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In the Grey

Anwältin Eiza González arbeitet in der rechtlichen Grauzone und soll einen Verbrecherboss dazu bringen ein Milliardendarlehen an eine Großbank zurückzuzahlen. Neben juristischen Tricks hat sie Jake Gyllenhaal und Henry Cavill als Männer fürs Grobe dabei. Guy Ritchie legt „In the Grey“ als Mischung aus Actionkomödie und Men-on-a-Mission-Film im Dunstkreis der Hochfinanz an.

Originaltitel: In the Grey__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Guy Ritchie__Darsteller: Jake Gyllenhaal, Henry Cavill, Eiza González, Carlos Bardem, Fisher Stevens, Kristofer Hivju, Rosamund Pike, Jason Wong, Emmett J. Scanlan, Christian Ochoa Lavernia, Kojo Attah, Jason Wong, Darrell D’Silva, Mohammed Al Turki u.a.
In the Grey

In „In the Grey“ von Guy Ritchie sind Jake Gyllenhaal, Henry Cavill und Eiza González ein effektives Trio

Der Men-on-a-Mission-Film scheint es Guy Ritchie in jüngere Vergangenheit angetan zu haben: Nach dem Jason-Statham-Vehikel „Operation Fortune“ und der Jerry-Bruckheimer-Produktion „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“ legt er mit „In the Grey“ bereits den dritten Film dieser Art innerhalb weniger Jahre vor.

In der titelgebenden Grauzone arbeitet die Anwältin Rachel Wild (Eiza González), die sich auf die Wiederbeschaffung großer Geldsummen spezialisiert hat, die säumige Schuldner aus der Unterwelt einbehalten wollen. Schuldner wie der internationale Verbrecherboss Manny Salazar (Carlos Bardem), der bei einer Großbank mit einer Milliarde Dollar in der Kreide steht. Rachels Mentor Baxton (Darrell D’Silva) versucht die Kohle zurückzubekommen, endet jedoch nach vermeintlich erfolgreichen Verhandlungen mit einer Kugel im Kopf. Gegen eine stattliche Summe bietet Rachel ihre Dienste der Bankmanagerin Bobby Sheen (Rosamund Pike) an – ein hohes Honorar sei immer noch besser als der Verlust des kompletten Darlehens, so ihre Argumentation. Ritchie, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, mag sich zwar von seinem Leib-und-Magen-Genre, der Gangsterkomödie, in jüngster Zeit zwar etwas entfernen, doch auch die Protagonisten seiner neuen Filme sind ähnlich gerissen und schlagfertig.

Nach Erteilung des Auftrags nimmt Rachel den Schurken mit legalen wie illegalen Mitteln in die Zange. Auf der legalen Seite überschüttet sie ihn und seinen Anwalt William Horowitz (Fisher Stevens) mit Verfahren und beansprucht Teile seines Vermögens. Für den weniger legalen Teil hat sie ihre Spezialisten Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sid (Henry Cavill): Diese sabotieren Bohrinseln, legen Bauprojekte lahm und tun auch sonst alles Mögliche, um die Geldquellen des Bösewichts zum Versiegen zu bringen. Irgendwo zwischen James-Bond-Weltreise-Charme und der typischen Guy-Ritchie-Schlitzohrigkeit bewegt sich dieses internationale Unterfangen, diese Politik der Nadelstiche, die den Unterweltmagnaten bald mehrere Millionen Dollar pro Tag kostet.

Auf Salazars Insel bereiten Bronco und Sid mit ihrem Team in der Folge schon alles für ein mögliches Treffen und eine mögliche Flucht von der Insel vor, besorgen Ausrüstung und inspirieren Fluchtrouten. Und tatsächlich stimmt Salazar irgendwann einem persönlichen Treffen mit Rachel zu…

Schaut euch den Trailer zu „In the Grey“ an

Die Welt der Hochfinanz und ihre möglichen Verstrickungen in die Welt des internationalen Verbrechens ist vor allem Kulisse für „In the Grey“, der seine klassischen Genre-Topoi damit etwas aufpeppt, aber mehr auch nicht. Kurz wird die These aufgestellt, dass eine skrupellose Karrieristin wie Bobby kaum besser als offen verbrecherischer Gangsterboss wie Manny ist, im Hintergrund schwingt immer mit, dass auch mit dem Geld der vermeintlich seriösen Großbanken zahlreiche Schweinereien rund um den Globus finanziert werden. Ansonsten ist das Szenario dann doch in erster Linie der Unique Selling Point für einen sehr klassischen Men-on-a-Mission-Film, denn die Männer sind hier auf Mission, während die Chefin die Befehle gibt und sich um das große Ganze kümmert, das Haudrauf-Kleinklein dann aber vollends in die Hände von Sid und Bronco legt. Die werfen sich andauernd sexuell aufgeladene Sprüche an den Kopf, dass sie auch ein Paar sein könnten. Ob sie es tatsächlich sind oder es nur Frotzeleien unter Dudes sind, das lässt Ritchie dann offen, damit sich jede Zielgruppe ihre eigene Lesart aussuchen kann.

In the Grey

Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sid (Henry Cavill) können auch grob werden, wenn nötig

Um Rachels Vorgehen und das Milieu, in dem sie sich bewegt, zu erklären, verlässt sich „In the Grey“ im ersten Drittel auf reichlich Voice Over, was ein riskantes Unterfangen ist, denn Film soll ja schließlich zeigen statt erklären („show, don’t tell“). Hier kommt Ritchies Erfahrung mit der Gangsterkomödie wieder ins Spiel, denn wie in seinen Frühwerken spielen Off-Kommentar, Bilder und Schnitt vergnüglich zusammen. So fühlt sich das nicht einfach nur wie Informationsvermittlung an, sondern macht das Publikum mit zum Teil der geplanten bzw. schon laufenden Coups. Zudem werden die Voice-Over-lastigen Parts immer wieder mit coolen Einzelszenen unterbrochen, etwa wenn Rachel mit Bronco im Schlepptau Horowitz aufsucht und jeder der beiden auf seine Weise einen Bad-Ass-Moment bekommt.

Doch am Ende ist das alles klassisches Men-on-a-Mission-Futter, vor allem wenn der Mittelteil in erster Linie wie eine Vorbereitung auf das Finale wirkt. Das Team macht Pläne, sammelt Informationen, erkundet Fluchtrouten, legt Fallen aus und trainiert die Abläufe. Aufgepeppt wird das durch Ritchie-typische Kamerafahrten und Texteinblendungen, doch letzten Endes ist klar, dass nicht nur die Figuren für den Ernstfall üben, sondern auch der Film für seinen Schlussakkord übt. Warum dieser dann nur über Umwege erreicht wird und das Drehbuch vor der Eskalation noch einen Schlenker nehmen muss, das ist eine Schwäche von Ritchies Script, fällt aber nicht zu schwer ins Gewicht. Und so routinemäßig „In the Grey“ in dieser Phase auch ist, so ist es doch vergnüglich den Protagonisten bei ihrer Arbeit zuzusehen und ihnen beim Sprücheklopfen zuzuhören, denn Rachel, Sid und Bronco sind natürlich in keiner Situation auf den Kopf gefallen und haben stets eine flotte Antwort parat.

In the Grey

Anwältin Rachel Wild (Eiza González) arbeitet in der Grauzone

Dementsprechend beschränkt sich die Action über weite Strecken nur auf Trainingsszenen, wenn mit Motorrädern durch die Straßen und Kanäle gerast oder zu Übungszwecken auf Melonen geschossen wird. Vor dem Schlussakt gibt es eine erste größere Eskalation in der Bar, bei der Ritchie sowohl die Spannung, wenn die Finger auf den Abzügen liegen, als auch die Action, wenn es zum Schusswechsel kommt, gebührend einzufangen weiß. Im Schlussdrittel müssen Sid, Bronco und ihr Team dann nicht nur fliehen, sondern in diesem Rahmen Missionen wie einen Gefängnisausbruch erfüllen und sich einer wahren Übermacht an Gegner erwehren. Das sorgt für Schusswechsel mit ordentlich Munitionsverbrauch, einige fette Explosionen und Verfolgungsjagden zu Fuß und mit Vehikeln. Nicht alle Teammitglieder schaffen es von der Insel, was für Dramatik sorgt, auch wenn es auf der Schurkenseite fast nur gesichtsloses Kanonenfutter gibt. Salzar ist ein brauchbarer Schurke, der aber lediglich Befehle gibt. Sein Sicherheitschef Axel Olsson (Kristofer Hivju) ist eine eiskalte Fiesmöpp und bekommt einen etwas würdigeren Auftritt im Showdown, aber einen herausragenden Final Fight oder ähnlichen Höhepunkt zum Schluss vermisst man doch etwas.

Mit allen seiner drei Hauptdarsteller hat Ritchie bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet. Jake Gyllenhaal („Road House“) und Henry Cavill („Codename U.N.C.L.E.“) müssen zwar in erster Linie Typen geben, die cool wie Eisschränke sind und über deren wahres Ich man kaum etwas erfährt, aber die beiden stemmen diese Rollen mit Charisma und Elan, machen sich gut als Actionhelden und spielen sich auch gegenseitig die Bälle super zu. Eiza González („Ambulance“) spielt die abgebrühte Frau in einer Männerwelt, macht dies aber souverän als knallharte Anwältin, die gelegentlich mal Nerven zeigt, aber ansonsten mit Scharfsinn und losem Mundwerk zeigt, dass die meisten Gegenspieler sie unterschätzen. Carlos Bardem („Assassin’s Creed“) als eitler Gangsterboss und Fisher Stevens („Motherless Brooklyn“) als verschwitzter Anwalt sind nicht herausragende, aber brauchbare Antipoden, Kristofer Hivju („Afterburn“) wirkt dagegen etwas verschenkt. Rosamund Pike („Die Unfassbaren 3“) ist guter Support mit wenigen Szenen, während „In the Grey“ anderen Leuten mehr Raum zum Glänzen gibt. So können sich die weniger bekannten Christian Ochoa Lavernia („Der Pakt“) und Kojoh Attah („Cash Truck“) unter den Teammitgliedern Akzente setzen.

In the Grey

Der Verbrecherboss und sein Anwalt: Manny Salazar (Carlos Bardem) und William Horowitz (Fisher Stevens)

„In the Grey“ mag sein Genre nicht neu erfinden, in vielerlei Hinsicht Dienst nach Vorschrift sein und dramaturgisch nicht immer rund laufen, wie der unnötige Schlenker gegen Ende zeigt. Doch Ritchie erzählt das Ganze kurzweilig, beweist sein gewohntes Gespür für coole Sprüche, markige Typen und eine pointierte Inszenierung. Die Action konzentriert sich fast ausschließlich auf den Schlussakt, knallt dafür aber ordentlich. „In the Grey“ ist nichts Herausragendes, präsentiert Altbekanntes aber solide bis souverän und dürfte unter Ritchies drei Men-on-a-Mission-Filmen der jüngeren Vergangenheit knapp der beste sein.

Starke:

Leonine bringt „In the Grey” am 21. Mai 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Leonine__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 21.5.2026 in den deutschen Kinos

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