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Godzilla Against Mechagodzilla

Originaltitel: Gojira tai Mekagojira__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 2002__Regie: Masaaki Tezuka__Darsteller: Yumiko Shaku, Shin Takuma, Kana Onodera, Ko Takasugi, Yusuke Tomoi, Junichi Mizuno, Akira Nakao, Kumi Mizuno, Takeo Nakahara, Yoshikazu Kanou, Koichi Ueda, Akira Shirai, Midori Hagio, Naomasa Rokudairam, Shinji Morisue, Misato Tanaka, Hideki Matsui u.a.
Cover

Das Poster von „Godzilla Against Mechagodzilla“. Copyright: Toho

To the Bone

Die Millennium-Ära war für die Rieseneidechse eine überaus lehrreiche und experimentierfreudige Zeit. Sie lernte nach dem Jahrtausendwechsel, wie man in hoher Frequenz den Schwanz abwirft und einfach neu anfängt, um den 90er-Storyballast der immer umfangreicher werdenden Reihe ein für allemal hinter sich zu lassen. Und diesmal, da geht es sogar zurück bis auf die Knochen. Wortwörtlich. Das überdimensionale Skelett des Ur-Godzilla in einem Aquarium lässt nicht nur Paläontologenherzen höher schlagen, sondern gehört überhaupt zu den prägnanten Schlüsselbildern von „Godzilla against Mechagodzilla“. Der Verweis auf den Originalfilm von Ishiro Honda ist dabei keineswegs die einzige Aufgabe, die dieser Requisite zuteil wird; zusätzlich symbolisiert sie die absolute Konzentration auf das Wesentliche, das sich dieser 26. Teil auf die Fahne geschrieben hat.

Godzilla, um dessen destruktive Natur sich hier alles drehen soll, lässt sich dann auch nicht lange bitten und erhebt sich bereits im Intro begleitet von orkanartigen Böen und Starkregen in imposante Höhen, während der ahnungslose Reporter in der vorderen Bildebene nichtsahnend in sein Mikro plärrt. Die Umgebungsgeräusche sind zu stark, als dass man den Mann verstehen würde, aber es geht ohnehin nur um die Bilder hinter ihm: Godzilla ist wieder der furchterregende Gott der Götter, der Städtezertrampler, der sich diesmal Tateyama, Yokohama und Tokio auf die Todo-Liste geschrieben hat. Zumindest in Bezug auf die Zerstörungswut besteht Kontinuität gegenüber dem direkten Vorgänger „Godzilla, Mothra and King Ghidorah“.

Wie ernst das Reinheitsgebot diesmal genommen wird, lässt sich am überschaubaren Monster-Arsenal ablesen, das über die Against-Konstellation aus dem Titel hinaus rein gar nichts zu bieten hat – keine Sidekicks oder Tag-Team-Partner, keine Cameo-Überraschungen, Riesenbaby-Anhängsel oder sonstige Ablenkungen. Abgesehen von ein paar Kampfjets, die ihm wie lästige Fliegen um den Kopf schwirren, muss der Koloss sich mit lediglich einem einzigen Opponenten seiner Statur auseinandersetzen. Mechagodzilla ist aber in seinem nunmehr vierten Einsatz seit 1974 nicht einfach nur das metallische Abbild des Reptils, sondern unter der Hochglanzverkleidung diesmal wahrhaftig im genetischen Sinne aus dessen Rippen geschnitten, frei nach dem Motto: Wenn du es nicht besiegen kannst, versuche es zu neutralisieren.

Elitekämpfer mit Identitifkationspotenzial

Diese 1-gegen-1-Konstellation führt zu einer besonderen Transparenz im Aufbau, die man in der oftmals über die Stränge schlagenden Serie nicht immer gewohnt war. In regelmäßigen Gezeiten wechseln sich die Angriffe mit den militärischen und wissenschaftlichen Abwehrvorbereitungen ab, wobei die handelnden Akteure keineswegs nur emotionslose Zinnsoldaten auf einer strategischen Karte bleiben. Gleich im Einstieg bekommt die von Yumiko Shaku gespielte Special-Forces-Leiterin Akane die Bürden ihrer Verantwortung zu spüren, als sie den Tod einiger Kameraden zu verantworten hat; eine Last, mit der sie auch im Hauptteil der Handlung permanent konfrontiert wird. Damit der Stoff nicht zu schwermütig gerät, versucht sich Shin Takuma mit den Mitteln einer Screwball-RomCom ein Date bei Akane zu ergaunern. Derweil läuft seine kleine Tochter den lieben langen Tag mit einer Topfpflanze unter dem Arm herum, die aussieht wie die Gesundheitskräuter aus der Resident-Evil-Franchise, deren erster Teil zu jener Zeit von Capcom gerade neu aufgelegt wurde.

Wie in Hollywood – nur mit mehr Gummi

Aber nicht nur in der Verwendung einfacher, für den Durchschnittszuschauer nachvollziehbarer zwischenmenschlicher Momente zeigen sich die zunehmenden Einflüsse durch Hollywood, sondern auch in der Inszenierung. Das Festhalten an der immer noch ein wenig tölpelhaft dreinschauenden Gummivisage Godzillas übt da inzwischen auch eine klar anachronistische Wirkung aus. Zu verdanken ist das sicher auch dem Kultfaktor der Suitmation-Technik, die nach Emmerichs CGI-Wüterich von der anderen Seite der Weltkugel mehr denn je auch einen identitätsstiftenden Zweck erfüllt.

All die mit militärischen Orden behangenen Entscheidungsträger am Set, sie wirken immer noch ein wenig albern, wenn sie mit steinerner Miene Warnungen aussprechen und Strategien erörtern, um Godzilla Einhalt zu gebieten. Nebenher schälen sich aber immer wieder durchaus monumentale Einstellungen von kinematografischem Gewicht heraus. Es mag grundsätzlich comichaft anmuten, wenn Mechagodzilla im Rage-Modus durch ein Hochhaus läuft und eine Silhouette in Mecha-Form darin hinterlässt, aber als seine Energiequelle Sekunden später versiegt und er im Gegenlicht der tiefstehenden japanischen Sonne mitten im Metalldschungel zum Stillstand kommt und Ruhe einkehrt, verströmt das trotz allem etwas Erhabenes, wie man es damals nur von einem Kinofilm erwarten durfte.

Die Schönheit liegt so gesehen also im Einfachen. Verharrt man aber zu sehr in den Basics, läuft man Gefahr, die Kehrseite der Medaille zu beschwören. Die liegt wiederum darin, dass es letztlich an skurrilen Einfällen und unerwarteten Wendungen mangelt. Zwar ist weder am Design der beiden Monster noch an deren Prügeleinlagen viel auszusetzen; da wird schon guter Franchise-Standard aufgefahren. Aber eben auch nicht mehr als das. Wie gewohnt werden Miniaturnachbildungen menschlicher Großstadtarchitekturkunst, zumeist bestehend aus verspiegelten Hochhäusern und grauen Asphaltflächen, fachgerecht in Styroporscheibchen zerlegt, derweil die Pyrotechnik an den Gummischichten der Rowdys Funken schlägt. Garniert wird das Ganze mit ein paar spärlichen CGI-Effekten rund um eine Molekularwaffe, deren Ziele sich nach Einschlag in eine blaue Masse von zerfallenden Pigmenten verwandeln.

„Godzilla Against Mechagodzilla“ – Ein Godzilla wie jeder andere

Das Gesamtpalet deckt eben gerade so den Kalorienbedarf eines verwöhnten Publikums, das seinerzeit tatsächlich noch im Jahrestakt neue Godzilla-Filme erwarten durfte. Ein Ausreißer nach unten war da kein Weltuntergang; man würde ja kurze Zeit später den nächsten sehen können. Dass „Godzilla Against Mechagodzilla“ in einer gewissen Weise die reine, unverschnittene Essenz der Reihe verströmt, ist womöglich nur ein Nebeneffekt grassierender Einfallslosigkeit, als man sich beim vierten Teil binnen vier Jahren nicht anders zu helfen wusste, als Godzilla ein weiteres Mal gegen sein eigenes Monument antreten zu lassen. Eine Evolution vollzieht hier nicht das Monster selbst, sondern allenfalls die Art, wie die Filme über ihn gemacht werden – die japanische Flagge stolz im Wind flatternd, und doch mit einem zunehmend internationaler werdenden Blickwinkel.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung

Schaut in den Trailer

Wie seine Millennium-Ära-Vorgänger wurde auch „Godzilla Against Mechagodzilla“ in unzähligen Auflagen über Splendid als DVD und Blu-ray veröffentlicht. Diese Rezension basiert auf einer 12-Film-Collection aus dem Jahr 2018. Der Hauptfilm kann in deutschem 5.1-Surround-Sound oder in japanischem Stereo-Surround-Sound abgespielt werden; Untertitel liegen in Deutsch oder Niederländisch vor, Extras findet man abgesehen von etlichen Trailern keine. Einzeln lässt sich der Titel nur schwer beziehen. Lediglich die DVD ist noch zu halbwegs moderaten Preisen zu bekommen, die bereits 2014 veröffentlichte Einzel-Blu-ray hingegen ist längst ausverkauft. Zu einer möglichen Neuauflage ist aktuell nichts bekannt.

Sascha Ganser (Vince)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein (Deutschland)__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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