliches Geschick in seinem Metier beweist, sollte dieser hochwertige Low-Budget-Indie (bei passender Gelegenheit) im Grunde genommen von keinem entsprechend geneigten Zuschauer ausgelassen werden…

Fazit:  Mag sein, dass „You´re Next“ weder herausragend originell ist noch dem in der Zeit zwischen seiner Festival-Premiere und seinem (erst knapp zwei Jahre später zugestandenen) Kino-Start aufgebauten „Hype“ wirklich umfassend gerecht zu werden vermag – nichtsdestotrotz handelt es sich bei diesem ebenso vergnüglichen wie düster-gewalttätigen Horror-Thriller um eine relativ ambitioniert konzipierte sowie ansprechend straff umgesetzte Genre-Veröffentlichung, die auf jeden Fall prima zu unterhalten weiß und somit definitiv einen Blick wert ist…

Hierzulande weist der Streifen eine FSK18-Freigabe auf und ist seit 03/2014 auf DVD und BluRay erhältlich…

Stefan SeidlYou're Next

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You're Next

Copyright der Cover und Pics: Lionsgate (US) / StudioCanal & Splendid Film (D)__ Infos zur deutschen VÖ: FSK 18__ Geschnitten: nein__ Blu Ray/DVD: noch nicht__ deutscher Kinostart: 07.11.2013

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