| Originaltitel: Huo zhe yan__Herstellungsland: Hongkong/China__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Kenji Tanigaki__Darsteller: Joe Taslim, Miao Xie, Joey Iwanaga, Yayan Ruhian, Brian Le, JeeJa Yanin, Enyou Yang u.a. |
Vor rund 15 Jahren war „The Raid“ ein kleines Erdbeben in der Actionlandschaft. Nicht nur Regisseur Gareth Evans, sondern auch seine Hauptdarsteller Iko Uwais, Joe Taslim und Yayan Ruhian wurden quasi über Nacht zu gefragten Namen des Genres, die öfter auch gemeinsam auftraten – so wie Taslim und Ruhian aktuell in „The Furious“.
Die Reporterin Matia (JeeJa Yanin) ist auf der Spur eines Rings von Kinderhändlern und geht allein einer Spur nach, ohne auf ihren Ehemann und beruflichen Partner Navin (Joe Taslim) zu warten. Dabei stößt sie nicht nur auf ein Entführungsopfer, sondern auch auf einige Übelwichte, denen sie direkt ordentlich einschenkt – bis Gangsterboss Pak Lung (Joey Iwanaga) und sein Chef-Vollstrecker Tak (Yayan Ruhian) hinzukommen. Dadurch, dass Tak schon bei seinem ersten Auftritt ein Kind mit Pfeil und Bogen niederstreckt, ist der Ton für den harten Martial-Arts-Reißer gesetzt, der danach aber abbricht und das Schicksal der Reporterin im Dunkeln lässt.
Derweil will der stumme Handwerker Wang Wei (Miao Xie) nur gut für seine kleine Tochter Rainy (Enyou Yang) sorgen. Der Vater lebt in Trennung, hat die Kleine gerade bei sich und hat eine Vergangenheit, über die er nicht viel erzählt. Der geneigte Actionfan ahnt bereits, was die Chiffre bedeutet, doch „The Furious“ buchstabiert sie tatsächlich nie aus. Es ist eine Genregegebenheit, ebenso das kurzfristige Menscheln in den Vater-Tochter-Szenen, ehe dann das passiert, was man von Anfang an erwartet: Auch Rainy fällt den Menschenhändlern in die Hände.
Als sich die Polizei als begrenzt hilfsbereit (und deren Chef als offensichtlich korrupt) erweist, sucht Wang Wei auf eigene Faust nach Rainy, wobei er auch dem undercover ermittelnden Navin über den Weg läuft. Als sie merken, dass sie auf der gleichen Seite stehen, tun sie sich für die Suche nach ihren verschwundenen Liebsten zusammen…
Schaut euch den Trailer zu „The Furious“ an
Wie schon „The Raid“ gibt sich „The Furious“ bewusst als purer Genrefilm, der in einer reinen Actionwelt spielt, die mit der Realität nur wenige Berührungspunkte hat. Menschen kämpfen nach schwersten Verletzungen akrobatisch weiter und Körper halten unendlich viele harte Treffer aus, zumindest wenn es sich um die Hauptpersonen handelt. Der Polizeichef ist so offensichtlich korrupt, dass er in der Realität wahrscheinlich schon nach drei Tagen aufgeflogen und eingebuchtet worden wäre. Und die Handlung verlässt sich auf rudimentäre Standards: Die Suche nach den entführten Liebsten als zentrales Motiv, der Emporkömmling von einem Gangsterboss als Gegner, der skrupelloser als die arrivierten alten Herren des Geschäfts ist, der Held mit der ominösen Vergangenheit, der seiner Tochter von Kindesbeinen an die entsprechenden Skills vermittelt usw. Wie „The Raid“ erzählt allerdings auch „The Furious“ das Ganze so, dass es nicht wie ein Abhaken von Klischees ausfällt, sondern als bewusst archetypische Geschichte, auch wenn dem knapp zwei Stunden langen Spektakel die Verdichtung eines „The Raid“ fehlt.
Dafür verstehen Regisseur Kenji Tanigaki („Enter the Fat Dragon“) – selbst langjähriger Stunt Coordinator – und sein Action Director Kensuke Sonomura („Notwehr“) sich auf die effektive Inszenierung von Action. Tatsächlich ist das Set Piece, bei dem man körperlich am meisten mitgeht, die relativ frühe Szene, in der Wang Wei die Entführung Rainys verhindern will. Er sprintet hier einem Laster her, er rappelt sich nach jedem Sturz, nach jedem eingesteckten Schlag wieder auf, er rennt durch Glasscherben, auch wenn er dabei nicht ganz so verletzlich wirkt wie Bruce Willis in „Stirb langsam“. Später mögen zwar die garstigeren Szenen kommen, in denen Menschen mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen wird oder Tak quasi im Alleingang eine Polizeistation auslöscht wie dereinst der Terminator, aber da sind wir auf übertriebenem Actionterritorium. Diese frühe Szene ist näher dran an der Realität, hat dadurch aber mehr Impact.
Doch auch insgesamt liefert „The Furious“ ab. Die Action ist famos choreographiert, außerdem übersichtlich in Sachen Kamera und Schnitt. Noch dazu hat die Choreographie einige tolle Ideen, etwa wenn sich Wang Wei eine Art Pyramide aus angeschlagenen Gegnern baut. Oder der bullige Handlanger HD (Brian Le), ein glatzköpfiger Bär, der aber ganz anders inszeniert wird als andere bulliger Handlanger: HD ist nicht nur groß und unbeweglich, sondern bewegt sich vergleichsweise agil für seine Größe und seine Körpermasse, die er bei manche Sprungattacken wie eine Dampframme einsetzt. Im Finale wiederum gibt es einen Fight zwischen fünf Figuren aus drei Parteien, wobei nicht nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ vorgegangen wird, sondern sich die verfeindeten Leute stets ordentlich auf die Mütze geben. Gelegentlich meinen es Tanigaki und Sonomura etwas zu gut, sodass manche Kampfszenen (gerade das Finale) doch etwas länger als nötig gehen und sie ihrem Film so etwas an Wucht rauben, da das Ganze dann etwas zu repetitiv, etwas zu wenig auf den Punkt gebracht wird. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
Von den drei bekannten Namen hat JeeJa Yanin („Triple Threat“) nur eine bessere Gastrolle, in der sie immerhin ihre Kampfkunstfähigkeiten vorführen kann. Yayan Ruhian („Codename 13“) spielt mal wieder den eiskalten Vollstrecker mit dem Killerlächeln, was er inzwischen im Schlaf beherrscht. Joe Taslim („Mortal Kombat II“) ist der Hauptrolle darstellerisch recht gut, ist aber – wie eigentlich alle im Cast – vor allem körperlich gefragt. Darunter sind dann eben auch drei relativ Unbekannte, die hier ein Ausrufezeichen setzt. Miao Xie („The Thousand Faces of Dunjia“) spielt den taubstummen Vater ziemlich überzeugend und langt so auch so spektakulär zu, dass man sich wundert, dass er bisher noch nicht auf dem Actionradar auftauchte. Ähnlich sieht es Joey Iwanaga („Baby Assassins“) als herrlichem hassenswertem Schurken und Brian Le („Everything Everywhere All at Once“) als brutalem Simpel aus.
Insofern spielt „The Furious“ fast in der Liga von „The Raid“ und „The Night Comes for Us“: Harte, famos choreographierte Martial-Arts-Action, deren Story zwar simpel, aber eher archetypisch als klischeehaft ausfällt. Das Tempo und die Actionfrequenz sind angenehm hoch, die Ruhepausen passen und alle Beteiligten können spektakulär austeilen. Da verzeiht man auch, wenn der Film in manchen Fights nicht ganz auf den Punkt kommt.
Starke:
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Capelight bringt „The Furious“ am 18. Juni in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 18.6.2026 in den deutschen Kinos |








