| Originaltitel: Gli Invasori__Herstellungsland: Frankreich / Italien__Erscheinungsjahr: 1961__Regie: Mario Bava__Darsteller: Cameron Mitchell, Alice Kessler, Ellen Kessler, George Ardisson, Andrea Checchi, Jean-Jacques Delbo, Franco Giacobini, Raf Baldassarre, Enzo Doria, Gianni Solaro, Franco Ressel, Livia Contardi, Folco Lulli, Françoise Christophe, Joe Robinson u.a. |


„Die Rache der Wikinger“ erscheint als dritte Ausgabe der „Italo Cinema Collection“.
Außerhalb ihres eigentlichen Anwendungsgebiets eingesetzt, des Horrorfilms, entfaltet Mario Bavas Kunsthandwerk immer eine besonders augenfällige Wirkung. Das mag auch daran liegen, dass er sich für jene Abstecher gerne populäre Genres in historischem Gewand aussuchte, deren Wirkung nicht unbeträchtlich mit Ausstattung und Kostümen steht und fällt, die aber im B-Sektor in der Masse oft nicht durch visuelle Opulenz auffielen, sondern mit der Masse einen gewissen Fließbandcharakter entwickelten. Gerade in diesen Einheitsbrei hinein Akzente zu setzen, muss einem Bildgestalter wie ihm eine besondere Verlockung gewesen sein.
Neben Western und Sandalenfilmen beackerte Bava zweimal in seiner Karriere (oder dreimal, wenn man „Der Letzte der Wikinger“ mitzählen möchte, der aber eigentlich auf das Konto von Giacomo Gentilomo geht) auch das Feld des Wikingerfilms, und zwar erstmals 1961 mit „Die Rache der Wikinger“. Entstanden drei Jahre nach Richard Fleischers US-Abenteuer „Die Wikinger“, das seither aufgrund seines Starappeals und der mit Originalschauplätzen veredelten Produktionswerte zum neuen Hollywood-Maßstab seiner Kategorie avanciert war, kann man die Italo-Produktion als kosteneffizienten Gegenentwurf zu Fleischers A-Cinema begreifen. Schon Hauptdarsteller Kirk Douglas dürfte für seine Beteiligung an „Die Wikinger“ das Doppelte bis Dreifache der gesamten Produktionskosten von „Die Rache der Wikinger“ gekostet haben. Und doch gelingen Bava mit seinen begrenzten Mitteln durch den Verbund von Fantasie und handwerklichem Geschick nicht minder erstaunliche Bilderbögen; nur eben auf seine ganz eigene Art.

Two Lions and a Queen.
Bereits der Plot um zwei Wikingerbrüder, die getrennt voneinander in verschiedenen Kulturen aufwachsen und sich später auf dem Schlachtfeld als Widersacher begegnen, zeugt von einer Ausrichtung auf mythologische Themen und einen starken Symbolismus. Die Figuren Eron und Erik erscheinen hier als Gefäße für eine moralische Lehre in Bezug auf Identität und Herkunft. Als solche sind sie beseelt von entsprechenden Vorbildern wie Romulus und Remus, oder wenn man in der nordischen Mythologie bleiben will, vielleicht auch Sigmund und Signy aus der Völsungensaga.
Ein solcher Ansatz passt natürlich ideal in die rhetorische Linie des Regisseurs, der sich hier letztlich gar nicht so weit in fremdem Terrain befindet, wie man meinen sollte… oder wenn doch, dann scheint es ihm keine besondere Mühe zu bereiten, sich trotzdem heimisch einzurichten. Das in orange-blauen Verläufen schimmernde Zwielicht über dem Meer, das den Vorspann schmückt, ist nur ein erster Vorgeschmack auf die prachtvollen Eastmancolor-Farbwogen, die sich danach über das gesamte DyaliScope-Format ausbreiten. Unter Dreck und Staub plustern sich einzelne Kostüme zu kirschroten Leuchtkörpern auf, auch andere intensive Töne mischen sich in expressionistischen Tupfern unter die Grundierung.
Selbst das Fleisch der Darsteller wirkt eher orange als rosa, die Umgebung hingegen im Kontrast erdig-braun bis anthrazitgrau. Die völlig ohne natürliche Lichtquellen ausgestaltete, dafür mit Totenschädeln und primitiven Fackeln geschmückte Höhle der Wikinger bekommt in der Konsequenz beinahe etwas Paganistisches und ist so eigentlich mehr ein Querverweis auf die Unterwelt von „Vampire gegen Herakles“ (ebenfalls 1961) als auch nur annähernd von historisch verbürgter Qualität. Eine Konstruktion in der Mitte des Sets, die an den Weltenbaum Yggdrasil angelehnt scheint, verstärkt den Eindruck, dass wir schon mit einem Fuß im Warteraum zu Valhalla stehen.
Schlachtenszenen werden rot ausgeleuchtet, die Überfahrten zu Schiff wiederum, mit denen ein Portal zwischen den Ländern gezogen wird, ist ein blaugrau schimmernder Nimbus ins Ungewisse. Mittendrin die Kessler-Zwillinge, die in der Unschuld ihrer blütenweißen Kleider baden und die Komposition als einzige Lichtquellen erhellen; wie überirdische Wesen, die sich nur zufällig in die Grabenkämpfe zwischen Briten und Nordmännern verirrt haben.

Die Kessler-Zwillinge demonstrieren den Nordmännern die hohe Kunst des Tanzes.
Mitten in diese satte Symbolik hinein pflanzt Bava nun ein Hin und Her sich verändernder Verhältnisse aus Angriff und Abwehr, Ehre und Verrat. Die Wikinger, die wir bis in die jüngere Film- und Fernsehgeschichte hinein als explorierendes, ungestümes, bisweilen auch angriffslustiges Volk kennengelernt haben („Vikings“, 2013 – 2020; „The Northman“, 2022), sind zu Beginn des Films interessanterweise Opfer der Aggressoren aus dem vermeintlich aufgeklärten britischen Königreich, obgleich nicht zu unterschlagen ist, dass die Briten hier ein Wikingerdorf attackieren, das auf britischem Grund errichtet wurde. Das erzählerische Zentrum indes schlägt sich auf die Seite der vermeintlichen Barbaren, die zwar raue Rituale pflegen und ihr Schicksal in die Hände der Götter legen, jedoch nie irrational oder gar bestialisch wirken in ihrem Streben nach Vergeltung.
Cameron Mitchell wird als Eron somit mehr oder weniger die Hauptrolle in die Hände gelegt, die er mit dem Funken eines Spartacus entzündet, der seine Gefährten in die Arena führt; eine Note Kirk Douglas liegt also so oder so in der Luft. Die Parallelmontage, die mit munterem Seegang von einem Strang zum anderen führt und wieder zurück, erlaubt es allerdings auch George Ardisson, seine Rolle als Erik auszubauen, der im englischen Titel immerhin auch mit dem Namen erwähnt wird – während der italienische Titel sich ganz und gar auf die Dynamik von Angriff und Abwehr fokussiert, indem er schlicht von „Gli invasori“, den Invasoren, spricht.

Weitergehen, Herrschaften, weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen.
Was die reine Kampfchoreografie angeht, wird dieser Film seinem Originaltitel nicht unbedingt gerecht. Als König Harald in der Eröffnungsschlacht auf einem Hügel steht und die Briten abwehrt, ähnelt er mehr einem Hausmütterchen, das Teppiche ausklopft, als einem im Umgang mit der Axt versierten Krieger; auch sonst spulen die Komparsen ihre einstudierten Bewegungsabläufe ab wie Pappkameraden in der Geisterbahn.
Bava sorgt anderweitig für Spektakel, aber nicht etwa nur durch Ausleuchtung und einprägsame Kulissen, sondern auch einige ungewöhnlich moderne Kamerafahrten (man denke an den Krieger, der sich im Stil eines Piraten mit dem Messer am Segel des Schiffs hinablässt, ein Ablauf, dem die Linse in einem dynamischen Close-Up-Movement folgt). Er scheut nicht einmal den Einbau einer äußerst pikanten Härte in Form einer Mutter, die mitsamt des Babys im Arm von einem Schwert aufgespießt wird; ein selbst heute noch aufrüttelnder Moment, mit dem der gesamte Kostümfilm, der irgendwann an seiner eigenen Schwerfälligkeit zugrunde ging, einen Satz in die Luft macht.

King of the Hill.
Obgleich der Handlungsstrang im britischen Königshaus einige Intrigen rund um Sir Rutford (Andrea Checchi), Königin Alice (Françoise Christophe) und König Lotar (Franco Ressel) auszustreuen weiß, mit denen die Rituale der Wikinger in einen Kontrast gesetzt werden, ist Bava nicht allzu sehr an den politischen Strukturen interessiert, aber noch viel weniger an den religiösen Konflikten, die durch die fortschreitende Christianisierung entstanden, auch wenn ihnen immerhin die Vorspanntafel und ein, zwei Dialogzeilen gewidmet sind. „Die Rache der Wikinger“ ist letztlich ein Bühnenstück mit moralischer Implikation, transportiert über eine symbolträchtige Bildsprache, die von Roberto Nicolosis mit Bombast und Pathos angereichertem Soundtrack in ihrer Wirkung noch verstärkt wird.
Der Aufbau der Handlung orientiert sich an traditionellen Monumental-Epen, aber wo vergleichbare Studiofilme der geringen Budgetklasse keinerlei Überraschungen auf audiovisueller Ebene liefern, da reißt Bava das gesamte Genre sozusagen als Gastredner immer wieder mit einfachsten Einfällen aus der Lethargie. Natürlich; wenn man einzelne Regler bis zum Maximum aufdreht, verschwinden gewisse Nuancen immer im weißen Rauschen. Fleischers „Die Wikinger“ bot letztlich noch mehr Epos, Dramatik, Naturgewalt und Menschlichkeit. Dass man dieses Vorzeigewerk aber überhaupt zum Vergleich heranziehen kann, spricht letztlich nur für einen Filmemacher, der die Gabe hatte, die von ihm erschaffenen Welten prachtvoller wirken zu lassen als die Rohmaterialien es je vermuten ließen.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Die Rache der Wikinger“
Italo Cinema Collection #3
Bava’s Back, Baby! Eine Weile ist es schon wieder her, dass mit „Caltiki – Rätsel des Grauens“ zum dritten und bis dahin letzten Mal ein Mario-Bava-Streifen bei Wicked Vision erschienen ist. Die Filmographie des Italieners ist zugegeben eine umkämpfte, man findet sie auf dem deutschen Markt in den Händen vieler unterschiedlicher Labels, wobei sich Koch Media, beziehungsweise inzwischen Plaion Pictures, mit der „Mario Bava Collector’s Edition“-Reihe den Löwenanteil gesichert hat.
Nun gibt es aber bei Wicked Vision die „Italo Cinema Collection“, und Bava wird wieder ein Thema. Eine Neuauflage von „Der Dämon und die Jungfrau“ ist ja im Rahmen dieser Reihe bereits angekündigt, doch fürs Erste geht es in den hohen Norden zu den Wikingern, denn hier bestand noch dringenderer Handlungsbedarf. Zwar gibt es seit 20 Jahren eine DVD von Colosseo Film, doch wer eine Blu-ray ins Auge gefasst hatte, musste sich bislang mit dem UK-Import von Arrow Video aus dem Jahr 2017 zufriedengeben.
Die Verpackung
„Die Rache der Wikinger“ folgt als dritte Ausgabe der Kollektion italienischer Produktionen und bringt nach dem Mystery-Horrorfilm „Spider Labyrinth“ und dem Giallo „Torso“ eine weitere Facette der vielfältigen italienischen Filmkultur ein. Die Scanavo-Verpackung orientiert sich entsprechend an den bisherigen Vorgaben der Box, samt des Schriftzugs zur Reihe am oberen Rand und der Nummerierung inklusive italienischer Flagge auf dem Spine. Die Herkunft des genutzten Cover-Artworks ist ungewiss, es scheint aber, wie in dieser Reihe gewohnt, keine Neuanfertigung zu sein, sondern ein Originalmotiv.
Die aneinander gebundenen Kessler-Zwillinge (1936 – 2025) im gelben und pinken Kleid bilden den Fixpunkt; um sie herum herrscht Dunkelheit, aus der sich lediglich die kantigen Schraffuren zweier männlicher Figuren schälen, als wären sie direkt aus dem Stein gemeißelt worden. Der deutsche Titel „Die Rache der Wikinger“ mit orangefarbenen Artikeln und weißen Substantiven wird vom italienischen Originaltitel „Gli Invasori“ in kleinen Buchstaben ergänzt. Die Kolorierung wirkt wie eine Mischung aus Kreide und Wasserfarbe. In den Kontrasten des Motivs wird die besondere Optik des Films schon effektiv vorweggenommen; das wirkt im Gesamteindruck ein bisschen grob, es passt aber perfekt zum Feeling des Films. Das eingebaute Wendecover erlaubt es, das Motiv auch auf ganzer Fläche ohne Banner am Rand betrachten zu können.

„Die Rache der Wikinger“ kommt im Scanavo Case mit Booklet von Dr. Rolf Giesen.
Das Booklet
Innen finden wir neben der Single-Blu-ray ein edel gestaltetes Booklet, das als Cover ein alternatives rotes Motiv mit gemalter Kriegsszenerie zeigt und den englischen Titel „Erik the Conqueror“ trägt. Im Inneren gibt es dann eine Überraschung: Nachdem zuletzt bis auf wenige Ausnahmen immer Christoph N. Kellerbach für die Wicked-Vision-Booklets verantwortlich war, markiert diese Edition die späte Rückkehr des Dr. Rolf Giesen zu Wicked Vision. Nachdem er in den Anfangstagen des Labels öfter als Autor oder Kommentator zu Gast war, hatte er sich in den letzten Jahren rar gemacht. Laut Label-Angaben soll es keine einmalige Angelegenheit bleiben, wir dürfen uns also auf weitere Beiträge des filmhistorischen Urgesteins freuen.
Mit Spoilerwarnung geleitet Giesen also in seinen Text, und das zu Recht, liefert er doch zur Mitte hin eine relativ vollständige Inhaltsangabe mit allen Details, die man sich aufsparen sollte, wenn man den Hauptfilm unbefangen sehen möchte. Bevor es zu diesem Abschnitt kommt, ist bereits ein kurzer Abriss der Wikinger-Raubzüge im 8. Jahrhundert erfolgt sowie ferner eine weitere Biografie mit den wichtigsten Eckdaten Mario Bavas, die es erlaubt, seine Arbeit entsprechend einzuordnen. Auch Cameron Mitchell bekommt einen eigenen Abschnitt, bevor der zeitgenössischen Kritik immerhin dreieinhalb Seiten eingeräumt werden. Mehr als die Hälfte der Textseiten sind mit Szenenbildern unterschiedlicher Größe geschmückt; vor den Booklet-Credits befindet sich zudem ein ganzseitiger Abdruck des deutschen Kinoplakats für die Wiederaufführung („Die Rache der Wikinger. Urig und kühn eroberten sie Länder und Meere! Die Wikinger-Sage in einer grandiosen Verfilmung!“).
Das Bild
Ein Stück weit ist die Hauptkritik ja ohnehin bereits eine Ode an die Farben. Dass man sie überhaupt in dieser Intensität wahrnehmen kann, ist ein Stück weit sicher auch dem 2K-Transfer zuzuschreiben, der in Sachen Leuchtkraft einfach sagenhaft geraten ist. Alles, was man an alten Technicolor- oder, wie in diesem Fall, Eastmancolor-Abenteuern so liebt, wird hier volle Packung abgeliefert. Bei den extremen Kontrasten bleibt es zwar nicht aus, dass Farbübergänge an Abstufungen verlieren und sich Details im Schwarz verlieren, aber das trägt zur intendierten Wirkung des Films bei, wird in den insgesamt dunklen Kompositionen auf diese Weise doch automatisch auf die beleuchteten Elemente gelegt. Die Konturen sind scharf, der Schwarzwert tief, und die Farben wie gesagt spektakulär.
Der Ton
Doch nicht nur beim Bild, sondern auch beim Ton wurde eine Restauration vorgenommen. Die deutsche Tonspur klingt urig und erdig, sie ist in gewisser Weise eine Entsprechung der Bildeigenschaften. Im direkten Vergleich wirkt die englische Spur etwas muffiger. Sie hat trotzdem auch auf einer deutschen Edition ihren Wert, zumal einige Darsteller am Set Englisch sprachen. Den besten Klang liefert der italienische Ton, der sowohl beim Soundtrack also auch bei den Soundeffekten und bei den Dialogen die höchste Präzision aufweist. Das in der deutschen Spur manchmal zu hörende Hintergrundrauschen ist hier praktisch nicht existent, und Roberto Nicolosi wäre vermutlich überaus zufrieden mit der Präsentation seines zwischen Bombast und Zartheit pendelnden Scores.
Der Audiokommentar
Auf der vierten Tonspur finden wir den Audiokommentar von „All the Colors of the Dark“-Autor Tim Lucas, der 2017 für Arrow Video aufgenommen wurde. Das Alter des Kommentars lässt sich an gewissen Veränderungen im Weltgeschehen festmachen (die 2025 verstorbenen Kessler-Zwillinge waren damals beispielsweise noch im Varieté aktiv), insgesamt bleibt Lucas allerdings einem zeitlos-analytischen Stil verbunden und zieht eher Fäden bezüglich der in Stein gemeißelten Vergangenheit. Dazu arbeitet er etliche Biografien auf und verknüpft sie mit den im Film gezeigten Schauwerten. Die offensichtlich vorgeskripteten Inhalte klingen ein wenig trocken, werden aber gelegentlich mit interessanten Einschüben aufgelockert, so etwa einem Original-Telefonmitschnitt aus einem Interview des Sprechers mit Cameron Mitchell, der seine Bewunderung für Mario Bavas Fähigkeiten als Filmemacher an einem konkreten Beispiel festmacht.
Die Extras
Das übrige Bonusmaterial kommt auf eine Laufzeit von beinahe zwei Stunden, was neben einer Menge von (interessantem) Kleinvieh vor allem an zwei größeren Brocken liegt. Einer davon hört auf den Namen „Mario Bava enthüllt die Magie seiner Werke“ (51 Min.), im Original „Mario Bava Speaks“. Die im Jahr 2006 produzierte Dokumentation von Patrick O’Brien war bereits auf der deutschen DVD von Colosseo Film / McOne aus dem gleichen Jahr zu finden. Ein Horror-Memorabilia-Laden mitten in Rom, der von Bavas ehemaligem Weggefährten Luigi Cozzi („Sinbad – Herr der sieben Meere“) geführt wird, dient nicht zum ersten Mal als Rahmen für eine derartige Rückschau; Wicked-Vision-Jüngern wird er auch durch das Bonusmaterial der „Caltiki“-Edition bekannt vorkommen.
Kernstück der Doku ist allerdings ein Zusammenschnitt eines Auftritts Mario Bavas in einer in Schwarzweiß gesendeten TV-Show Mitte der 70er Jahre, in der er einen Einblick in seine Tricktechnik und seine Perspektive auf die italienische Filmindustrie gibt. Filmausschnitte aus etlichen Bava-Streifen visualisieren seine Äußerungen entsprechend, teilweise werden aber sogar live im Studio Tricks vorgeführt. Zwischendurch kommen unter anderem auch Barbara Steele und Enzo Doria in der Nachbetrachtung nach Bavas Tod zur Sprache. „Die Rache der Wikinger“ ist nur eines von vielen Beispielen, anhand dessen die Dokumentation das besondere Wirken des Filmmagiers herausarbeitet. Deutsche und englische Untertitel zur Doku konnten von der DVD übernommen werden, wurden aber vorher noch einmal überarbeitet.

Mario Bava während eines TV-Auftritts als Teil der Dokumentation „Mario Bava enthüllt die Magie seiner Werke“.
„Die Nachahmer“ (12 Min.) ist ein von Arrow übernommener Video Essay. Erzähler Michael MacKenzie geht zunächst kurz auf die allgemeinen Produktionsumstände im Italien der 60er Jahre ein, um sich anschließend auf einen ausführlichen Direktvergleich zwischen „Die Rache der Wikinger“ und Richard Fleischers „Die Wikinger“ zu konzentrieren, der zum Ende hin sogar mit direkten Szenenvergleichen per Doppel-Screen unterstützt wird. MacKenzie stellt zunächst die starken inhaltlichen Parallelen heraus und bezeichnet ein mögliches Double Feature mit beiden Filmen als ein womöglich zunächst redundant wirkendes Filmerlebnis. Der Wert von Bavas Werk komme letztlich dann zum Vorschein, wenn man darauf achtet, wie es ihm gelingt, mit geringen Mitteln auf völlig anderem Wege als Fleischer zum gleichen Ziel zu kommen.
Weiter geht es mit einem Audio-Interview aus dem Jahr 1989 mit Cameron Mitchell (63 Min.), das uns ausschnittweise bereits im Audiokommentar über den Weg gelaufen ist. Wer mehr darüber wissen will, wie es an Bavas Set zuging, wird hier gut bedient. Laut Mitchell hätte ein Jungstar wie Robert De Niro jedenfalls Augen gemacht, was ihm so ein Haudegen alter Schule am Set noch an Effizienz hätte beibringen können. Passenderweise endet das Gespräch mit der Feststellung, Bava sei ein Genie gewesen, und er hätte der Beste von allen sein können, wenn das Wörtchen Wenn nicht wär‘.
Von besonderem Interesse ist natürlich das alternative Ende. Dabei handelt es sich laut Texttafel um die ursprüngliche Schlusssequenz, die auf dem Originalnegativ als verschollen gilt und lediglich auf minderwertigen Kinokopien und VHS-Bändern überlebt hat. Anderenfalls hätte man uns wohl eine alternative Schnittfassung auf dieser Edition präsentiert. Die dialogfreie, aber musikalisch untermalte Sequenz liegt entsprechend in VHS-Qualität vor. Von den 2 Minuten Gesamtlaufzeit entfallen insgesamt 50 Sekunden auf die Texttafeln, die in Deutsch und Englisch eingeblendet werden.
Ebenfalls von filmhistorischem Interesse ist der deutsche Vor- und Abspann sowie Zwischeneinblendungen mit deutschen Titel-Inserts (3 Min.). Auch hier wurde wohl von einer bereits stark in Mitleidenschaft gezogenen VHS-Quelle Gebrauch gemacht, das Bild flackert regelmäßig auf und ab und liegt ansonsten in ähnlicher Qualität wie das alternative Ende vor; womöglich stammt es sogar von der gleichen Quelle.
Dann wäre noch der deutsche und der italienische Trailer im Angebot, wobei Erstgenannter, typisch für die Zeit, mit einem marktschreierischen Off-Kommentator das Sensationelle des Films betont. Letzterer spart sich den Kommentar allerdings ebenso wenig, ist dabei aber anders geschnitten und mit 3 vs. 4 Minuten auch kürzer geraten.
Und was wäre eine solche Edition ohne die gute, alte Bildergalerie. Die fällt diesmal mit zwei Minuten zwar sehr kurz aus, hat aber trotzdem einige schöne Poster und Plakataushänge aus aller Welt im Repertoire.
Fazit
Spätestens mit der dritten Ausgabe der „Italo Cinema Collection“ kristallisiert sich die Vielfalt des italienischen Kinos heraus, die von dieser Sammlung zu erwarten ist. Einen Mario Bava in den eigenen Reihen zu wissen, ist grundsätzlich nie verkehrt; selbst seine weniger beachteten Werke wissen oft in Staunen zu versetzen. Das gilt zweifellos auch für „Die Rache der Wikinger“, der in dieser Edition endlich so präsentiert wird, wie es dem Meister der Farben und Formen gebührt.
Sascha Ganser (Vince)
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