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Passion Play

Originaltitel: Passion Play__Herstellungsland: USA __Erscheinungsjahr: 2010__Regie: Mitch Glazer__Darsteller: Mickey Rourke, Megan Fox, Bill Murray, Rhys Ifans, Kelly Lynch, …

Cover der deutschen Veröffentlichung.

Das amerikanische Kino-Poster.

 „Passion Play“ (2010) ist ein ungewöhnlicher Film, der nicht bloß aufgrund der Beteiligung solcher Akteure wie Mickey Rourke, Megan Fox, Rhys Ifans und Bill Murray relativ rasch meine Aufmerksamkeit erlangte, sondern auch weil mich eigenwillige Indies seit jeher (per se) interessieren – und eben jener „speziellen cineastischen Kategorie“ gehört eine von augenfälligen „Arthouse-Ambitionen“ geprägte Kreuzung aus Drama, Krimi, Fantasy-Märchen und Liebesgeschichte (der tragisch-düster-ernsten Art) ja nun ganz ohne Frage an. Berichten nach ist Skriptautor und Regiedebütant Mitch Glazer fast 20 Jahre lang mit dem Projekt schwanger gegangen, bevor er es schließlich realisieren konnte bzw. umsetzen durfte – umso bitterer muss es für ihn gewesen sein, als die Festival-Premiere in Toronto (wo allerdings lediglich eine „vorläufige Schnittfassung“ des Werks gezeigt wurde) zum Fiasko geriet: Angesichts des Gebotenen kam es innerhalb des Publikums mehrfach zu Gelächter „an den falschen Stellen“, verließen etliche Zuschauer den Saal teils deutlich vor Erreichen des Abspanns und fielen die später erschienen Kritiken nahezu durch die Bank weg vernichtend aus. Hinzu kam noch, dass sich ausgerechnet Mr. Rourke zu dem (unprofessionellen) Kommentar hinreißen ließ, den Streifen im Rahmen eines Interviews als „terrible“ zu bezeichnen. Im Grunde kein Wunder also, dass er letzten Endes in nur zwei US-Kinos (in einer einzigen Maiwoche 2011) gezeigt wurde und im Zuge dessen nicht einmal 4.000 Dollar einspielte. Trotz dieser wenig verheißungsvollen Vorzeichen blieb meine Neugier dennoch intakt – u.a. weil mir der gesamte „Vibe“ des veröffentlichten Trailers erstaunlich gut gefiel…

Nate Poole (Rourke) ist ein heruntergekommener Jazz-Trompeter, der sowohl über eine Junkie-Vergangenheit als auch eine (bis heute fortbestehende) „Schwäche“ für harte Drinks und schöne Frauen verfügt, inzwischen mehr schlecht als recht über die Runden gelangt und gleich zu Anfang des Films unmittelbar davor steht, irgendwo in einer einsamen Wüstenregion von einem Kriminellen hingerichtet zu werden, nachdem seine Affäre mit der Frau des örtlichen Gangsterbosses ‘Happy’ Shannon (Murray) zuvor bekannt geworden war. Durch ein „Wink des Schicksals“, im Vorliegenden vertreten in Gestalt einer Gruppe indianischer Krieger, entgeht er jedoch überraschend (nur knapp) seinem Ende – worauf er erst einmal eine ganze Weile orientierungslos in der abgeschieden-kargen Landschaft New Mexikos umher irrt. Irgendwann trifft er dann jedoch auf einen Wanderzirkus, der von einem exaltierten Herrn namens Sam (Ifans) geführt wird und eine kleine „Freak-Show“ (unter dem Motto „Himmel & Hölle“) beherbergt, deren Hauptattraktion ihn auf Anhieb in Faszination versetzt: „Bird Woman“ Lily (Fox) ist überaus hübsch, besitzt echte Flügel auf ihrem Rücken und sieht (entsprechend) wie ein Engel aus…

Spontan bietet Nate ihr an, mit ihm von jenem Ort zu verschwinden – was sie eingangs allerdings noch ablehnt (obgleich zögerlich, da im Prinzip unglücklich mit ihrem Leben) – bis sein Verhalten den aufbrausenden Zorn Sams auf sich zieht und sie ihn daraufhin (per Flucht mit einem Pickup-Truck) aus dessen Gewalt errettet. Gemeinsam kehren sie in die Großstadt zurück – in welcher er prompt einen Plan zu verfolgen beginnt, der sich um einen Deal mit Shannon rankt und durch welchen er seinen Kopf erneut aus der betreffenden „Schlinge“ zu ziehen gedenkt: Zu diesem Zweck bietet er dem Unterweltler Lily (quasi) als eine zu managende „Show-Sensation“ an – ein Vorschlag, den er aber bald schon bitter bereuen soll, nicht nur weil es für ihn ein gewagtes Unterfangen ist, noch einmal eine solche „Geschäftsverbindung“ einzugehen, sondern auch da dieses Vorgehen nicht gerade einen „positiven Beitrag“ zu den immer stärker werdenden Gefühlen zwischen ihnen leistet. Daraus resultierend, verliert Nate binnen kürzester Zeit (wiederum) „nahezu alles“ – hasst sich selbst dafür und wird sogar rückfällig. Nur das beherzte Eingreifen einer Freundin (Kelly Lynch) verhindert die vollständige Eigenzerstörung. Fortan leitet ihn nur ein einziger Gedanke: Er muss Lily zurückbekommen bzw. -gewinnen – und das ggf. mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln…

Unentwegt entfaltet sich „Passion Play“ entlang eines schmalen Grads zwischen Realität und einer unaufdringlichen Form von Surrealismus. Zwar mögen letztere Elemente gewisse Teile des Publikums (mehr oder minder geschwind) zum Kopfschütteln animieren und/oder sogar richtig verärgern – doch dem geneigten Betrachter ist es innerhalb des präsentierten Kontexts durchaus möglich, sie als ein inhaltliches wie stilistisches, der angestrebten Atmosphäre klar zugute kommendes Stilmittel anzusehen. Bewaffnete, ganz in weiß gekleidete amerikanische Ureinwohner, seltsam-plötzliche Tag/Nacht-Wechsel: Eigenartige Gegebenheiten wie diese gibt es gleich mehrere und werden frei etwaiger Erklärungen dargereicht – bis eine finale Offenbarung die Ereignisse mit einer „veränderten Perspektive“ versieht, welche viele der vermeintlichen Unstimmigkeiten tatsächlich noch „auszubügeln“ vermag. Im Angesicht so manch eines Hinweises im Vorfeld, von denen die deutlichsten übrigens metaphorischer Natur sind, kam jener „Twist“ für mich persönlich wenig überraschend – nichtsdestotrotz erfüllt er seinen Zweck (im beschriebenen Sinne) und bringt die Story zu einem anständigen Abschluss. Ohne einen „auflockernden Humor“ mit einzuarbeiten, erzählt Glazer eine dramatisch-ernste Geschichte (u.a.) über gesellschaftliche Außenseiter, eine ungewöhnliche Liebe sowie tief verwurzelte Hoffnungen, Sehnsüchte und Emotionen – angesiedelt in einer ebenso kalten wie düsteren „Neo-Noir“-esken Welt, angereichert mit unterschiedlichen Versatzstücken des klassischen „Crime-Genres“. Leider aber fehlt es sowohl seiner Vorlage als auch ihrer Umsetzung an solch entscheidenden Eigenschaften wie (z.B.) einer beseelten Kreativität, einem ausgeprägten Scharfblick oder eben jener Leidenschaft, die der Titel im Grunde genommen ja eigentlich suggeriert bzw. geradezu verspricht…

Kurz nach seinem gefeierten Comeback in Darren Aronofsky´s „the Wrestler“ lieferte Mickey Rourke („Spun“) in diesem Werk hier eine solide Performance ab, die an sich keineswegs unähnlich gestaltet daherkommt – schließlich teilen sich Poole und Randy ‘the Ram’ Robinson so einige markante Charakterzüge – dank der schwächeren Skript-Qualität allerdings weder einen derart kraftvollen noch nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann. Es ist unverkennbar, dass ihm Parts wie diese (sprich: harte Männer mit einem „melancholisch-verletzlichen“ Kern) einfach liegen – vielleicht, weil Rourke „im wahren Leben“ anscheinend nicht allzu groß „anders gestrickt“ ist. Ich bin mir darüber im Klaren, dass Megan Fox („Jennifer´s Body“) wohl nie zu einer herausragenden Schauspielerin „heranwachsen“ wird – doch ist sie beileibe nicht so mies, wie viele gern behaupten. Lily verkörpert sie rundum passabel – verleiht ihr mit ihren Blicken, Gesten sowie der gewählten Sprechweise einen zarten, charmanten und Sympathie erzeugenden Eindruck. Obendrein sieht sie (wie immer) absolut umwerfend aus. Die Gefühle zwischen ihr und Nate sind nachvollziehbar, denn sie bieten ihnen (jeweils) lang ersehnte „Wärme“, Akzeptanz und Verbundenheit: Umso schwerer wiegt sein unüberlegtes Verhalten, sie (eigennützig) für einen Deal mit Shannon zu „missbrauchen“ – erst recht, als sie ihn fortan trotzdem weiterhin so gut wie möglich zu schützen versucht. Weitestgehend blass bleibt indes ausgerechnet Bill Murray („Groundhog Day“): Unabhängig dessen, dass ich ihn in dramatischen Rollen noch nie für sonderlich „hochklassig“ erachtet habe, nimmt man ihm den Gangster Shannon (einiger amüsanter Manierismen zum Trotz) schlichtweg nicht genügend ab – in der Hinsicht war er etwa in „Mad Dog and Glory“ ein ganzes Stück weit besser. Verlässlich bringt Rhys Ifans („Mr. Nobody“) seine limitierte Screen-Time ohne Anlass zur Klage über die Bühne – während die seit ’92 mit Glazer verheiratete Kelly Lynch („the Jacket“) als Poole´s Bekannte Harriet kaum mehr zutun erhält, als in Unterwäsche aufzutreten und löbliche Ratschläge von sich zu geben…

Neben den verfassten Drehbüchern zu Filmen wie „the Recruit“, „Great Expectations“ und „Scrooged“ war Mitch Glazer auch als „Associate Producer“ u.a. bei „Lost in Translation“ tätig – wobei letztere beiden Projekte ja eine „Connection“ zwischen ihm und Murray zutage kehren. In diesem Fall krankt sein Skript jedoch (merklich) an einem Mangel an wirklich überzeugenden Ideen, einer zeitweise leicht holprigen Verlaufsentfaltung und einer zu oberflächlich konzipierten Handlung, die statt einer „wahren inhaltlichen Tiefe“ des Öfteren bloß „aufgesetzte Dramatik“ präsentiert – ebenso wie an verschiedenen unbefriedigend banal geratenen Dialogzeilen. Sporadisch ist seine Erfahrungslosigkeit als Regisseur im Rahmen einzelner Szenen unverkennbar – doch gleicht die stimmige Ausleuchtung der Sets und Kulissen sowie die stilvolle Kameraarbeit Christopher Doyles („Hero“) so einiges in der Beziehung (zum Glück) wieder aus, was gleichermaßen auf den melodischen Score Dickon Hinchliffes („Winter´s Bone“) sowie manch klangvollen Song auf dem Soundtrack zutrifft. Das Tempo ist durchweg (dem Kontext angepasst) ruhig, schicke Locations sind regelmäßig zu erspähen – und diverse Einstellungen (unter ihnen mehrere mit Lily im Mittelpunkt) entbehren keineswegs einer speziellen „visuellen Kraft“. Es ist jedoch in den Momenten, in denen bestimmte „F/X“ (primär Green-Screen-Kompositionen) zum Einsatz gelangen, dass gewisse „technische Defizite“ negativ zubuche schlagen sowie die gefürchtete „unfreiwillige Komik“ zum Vorschein tritt – allerdings sind da im Prinzip nur zwei (separate) Sequenzen herauszustellen, die Lily jeweils beim Fliegen zeigen, in der gebotenen Form (aus den besagten Gründen) einfach nicht vernünftig „funktionieren“ sowie die aufgebaute Atmosphäre in jenen Augenblicken auf Anhieb schädigen bzw. gar kurzzeitig zerstören: Ohne diese „misslichen Sekunden“ wäre meine abschließende Bewertung (auf der „gängigen 10er-Skala“) vermutlich übrigens um rund einen Punkt besser ausgefallen…

Fazit:  Bei „Passion Play“ handelt es sich um eine relativ ungewöhnliche, gelegentlich etwas schwerfällig und ungeschickt realisierte Geschichte u.a. über Schuld, Sehnsucht, Einsamkeit, Wiedergutmachung und Erlösung, die mit so einigen dramaturgischen Schwächen behaftet ist, öftermals von ihrer eigentlichen „Ideallinie“ abgerät und welcher es (unterm Strich) in erster Linie an echter Leidenschaft mangelt. Beileibe nicht so „abgrundtief schlecht“ wie sein Ruf, ist der Streifen (dennoch) im Grunde bloß eingeschworenen Freunden eigenwilliger Indies bzw. nur einem sehr ausgewählten Publikum (jeweils mehr oder minder stark) zu empfehlen…

knappe

Hierzulande hat “StudioCanal” den Film (ungeschnitten mit einer “FSK-16”-Freigabe) auf DVD und BluRay veröffentlicht. In den USA ist er ebenfalls zu haben – allerdings ist die dortige BluRay (aus dem Hause “Image Entertainment”) Region A locked.

Stefan Seidl

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Copyright der Cover und Bilder: StudioCanal (D) und Image Entertainment (US)__Freigabe der deutschen Veröffentlichung: FSK-16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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