Der Film zum Hollywood-Traumpaar: In der Romantic Comedy „Overboard“ von Gary Marshall käbbeln sich Kurt Russell und Goldie Hawn. Sie ist die reiche Erbin die ihn, den Witwer und Zimmermann, um seinen Lohn bringt. Als sie von ihrer Yacht fällt und Amnesie erleidet, redet er ihr ein, dass sie seine Ehefrau sei, um sie als Haushaltshilfe zu gebrauchen. Irgendwann funkt es natürlich zwischen den beiden.
| Originaltitel: Overboard__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: Gary Marshall__Darsteller: Goldie Hawn, Kurt Russell, Edward Herrmann, Katherine Helmond, Mike Hagerty, Roddy McDowall, Jared Rushton, Jeffrey Wiseman, Brian Price, Jamie Wild, Frank Campanella, Henry Alan Miller, Frank Buxton, Hector Elizondo, Gary Marshall, Sven-Ole Thorsen u.a. |

In „Overboard“ von Gary Marshall spielt das Real-Life-Paar Kurt Russell und Goldie Hawn die Hauptrollen
Kurt Russell („Monarch: Legacy of Monsters“) und Goldie Hawn („Ein Vogel auf dem Drahtseil“) führen eine der langlebigsten Hollywood-Beziehungen, stabil und ganz ohne Trauschein. Es begann am Set von „Swing Shift“ und wenige Jahre später wollte die Filmindustrie mit der Komödie „Overboard“ Kapital aus der Promi-Pärchen schlagen.
Für den Screwball-Charakter kommen die beiden Hauptfiguren aus zwei gänzlich unterschiedlichen Welten. Dean Proffitt (Kurt Russell) ist Witwer, Vater von vier Rabauken und hart arbeitender Zimmermann. Die reiche, gelangweilte Erbin Joanna Stayton (Goldie Hawn) hingegen verbringt ihre Zeit auf ihrer Yacht und ist eine Kratzbürste sondergleichen, dass noch nicht einmal ihr Gatte mit dem schönen Snob-Namen Grant Stayton III (Edward Hermann) so richtig gut mit ihr klar kommt. Als Dean auf dem Kahn einen neuen Schuhschrank für die verwöhnte Ziege einbauen soll, bekommt der Working-Class-Proll nicht nur schnippische Kommentare ab, sondern wird auch um seinen Lohn wegen eines angeblichen Fehlers betrogen. Soweit also die Unterschiede in Geschlecht, sozialer Herkunft, Benehmen und Ausstehlichkeit, nur beim Temperament, da tun sich die beiden wenig.
Eines Nachts geht Joanna auf See über Bord und wird mit Amnesie angespült. Selbst in diesem Zustand behält sie allerdings ihre Schreckschraubigkeit, sodass der Göttergatte sie kurzerhand verleugnet und doch nicht aus dem Spital holt, nachdem ihr Patientenstatus via Fernsehen publik gemacht wurde. Den gleichen Bericht sieht allerdings auch Dean, der die passende Idee für eine High-Concept-Prämisse hat: Joanna soll die Schulden als Haushaltshilfe abarbeiten, weshalb er sie als seine Ehefrau Annie ausgibt. Dank der Werkelei auf der Yacht kennt er auch ein intimes Detail, damit der Bluff auch fürs Krankenhauspersonal funktioniert, das freilich auch ganz froh ist die anstrengende Patientin los zu sein.
Mit der neuen Rolle als Mutter von vier anstrengenden Plagegeistern ist Joanna bald überfordert, an den nötigen Skills in Sachen Haushalt mangelt es ihr auch, aber sie schlägt sich durch. Und bald kommen sie und Dean sich tatsächlich näher…
Schaut euch den Trailer zu „Overboard“ an
Mit Leslie Dixon („Blind Date“) zeichnet tatsächlich eine Frau für die Plotte des Films verantwortlich, trotz der Ungleichbehandlung der Figuren. Joanna ist die arrogante Zicke, der das alles irgendwo recht geschieht, die sich am Ende nicht nur in ihren Quasi-Kidnapper verliebt, sondern sogar eine Tochter von ihm will, während sie mit dem früheren Ehemann null Kinderwunsch hatte. Deans Plan wirkt dagegen trotz gelegentlicher Arschigkeit der Pseudogattin gegenüber eher wie ein Streich, schließlich schläft er auf der Couch und fordert keine ehelichen Pflichten ein. Allerdings dürfte diese Einstellung vielleicht weniger am Geschlecht der beiden Hauptfiguren, sondern am Klassenverständnis des Drehbuchs liegen: Dean und seine Freude sind hart arbeitende, ehrliche Leute, das Salz der Erde, während die Reichen alle blasiert und/oder dämlich sind. So feiert Grant lieber Partys mit lauter leicht(bekleidet)en Mädels, als sich um seine Ehefrau oder deren Gedächtnisverlust zu kümmern, Joannas Mutter Edith Mintz (Katherine Helmond) scheint ihr Schoßhündchen mehr zu mögen als jeden Menschen und dem Personal gegenüber tritt die Oberklasse eh immer überheblich aus.
Aber die grobschlächtige Zeichnung der Figuren und Verhältnisse passt irgendwie zum Charakter des Films, denn wie bei seinem größten Hit „Pretty Woman“ zeichnet Regisseur Gary Marshall („Küß mich, Doc!“) diese Screwball-RomCom vor allem als modernes Märchen, dessen Naivität quasi zur DNA gehört. Dementsprechend muss Dixons Drehbuch sich manchmal schon ziemlich strecken, um dieses Szenario zu erläutern und das vorprogrammierte Auffliegen des Schwindels lang genug herauszuzögern, aber irgendwie verzeiht man es dem Film. Wie ein Märchenprinz im fleckigen Malocher-Shirt kriegt der gute Dean auch irgendwann Gewissensbisse und will die Wahrheit beichten, doch sowohl sein bester Kumpel Billy Pratt (Mike Hagerty) und als auch seine vier kleinen Racker sabotieren das Geständnis, denn sie haben ja längst erkannt, dass die Amnesiepatientin die perfekte Frau für ihn ist. Immerhin gelingen Dixon und Marshall auch genug romantische Szenen, um das glaubwürdig zu verkaufen, etwa wenn Joanna/Annie und Dean gemeinsam den Auftrag für einen Minigolfkurs zum Erfolg machen.
Es liegt auch an der Chemie des Real-Life-Paares aus Goldie Hawn und Kurt Russell, dass nicht nur der romantische Funke überspringt, sondern man dem Film und seinen Figuren manche Gemeinheit eher verzeiht. Russell präsentiert sich mal wieder als Macher und Held der Arbeit, wie zu jener Zeit etwa auch in „The Thing“, „Big Trouble in Little China“ oder „Tango & Cash“, hier ohne Action, aber mit dem gleichen Malocher-Charme und den gleichen lockeren Sprüchen. Hawn dagegen hat Spaß an der Wandlungsfähigkeit, egal ob als High-Society-Zicke jenseits von Gut und Böse, als überforderte Neu-Hausfrau oder als in die Mutterrolle gewachsene Glucke, die der arroganten Lehrerin auch mal ordentlich die Meinung geigt. In den Nebenrollen überzeugen am ehesten Roddy McDowell („Die Klasse von 1984“) als gebeutelter Butler und Mike Hagerty („Wayne’s World“) als bester Kumpel Deans. Edward Herrmann („Willkommen in Mooseport“) und Katherine Helmond („Die Hindenburg“) als Reichen-Karikaturen geben immerhin dem Affen ordentlich Zucker, bisweilen an der Grenze zur Schmierenkomödie. Marshall-Regular Hector Elizondo („Ein Mann für gewisse Stunden“) schaut ungenannt als Captain eines Müllschiffs vorbei, ebenso ungenannt im Abspann bleibt Arnold-Schwarzenegger-Kumpel, Stunt-Experte und Schauspieler Sven-Ole Thorsen („Abraxas – Retter des Universums“).
Als Komödie ist „Overboard“ ein netter Schmunzelfilm, der vor allem dann seine Momente hat, wenn Joanna/Annie sich in den Haushalt einfinden muss, aber nicht nur aufgrund der Amnesie keinerlei entsprechenden Fähigkeiten hat. Da läuft die Waschmaschine über, da wird der Truthahn im viel zu kleinen Topf gekocht, da kommt der Nervenzusammenbruch angesichts der Erkenntnis, dass der nächste Tag genauso sein wird. Anderes ist ganz nett, manche Gags funktionieren so semi und eher zerdehnt als lustig ist das Screwball-Finale auf hoher See, aber da wollten Marshall & Co. wohl nochmal ein paar Schauwerte bieten, auf Kosten der Dramaturgie.
„Overboard“ ist ein putziges Vehikel für seine beiden Stars und lebt von deren Chemie, sodass man auch die etwas großzügige Länge und manche Unglaubwürdigkeit verzeihen kann. Das Ganze ist ein putziges RomCom-Märchen, eher zum Lächeln als zum Lachen, teilweise arg klischeehaft und konstruiert, aber nicht zuletzt dank des Charmes von Kurt und Goldie eine ganz nette Angelegenheit.
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„Overboard“ ist in Deutschland bei MGM/20th Century Fox auf DVD erschienen, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film.
© Nils Bothmann (McClane)
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