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Silent Assassins – Lautlose Killer

Originaltitel: Assassins Run__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Robert Crombie, Sofya Skya__Darsteller: Christian Slater, Sofya Skya, Cole Hauser, Angus Macfadyen, Marianna Khalifman, Svetlana Tsvichenko, Alexander Rapoport, Romuald Makarenko, Boris Birman, Vadim Gushchin u.a.
Silent Assassins

Cole Hauser & Christian Slater haben nicht die Hauptrollen in “Silent Assassins”. Um Assassins geht es auch nicht.

Maya ist eine russische Ballerina, deren Leben kaum besser laufen könnte. Sie hat eine dauerhafte Anstellung als Primaballerina, einen sie liebenden, erfolgreichen Ehemann und eine süße, kleine Tochter. Was sie nicht ahnt, ist, dass ihr Mann in echten Problemen steckt. Ein Unbekannter kauft seine und die Schulden seiner Unternehmen auf und scheint sich anzuschicken, die gesamten Geschäfte zu übernehmen. Die einzige Hoffnung von Mayas Mann Michael sind Pfandbriefe im Wert von 500 Millionen Euro, die ihm den Hals retten sollen.

Doch bevor er handeln kann, beginnen Killer seine Mitarbeiter umzunieten und auch er selbst fällt einem Anschlag zum Opfern. Maya sieht sich vollends in die Ecke gedrängt, als ihr untergeschobenes Kokain gefunden wird. Sie wandert ein. Ein Freund nimmt sich zwar ihrer Tochter an, doch diese wird trotzdem Opfer eines Kidnappings. Wird es Maya gelingen, irgendwie aus dieser misslichen Lage herauszukommen und aufzudecken, wer hinter den ganzen Vorgängen steckt?

„Silent Assassins“ wird in Deutschland ziemlich reißerisch vermarktet. Christian Slater („El Gringo“) und Cole Hauser („Olympus Has Fallen“) posieren hier in voller Militär-Montur vor Explosionswolken und anderen Special Forces Mitgliedern. Doch der Film dreht sich eigentlich um Sofya Skya („Schattenkommando“) als Ballerina Maya und zerfällt in drei dramaturgische Teile. Teil eins widmet sich dem Niedergang von Mayas Familie. Nach Bildern familiären Glücks und beruflichen Erfolgs geht es dank Intrigen, Drohungen und Mordanschlägen unaufhaltsam abwärts. Das ist weder spannend noch rasant oder gar actionreich, funktioniert zur Verortung der Grundsituation aber ganz gut. Ist dabei aber auch sehr langgezogen und alles andere als neu.

Silent Assassins

Christian Slater wird in Mütterchen Russland ordentlich verarscht!

Teil zwei dagegen ist der stärkste Part von „Silent Assassins“. Maya wandert in einen herrlich abgerissenen russischen Klischee-Knast ein. Dabei purzeln so viele Klischees, dass man fast meint, dieser Wahnsinn habe tatsächlich Methode. Hier wird aus Maya quasi über Nacht aus dem Opfer eine entschlossene Frau, die beschließt, zurück zu schlagen. Und wie? Nun, sie entwickelt einfach einen Kampfstil, der ihrem geliebten Tanz am nächsten kommt. So elegant hat man wirklich noch nie jemanden kicken sehen. Aus perfekten Arabesquen und Fouettes heraus platziert sie Kicks und Schläge. Das sieht zunächst genauso skurril aus wie es klingt, aber es funktioniert! Und das so gut, dass man sich wünscht, die Kamera würde mal mehr Totalen des Kampfsporttreibens zeigen. Leider ist man aber immer zu nah dran, um die daraus entstehenden Choreografien wirklich genießen zu können. Dennoch, alleine die Idee fand ich großartig. Mut zum Trash, aber eben mutig und letzten Endes eben erstaunlich gut funktionierend.

Teil drei geht dann dieser Irrwitz wieder ab. In Las Vegas werden alle Unklarheiten beseitigt und ein kleiner Showdown setzt einen eher unspektakulären Abschluss – auch hier ohne jedwede Militär-Action. Und würden nicht ein paar Killer eine kleine Rolle spielen, man wüsste gar nicht, woher der reißerische deutsche Titel kommt. Der zum Film genauso wenig passt wie das DVD-Cover. So entpuppt sich „Silent Assassins“ als zumindest kompetent inszenierter Actionthriller mit Frauenpower. Denn das muss man neidlos anerkennen: Die hochaufgeschossene, sexy Sofya Skya, die auch als Co-Regisseurin fungierte, macht sowohl als Heimchen am Herd, als Ballerina auf der Ballettbühne und in den Actionszenen eine sehr gute Figur. Darstellerisch wirkt sie zwar ab und an ein wenig unbedarft, aber sie ist hübsch anzuschauen und kommt sehr sympathisch rüber.

Ihre Co-Stars rekrutieren sich aus Christian Slater, Cole Hauser und Angus MacFadyen („Braveheart“). Sie kommen in der weitgehend russischen Produktion auf ungefähr die gleiche Screentime, wobei Christian Slater den souveränsten Job abliefert, Cole Hauser kaum auffällt und MacFadyen vollkommen überkandidelt agiert und häufiger derart überdreht, dass er einem nur noch seltsam vorkommt.

Silent Assassins

Sofya Skya räumt mit dem Gesindel auf!

Das Budget des Filmes soll bei etwa vier Millionen Dollar gelegen haben. Offenbar können Russen mit solchen Summen besser hantieren als Amerikaner, denn „Silent Assassins“ sieht deutlich wertiger aus als die amerikanischen Ostblock-Kracher. Man präsentiert schöne Bilder der Schauplätze, dreht nicht in Hinterhöfen, verzichtet in der Action auf CGI-Blut und kann auch ordentlich Nebendarsteller zusammen ziehen, um glaubhaft Sets zum Leben zu erwecken. Optisch bedient man sich zwar des nicht gerade schön anzusehenden Digitallooks, arbeitet aber mit satter Farbigkeit gegen die gewohnte Ostblocktristesse an. In Rückblenden, Flashbacks, Visionen und Träumen bringen die Regisseure einige Stilmittel unter: Color-Key-Aufnahmen, Ghostings und überstrahlende Flächen fallen dabei sofort ins Auge.

Unterm Strich ist „Silent Assassins“ ein durch und durch solider, leider aber auch sehr unauffälliger Actionthriller. Der starke Frauen-Lead gefällt und auch so manch schräge Idee im Mittelteil nimmt man dankbar zur Kenntnis. Im Großen und Ganzen ist der zu viele Klischees abgrasende Film aber einfach zu unspektakulär und vor allem in der Action zu gebremst. Ein paar kleine Shootouts und die Kampfsporteinlagen von Sofya Skya sind alles, was man dahingehend geboten bekommt. Dennoch, langweilig wird es nie und der insgesamt nette Cast bügelt manche Unebenheit aus.

Die deutsche DVD erscheint von Maritim Pictures, ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut und hat eine ziemlich gute Synchronisation abbekommen, auch wenn gerade die bekannten Gesichter mal wieder nicht ihre Stammsprecher erhalten haben.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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