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Proxima Centauri 3 – Revolte im All

Originaltitel: Space Rage__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Peter McCarthy, Conrad E. Palmisano__Darsteller: Richard Farnsworth, Michael Paré, John Laughlin, Lee Purcell, Lewis Van Bergen, William Windom, Frank Doubleday, Dennis Redfield, Harold Sylvester, Wolfe Perry u.a.
Proxima Centaury 3

Michael Pare als bezopfter Gauner in “Proxima Centaury 3”

Bankräuber Grange räumt auf der Erde eine Bank aus und meint es daraufhin mit den vor Ort befindlichen Bankkunden etwas zu gut, als er ihnen mehrere Ladungen Blei spendiert. Doch bei seiner anschließenden Flucht kommt Grange nicht weit und wird sogar noch im Gebäude der Bank von der Polizei gestellt. Einige wüste Beschimpfungen der Richterin später befindet sich Grange auf dem Flug zu dem Planeten „Proxima Centauri 3“, ein wüstenartiger Gefängnisplanet, wo die Gefangenen in Bergwerken irgendwelche Rohstoffe abbauen müssen. Es dürft klar sein, dass Grange sich hier nicht besonders wohl fühlt, weshalb er schon bei seiner Ankunft zu fliehen versucht. Dabei lernt er die Gesetzeshüter des Planeten kennen: Die Tracker, Kopfgeldjäger und eiserne Vertreter des Gesetzes. Grange fügt sich zunächst in sein Schicksal, doch er arbeitet beständig an einem Plan, dem Planeten aus einem Raumschiff heraus den Mittelfinger zu zeigen…

„Proxima Centauri 3“ beginnt beinahe schon innovativ, indem man dem Actionfan den einleitenden Bankraub nicht zeigt, sondern ihn nur über seinen Gehörsinn an den Ereignissen teilhaben lässt. Danach wird der Zuschauer Zeuge, wie ein lustig frisierter Michael Pare ein paar stillstehende Rolltreppen hinunterhetzt und sich von ein paar Deppen mit einem Netz einfangen lässt. Kurz darauf steht er mit rotzfrecher Attitüde in einem Gerichtssaal herum und lässt eine Beleidigung nach der anderen vom Stapel. Wenig später kommt er dann auf dem Gefängnisplaneten an, der verdächtig nach den üblichen Schauplätzen amerikanischer Western riecht.

Und tatsächlich, die Westernmotive nehmen nun von Minute zu Minute zu: Da haben wir Verbrecher und Kopfgeldjäger. Die Pferde werden durch Wüstenbuggys ersetzt. Gefangene werden an den Buggys festgebunden und hinterhergezogen. Die Tracker sehen aus wie Ranger und der weitgehend aus griffigen Rocksongs bestehende, sehr schmissige Score bemüht sich ebenfalls vehement, Westernflair aufkommen zu lassen. Leider versandet der Film selbst nun ein wenig. Denn nach dem flotten Einstieg lässt er seine Charaktere erst einmal ordentlich schwätzen. Wären da nicht Grange und sein erster Ausbruchsversuch, es wäre gar keine Bewegung in den ersten 40 Minuten. Zumal Grange scheinbar in eine Art Lethargie verfällt und lieber an seinem Fluchtplan herumdoktert, als das zu machen, was Fieslinge halt so machen: Zum Beispiel fies sein und so…

Glücklicherweise kommt dann endlich der Moment des großen Ausbruchs und der Actionpegel geht wieder steil nach oben. Eine dicke Explosion leitet alles ein und einige blutige Shootouts sorgen für die Schauwerte. Mit einem großen Bagger macht man dann das Gefängnislager platt und richtet sich in seiner Zerstörungswut gen normalsterbliche Einwohner von „Proxima Centauri 3“. Dabei killt man auch die unschuldige Frau von Obertracker Walker, der nun freilich Rache schwört. Es folgt eine lange Wüstenbuggyverfolgungsjagd mit ordentlich Blech- und Ganovenkollateralschäden, die aber für Walker kein gutes Ende nimmt. Weswegen man mit einem neuen, sehr betagten Helden in Richtung Showdown reiten muss, der in einem wirklich besonderen Setting steigt: Einer Stadt, die aus Lastencontainern besteht! Hier gibt es einige Standoffs und amtlich Blutgespritze und der nun das Heft der Rache in die Hand nehmende Actionopi räumt ordentlich auf. Kurzum: In der letzten halben Stunde ist „Proxima Centauri 3“ glücklicherweise durchweg in Bewegung und wird durchgehend für ordentliche Actionschauwerte gesorgt.

Hier werden dann auch diverse Fragen erschossen, die vor allem in den ersten Minuten zuhauf aufkamen: So wird beispielsweise nie erklärt, warum man mit den Gefangenen andere Planeten ausbeutet. Ebenso wenig wird geklärt, warum ein Exodus der Erde stattgefunden hat und warum manche dennoch unbedingt wieder zum blauen Planeten zurückwollen. Auch haben die Figuren nur die simpelsten Motivationen abbekommen: Grange ist halt böse, weil er eben Böses tut. Und Walker ist der strahlende Held, weil er sich genauso gebärdet – und so weiter und so fort. Auch hätte man ruhig das Gefängnis selbst noch ein wenig stärker fokussieren können. So leben in diesem Knast Frauen und Männer nicht getrennt. Mehr will der Film aber auch hier partout nicht preisgeben.

Auch mehr Humor hätte dem Film gut gestanden. „Proxima Centauri 3“ hat zwar einige hübsch zynische Momente abbekommen, für ein paar befreiende oder das Geschehen etwas auflockernde Lacher reicht es aber nie. Die Darsteller schlagen sich derweil sehr ordentlich. Vor allem Michael Pare („Amphibious“) macht als ungestümer, immer voranpreschender Grange eine hervorragende Figur und seine Kaltschnäuzigkeit gegenüber Freund wie Feind macht richtig Laune. Hier ist er noch meilenweit von manch phlegmatischer Darstellung späterer Jahre/Rollen entfernt. Als sein Antagonist langweilt der etwas zu glatte John Laughlin („The Rock“) als Walker, dafür macht der später für ihn übernehmende Richard Farnsworth („Der Senkrechtstarter“) eine glänzende Figur als hardboiled Rentner, der wirklich eiskalt alles umnietet, was nach fieser Visage ausschaut. Der Rest des Castes dient als Kanonenfutter und kommt mit dieser Rollenbeschreibung offensichtlich gut zurecht.

Optisch ist der Film recht anspruchslos geraten. Er macht niemals einen Hehl daraus, dass kein Geld da war, um wirklich einen anderen Planeten vorzuspiegeln. Nichts auf diesem fremden Planeten sieht nicht nach Erde aus. Keine futuristischen Waffen, Häuser oder Autos, keine futuristische Kleidung,… Doch der Film macht das Beste aus der Situation, indem er sich selbst in ein Westerngewand kleidet und diverse Klischees des Genres bedient. Selbst beim finalen Duell lugt verschmitzt so mancher Westernklassiker unter der Oberfläche hervor. Der einzige echte Special Effect rund um die Raumfähre, die die Gefangenen transportierte, funktioniert ziemlich ordentlich und die anderen Effekte (Explosionen, Blutspritzer usw.) entpuppen sich dankenswerterweise als reine und überzeugende Handarbeit.

Das Ergebnis ist ein flotter Wüstentrasher mit einem ordentlich aufgelegten Cast und einem geradezu engagiert wirkenden Michael Pare, der mit cooler Zopffrisur und ordentlicher Eiseskälte einen fiesen Fiesling entwerfen darf. Schade ist eigentlich nur, dass „Proxima Centauri 3“ aka „Space Rage“ nach einem relativ flotten Beginn ein wenig ins Koma fällt, sich mit ziemlich vielen, extrem uninteressanten Belanglosigkeiten aufhält und wirklich interessante Fragen nicht aufzunehmen vermag. In Richtung Showdown nimmt der Film aber wieder ordentlich Fahrt auf und bietet dem geneigten Fan ordentlich blutspritzende Action, ohne in ein brutales Gemetzel zu verfallen. Und auch wenn etwas Humor dem Film nicht geschadet hätte, nimmt man zumindest so manch abgefeiertes Westernklischee mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.

Die deutsche DVD zum Film, der seit 2013 nicht mehr auf der Liste jugendgefährdender Medien steht, stammt von dem Label Defcon, ist nicht FSK geprüft und wirkt dennoch in einer Szene geschnitten, was aber nicht weiter stört. Bild- und Tonqualität sind ordentlich ausgefallen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Defcon__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: ???__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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