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the Killing Jar

Originaltitel: the Killing Jar__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2010__ Regie: Mark Young__ Darsteller: Amber Benson, Michael Madsen, Harold Perrineau, Kevin Gage, Jake Busey, Lindsey Axelsson, Talan Torriero, Lew Temple, Danny Trejo, …
Das US-amerikanische DVD-Covermotiv.

Das US-amerikanische DVD-Covermotiv.

Bei Regisseur und Drehbuchautor Mark Young´s „the Killing Jar“ handelt es sich um einen Kammerspiel-artigen Low-Budget-Crime-Thriller aus dem Jahre 2010, der sich komplett in einem abgelegenen Diner im Laufe einer einzigen Nacht entfaltet. Die erzählte Geschichte setzt zu fortgeschrittener Stunde eben jenes Abends ein – und zwar als sich Jimmy (Danny Trejo), der mürrische Koch und Besitzer des Ladens, gerade allmählich auf die Schließung der Küche vorzubereiten beginnt, während sich seine von ihrer langen Schicht unverkennbar erschöpfte Kellnerin Noreen (Amber Benson) noch so gut es geht um die letzten verbliebenen Gäste kümmert: Da wäre der örtliche Deputy Lonnie (Lew Temple), ein auf der Durchreise eine Tasse Kaffee trinkender Verkäufer (Harold Perrineau als Dixon), das junge Pärchen Billy (Talan Torriero) und Starr (Lindsey Axelsson) sowie der auf seinen Touren regelmäßig dort anhaltende Trucker Hank (Kevin Gage). Seit im Radio die Sondermeldung verbreitet wurde, dass man im benachbarten County eine vierköpfige Familie brutal ermordet aufgefunden hat, herrscht unter den Leuten ein gewisses Unbehagen – schließlich sind Verbrechen jener Art in dieser ländlichen Gegend fern von alltäglich…

Just dann schreitet Doe (Michael Madsen) zur Tür herein: Ein angespannt wirkender Fremder, der u.a. recht grämlich darauf reagiert, dass Jimmy ihm kein Steak mehr grillen möchte. Aus seinem feindseligen Auftreten und ihrem „Bauchgefühl“ resultierend, äußert Noreen kurzerhand den Verdacht, dass er eventuell ja der gesuchte Mörder sein könnte. Um ihr den entsprechenden Gefallen zu tun, stellt ihm Lonnie im Folgenden einige Fragen – Was führt Sie hierher? Wo geht´s noch hin? (usw.) – auf welche Doe ebenfalls relativ wirsch reagiert. Die Situation zwischen den Männern spitzt sich kontinuierlich weiter zu – doch noch ehe sie vollends eskaliert, treten einige Infos zum Vorschein, die klare Zweifel an der Vermutung erzeugen, dass der Herr tatsächlich derjenige ist, nach dem inzwischen in der ganzen Region gefahndet wird. Unweigerlich bleibt dem Gesetzeshüter kaum mehr übrig, als sich für sein voreilig-überzogenes Verhalten zu entschuldigen – wonach Doe noch einige bissige Worte zum Thema „Gastfreundschaft“ äußert und die Lokalität direkt im Anschluss daran verlässt. Es ist jedoch so, dass er nur wenig später ins Innere zurückkehrt – nun aber mit einer Schrotflinte in Händen: Der Auftakt eines wahren „Blutbads“ unter den Anwesenden…

Es ist in der dreißigsten Minute der insgesamt eineinhalb-stündigen Spielzeit von „the Killing Jar“, dass Doe seine Pumpgun aus dem Wagen holt und in eiskalter Weise die ersten zwei zugegenen Personen erschießt – umgehend sowie aus nächster Nähe. Bis hin zu diesem Punkt im Geschehen bietet der Film dem geneigten Betrachter sowohl einige Hintergrundinfos zu den Beteiligten (Dixon z.B. ist Witwer, Noreen mit einem arbeitslosen Nichtsnutz verheiratet) als auch zu dem Schauplatz an sich – gelegen nahe eines provinziellen Städtchens, mit welchem es bergab geht, seit ein einstmals Touristen-trächtiger See ausgetrocknet ist – ebenso wie im Hinblick auf die ihnen drohende Gefährdung: Zusammen mit ihren Kindern ist ein Ehepaar in ihrem Eigenheim regelrecht hingerichtet worden – etwas, das dem Publikum sogar in Form einer (überflüssigen wie klischeehaften) Schwarzweiß-Rückblende aufgezeigt wird. Trotz einer zügig eingeleiteten Fahndung befindet sich der Täter weiterhin auf der Flucht. Eine unheilschwangere Prämisse also. Verständlich, dass jemand wie Doe (ein übellaunig-reizbarer Unbekannter) da Misstrauen und Befürchtungen erweckt – und so ist es Noreen, welche Deputy Lonnie letztlich dazu bewegt, der Sache doch mal nachzugehen…

Im Rahmen der Befragung entpuppt sich der Polizist jedoch rasch als eine nur schwer ernst zu nehmende „Pfeife“, die sich (im Angesicht dessen, dass Doe ihm gegenüber weder Respekt noch Kooperationsbereitschaft zeigt) irgendwann nicht mehr anders zu helfen weiß, als seine Dienstwaffe zu ziehen und ihn mit dieser im Anschlag anzuschreien: Autoritätsvermittlung und Stressresistenz sieht jedenfalls anders aus. Wie auch immer: Nachdem sich herausstellt, dass er wohl nicht der Gesuchte ist und daher „seines Weges ziehen“ darf, entspannt sich die Lage (in Gestalt einer Kombination aus Erleichterung, Verwunderung und Betretenheit, dass man jemanden derart falsch eingeschätzt hat) für einige Augenblicke – bis der verärgerte ehemalige Regierungsangestellte erneut den Diner betritt und unverzüglich das Feuer eröffnet. Die beiden Männer, von denen er sich besonders mies behandelt fühlte, werden seine ersten Opfer – wohingegen er Noreen verschont, als sie ihn unmittelbar darauf „um ihr Leben bittet“. Offenbar hatte sich in der Vergangenheit ein immenses Maß an Frust und Zorn in ihm aufgestaut – bis das Widerfahrene dann schließlich zum sprichwörtlichen „Tropfen zuviel“ wurde. Frei eines konkreten Plans, sieht er sich fortan nun also mit zwei Toten und fünf Geiseln konfrontiert…

Unverhofft taucht nicht lange danach ein sich „Mr. Greene“ nennender Anzugträger (Jake Busey) im Restaurant auf, der (überraschenderweise) nicht wirklich verwundert auf die vorgefundene Situation reagiert, Doe sogleich mit dem Namen „Mr. Smith“ anspricht und ihm zudem einen prall mit Geld gefüllten Aktenkoffer aushändigt: Die Bezahlung des beauftragten Mordes an der besagten Familie einige Stunden zuvor. Tja, schlecht nur für Greene, dass ihm Doe erst zum Ende des Gesprächs hin gesteht, überhaupt nicht Smith zu sein! Schnell findet sich der Verblüffte an einen Stuhl gefesselt wieder – während sich alle zunehmend inniger mit dem Gedanken auseinanderzusetzen beginnen, dass einer aus ihrer Mitte somit ja (höchstwahrscheinlich) ein brutaler Profi-Killer sein muss: Bloß wer? Es ist ausgerechnet Doe, der sich dieser Aufgabe Schrägstrich Herausforderung prompt mit Nachdruck annimmt: Wie es der (vom Autor erdachte) „Zufall“ so will, wurde er seitens des Militärs früher nämlich als Verhör-Spezialist eingesetzt – weshalb er stracks auch damit loslegt, sich einen nach dem anderen vorzuknöpfen, sie also der Reihe nach zu befragen, um auf diesem Pfade etwaige Lügen (mitsamt der ins Auge gefassten Wahrheit) zutage zu kehren…

Die gebotene Prämisse ist zwar beileibe keine allzu originelle, weist aber trotzdem einen nicht zu verachtenden Reiz auf: Einige unschuldige Personen, die sich einfach nur zur falschen Zeit im falschen Lokal aufhalten und sich innerhalb einer auf einmal geradezu klaustrophobisch anmutenden Räumlichkeit nun plötzlich dem Belieben eines psychisch instabilen Amokläufers ausgesetzt sehen, der seinerseits (per Anwendung grausamer Methoden) einen anderen, sich aktuell noch unerkannt unter ihnen aufhaltenden Mörder zu entlarven versucht. Was zu etlichen intensiven Momenten voller Suspense hätte führen sollen, scheitert jedoch vorrangig an der überwiegend uninspirierten Beschaffenheit des Ursprungsmaterials: An sich schon lassen sich die bloß in Frage kommenden Verdächtigen an weniger als einer Hand abzählen – wobei jeder, der nur halbwegs vernünftig aufgepasst hat, im Grunde sofort einen treffsicheren Tipp abgeben kann – und besteht der übrige Verlauf (von diesem Punkt an) aus kaum mehr als jeweils ein paar Minuten am Stück andauernde, redselige sowie um Folter-Praktiken (wie Schläge oder anderweitiges Zufügen von Schmerzen) ergänzte Inquisitionen. Keine unbedingt gehaltvolle, dem Publikum hier dargereichte Geschichte…

Bei einer Story wie dieser hängt viel von den präsentierten darstellerischen Leistungen ab. Obgleich er im Zuge seines Auftritts durchaus sporadisch zwischen „unmotiviert auf Auto-Pilot“ und „furchteinflößend-kraftvoll bei der Sache“ schwankt, agiert der im Portraitieren von Psychos bekanntermaßen ja geübte Michael Madsen („Kill me again“) trotz allem noch weitestgehend solide. Auch Amber Benson (TV´s „Buffy the Vampire Slayer“) meistert ihre Rolle der vom Leben ernüchterten Kleinstadt-Kellnerin nicht frei diverser registrierbarer Schwächen – und dennoch gefiel mir ihre Darbietung in bestimmten Sequenzen dermaßen gut, dass ich Noreen am liebsten „kurz mal in den Arm genommen“ hätte (sprich: sie bei mir echtes Mitgefühl heraufbeschworen hat). Gewohnt verlässlich, insgesamt jedoch glanzlos agiert indes Kevin Gage („Heat“) als Veteran und Trucker, Harold Perrineau („Seeking Justice“) holt das Beste aus seinem oberflächlich gestrickten Part heraus, Jake Busey („Identity“) spult seine übliche (tendenziell nervige) Routine ab, Danny Trejo („Machete“) ist nur flüchtig mit von der Partie und die Performance Lew Temples („Unstoppable“) würde ich keinesfalls höherwertiger als „knapp noch akzeptabel“ einstufen…

Als die jungen Liebenden Starr und Billy verbringen Lindsey Axelsson („Cabin Fever 2“) und Talan Torriero („Driftwood“) den Hauptteil ihrer Screen-Time mit wimmern (sie) und Trost spenden (er) – wodurch sie beide keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen können. Ich hätte mir fast gewünscht, dass sie am Ende die Killer gewesen wären – einfach um irgendwie die limitierte Aufmerksamkeit zu „rechtfertigen“, welche ihnen das Drehbuch bloß zugestanden hat. U.a. Klischees, schlichte Charakterzeichnungen und eine unbefriedigende Dialogqualität aufweisend, schwächen die verschiedenen Versäumnisse und Verfehlungen der Vorlage den Streifen unverkennbar gewichtig – zumal die zu vernehmenden Drohungen, Schilderungen und Konversationen mehrheitlich substanzarm daherkommen, sie weder sonderlich packend noch interessant mitzuverfolgen sind und sich die komplette Angelegenheit ohnehin viel zu „gesprächig“ und „ausgedehnt“ anmutend entfaltet. An einer Stelle meint einer der von Doe Verhörten sogar „You´re gonna kill me, right? Look, let´s just get on with it: I really can´t take any more of all this talking!” – und spricht dem Zuschauer somit zugleich buchstäblich aus der Seele…

Da der Film nur über eine einzige Location verfügt, sieht man ihm sein geringes (nicht einmal eine halbe Million Dollar betragendes) Budget zu keiner Zeit unvorteilhaft an. Während die arrangierten bzw. eingefangenen Bilder des Cinematographers Gregg Easterbrook („Southern Gothic“) die düstere Atmosphäre dienlich anreichern sowie der Score Elia Cmirals („Pulse“) relativ passabler Natur ist, enttäuscht jedoch die ineffektive Regie-Arbeit Mark Youngs („Tooth and Nail“), welchem es (in erster Linie) schlichtweg nicht geglückt ist, ein anständig ausgeprägtes Maß an Spannung zu generieren. Wenn mal nicht geredet oder gerade mal keiner (physisch und/oder psychisch) „terrorisiert“ wird, strecken zwischengeschnittene Einstellungen (z.B. von Blut-bespritzten Objekten in Nahaufnahme) die Spieldauer in regelmäßigen Abständen zusätzlich bis an die 1,5-Stunden-Marke heran – nur bin ich mir sicher, dass eben jene von einer gezielten (zirka 10-minütigen) Straffung gewiss nicht unerheblich profitiert hätte. So aber beginnen sich gelegentlich durchaus leichte Anflüge von Langeweile bemerkbar zu machen – etwas, das auch die zum Teil erstaunlich explizite Gewaltdarstellung (zerplatzende Köpfe, durchschossene Körper etc.) fern von ergiebig zu verhindern vermag…

Alles in allem krankt „the Killing Jar“ an unterschiedlichen Problemen, die von einem ebenso inspirationslos wie geschwätzig konzipierten Skript über nicht im nötigen Umfang überzeugende B-Movie-Stars bis hin zu einer unbefriedigenden Umsetzung der eigentlich mit einer Menge Potential gesegneten Materie reichen. Und wenn man schon ein „fokussiertes Kammerspiel“ anstrebt – warum dann eine einzige (obendrein noch arg überflüssige) Rückblende einbauen und überdies gleich mehrfach auf die Aufnahmen einer Videokamera zurückgreifen, mit der sich das Pärchen eingangs immerzu gegenseitig filmt? Ohne Figuren, mit denen sich wahrhaft mitfiebern lässt, des Öfteren unerfreulich vorhersehbar sowie im Ganzen deutlich zu arm an Suspense, handelt es sich bei dem Streifen „unterm Strich“ (demnach) um einen nicht allzu aufregenden Thriller, der trotz vereinzelter gelungener Momente (unter ihnen das Finale) auf keinen Fall eine echte Empfehlung wert ist…

Bis heute (03/2014) ist der Film hierzulande noch immer nicht erschienen. In den USA, wo er seinerzeit sogar einen limitierten Kinostart zugestanden erhielt, ist er indes bereits seit Februar 2011 auf DVD zu haben…

Stefan Seidlthe Killing Jar

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the Killing Jar

Copyright des Covers sowie der Pics bzw. Screenshots: Image Entertainment / New Films International__ Freigabe der amerikanischen Veröffentlichung: R__ Geschnitten: nein__ Blu Ray/DVD: nein/ja

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