| Originaltitel: the Tomb__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2009__ Regie: Michael Staininger__ Darsteller: Wes Bentley, Kaitlin Doubleday, Sofya Skya, Michael Madsen, Cary-Hiroyuki Tagawa, Eric Roberts, Mackenzie Rosman, Christa Campbell, Lydia Hull, … |

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Bei dem in Deutschland unter dem Titel „das Grab der Ligeia“ veröffentlichten 2009er Horror-Streifen „the Tomb“ handelt es sich um eine moderne Neuinterpretation der annähernd gleichnamigen Erzählung des berühmten amerikanischen Schriftstellers Edgar Allen Poe (1808-1849), welche 1838 erstmalig erschien sowie im Jahr 1964 von Roger Corman (als Abschluss seiner achtteiligen Adaptions-Reihe mehrerer Poe-Werke) schon einmal verfilmt wurde. Für das hier vorliegende Werk hatte Drehbuchautor John Shirley („the Crow“, 1994) die sich um Motive wie Liebe, Obsession, Mystizismus und Reinkarnation rankende Geschichte im Rahmen seines Skripts in einen veränderten Kontext eingebettet – die Geschehnisse also abgewandelt, in die Gegenwart übertragen sowie die Handlung an sich (statt in England und einer alten Stadt am Rhein) sowohl in der Ukraine als auch in den Vereinigten Staaten angesiedelt. Regie führte der aus Österreich stammende Michael Steiniger – wobei zu erwähnen ist, dass die zwei Millionen Dollar teure Produktion sein Debüt auf diesem Gebiet markierte und er bis heute (Mitte 2026) keine weitere mehr in in Angriff genommen hat…
Als der erfolgreiche Autor Jonathan Merrick (Wes Bentley) im Zuge des Rollouts seines neuesten Buchs an seiner Heimat-Universität eine Vorlesung hält, sticht ihm auf Anhieb eine hübsche junge Dame (Sofya Skya) unter den Zuhörern ins Auge. Dass ihr Name Ligeia lautet und sie auf dem Campus als eine ambitionierte, hoffnungsreiche Studentin gilt, erfährt er nach Ende der Veranstaltung (auf Anfrage) von dem eng mit ihm befreundeten Dekan der Institution (Cary-Hiroyuki Tagawa) – worauf er sie kurzerhand einfach mal anspricht sowie er im Folgenden (mit jedem weiteren Kontakt) immer stärker in den Bann der verführerischen Schönheit gerät; was auch seiner Verlobten Rowena (Kaitlin Doubleday) nicht lange unbemerkt verbleibt. Unabhängig dessen, dass er mit letzterer bis dato eigentlich rundum glücklich war, verlässt er sie schließlich für Ligeia – heiratet sie wenig später sogar und zieht mit ihr im Anschluss obendrein in das am Ufer des Schwarzen Meeres gelegene Herrenhaus ihrer Vorfahren, welches er zuvor für sie erworben hatte, nachdem sich ihre Familie einst dazu gezwungen sah, es aus Geldmangel zu verkaufen…
Was Jonathan allerdings nicht weiß, ist dass Ligeia an einer mysteriösen Erbkrankheit leidet, die ihre Kräfte zunehmend verzehrt und an der sie schon bald zu sterben droht: Etwas, das sie verzweifelt zu verhindern versucht – und zwar via geheimer Experimente und dunkler Rituale. Einen Weg zum Erreichen dieses Ziels hat sie inzwischen tatsächlich finden können – nämlich durch das Einfangen menschlicher Seelen im Augenblick des Todes mit Hilfe einer eigens dafür konstruierten Apparatur sowie eines kreierten Serums, das den Betroffenen jeweils im Vorhinein injiziert werden muss. Mit eben jenen im nächsten Schritt dann (fortan dominant) in neue Körper einpflanzbar, will sie auf diese Weise den Tod überlisten – bloß läuft ihr mit jedem verstreichenden Tag die Zeit davon! Als ihr „Einfluss“ auf Jonathan ein neuerliches Stück weit nachlässt, sucht der wiederum den Kontakt zu Rowena und fasst überdies den Entschluss, die Verbindung mit Ligeia zu beenden. Kurz vor der Umsetzung dessen entdeckt er ihre finsteren Machenschaften jedoch konkret – was in einer direkten Konfrontation mündet, die für sie nicht gerade gut ausgeht. Im Vorfeld ihrer Beerdigung ziehen Rowena und ihr Vater (Michael Madsen) erst einmal mit zu ihm auf das Anwesen, um ihn u.a. beim Abwickeln der nötigen Angelegenheiten zu unterstützen – doch stellt sich relativ rasch heraus, dass die ganze Sache noch nicht endgültig vorüber ist…
Für „das Grab der Ligeia“ standen im Dezember 2007 zuerst 18 Drehtage in und um St. Louis auf dem Plan – bevor das Team im Januar für acht weitere in die Ukraine flog. Staininger war es wichtig, den US-Szenen ein empfindbares Eastcoast-Feeling zu verleihen, um auf diese Weise die von ihm angedachte Atmosphäre zu erzeugen, für die er sich vorrangig vom europäischen Film inspirierten ließ und welche zugleich ergiebig mit dem „klassischen Geist“ der Literatur-Vorlage harmoniert. Missouri’s grauer Winter spielte ihm dabei in die Karten – ebenso wie die Architektur in der Region sowie die Beschaffenheit unterschiedlicher Parkanlagen, in denen sich (insbesondere in Kombination mit dem kalten, kaum Sonnenstunden aufweisenden Wetter) auch etliche Einstellungen realisieren ließen, die nun ebenfalls als Orte in der betreffenden Ex-Sowjet-Republik ausgegeben werden. Auf der Krim selbst vermochte man auf passende Kulissen (wie etwa eine schöne Steilküste und ein prächtiges Gebäude) zurückzugreifen – weshalb man alles in allem – einschließlich des annehmbaren Scores Patrick Cassidys („Bulletproof Gangster“) sowie der soliden Bebilderung Chris Bensons („Tonight she comes“) – auf der audio-visuellen Ebene durchaus von einem brauchbar stimmungsvollen Gesamtergebnis sprechen kann…
Ligeia – deren Name übrigens auf die griechische Mythologie zurückzuführen ist, in der eine der Sirenen so genannt wurde – ist der letzte Nachfahre einer Adels-Familie, deren weibliche Mitglieder allesamt an einer rätselhaften, sie jeweils nicht sonderlich alt werden lassenden Krankheit litten. Als Kind musste sie mit ansehen, wie ihre Mutter dieser unerklärlichen Einwirkung zum Opfer fiel: Unmittelbar vor ihren Augen entwich dabei (für sie sichtbar) die Seele dem Körper der Sterbenden – von dem Moment an ihr klar war, diesem Schicksal nicht folgen zu wollen; weshalb sie alles daran setzte, diesen Fluch „zu besiegen“. Mit schwarzer Magie sowie zahlreicher Versuche an unfreiwilligen Testanten näherte sie sich dem immer weiter an. Die zum Sichern und Aufbewahren des finalen Lebenshauchs geschaffene bzw. verwendete Apparatur ist eine den Mundbereich überdenkende Maske, in der die betreffende Essenz (präsentiert in Form eines „leuchtenden Nebels“) in einem gläsernen Gefäß eingeschlossen wird: Ein wenig abstrus – prinzipiell aber in Ordnung so. Verkörpert wird Ligeia von der attraktiven Russin Sofya Skya („Assassins Run“), welche u.a. die angesehene „Vaganova Ballet Academy” besuchte, 2006 die „Miss World“ Wahl gewann sowie hier ihre erste größere Filmrolle (zufrieden stellend) absolvierte – und das obwohl ihre Schauspiel-Künste sporadisch etwas hölzern daherkommen und sie beim Dreh der englischen Sprache kaum mächtig war. Die geheimnisvolle Verführerin nimmt man ihr auf jeden Fall ab…
Wie mitunter leider immer mal wieder in seiner Karriere, verbleibt Wes Bentley („Final Girl“) als Jonathan verhältnismäßig blass – was nicht allein auf die ungenaue Charakterzeichnung seiner Figur zurückzuführen ist, da er es gerade in emotionalen Augenblicken einfach nicht schafft, die entsprechenden Gefühle in der notwendigen Ausprägung zu transportieren. Rowena bildet quasi das Gegenteil von Ligeia – ist empathisch, bodenständig, blond etc. – und Kaitlin Doubleday („High Heat“) gefiel mir in der Rolle mit zunehmender Laufzeit stetig besser. In Nebenparts sind indes drei Herren zu sehen, die entgegen ihres über die Jahre hinweg gefestigten Images mal nicht als Baddies gecastet wurden: Als Rowena’s meist besorgter und/oder betrunkener Vater wirkt Michael Madsen („the Doors“) aber eher deplatziert, Cary-Hiroyuki Tagawa („Nemesis“) agiert als Dekan passabel und Eric Roberts („Runaway Train“) wurde als Hausverwalter offenkundig wenig gefordert – mal abgesehen davon, dass er einen nicht unbedingt klangvollen russischen Akzent an den Tag legt und seine Beteiligung primär ein „Freundschaftsdienst“ Produzent Jeff Most gegenüber war (was er so auch frei heraus berichtete). Ebenfalls noch erwähnenswert: Christa Campbell („Homefront“) als Gattin des Dekans sowie die junge Mackenzie Rosman (TV’s „7th Heaven“) als Roberts‘ Film-Tochter…
Für einen Skript-Autoren gestaltet sich die Adaption einer Poe-Geschichte oft nicht unbedingt leicht, da sich viele der seine Werke auszeichnenden Elemente (inhaltlicher wie stilistischer Natur) nur eingeschränkt unkompliziert cineastisch aufbereiten lassen. Vor diesem Background ist Shirley’s Ansatz, bloß einige zentrale Motive des Ausgangsmaterials beizubehalten sowie diese in eine veränderte (erweiterte und zeitgemäß aktualisierte) Storyline einzubetten, nicht der schlechteste – allerdings mutet das von ihm neu erdachte „Handlungsgerüst“ über weite Strecken hinweg dann doch etwas zu konventionell, oberflächlich und klischeebehaftet an, um einen im Ganzen in einem vernünftigen Maße überzeugen zu können. In typischer Anlehnung an Poe wird eine Menge Absinth getrunken, steht bei Ligeia in der Wohnung ein Totenschädel auf einer Ablage, besitzt jene eine Schlange, der in einer Sequenz eine Ratte vorgesetzt wird – was natürlich als Metapher gedacht ist – und erhält überdies (selbstredend) auch ein Rabe einen prominenten Auftritt zugestanden. Obgleich an sich beileibe nicht unpassend, stechen diese Momente (mitunter aufgrund ihrer Darbietungsweise) aber jeweils aus dem „Drumherum“ hervor, statt geschmeidig-homogen darin einflochten zu sein…
Die Majorität der gebotenen Kern-Konflikte (darunter Liebe vs. Obsession und Licht vs. Schatten) entsteht aus dem zwischenmenschlichen Dreiecks-Verhältnis, das die Leads miteinander verbindet – wobei es den nur unzureichend ausgearbeiteten Rollen generell an der wünschenswerten „Tiefe“ mangelt, so dass man u.a. keinen ersprießlichen Zugang zu den Personen findet, einem keiner je wirklich sympathisch wird sowie letztlich einfach zu viele Fragen unbeantwortet verbleiben. Wie ist das Verhältnis zwischen Jonathan’s Faible fürs Makabre, seiner Neugier und Lust gegenüber der Kraft von Ligeia’s Bann zu gewichten, wie hat sich jene ihre okkulten Fähigkeiten überhaupt angeeignet und warum will Rowena ihren Ex eigentlich (nach allem, was er ihr angetan hat) derart innig zurückgewinnen? Man muss ja nicht zwangsweise alles haarklein aufdröseln und darlegen – aber einige Antworten mehr hätten es schon sein dürfen. Ab und an sind Plot-Löcher nicht zu verkennen, die generelle Dialog-Qualität kommt nie übers Mittelmaß hinaus und einzelnes hätte man sich schlichtweg cleverer gewünscht. Des Weiteren ist der Verlauf nicht gerade unvorhersehbar – was ebenso auf die im finalen Akt eingestreuten Wendungen bzw. Offenbarungen sowie die lahme, weil bereits x-mal zuvor in ähnlicher Form gesehene Schluss-Einstellung zutrifft…
Im Zuge seiner Herangehensweise ließ sich Staininger stärker von traditionellen übernatürlichen Grusel-Thrillern als vom „modernen Horror-Kino“ inspirieren: Entsprechend verzichtete er nahezu umfassend aufs Aufzeigen blutiger Details sowie (mit Ausnahme einiger flüchtiger „Editing-Blitze“) zudem auf die meisten der heutzutage verbreiteten „Kamera-Mätzchen“ und raschen Schnittfolgen – und zwar zugunsten diverser ruhiger Dolly-Shots sowie einem akzentuierten Retro-Vibe, für den man die düster-geheimnisvollen Facetten der Handlung gezielt in den Vordergrund rückte und jene mit als „Fundament“ für die Atmosphäre-Erzeugung nutzte. Die Sets und Locations wurden adäquat gewählt und hergerichtet, die Geschehnisse in stimmige Bilder gekleidet und sowohl die im Rahmen der Post-Production eingefügten Flashbacks (denen man ein Großteil ihrer Farben entzogen hat) als auch spezielle nächtliche „Himmels-Phänomene“ über dem Burg-artigen Anwesen am Roten Meer erfüllen ihre beabsichtigten Zwecke dienlich…
Über Gegebenheiten, wie dass es beim Einfangen der Seelen stets zu Elektrizitäts-Schwankungen kommt, dass in der vorherrschenden „Nebel-Form“ jener weiterhin die Gesichter ihrer ursprünglichen „physischen Besitzer“ erkennbar sind, dass Ligeia sie später mal in einer Weinflasche mit dem Label Spirit of ’08 lagert sowie sich in einer Szene ein Sensenmann in einem „Zauber-Spiegel“ manifestiert, in welchem sich übrigens ebenfalls die sexuell aufgeladene Aura Johnathans betrachten lässt – darüber mag man geteilter Meinung sein. Problematisch wird es jedoch, wenn einen „das Umgebende“ nicht anständig genug zu packen bzw. zu fesseln vermag und dieser Eindruck den Unterhaltungswert mindert. In Wechselwirkung mit dem geringfügig zu gemächlichen Erzähltempo, ist es Staininger nicht gelungen, echte Suspense zu generieren – während auch die „erotischen Komponenten“ der Geschichte leider nur ungenügend zur Geltung gebracht wurden. Denkbar ungünstig, habe ich mich so tatsächlich irgendwann ein wenig zu langweilen begonnen. Solche Faktoren erschweren natürlich zugleich noch das wohlwollende Hinwegsehen über bestimmte „kleinere“ Gegebenheiten – wie über einen plötzlichen Tag/Nacht-Wechsel zum Ende hin…
Fazit:
Auf den ersten Blick ist Edgar Allen Poe’s „das Grab der Ligeia“ ein solide produziertes, optisch, darstellerisch und inhaltlich nicht uninteressantes B-Movie – allerdings mangelt es dem Streifen letzten Endes an Spannung wie auch an „Mehrschichtigkeit“, sind die vor der Kamera Agierenden nahezu allesamt zu unmarkant und hätte „der Flow“ der Entfaltung von einer gezielten Straffung mancher Momente gewiss profitiert…
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Hierzulande ist „das Grab der Ligeia“ auf DVD und BluRay erhältlich.
Stefan Seidl

(© Darclight Films, Lightning Media, Phase 4 Films & Splendid Film )
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zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright der „das Grab der Ligeia“ Cover-/Postermotive und Pics: Lamplight Films / Most Films / Yalta-Film / Darclight Films International / Lightning Media & Phase 4 Films (US) / Splendid Film (D)__ Freigabe der dt. VÖ: FSK-16__ DVD/BluRay: ja/ja |





