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Specters – Mächte des Bösen

Originaltitel: Spettri__Herstellungsland: Italien__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Marcello Avallone__Darsteller: Donald Pleasence, Trine Michelsen, John R. Pepper, Erna Schürer, Massimo De Rossi, Giovanni Bilancia u.a.

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Specters... Mächte des Bösen

„Specters… Mächte des Bösen“ erscheint als vierte Ausgabe der „Italo Cinema Collection“.

Dieser Moment, wenn Tausende Jahre alte Luft in deine Lungen strömt – und du dich einfach nur lebendig fühlst. Nicht nur tollkühne Archäologen im Außeneinsatz erkennen sich in dieser Schablone wieder, nein, auch den Couchkartoffeln unter uns kommt sie zumindest in Form eines bekannten Topos unzähliger Abenteuerfilme bekannt vor. Ein Siegel, das bricht, ein Sarkophagdeckel, der verschoben wird oder ein Mechanismus, der in Gang gesetzt wird – es ist immer nur ein Augenblick, ein Klicken, ein Einrasten, mit dem sich zähes Vorspiel binnen Sekunden in pure Ekstase verwandelt, oftmals zelebriert mit lautem Getöse, Nebelmaschinen auf Hochtouren und dem Leuchten des Wahnsinns. Zu feiern gilt es dann den erfolgten Übergang von der nüchternen Normalität in die Dimension des Übernatürlichen.

Die römische Architektur mit ihren ausholenden Bögen und Säulen scheint wie gemacht dafür, als Portal in eine solche Dimension verwendet zu werden. Am Anfang ist „Specters“ trotz seiner internationalen Ausrichtung weniger ein Horrorfilm für den Weltmarkt als vielmehr intimes Roma-Portrait aus dem Seitenprofil, eine nüchterne dokumentarische Nebensächlichkeit voller Spuren in die Vergangenheit, die sich im Grunde nur dadurch verrät, dass Donald Pleasence als Professor mit einem Glänzen in den Augen auf den Trümmerhaufen steht und das fröhliche Kundschaften um ihn herum überwacht.

Specters... Mächte des Bösen

Donald Pleasence einmal mehr als Publikumsfänger.

Ideengeber, Autor und Regisseur Marcello Avallone, gebürtiger Römer, dirigiert hier in gewisser Weise einen halben Heimatfilm, auch weil es ihm über weite Strecken mehr um Ambiente als um materialisierten Horror geht. Die rohe Gewalt der Terror- und Slasher-Welle, die in den vorausgehenden Jahren den globalen Markt dominiert hatte, wird regelrecht geleugnet. Entsprechend entpuppt sich das erste, wirklich ausgeprägte Horror-Klischee des Films, das parkende Auto im Wald mit einer wartenden Frau darin, als falsche Fährte, die nicht etwa zum Psychopathen mit Messer führt, sondern zu einem ganz konkreten Verweis auf den Monster-Horrorklassiker „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954), wenngleich es aus dieser Kategorie vor allem „Nosferatu“ (1922) und „Die Mumie“ (1932) sind, die diesem Film seinen Rahmen verleiht.

Es sind letztlich die phantasmagorischen Errungenschaften der 80er, auf die Avallone hinauswill. In Wes Cravens „Nightmare on Elm Street“ (1984) waren es stets fragile Oberflächen wie eine Schlafzimmerwand, eine Matratze oder das Badewannenwasser, durch deren dünne Membran hindurch sich der Alptraum in die Realität zwängte. Anhand bewusst gesetzter Kontraste aus diffusen Schemen und drastischer Physikalität werden solche Effekte nun kopiert. Es kommt zur fast identischen Nachstellung einer Freddy-Krueger-Attacke, auch der „Monster-Sessel“ aus „Ghostbusters“ (1984) klappt sich wieder auf, wenn wie aus dem Nichts auf einmal körperliche Manifestationen einer nicht-weltlichen Präsenz ins Bild ragen.

Dazu schwebt gelegentlich ein Paar stechender Augen durch die Schatten, fast wie im telekinetisch veranlagten, hochgradig erotisierten Exploitation-Italo-Rip-Off „Patrick lebt!“ (1980), obwohl Avallone angesichts seiner ersten Filme und seiner Besetzung mit Erotik diesmal eher spart. Gore-Einlagen materialisieren sich und verschwinden wieder, als hätten sie nur im Traum stattgefunden. Die Bedrohung entbehrt über weite Strecken einer zusammenhängenden Gestalt, sie ist vielmehr ein loses Konstrukt aus Sinneseindrücken, das wie ein Wolkentier die Fantasie anregt… die letztlich das Okkulte in der Tradition Fredas und Bavas wieder heraufbeschwört.

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Nosferatu hinterlässt seine Schatten einfach überall wie rußige Fingerabdrücke.

Was sich da durchaus einfallsreich zu einem unverbindlichen Creature Design zusammenfügt, ist aber lediglich eine Anhäufung von Special-Effects-Fetzen im letzten Akt; bis dahin herrscht aufreizende Leere. Bewusst verzichtet das Skript auf rhythmische Höhepunkte, mit denen sich das Popcorn warmhalten ließe, sondern es gärt lieber zäh vor sich hin. Der Gedanke dahinter ist der schwelende Aufbau einer Illusion, der es dem Betrachter ermöglichen soll, gemächlich in das Szenario hineinzugleiten, ohne durch Jump Scares und andere Pulstreiber immer wieder zurück in das Sofa katapultiert zu werden.

Man fühlt sich wie von einem Insider in die lokale Kulturgeschichte entführt, weshalb es nur folgerichtig ist, dass ein solcher tatsächlich gelegentlich ins Geschehen eingreift und den Figuren den Weg leitet. Als Blinder, der auf seinen Orientierungssinn vertraut, verkörpert er zudem das Credo des Films, mit allen Sinnen erlebt werden zu wollen, nicht nur mit den Augen. Dahingehend besteht auch ein gemeinsames Verständnis mit dem Giallo, dessen Meisterstück „Suspiria“ (1977) der Blinde durch seine Anwesenheit sogar in gewisser Weise huldigt, verweist er doch auf die berüchtigte Sequenz um einen verirrten Mann und seinen Blindenhund auf dem Münchener Königsplatz.

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Ein bisschen overdressed für die Location, oder?

In den besten Momenten dieser ansonsten eher reizarmen Phase erzeugt „Specters“ immerhin die angenehme Fremdartigkeit, wie man sie aus alten Science-Fiction-Filmen kennt, in denen Astronauten eine Höhle auf einem fremden Planeten erkunden, der nächste Schritt ins Unbekannte immer nur erleuchtet vom Kegel der Taschenlampe (wieder Bava: „Planet der Vampire“, 1965). Gelegentlich leistet sich die Schauspielführung mitsamt Montage aber auch grobe Unstimmigkeiten, wie man sie sonst eher von sorglos operierenden Teen-Horrorfilmen kennt. Wenn eine Besucherin in den Katakomben in einem ungesicherten Abschnitt auf eine Horde Ratten stößt und reagiert, indem sie sich in Panik auf dem Boden zusammenkauert, sich also quasi als Teppich für die Nager zur Verfügung stellt, anstatt die Beine in die Hand zu nehmen, dann wiegt eine solche Missachtung rationaler Verhaltensmuster im Rahmen des hier verfolgten Slow-Burn-Konzepts wesentlich schwerer als in jener Sorte Film, in der sich Teenie-Gruppen ohnehin liebend gerne aufteilen und in Weizenfelder rennen.

Darüber hinaus bekommt Avallone seine Darsteller generell nicht richtig zu packen. Donald Pleasence ist ohnehin eher das Gesicht für die Kinoaushänge, aber auch John Pepper und Trine Michelsen entwickeln keinerlei Präsenz, wie sie für Hauptrollen erforderlich ist. Sie überstehen Szene für Szene, nehmen einen Schritt nach dem anderen die Treppe hinauf Richtung Heldenfiguren, bewahren dabei aber permanent eine gewisse Anmutung von Kanonenfutter – weder unsympathisch noch sympathisch, sondern einfach nur entbehrlich. Es entsteht eine Distanz zum Zuschauer, dem eine Identifikationsfigur und das Eintauchen in die Welt am Rande der Katakomben somit erschwert wird.

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Ist Pandoras Box einmal geöffnet, lässt sie sich nicht mehr schließen.

Bis es also endlich Dämonen-Fragmente zu tröpfeln beginnt, hat sich mancher Zuschauer schon in seine eigenen Träume verabschiedet und braucht längst nicht mehr die, die uns da auf der Leinwand serviert werden. Als eher Vertreter einer wenig greifbaren Horrorfilmgattung, die irgendwo zwischen Monster- und Geisterfilm angesiedelt ist und sich über einzelne Exemplare hinaus nie zu einer prägenden Welle entwickeln konnte, ist „Specters“ aber trotzdem von einer gewissen Signifikanz, auch wenn die Tension-Building-Aspekte letztlich nicht effektiv genug ausgespielt werden können, damit sie den Mangel an handfesten Schauwerten kompensieren.

Gute

04 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Specters – Mächte des Bösen“

Italo Cinema Collection #4

„Specters“ ist Marcello Avallones erster Horrorfilm und als solcher nicht nur prägend für ihn geblieben, sondern eignet sich im Grunde als ideales Futter für das Nischenpublikum, das die Medien DVD und Blu-ray bis heute am Leben erhält. Dennoch hat es bislang in Deutschland nicht für eine nicht-analoge Veröffentlichung gereicht. Der letzte – und bis hierhin wohl auch einzige – Release war die VPS-Videokassette aus den 80er Jahren, die in der ofdb jedoch als geschnittene Fassung markiert ist. Laut schnittberichte.com handelt es sich nicht etwa um einen Zensurschnitt, sondern um einen Masterfehler, der dazu führte, dass eine Handlungsszene von 9 Sekunden Dauer nicht auf der Kassette enthalten war.

Die 2024 in den USA über Vinegar Syndrome veröffentlichte Blu-ray war dann der Startschuss für die Wicked-Vision-Ausgabe, die nun im vierten Eintrag der „Italo Cinema Collection“ gipfelten.

Die Verpackung

Dazu durfte sämtliches Material, von der 2K-Restaurierung bis zu den Extras, übernommen werden. Auf den ersten Blick unterscheidet sich eigentlich nur das Äußere von der US-Scheibe. Während Vinegar Syndrome auf ein neues Motiv von Robert Sammelin zurückgriff, das sich wohlweislich gleich auf die Nightmare-on-Elm-Street-Szene stürzt, nutzt Wicked Vision ein Originalposter des legendären italienischen Illustratoren Enzio Sciotti. Der „Moment“, der in der Hauptkritik als Einleitung dient, ist hier in all seiner fluoreszierenden Pracht verewigt: Eine Kreatur mit undefinierbarem Design (bei genauem Hinsehen eine Art Schweinehund…!?), entsteigt einem Sarkophag mit blutigen Rändern, die sich nach unten hin zu einem Adergeflecht ausbreiten, während eine Gruppe Schaulustiger im Hintergrund mal mit der Taschenlampe prüft, was es denn da Interessantes zu sehen gibt.

Das viele Schwarz drumherum repräsentiert die filmische Optik durchaus angemessen. Sciottis Unterschrift ist bei genauem Hinsehen auch noch im Artwork zu erkennen. Am unteren Rand ist reichlich Platz für die fetten, gelben Buchstaben des internationalen Filmtitels, diesmal aber ohne den Zusatz „… Mächte des Bösen“, den sich die VHS-Designer hinzugedichtet haben. Ob das ein schönes Motiv ist, darüber kann man streiten, aber es weckt zweifellos Erinnerungen, damit verbunden allerdings auch Erwartungen an Filme wie „Spookies“ (1986), die in Sachen Effekte dann doch ein, zwei Schaufeln mehr ausgeschüttet haben.

Blu-ray

„Specters… Mächte des Bösen“ als Blu-ray im Scanavo Case mit Wendecover und Booklet.

Ein Wendecover gibt es natürlich auch, aber dieses ist wie immer in dieser Kollektion grundsätzlich identisch mit der Hauptseite, abgesehen davon, dass der „Italo Cinema Collection“-Schriftzug oben und die italienische Flagge unten aus dem Bild verbannt wurden. Über ein FSK-Logo muss man sich auf keiner der beiden Seiten ärgern, dieses ist lediglich als Sticker auf der Verpackungsfolie aufgeklebt.

Das Booklet

Innen erwartet uns neben der Blu-ray ein Booklet, das in Sachen Seitenanzahl (24) und Autor (Christoph N. Kellerbach) den gewohnten Standard bietet. Jener Autor verwandelt sich zu Ehren des Films mal eben selbst in einen Stadtführer und unterhält zum Einstieg mit spannenden Einblicken in die Geschichte Roms und seiner Katakomben, die er mit den Sagen und Mythen schmückt, die sich um diese Lokalitäten gesponnen haben. Anschließend spult er die Lebensläufe von Produzent Maurizio Tedesco und Regisseur Marcello Avallone in ihre jungen Jahre zurück, um daraufhin ihre Motivation begreifbar zu machen, in Rom einen Horrorfilm zu drehen. Als Andrea Purgatori hinzukommt, wird das Ganze zu einer Drei-Freunde-Geschichte über die Reise ihres Drehbuchs durch Vertriebe. Wir alle wissen, dass die Geschichte gut ausging und der Film realisiert werden konnte, also besteht ein weiteres Kapitel aus einem Abriss der Dreharbeiten.

Das ist dann auch gleich die Gelegenheit, einige der Schauspieler näher vorzustellen. Über Donald Pleasence gibt es wahrscheinlich nicht viel Neues zu berichten, aber über John Pepper, Trine Michelsen oder Massimo De Rossi dürften viele Leser noch nicht allzu viel wissen. Schön, dass auch Effektspezialist Sergio Stivaletti und seine Mitarbeiterin Barbara Morosetti zur Sprache kommt, prägten sie doch mit ihren jeweils nur für Sekunden sichtbaren Arbeitsnachweisen die Phantombilder auf der Netzhaut des Zuschauers – das ist es schließlich, was zurückbleibt. Immer interessant ist der Abschnitt über die Veröffentlichung, in dem hervorgehoben wird, dass „Specters“ durchaus schwarze Zahlen schrieb… was man angesichts seiner kollektiven Vergessenheit nicht automatisch annehmen müsste. Sogar ein Sequel war kurzzeitig in Planung; stattdessen entstand dann „Maya“, der übrigens als Nr. 5 der „Italo Cinema Collection“ schon erschienen ist.

Das Bild

Den Bildrestauratoren dürfte „Specters“ wohl eine Herausforderung gewesen sein, handelt es sich doch um einen insgesamt recht dunklen Film mit vielen Nacht- und Indoor-Szenen; Bedingungen, die durch Nebeleffekte und diffuse Beleuchtung noch zusätzlich erschwert wurden. Seine größten Probleme hat der Film aber vor allem in einigen Tagszenen zu Beginn mit Donald Pleasence vor den Ruinen. Hier wirken manche Hintergründe sehr unscharf und es kommt auch zu deutlich sichtbarer Bildung von Nachzieheffekten. Dafür wiederum geht der 2K-Transfer mit den Untergrundszenen recht gut um und bildet die Konturen recht scharf ab. Lichtquellen unter Tage bzw. in der Nacht sind meist blau, weshalb sich das Farbspektrum hauptsächlich in diesem Bereich ansiedelt. Die Kulissen, etwa der Sarkophag mit seinen gemeißelten Details, wirken ebenso plastisch wie die Spezialeffekte und setzen den eher diffusen Kompositionen damit etwas Handfestes entgegen.

Der Ton

Beim Ton fällt zunächst einmal auf, dass gleich zwei deutsche Tonspuren gelistet werden, wobei eine davon als „alternative“ Fassung markiert ist, ohne dass jedoch weitere Informationen dazu bereitgestellt werden, woher diese Tonfassungen stammen und worin sie sich unterscheiden. Es handelt sich aber nicht um unterschiedliche Synchronfassungen. In beiden Fällen wird die VHS-Synchro geboten, deren größter Name sicherlich Randolf Kronberg ist, der hauptsächlich als Eddie Murphys ehemalige Hauptstimme bekannt ist, sich hier auf der Rolle von John Pepper allerdings in Sachen Knautschigkeit deutlich zurücknimmt. Beide Spuren bieten auch echtes Stereo in DTS-HD Master Audio. Die alternative Fassung scheint allerdings stärker auf den Center fokussiert und stellt die Stimmen in den Vordergrund. Auf der Hauptspur sind Surround-Effekte wie das Plätschern von Wasser oder die Echos von Schritten durch die Katakomben organischer über die Seitenkanäle verteilt. Insgesamt befindet sich der deutsche Ton so oder so jedenfalls in einem überraschend guten Zustand.

Weil man auf den internationalen Markt abzielte, wovon auch die Besetzung mit Darstellern wie Donald Pleasence zeugt, wurde „Specters“ überwiegend auf Englisch gedreht. Enthalten ist aber auch die italienische Tonspur. Diese hat zwar fast noch wuchtigere Surround-Effekte als die deutschen Spuren zu bieten und ist auch in den Dialogen klar verständlich, allerdings zieht sich ein spürbares Grundrauschen durch den Film. Der englische Ton, der ebenfalls DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo bietet, ähnelt in seinen Grundeigenschaften am ehesten der ersten deutschen Tonspur, mit dem Unterschied, dass die Originalstimmen natürlicher in die Abmischung eingebettet sind.

Die Untertitel

Einen eigenen Abschnitt hat die Arbeit an den Untertiteln verdient, denn für fast jede Kombination der zahlreichen Tonspuren gibt es eigene, speziell auf die Sprache abgestimmte Untertitel: Deutsch für Italienisch, Englisch für Italienisch, sogar Italienisch für Italienisch, dazu Deutsch für Englisch, Englisch für Englisch und Deutsch für den englischen Audiokommentar. Da dürfte sich tatsächlich kaum ein potenzieller Käufer des lokalen Markts ausgeschlossen fühlen.

Der Audiokommentar

Für den Kommentar sorgen Troy Howarth und Eugenio Ercolani, zwei ausgewiesene Experten für den italienischen Genrefilm. Der eine hat etliche Bücher über Fulci, Argento & Co. geschrieben, der andere unzählige Featurettes und Dokumentationen für verschiedenste Heimkinoveröffentlichungen produziert. Demnach ist ein filmwissenschaftlich geprägter Kommentar zu erwarten, der „Specters“ in einen Kontext zur italienischen Filmindustrie der 80er setzt, inhaltliche Vergleiche zu den Größen des italienischen Horrorfilms anstellt und die Querverbindungen vor und hinter den Kulissen aufarbeitet. Anstatt schneller Wortwechsel lassen sich Beide gegenseitig Zeit für längere Monologe. Das mag der Dialektik vielleicht nicht allzu dienlich sein, der Vorteil ist aber, dass Argumentationen wirklich zu Ende geführt werden können und dadurch teilweise tiefer reichen als bei den eher offenen Konversationen vieler unserer deutschen Kommentatoren, die eher auf anderem Wege Substanz erzeugen.

Die Extras

Auch in Sachen Video-Features hatte Vinegar Syndrome bereits kräftig Vorarbeit geleistet, vor allem eben dank Ercolani, der im Jahr 2024 fleißig Material produziert hat. So profitieren wir nun unter anderem von einem Interview mit Marcello Avallone (mit dem Titel „Little Roman Ghosts“, 28 Min.), der bei einem Glas Wasser in einem malerischen Garten sitzt, so wie man sich Bella Italia eben den Klischees entsprechend vorstellt. Avallone erzählt, wie er den Fuß in die Tür zum Filmgeschäft brachte, als er in einer Bar herumlungerte, die man ihm empfohlen hatte, um Kontakte zu knüpfen. Anschließend wird die Filmindustrie jener Zeit skizziert. Es geht aber auch konkret um „Specters“, um den Gedanken hinter dem Monsterdesign zum Beispiel, sowie ferner um einige Darsteller und die unterschiedlichen Schauspielphilosophien zwischen Italienern und Amerikanern. Avallone erweist sich unter dem Strich als hochgradig informativer Interviewpartner, der zumindest aus seiner subjektiven Perspektive heraus viele Facetten seines Geschäfts beleuchtet.

Hinter „Paranormal Roman Activity“ (27 Min.) verbirgt sich ein weiteres Interview, diesmal mit Maurizio Tedesco, der „Specters“ mitproduziert sowie das Drehbuch mitgeschrieben hatte. Die Stationen, die er beschreibt, nehmen einen ähnlichen Story-Verlauf wie im Booklet dargelegt – von den Sinneseindrücken in der Kindheit und den Einflüssen aus einer Familie, die fest in der Unterhaltungsindustrie verankert war, geht es direkt hinein in den Dreh von „Specters“ und darüber hinaus sogar in die Distribution hinein. Zu Beginn dreht sich für eine Weile alles um Pier Paolo Pasolini; eine Verbindung, die zustande kommt, weil Tedescos Mutter damals für Produzent Alfredo Bini arbeitete, der viel mit Pasolini zu tun hatte.

Effektspezialist Sergio Stivaletti ist der Protagonist in der dritten Featurette „Little Specters. Little Demons“ (27 Min.), die sich aber gar nicht so sehr um die Effekte aus „Specters“ dreht, sondern allgemeiner um das Gesamtwerk dieses Mannes, der seit Anfang der 80er bis heute annähernd 100 Produktionen aus Film und Fernsehen mit seinen Effekten veredelt hat. Schon als Kind habe er seine GI-Joe-Figuren neu kostümiert, um eigene Welten mit ihnen zu kreieren. „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968) war ein erster größerer Einfluss, ebenso wie „Star Wars“ (1977), wobei Luigi Cozzis „Star Crash“ (1978) ihm erst vor Augen geführt habe, dass Spezialeffekte auch in italienischen Produktionen ihren Platz haben können.

Liebend gerne hätte er noch von Mario Bava persönlich gelernt, doch bevor es zu dem von Sohn Lamberto vorgeschlagenen Treffen kam, sei Bava verstorben. Der große Einfluss ist aber geblieben, wie man an der bunten Vita ablesen kann, die unter anderem auch „Spider Labyrinth“ (1988) umfasst, der ja bereits in der hier besprochenen Kollektion erschienen ist. Am Ende gibt Stivaletti etliche konkrete Beispiele für sein Lebenswerk, wobei er die weniger rühmlichen Momente seiner Karriere, etwa einen misslungenen Effekt für einen Film von Riccardo Freda, nicht ausspart.

Im 13-minütigen „Simply Emma“ ist Erna Schürer, die in „Specters“ einen Auftritt als Tourguide in den Katakomben zu verbuchen hat, zumindest per Telefonschaltung zu Gast. Das fehlende Video wird durch eine interessante Collage von Archivfotos zu Filmen aller Art kompensiert. Schürer beschreibt in der Zwischenzeit ihren Weg ins Filmbusiness, konzentriert sich dann aber darauf, nacheinander die Regisseure, unter denen sie gearbeitet hat, mitsamt deren Arbeitsmethoden zu kategorisieren.

Zum Abschluss begibt sich der Produzent des Bonusmaterials noch selbst vor die Kamera. Für Eugenio Ercolani ist dieser Platz nicht unbedingt heimisches Terrain, seit Beginn der 2020er ist er dort jedoch immer öfter anzutreffen und produziert Video Essays. Das vorliegende Exemplar hört auf den Titel „A Horrific Anomaly“ (31 Min.) und befasst sich mit dem Gesamtwerk Marcello Avallones und wichtiger Figuren aus seinem Umfeld. Wie bereits im Audiokommentar wird unter anderem erläutert, weshalb es relativ wenige Filme gibt, die den Drehort Rom derart herausstellen, oder wieso „Specters“ im Rahmen seiner Möglichkeiten damals relativ gut lief, dem Nachfolger „Maya“ dieser Erfolg allerdings verwehrt blieb.

Im Gegensatz zu den übrigen Interviews, die auf Italienisch entstanden sind, spricht der gebürtige Italiener, der einen Teil seiner Zeit in London verbracht hat, (sehr gutes) Englisch; lediglich die vielen referenzierten Namen von Personen vor und hinter der Kamera werden mit einem starken italienischen Akzent ausgesprochen. Ob Englisch oder Italienisch, Wicked Vision hat natürlich für alle Extras neue deutsche Untertitel bereitgestellt, die man optional hinzuschalten kann.

Als Ausklang kann man sich dann noch den italienischen Vor- und Abspann zu Gemüte führen, da der Hauptfilm mit englischen Credits präsentiert wird. Ferner wird noch der englische Trailer geboten. Das macht dann in der Summe satte 130 Minuten Zusatzbeschäftigung, selbst wenn man den Audiokommentar nicht mitzählt. Ein Großteil davon besteht zwar aus relativ statischen Einzelpersonen-Interviews, die sind aber hochwertig produziert und inhaltlich durchaus informativ. Gemeinsam mit der insgesamt guten 2K-Restauration und der überaus sorgfältigen Aufbereitung von Tonspuren und Untertiteln ist das hier eine ziemlich runde Nummer, auch wenn der eigentliche Hauptfilm sicher eher die Special-Interest-Sektion in der Horrorfangemeinde um den Finger wickeln wird.

Sascha Ganser (Vince)

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