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The Aswang Chronicles

Originaltitel: Tiktik: The Aswang Chronicles__Herstellungsland: Philippinen__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Erik Matti__Darsteller: Dingdong Dantes, Lovi Poe, Joey Marquez, Janice de Belen, Roi Vinzon, LJ Reyes, Ramon Bautista, Mike Gayoso, Harley Pacana u.a.
The Aswang Chronicles

Die Aswangs haben Hunger auf Menschenfleisch in diesem flotten Funsplatter-Trash-Vehikel.

Die beiden Studenten Makoy und Sonia waren in Manila ein Paar. Doch als Makoy Sonia einen Braten in die Röhre schiebt, bricht sie ihr Studium ab, verlässt Makoy und kehrt in ihr Heimatdorf Pulupandan zurück. Hierher verschlägt es Monate später auch Makoy, der von der Schwangerschaft seiner Freundin nichts ahnt, sie aber zurückgewinnen will. Die Nachricht von der Schwangerschaft trifft ihn wie ein Schlag, aber er beschließt, endlich einmal Verantwortung zu übernehmen. Er will ihr einen Antrag machen und das Kind mit ihr großziehen.

So hehr seine Absichten auch sein mögen, sein Verhalten hingegen ist unter aller Kanone. Mit seiner Arroganz bringt er nicht nur Sonias Eltern wiederholt gegen sich auf. Auch eine ganze Familie von sogenannten Aswangs, menschenfleischfressende Gestaltwandler, haben schnell einen Narren an Makoy gefressen und beschließen, sich dessen Neugeborenes einzuverleiben. Das will Makoy mit allen Kräften verhindern und startet einen verzweifelten Abwehrkampf gegen die Aswangs, die das Haus von Sonias Familie belagern…

„The Aswang Chronicles“ wird gerne und viel damit beworben, dass er der erste im Backlot Verfahren gedrehte Film der philippinischen Filmindustrie sei. Eine nette Marketingzeile, die freilich nichts wert ist, wenn das Drumherum nicht passt. Doch hier kann ich Entwarnung geben, denn „The Aswang Chronicles“ entpuppt sich als extrem flottes Funsplatter-Vehikel, das mit enormem Tempo voran prischt. Nach einer ultrakurzen Exposition, in der die wichtigsten Figuren höchst rudimentär verortet werden, wird bereits panisch „Aswangs“ geschrieen, ohne dass der Zuschauer auch nur ansatzweise wissen würde, worum es sich bei den Aswangs handelt. Deren Eigenschaften, Schwächen und Stärken enthüllt der Film nämlich erst nach und nach. Es wird keine wirkliche Mythologie um die Gestaltwandler entwickelt, es gibt keine Rückblicke in deren Vorgeschichte, nichts. Man erschließt sich die Aswangs über ihre Taten und diverse Informationshäppchen, die die handelnden Figuren preisgeben.

Diese handelnden Figuren sind, einem Funsplatter entsprechend, weitgehend sehr überzeichnet dargestellt und agieren auch immer mit großem Gestus. Eine ideale Einladung für das typisch asiatische Overacting, dem auch ausreichend gehuldigt wird. Allerdings bleibt man immer in einem durchaus erträglichen Rahmen. Auch der lancierte Humor ist weitaus zurückhaltender als bei einem asiatischen Funsplatter-Film zu erwarten war. Hier und da ist er sogar erstaunlich ironisch. Ein echtes Problem aber ist, dass einem sowohl Makoy als auch Sonia größtenteils extrem unsympathisch (Makoy) oder vollkommen egal (Sonia) sind, was dem Film hier und da durchaus im Weg steht.

Effekttechnisch ist der Film höchst solide geraten. Die Backlot Sequenzen, von denen es aufgrund des Hauptschauplatzes, dem belagerten Haus, gar nicht soooooo viele zu sehen gibt, sind erstaunlich solide geraten! Da man die Technik auch nutzt, um allgemein an den Farbwerten zu drehen, gelingen sogar durchaus atmosphärische Shots. In den Splatterszenen herrschen überwiegend digitale Effekte vor, die zwar höchst durchschaubar geraten, aber funktionieren und auch einige optische Gags bereithalten. Schade ist, dass man nach der ersten großen Angriffswelle der Aswangs, in denen vorwiegend Menschen mit nettem Make Up die Szenerie beherrschten, auf einmal auf eine Welle reiner CGI Kreaturen zurückgreift. Diese sind designtechnisch herrlich garstig, treiben die Rechentechnik und die Animatoren aber sichtlich an ihre Grenzen. Auch das Compositing stimmt in diesen Sequenzen häufiger so gar nicht. Zumindest gelingen dennoch ein paar saucoole Sequenzen. Etwa wenn die Aswangs mit Peitschen, Knoblauchblasrohr und -vernichtungsspray gegrillt und halbiert werden. Die CGIs sind hier zwar immer als solche zu erkennen, die Überhöhung der Helden, die fette Rockmucke und die auf supercool getrimmte Inszenierung machen aber richtig Laune. Doch wo Licht ist, ist immer auch Schatten und so ist der Final-Fight gegen den Flug-Aswang ein einziges Trauerspiel in Idee und Umsetzung.

Spaß macht dafür durchgehend die Inszenierung des Filmes. Die Backlot Technik (ganz kurz: Die Dreharbeiten finden überwiegend vor Greenscreens statt, auf die dann in der Postproduktion die Hintergründe via Computer „aufanimiert“ werden) wird, wie bereits erwähnt, für manch atmosphärische Aufnahme genutzt, die eine sehr solide und mit diversen Kabinettstückchen aufwartende Kameraarbeit gekonnt einfängt. Diese ist in den Actionszenen ab und an leider ein wenig zu hektisch – vermutlich auch, um manch suboptimalen Effekt zu verschleiern. Echte Highlights in der Inszenierung stellen die häufig eingesetzten, sehr stylischen Split Screen Sequenzen dar. Auch der animierte Vorspann macht eine Menge her. Unter den Bildern lärmt ein netter Rockscore, der leider zum Ende hin in etwas zu viel Kitsch ersäuft, gerade in den Actionszenen aber richtig Spaß macht.

Was bleibt, ist ein leicht angeschrägtes Unterhaltungsfilmchen von den Philippinen, das mit seinem straffen Tempo begeistert und in seiner ohnehin rudimentären Story keinerlei Form von Leerlauf aufkommen lässt. Ein paar sympathischere Hauptfiguren, noch etwas mehr Feinschliff bei den Effekten, etwas weniger Overacting und ein gelungenerer Abgang im Showdown hätten dem Film richtig gut gestanden. Doch auch so bleiben genug positive Punkte, um dem höchst actionreichen und vergnüglichen Funsplatter-Streifen eine Empfehlung auszusprechen.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 21. März 2014 von dem Label Mad Dimension und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Leider erfährt man zu den Hintergründen der Produktion aufgrund fehlender Extras überhaupt gar nix.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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