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Zulu

Originaltitel: Zulu__Herstellungsland: Frankreich, Südafrika__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Jérôme Salle__Darsteller: Orlando Bloom, Forest Whitaker, Tanya van Graan, Natasha Loring, Patrick Lyster, Conrad Kemp, Tinarie van Wyk Loots, Sven Ruygrok, Roxanne Prentice, Adrian Galley u.a.
Zulu

Orlando Bloom und Forest Whitaker ermitteln in einem ungeheuerlichen Mordfall.

„Apartheid“ umschreibt eine geschichtliche Periode, die durch eine staatlich festgelegte und organisierte Rassentrennung in Südafrika gekennzeichnet war. Seit Beginn des 20 Jahrhunderts zementierten hierbei aus Europa stammende Einwanderer mit entsprechenden Gesetzen, Verordnungen und ausführenden staatlichen Organen bis 1994 ihre selbsterklärte Vorherrschaft über alle anderen Bevölkerungsgruppen des Landes. Der Actionthriller „Zulu“ spielt etwa 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid und macht dabei deutlich, dass selbige in Südafrika noch heute allgegenwärtig ist…

In den botanischen Gärten Kapstadts wird eine Frauenleiche gefunden. Grausam zugerichtet entpuppt sie sich als Tochter eines ehemals sehr erfolgreichen, weißen Rugbyspielers, der inzwischen über viel politischen Einfluss verfügt. Während er in Radiosendungen Selbstjustiz proklamiert, will das Team um den Chef der Mordkommission, Ali Sokhela, den Fall auf herkömmliche Art auflösen. Schnell stochern sie dabei in diversen Wespennestern herum und sehen bald ihr eigenes Leben und das ihrer Angehörigen gefährdet.

Zumal den Ermittlern schnell klar wird, dass die Gründe für das Verbrechen in Kreise führen, in denen noch heute Schlüsselfiguren des ehemaligen Regimes zirkulieren und die kein großes Interesse daran haben, dass ihnen ein paar Cops in die Quere kommen. Schon bald sehen sich Ali und seine Mannen in ein Geflecht aus Drogenhandel, Gewalt und Rassismus verstrickt. Doch das eigentliche Motiv hinter dem Mord wird die wahre Natur des Menschen noch heftiger offenlegen…

Womit „Zulu“ von Anfang an zu punkten versteht, sind seine ungemein plastischen Figuren. Als da wären Ali Sokhela, ein bedacht und ruhig vorgehender Kopfmensch, der in der Zeit der Apartheid auf vielerlei Art und Weise verkrüppelt wurde. Seelisch wie körperlich. Doch er trägt dem System der Unmenschlichkeit diese Verfehlungen nicht nach. Er lebt im Hier und Jetzt und will ebenjenes verbessern und menschlicher machen. Sein junger Kollege Brian Epkeen ist das genaue Gegenteil von Ali. Er ist deutlich jünger, ungestümer und seit der Trennung von seiner Frau richtig abgefuckt. Er hält sich mit Tablettenmissbrauch in Bewegung, steigt mit jeder x-beliebigen Dame in die Laken und ist mit seinem ganzen Auftreten seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge. Nur Ali hält wirklich zu ihm. Doch auch Brian hat an den Folgen der Apartheid zu knabbern, denn sein Vater war einst ein hochrangiger Scherge des Systems mit ordentlich Dreck am Stecken. Was er ihm nie verziehen hat.

Auch Randfiguren wie Dan, ein Kollege von Ali und Brian, oder dessen Frau werden richtig mit Leben erfüllt und funktionieren auch dank der durchweg starken Darsteller glänzend. Dabei überrascht vor allem Orlando Bloom („Fluch der Karibik“) mit einer wuchtigen Performance. Wer glaubte, dass Forest Whitaker („The Last Stand“) ihn mühelos an die Wand spielen würde, wird sich schnell getäuscht sehen.

Zulu

Der Mord an einem Teammitglied nimmt Brian und Ali sehr mit.

Was „Zulu“ letztlich auch dadurch gelingt, dass er einem direkten Vergleich insofern vorbeugt, dass er beide auf ihre Art ermitteln lässt. So haben Bloom und Whitaker erstaunlich wenige Szenen miteinander, machen jeder für sich aber einen tollen Job, der einen mit den Figuren mitfiebern lässt. Das wird durch eine gut funktionierende Spannungskurve trefflich unterstützt. Denn während man zu Beginn den Eindruck hat, dass der Film recht langsam ins Rollen kommt, wird man von einer schockierenden Szene an einem Strand von Kapstadt richtig kalt erwischt. Hier macht der Film dann auch klar, dass keine Figur des Filmes irgendwie unverzichtbar ist. Zudem wird hier überdeutlich, dass „Zulu“ kein Kind von Traurigkeit ist. Da werden Hände abgehackt, Macheten in Kehlen getrieben und kaltschnäuzig Leben beendet. Das passiert nicht etwa im Off, nein, die Kamera von Denis Rouden hält gnadenlos drauf und zeigt die hässliche Fratze der Gewalt.

Dabei sind die Gewalteskalationen immer kurz und knackig gehalten. Ausufernde Actionszenen gibt es bis auf zwei umfangreichere Szenen nicht zu bestaunen. Der Actionlevel ist aber aufgrund des sich immer weiter steigernden Tempos konstant hoch. Was auch dadurch begünstigt wird, dass weder Ali noch seine Kollegen Stubenhocker sind oder im Internet recherchieren. Hier wird direkt vor Ort ermittelt, werden unbequeme Fragen gestellt und setzt es diverse zynische Bonmots, um andere aus der Reserve zu locken.

Dabei schwebt das Thema der Apartheid immer über „Zulu“. Da sind die Vorgesetzten der Cops Teil des ehemaligen Regimes. Da streiten sich die Cops über die Folgen der Apartheid. Da sind die Flashbacks in Alis traurige Vergangenheit und letzten Endes dreht sich der gesamte Fall um Menschen, die nach wie vor Unterschiede in der Wertigkeit bestimmter Menschenleben aufgrund deren Hautfarbe machen. Selbst in kleinen und kleinsten Szenen ist immer noch zu erkennen, dass man Jahre der Unterdrückung niemals mit einem Handstreich wird abschütteln können. Und das finale Motiv des Falles und die damit verbundenen, beklemmenden Bilder kommen kurz vor Schluss einem echten Schlag mit dem Holzhammer gleich. Dabei muss man aber unbedingt anmerken, dass „Zulu“ trotzdem nicht moralisiert oder mit der Keule die Folgen der Apartheid bloßstellen will, sondern immer ein reichlich harter Cop-Thriller bleibt und eher wohldosiert das schwierige Erbe der Apartheid aufgreift.

Zulu

Orlando Bloom zeigt, was er darstellerisch drauf hat…

In Szene gesetzt wird das Ganze in Bildern, die deutlich machen, dass in Südafrika noch immer grenzenlose Armut und unfassbarer Wohlstand nur eine Straßenkreuzung voneinander entfernt liegen. So tauchen wir sowohl in die lebendige, überfüllte, gefährliche Welt der Townships ein und gastieren wenig später auf weitläufigen Privatgrundstücken, abgesichert durch private Sicherheitsdienste und allgegenwärtige Sicherheitskameras. Die Handlungsszenen werden von Regisseur Jérôme Salle („Largo Winch 1+2“) mit sicherer Hand und viel Gespür für Atmosphäre in Szene gesetzt. In der Action schaltet er immer wieder einen Gang hoch, ohne allzu dynamisch zu werden oder in Wackelkamera-Orgien zu verfallen. Actiontechnisch ist eine Ballerei im Mittelteil mit gut getimter Verfolgungsjagd im Anschluss ein kleines Highlight. Übertroffen wird diese Szene aber durch den starken Showdown in der Wüste Südafrikas. Nachdem hier Forest Whitaker mit einer Pump Gun zu melancholischer Musik für reinen Tisch sorgt, kontrastiert „Zulu“ diesen handfesten Abschnitt mit einer daran anschließenden, vollkommen antiklimaktischen Verfolgungsjagd, die sich gerade aufgrund ihrer ruhigen, prächtigen Bilder aus der Wüste ins Sehzentrum einbrennt. Allgemein sind die Wüstenbilder rund um den Showdown einfach nur als wunderschön zu beschreiben.

Wunderschön kommt einem dann für „Zulu“ in seiner Gesamtheit nicht in den Sinn. Der ist nämlich eher ein verdammt brutaler, stark gespielter und spannend inszenierter Actionthriller, der sein Publikum ernst nimmt und selbiges dank Figuren mit Ecken und Kanten in einen immer obszöner werdenden Fall hineinzieht und bis zum stark inszenierten Showdown nicht mehr loslässt. Natürlich mag sich „Zulu“ gerade bei seinen Übelwichten zu sehr auf Klischees und eine überdeutliche Schwarz-Weiß-Zeichnung verlassen, dafür ist er in vielen anderen Aspekten ausgewogen genug, um ihm diese Schwäche nicht allzu sehr ankreiden zu müssen.

„Zulu“ erscheint am 31. Oktober 2014 auf DVD und Blu-ray von ZDF.Enterprises/Pathe!/Studio Hamburg Enterprises und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: ZDF.Enterprises/Pathe!/Studio Hamburg Enterprises__Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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