| Originaltitel: Passenger__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: André Øvredal__Darsteller: Melissa Leo, Jacob Scipio, Lou Llobell, Bonni Dichone, Devielle Johnson, Jessica Cruz, Brett Bedrosian, Tony Doupe, Michele Peters u.a. |

„Passenger“ führt einen neuen Horrorunhold ein.
Eigentlich bin ich kein Fan von „Found Footage“-Filmen. Der norwegische Regisseur André Øvredal jedoch hatte mit „Troll Hunter“ einen Film dieses Subgenres fabriziert, der mich eines Besseren belehrte. Das für britische Produzenten inszenierte Nachfolgewerk „The Autopsy of Jane Doe“ geriet direkt zum Triumphzug. Horrorfans feiern den ebenso effektiven wie atmosphärischen Horrorhit noch heute. Hollywood wurde auf Øvredal aufmerksam und importierte das Talent.
Doch fortan hatte der Regisseur zu kämpfen. Während „Scary Stories to Tell in the Dark“ noch gut funktionierte, fielen „Mortal“ und „Die letzte Fahrt der Demeter“ deutlich ab. Zeugten eigentlich nur noch von Øvredals Gespür für Atmosphäre, gerieten ansonsten aber eher beliebig. Als dann der Teaser für „Passenger“ gedroppt wurde, wurde ich persönlich hellhörig. Denn die wenigen Minuten mit zwei grandiosen Jump Scares verrieten so gut wie gar nichts und machten neugierig. Ist Øvredal mit diesem Streifen zurück in der Erfolgsspur? Zumindest finanziell schonmal nicht, denn in den USA ist „Passenger“ brutal durchgescheitert. Leider nicht grundlos.
Øvredal erzählt von dem verliebten Pärchen Tyler und Maddie. Beide haben ihre Berufe und die gemeinsame Wohnung gekündigt, um dem Alltag zu entfliehen und mit einem Camper auf unbestimmte Zeit durch das Land zu fahren. Während Tyler dieses neue Leben liebt, hat Maddie mit dem ständigen Herumgefahre durchaus ihre liebe Not. Doch sie beißt die Zähne zusammen, verschönert ihr Tyler mit kleinen, liebevollen Gesten doch immer wieder die Leidenszeit.
Eines Nachts werden sie auf einer einsam gelegenen Straße von einem Auto bedrängt. Der Rüpel überholt irgendwann den Camper unserer Helden und verschwindet im Dunkel. Einige Meter weiter sehen Tyler und Maddie ebenjenen Wagen. Er ist von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geknallt. Die beiden stoppen ihren Wagen und wollen nach dem Rechten sehen. Doch an dem Unfallort wird es schnell unheimlich. Maddie sieht eine seltsame Gestalt. Der Unfallwagen hat höchst seltsame Kratzspuren. Irgendetwas stimmt hier so gar nicht.
Die Polizei taucht auf. Als unsere Aussteiger ihre Aussagen getätigt haben, fahren sie weiter. Doch etwas ist anders. Immer wieder sieht Maggie die eigenartige Gestalt vom Unfallort, die sie zu verfolgen scheint. Die zunächst unbestimmbare Gefahr wird dabei immer konkreter und handfester. Bei einem Treffen mit zahllosen anderen Landstreichern erfährt Maddie dann von einer Mythengestalt namens „The Passenger“. Sie ahnt, dass sie und Tyler genau diesen Lump an den Hacken haben.
Schaut in den Horrorfilm hinein
Atmosphärischer Horror um eine neue Horrorgestalt
Beginnen wir direkt mit dem Positiven: Øvredal weiß definitiv noch, wie Atmosphäre geht. Das zeigt schon die Opening-Szene, die aufgrund des Teaser-Einsatzes zwar komplett zerspoilert wurde, aber trotzdem klasse funktioniert. Danach lässt der Norweger zwar kurz locker und führt seine beiden sympathischen Helden ein, zieht dann aber die düstere Bebilderung unversehens wieder effektiv durch. Sein „Passenger“ gerät so sehr finster, dunkel und drückend. Was dem Film wohl bekommt.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Figur des Passengers. Øvredal macht eine Mythologie um die Figur auf, wird aber nie zu konkret. Lässt ihr ihre Geheimnisse. Wohl auch mit Blick auf eventuelle Fortsetzungen. Fraglich bleibt, ob diese nun kommen werden. Trotzdem: Der Passenger funktioniert und sieht schön spooky aus. Auch das rund um die Figur aufgetane Gewese um die „Hobo-/Landstreicher-Subkultur“ fühlt sich frisch und unverbraucht an.
Last but not least müht sich Lou Llobell als Maggie wirklich wahnsinnig und entwirft einen grundsympathischen Charakter, mit dem man tatsächlich mitfiebert. Blöderweise kann da ihr Co-Darsteller Jacob Scipio („Bad Boys for Life“) als Tyler überhaupt nicht mithalten. Seine Figur bleibt uncharismatisch und extrem konturlos.

Lou Llobell als Maddie (links) und Jacob Scipio als Tyler bemerken seltsame Kratzspuren an ihrem Camper. Copyright: 2026 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED.
Und damit wären wir auch schon bei den Problemstellen angekommen. Von denen hat „Passenger“ leider einige. Nach seinem großartigen Auftakt, der bei Nichtguckern des Teasers freilich noch einmal viel besser funktionieren wird, fällt es „Passenger“ schwer, ins Rollen zu kommen. Zudem wird der Leerlauf nicht genutzt, um die Hauptfiguren lebendiger zu zeichnen. Warum proben sie den Ausbruch? Was haben sie vorher eigentlich gemacht? Die Helden bleiben einem seltsam fremd. Und es braucht eben extrem lange, bis die Gefahr durch den Passenger greifbar wird.
Ist der Unhold dann richtig im Film angekommen, zieht die Dramaturgie seltsamerweise kaum an. Melissa Leo („Long Gone Heroes“) darf ihn in einer leider egalen Nebenrolle kurz anteasen. Die Mythologie selbst wird nebenbei bei einem kurzen Ausflug ins Internet lieblos ausgerollt. Vermehrt spürt man zudem, dass sich die Hauptfiguren in Teilen arg dämlich verhalten müssen, damit einige Spannungsszenen funktionieren. Und wenn beide irgendwann erklärt bekommen, sie dürften nicht bei Nacht fahren und erst recht nie anhalten, und genau diese simplen Anweisungen nicht einzuhalten vermögen, wünscht man sogar der netten Maddie den Tod an den Hals.

Ist da etwas hinter Maddie? Copyright: 2026 PARAMOUNT PICTURES. ALL RIGHTS RESERVED.
Absolut grandiosen Einzelszenen, wie einem One-Shoot auf dem Parkplatz vor einem Fitnesstempel, der auch technisch ein echtes Schmuckstück ist, stehen im weiteren Verlauf dann Anschlussfehler gegenüber, die massiver kaum ausfallen könnten. Highlight ist ganz sicher eine deftige Beinverletzung Tylers, die in der darauf folgenden minutenlangen Szenenfolge keinerlei Probleme bereitet, in der Szenenfolge darauf aber plötzlich massives Humpeln und das Anlegen eines Verbandes zur Folge hat. Sicher das Adrenalin…
In Richtung Showdown zieht André Øvredal dann das Tempo an und macht auch Action, trotzdem gerät das Finale unterwältigend. Gekrönt von CGI-Flammen, die man auch schon weitaus besser gesehen hat. Hernach gibt es noch eine finale Dummbrotszene, in der einer der Helden einen Notruf absetzt, NACHDEM eben alles erledigt ist und man zuvor mehrfach in Todesgefahr schwebte. Einfach nur dumm und unnötig.
Diesen „Passenger“ wünscht man keinem
Der Horrorfilm „Passenger“ ist immer dann gut, wenn er vollumfänglich auf André Øvredals Fähigkeiten setzt, Atmosphäre zu bolzen. Das kann er und das beweist er in einigen Einzelszenen auch eindrücklich. Leider ist die Story drumherum nicht viel wert. Diverse Jump Scares wirken in ihrem Timing einfach nur verunglückt und hauen nie rein. Und auch der Aufbau einer möglichen neuen Horrorikone endet in halbgaren Ansätzen. Es kommt keine rechte Spannung auf und gefühlt ist man in dem ganzen Bohei nie so recht drin.
Ich gebe aber gerne zu, dass in meiner Vorstellung auch jüngere Horrorfans saßen, die von einigen Jump Scares durchaus effektiv erwischt wurden. Entsprechend kann man „Passengers“ ungeübten Horrorguckern vermutlich durchaus mal nahe legen. Alte Horrorhasen werden bei dem – von ein oder zwei Szenen abgesehen – insgesamt arg harmlosen, in Teilen dummen „Passenger“ aber definitiv nicht fündig.
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Der Horrorfilm läuft seit dem 28. Mai 2026 in den deutschen Kinos, kommt von Paramount Pictures und hat ungeschnitten eine Freigabe ab 16 erhalten.
In diesem Sinne:
freeman
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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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