| Originaltitel: Day of Recknoning__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Shaun Silva__Darsteller: Zach Roerig, Billy Zane, Cara Jade Myers, Scott Adkins, Trace Adkins, Britton Webb, Travis Hammer, Gus Langley, Yelawolf, Struggle Jennings, Edward Crowe, Max Bickelhaup, Brad Carter, Brittany Cook u.a. |

In „Day of Reckoning“ wollen Sheriff Zack Roerig und Marshal Billy Zane auf Bankräuber Scott Adkins festnehmen
Scott Adkins hatte zwar schon in „Universal Soldier: Day of Reckoning“ anno 2012 seinen Tag der Abrechnung, war 2020 bei „Dead Reckoning“ dabei, aber auch für „Day of Reckoning“ stellte sich 2025 zur Verfügung.
Der Film startet erstmal mit dem Helden, Sheriff John Dorsey (Zach Roerig). Der kann den Täter bei einer Geiselnahme beruhigen anstatt Gewalt anzuwenden, doch eine panische Geisel und sein schießfreudiger Deputy Danny Raise (Britton Webb) sorgen dafür, dass es doch noch zu einer Katastrophe kommt. Sechs Monate später: Die Ehe mit seiner Frau Laura (Brittany Cook) kriselt, in der Stadt gilt John als Schwächling, der um seine Wiederwahl fürchten muss, bei der ihm ausgerechnet Danny den Rang ablaufen will. Es ist ein klassisches Action- und Westernthema: Der Mann am Boden, auf der Suche nach Wiedererstarken und Wiedergutmachung, denn schließlich ist „Day of Reckoning“ auch als Actionthriller mit Neo-Western-Vibes inszeniert.
An anderer Stelle lauern Marshal Butch Hayden (Billy Zane) und seine Leute dem Bankräuber Kyle Rusk (Scott Adkins) und seiner Bande auf. Die Falle schnappt zu, doch Kyle, mit „Eat Shit“-Schriftzug am Motorrad, entkommt dem Zugriff. Der Banküberfall und der anschließende Übergriff sorgen für etwas Action, außerdem führen sie die Charaktereigenschaften weiterer Hauptfiguren ein: Butch ist der unerbittliche Jäger, Kyle der rebellische Freigeist mit wenig Skrupeln, aber viel Gerissenheit.
Aus einem Komplizen können die Marshals jedoch den Aufenthaltsort von Kyles Frau Emily (Cara Jade Myers) herauspressen. Der liegt in Johns Revier, also wird er hinzugerufen, als die Marshals Kyles Frau und Komplizin auf der Farm festsetzen. Mit der Gefangenen warten sie auf den Bankräuber, doch der ist durch ein Zeichen seiner Frau vorgewarnt, während sich im Haus bald Spannungen entladen…
Schaut euch den Trailer zu „Day of Reckoning“ an
„Day of Reckoning“ mag im Trailer ein paar Actionszenen zeigen und mit Adkins auch einen Genrestar in einer tragenden Rolle dabei haben, doch ein großer Actionfilm ist das Ganze nicht. Der erwähnte Auftakt sorgt für ein bisschen Geballer und eine nette Autoexplosion, danach ist vor allem Wartezeit auf den Showdown angesagt, mit sehr kurzen Handgreiflichkeiten und Schusswechseln zwischendurch. Auch das Finale ist nicht das ganz große Abräumen, zwei Kleingruppen treffen sich zum Last Stand, man belauert einander und ballert nicht aus vollen Rohren.
Ein Kampf zwischen Kyle und Butch sorgt für etwas Dynamik, sonst ist das eher kurzer Schusswaffengebrauch in Westerntradition, solide gefilmt, mittelprächtig montiert, aber alles kein großes Spektakel. Für Regisseur Shaun Silva ist es das Spielfilmdebüt, nach jahrzehntelanger Erfahrung in Musikvideos und Sportdokus. Alles ist handwerklich sauber gemacht, aber leider auch ohne Handschrift oder Inspiration, eher abgefilmt als großartig inszeniert. Immerhin: Wie ein Mann mit einem Hirschgeweih, ein zweiter mit einem zerbrochenen Teller abserviert wird, das hat ein wenig rohe Kraft.
Das Hauptproblem ist jedoch das Drehbuch von Travis J. Opgenorth, der zuvor ein paar Kurzfilme schrieb und in sonst verschiedenen Funktionen wie Script Continuity und Production Coordinator beim Fernsehen arbeitete. „Day of Reckoning“ ist über weite Strecken ein Kammerspiel, reduziert auf den Ort der Farm und ein übersichtliches Personal. Das benötigt aber griffige, tiefgehende Charaktere, packende Konflikte und echte Spannung – doch nichts davon gibt es hier.
Die meisten Figuren sind reine Schablonen, die nur rudimentär umrissen: Butchs zwielichtige Marshal-Kollegen wollen vor allem Geld, Danny will Johns Job, Dannys Kumpel überschätzen sich als Posse maßlos selbst und Butch will Kyle auf jeden Fall noch dingfest machen. Damit auch jedem Dulli klar wird, dass dieser Kapitän Ahab der Verbrecherjagd motiviert ist, aber nur noch wenig Zeit hat, muss Butch alle zehn Minuten Blut husten, wegen einer nicht näher definierten Krankheit. Viel mehr wird aus den Figuren nicht rausgeholt, die Dialoge müssen dann nur das Offensichtliche nochmal aussprechen, was eigentlich durch das Handeln der Figuren schon längst klar ist, wodurch dies bisweilen zur Geduldsprobe wird.
So schleppt sich „Day of Reckoning“ dahin, das Ziel war wohl Slowburn, draus geworden ist Boreout. Die Konflikte innerhalb der Mannschaft sind teilweise mit der Brechstange herbeigeschrieben, ein zusätzlicher Zoff zwischen John und Danny hat Soap-Potential, wenn es darum geht, ob Danny wohl mit der Frau seines Bosses schläft. Würde man Laura in mehr als zwei Szenen des Films sehen, dann würde einen das vielleicht sogar interessieren, so ist es nur eine weitere mögliche Kränkung des dauerschmollenden Protagonisten. Zwischen ihm und Emily entwickelt sich eine Bindung, nur kann das Script sich nie ganz entscheiden, ob diese nur ein toughe Kriminelle, eine kompetente Mitläuferin oder eine doch herzensgute Überlebenskünstlerin ist, die dem Sheriff noch gute Ratschläge auf den Weg mitgibt.
Es ist dann Warten auf Godot, ach ne, Warten auf Kyle angesagt, der auf dem Weg zum Finale noch ein paar Atzen als Verstärkung aufgabelt, aber als Antagonist weitestgehend verschenkt ist. Da sich herausstellt, dass die Marshals das Gesetz für ihre Zwecke gern biegen oder brechen und das Figureninventar größtenteils auch Arschkrampen besteht, ist einem auch weitestgehend egal, ob und wen es denn nur erwischt, wobei man sich dies leicht ausmalen kann, da „Day of Reckoning“ so gut wie jedes Genremuster brav und innovationsfrei abhakt. Hin und wieder versucht sich das Drehbuch zwar bei einzelnen Figuren an Ambivalenzen, aber weder Script noch Inszenierung können etwas daraus machen.
Die beiden größten Namen im Cast, Scott Adkins („Prisoner of War“) und Billy Zane („Todesstille“), sind nicht nur als Darsteller, sondern auch als Executive Producer dabei. Beide sind auch schauspielerisch sichere Bänke. Adkins gibt den Antagonisten als skrupellosen Lebemann, dem das Drehbuch leider nicht viel mitgibt, sodass man am Ende des Films immer noch nicht genau weiß, wie er wirklich zu seiner Frau Gemahlin steht. Billy Zane hat da etwas besseres Material als fanatischer Gesetzeshüter, ist uneitel als alternder, etwas dicklicher Marshal.
Der Rest fällt dagegen ab: Zach Roerig gehörte zum Stammcast von „The Vampire Diaries“, spielt hier eher mäßig den Gesetzeshüter mit Prinzipien, der manchmal so introvertiert daherkommt, dass seine Handlungen im Finale wie ein riesiger Befreiungsschlag wirken. Ähnlich mittelprächtig ist Cara Jade Myers („Killers of the Flower Moon“) als zentrale Frauenfigur, der Rest liefert Mäßiges bis Schwaches, etwa Britton Webb („Emancipation“) als Deputy oder Travis Hammer („Fear the Night“) als schmieriger Marshal. Trace Adkins („Among Wolves“), seines Zeichens Country-Sänger und Western-Regular, sorgt in einer Nebenrolle für etwas Gravitas, ist auch Teil einer ganz amüsanten Pointe gegen Filmende, die aber leicht drangeklatscht wirkt.
So mag sich „Day of Reckoning“ zwar keine inszenatorischen Schnitzer erlauben, ist von Scott Adkins und Billy Zane sogar recht gut gespielt, versagt aber als das anvisierte Neowestern-Thriller-Kammerspiel. Script und Inszenierung erzeugen eher Längen als Spannung, die wenigen Schauwerte sind kaum mehr als Handwerkskost und die Figuren sind entweder simple Schablonen oder begrenzt nachvollziehbar geschrieben, zumal denkbar wenig passiert.
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„Day of Reckoning“ wird hierzulande von Warner Bros. Home Entertainment vertrieben und wurde von der FSK ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben, wird aktuell aber nur im Stream ausgewertet, kostenpflichtig bei Plattformen wie Amazon oder AppleTV.
© Nils Bothmann (McClane)
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