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Zu – Warriors from the Magic Mountain

Originaltitel: Shu shan__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1983__Regie: Tsui Hark__Darsteller: Yuen Biao, Mang Hoi, Adam Cheng, Brigitte Lin, Moon Lee, Sammo Hung, Damian Lau, Judy Ongg, Norman Tsui Siu-Keung, Tsui Hark, Corey Yuen u.a.
Zu - Warriors from the Magic Mountain

In Tsui Harks Fantasyfilm „Zu – Warriors from the Magic Mountain“ geben sich neben Yuen Biao auch Sammo Hung und Corey Yuen die Ehre

Während Tsui Hark („Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“) zu Beginn seiner Karriere mit verschiedenen Stilen und Genres experimentierte (trotz einer gewissen Actionlastigkeit) erschien unter anderem „Zu – Warriors from the Magic Mountain“, der als Verbindung als östlicher Folklore und westlicher Effekttechnik gedacht war.

In einem nicht unbedingt tiefsinnigen, aber durch politischen Opener beschreibt Hark den Weg des Soldaten Ti Ming Chi (Yuen Biao), der für die blaue Armee im China des 5. Jahrhunderts antritt, sich aber aus dem Staub machen will. Beim Versuch ein Boot zu kapern trifft er einen Soldaten der roten Armee (Sammo Hung), mit dem er Gemeinsamkeiten erkennt und Kämpfe simuliert, als nicht nur ihre Armeen, sondern auch noch die grüne und die gelbe Armee hinzukommen und aufeinander eindreschen, aufgrund von Gebietsstreitigkeiten, die sowohl Ti Ming Chi als auch sein neuer Freund als trivial erkennen. Zusätzlich gibt es noch Versionen mit einer Rahmenhandlung in der Gegenwart, in der der Held ein Fechter ist, der sich in eine schöne Frau verguckt und nach einem Unfall ins Koma fällt, worauf er in die Vergangenheit versetzt wird. Die Szenen sind unter anderem auf der britischen DVD von Hongkong Legends im Bonusmaterial zu bewundern, tragen aber wenig zum Film bei, weshalb es nicht verwundert, dass sie in der rund anderthalbstündigen Kinofassung nicht zu finden sind.

Kaum ist Ti Ming Chi den Berg heruntergefallen, begegnet er dem Schwertkämpfer Ting Yin (Adam Chen), der sich aufgemacht hat um den mächtigen Blutdämon zu stoppen. Auf dem Weg treffen sie den Mönch Hsiao Yu (Damian Lau) und dessen Schüler Yi Chen (Mang Hoi). Da sich Ting Yin und Hsioa Yu nicht verstehen und To Ming Chi im Weg herumsteht, entkommt der Blutdämon nach dem Kampf und kann nur von einem weiteren magischen Krieger, Chang Mei (Sammo Hung), kurzfristig gebändigt werden. Es bleiben nur 49 Tage ein Gegenmittel gegen den mächtigen Dämon zu finden…

Zu - Warriors from the Magic Mountain

Ti Ming Chi (Yuen Biao) stellt sich dem Blutdämonen entgegen

„Zu – Warriors from the Magic Mountain“ ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits muss man zugeben, dass der Film nur so vor visueller Pracht und kreativen Einfällen überquillt. Da gibt es Palastfenster, die als Ausgang mitten in einen See führen, Paläste, die komplett einfrieren, Fabelwesen wie Blutkrähen, hervorschießende und als Fesseln dienende Augenbrauen, um nur einige Ideen des Films zu nennen. Jede Konfrontation, jede Station der Reise kann mit neuen Monstern und neuen Phantastereien aufwarten, wodurch allein „Zu – Warriors from the Magic Mountain“ schon nicht langweilig wird.

Noch dazu wartet Harks Fantasy-Actionepos mit handgemachten Effekten auf, die über die Jahre wenig von ihrem Charme verloren haben, zu vergleichen mit der alten „Star Wars“-Trilogie, deren Tricks hin und wieder Pate gestanden haben könnten. So ist „Zu – Warriors from the Magic Mountain“ auch ein Beispiel für den kulturellen Austausch zwischen Filmländern, denn John Carpenter zählte den Film zu den Haupteinflüssen für seine Fantasy-Martial-Arts-Hommage „Big Trouble in Little China“. Die Kämpfe setzen viel auf Wirework und übernatürliche Kräfte, zeugen aber trotzdem vom choreographischen Geschick von Tsui Hark und seiner Stuntleute, zu denen unter anderem Corey Yuen gehört. Nur eben schade, dass mythische Fliegerei und effektvoller Budenzauber mehr zum Einsatz kommen als das körperliche Können der Hauptdarsteller, was gerade bei Yuen Biao und Sammo Hung schade ist.

Zu - Warriors from the Magic Mountain

Eine ungewöhnliche Waffe: Die Augenbrauen von Chang Mei (Sammo Hung)

Yuen Biao („Shanghai Police – Die wüstete Truppe der Welt“) schlägt sich nicht nur kämpferisch, sondern auch darstellerisch wacker als Held, während Sammo Hung („Martial Law“) in seinen zwei Rollen immer nur eine Randfigur bleibt. Adam Cheng („Der Vollstrecker“) und Damian Lau („My Father is a Hero“) leisten Brauchbares als streitende Meister, Brigitte Lin („Fantasy Mission Force“) hat Ausstrahlung, aber wenig zu tun als Herrscherin mit Heilkräften, während Moon Lee („Der Protector“) als Teil von deren Leibgarde vom Drehbuch vollends im Stich gelassen wird: Zwischenzeitlich wird sie als zentrale Figur aufgebaut, im Finale dann aber mehr oder weniger fallengelassen, damit man den Fokus auf die Kooperation der beiden Schüler legen kann.

Doch Lees Behandlung ist geradezu symptomatisch für diesen schön anzusehenden, aber vollkommen konfus erzählten Film. Figuren tauchen aus dem Nichts aus und treten ebenso schnell wieder ab, von der Reise der Helden ist nichts zu fühlen, da der Film nur episodenhaft einzelne Stationen abhandelt, die aber nie so recht verbunden zu sein scheinen. Wie viel von der 49-Tage-Frist gerade verstrichen ist, bleibt bestenfalls zu erahnen und wenn der Film in der Filmmitte fast nur in und um den Sitz der erwähnten Heiler-Herrscherin spielt, dann geht der Drive leider flöten. Mag sein, dass „Zu – Warriors from the Magic Mountain“ für Kenner der zugrundeliegenden Mythologie mehr Sinn macht, rein filmisch ist die Geschichte aber nur fragmentiert und schwer nachvollziehbar erzählt, weshalb es wohl Mono- und Dialoge braucht, in denen bestimmte Motive expressis verbis formuliert werden, beispielsweise, dass die Schülergeneration kooperieren muss, da die Geltungssucht der Meister diese auseinandertreibt, man dem Blutdämon allerdings nur mit vereinten Kräften die Stirn bieten kann.

Das Ergebnis reißt den Zuschauer dann hin und her. Tolle Bilder, charmante Effekte und phantasievolle Fantasy-Action werden in eine episodenhafte, zusammengestückelt wirkende Geschichte gepackt, die es an Nachvollziehbarkeit missen lässt. Das Ganze ist wunderschön anzusehen, kann seine erzählerischen Defizite und die damit verbundenen Längen aber nicht verbergen.

Hierzulande ist der Film bisher nicht erschienen, dafür gibt es ihn im Ausland auf DVD, in Großbritannien beispielsweise bei Hongkong Legends. Die britische DVD enthält nicht nur die Kinofassung des Films, sondern im Bonusmaterial noch die Rahmenhandlung, die für internationale Fassungen angedacht war, Interviews mit Mang Hoi und Moon Lee sowie einen Audiokommentar von Tsui Hark und Bey Logan.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Hongkong Legends__BBFC Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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