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Heißkaltes Blut

Mit „Heißkaltes Blut“ gab George Pan Cosmatos sein Regiedebüt. In dem Liebesdrama mit Thrillerelementen kehrt Richard Johnson auf seine Heimatinsel zurück und beginnt eine Affäre mit Raquel Welch, die eigentlich mit dem gemeinsamen Freund Renato Romano verheiratet ist.

Originaltitel: The Beloved__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 1971__Regie: George Pan Cosmatos__Darsteller: Raquel Welch, Richard Johnson, Jack Hawkins, Flora Robson, Renato Romano, Frank Wolff u.a.
Heißkaltes Blut

In „Heißkaltes Blut“, dem Regiedebüt von George Pan Cosmatos, beginnt Raquel Welch eine Affäre mit Richard Johnson

Nachdem er zuvor als Produktionsleiter und Regieassistent an Filmen wie „Alexis Sorbas“ und „Alle Wege führen nach Paris“ mitgearbeitet hatte, gab George Pan Cosmatos („Die Verschwörung im Schatten“) 1971 mit „Heißkaltes Blut“ sein Regiedebüt, für das er auch als Drehbuchautor und Produzent verantwortlich zeichnete.

Der griechisch-italienische Filmemacher ist in den Credits zwar noch unter seinem Geburtsnamen Yorgos Pan Cosmatos geführt, drehte aber auf Englisch mit Hollywoodschauspielern in den Hauptrollen auf Zypern. Eine Hauptfigur ist Orestes (Richard Johnson), der nach dem Studium und einigen Jahren Berufsleben auf seine Heimatinsel zurückkehrt. Der Grund ist der Tod seines Vaters und die Erbschaft, die der bauernschlaue Kerl sich verspricht. Dass er einerseits ein smart-gebildeter Großstädter sein soll, andrerseits aussieht wie ein schmieriger Brusthaarproll, das passt allerdings nicht so ganz zusammen.

Allerdings muss Orestes feststellen, dass Heim, Hof und Land des Vaters kaum etwas wert sind. Während er versucht, das Beste daraus zu machen, trifft er seine Jugendfreunde Yanni (Renato Romano) und Elena (Raquel Welch) wieder, die mittlerweile verheiratet sind. Wieder passt das Casting nicht so wirklich, denn die graue Maus, die von ihrem Ehemann rumkommandiert und missachtet wird, die besetzte Cosmatos dann ausgerechnet mit einem der größten Sexsymbole der 1960er, deren damaliger Ehemann den Film mitproduzierte. Vielleicht war Welch auf der Suche nach etwas anderen Rollen.

Während Elena von ihrem Mann oft nur die kalte Schulter oder harsche Worte erwarten darf, zeigt Orestes Interesse an der Frau und die beiden beginnen eine Affäre. Eine, die zu einem verhängnisvollen Ereignis führt…

Schaut euch den Trailer zu „Heißkaltes Blut“ an

„Heißkaltes Blut“ ist ein Regiedebüt, das genau wie ein Debütfilm aussieht. Eben wie das Werk eines Regisseurs, der sich gerade noch ausprobiert, auch und gerade im Vergleich zu Comatos‘ Zweitling „Tödlicher Irrtum“. Manche Szenenübergänge sind holprig, echten Drive will die schleppend erzählte Geschichte um Liebe, Neid, Freiheit und Repression nicht entwickeln. Das liegt auch daran, dass sich viele Passagen wie Füllmaterial anfühlen und/oder einfach viel zu lang sind. Bestes Beispiel ist die Passage, in der die Frauen der Insel anlässlich eines religiösen Fests mal das Kommando übernehmen und die Männer daheim bleiben müssen. Wenn Elena hier wild und ekstatisch tanzt, dann zeigt das einen der seltenen Momente, in denen sie mal wirklich frei und unabhängig sein kann, aber so wichtig für ihre Charakterentwicklung ist dies nicht, dass es einen mehrminütigen Szenenblock rechtfertigen würde. Dagegen gibt es Momente, die schon eine gewisse inszenatorische Finesse bei Debütregisseur Cosmatos erkennen lassen, wie eine optisch verfremdete Alptraumsequenz.

Ziemlich plump und grobschlächtig kommt dagegen die Szene daher, in der Orestes über die protestierende Elena herfällt und welche die Affäre in Gang bringt. Man kann dabei an die Vergewaltigungsszene aus Sam Peckinpahs „Straw Dogs“ denken. Die wurde damals auch kontrovers aufgenommen, erschien aber als Konsequenz eines Spiels aus Begehen, Flirt und Abweisung. In „Heißkaltes Blut“ wirkt die Szene plump und unbeholfen, als wäre es genau das, was Elena gebraucht habe, um sich auf Orestes einzulassen. Ihre unglückliche Ehe mit Yanni kann Cosmatos zwar arg einfach, aber doch halbwegs überzeugend zeichnen, ihre Affäre mit dem Windhund Orestes dagegen nie so wirklich gut erklären.

Das mag auch an der Darstellerwahl liegen. Richard Johnson („Monster Club“) spielt Orestes von Anfang an als schmierigen Proll, der stets den eigenen Vorteil im Sinn hat, selten bis nie charmant ist und Leute gerne vor den Kopf stößt. Dass dieser Typ auch eine begehrensweite Seite haben könnte, kommt nie rüber. Fans von Raquel Welch („Ein irrer Typ“) und ihrer weltberühmten Fell-Bikini-Szene werden angesichts von Titeln wie „Heißkaltes Blut“ hierzulande oder „Sin“ in einem englischen Verleihtitel wahrscheinlich andere Erwartungen an den Film gehabt. Treffend sind die Titel zwar, doch gewagt viel zu sehen gibt es nicht. Welch hatte vermutlich eine komplexe Rolle anvisiert, denn Elena wird als zugeknöpftes Hausmütterchen gezeigt, das von Mann und Schwiegermutter untergebuttert wird, bis sie durch die Affäre mit Orestes ihr Leben in die Hand nimmt. Dummerweise wirkt Elena nicht wie eine komplexe Figur, sondern nur so, als ob mechanisch Drehbuchschalter umgelegt werden, wenn sie von einem Gemütszustand in den anderen schaltet. Renato Romano („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) muss Yanni relativ eindimensional spielen, macht das aber okay. So setzen am ehesten Flora Robson („Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“) als Elenas Schwiegermutter und Frank Wolff („Töte alle und kehr allein zurück“) in Nebenrollen ein paar Akzente, doch leider krankt „Heißkaltes Blut“ an seiner Hauptbesetzung.

So ist es dann schade um die durchaus gelungene Milieuzeichnung. Denn Cosmatos porträtiert eine kleine Gemeinde, in der man zwar brav jeden Sonntag in die Kirche geht und auf anständig macht, doch unter der dünnen Fassade lauern die Neider, die Betrüger und die Raubtiere. Yanni behandelt seine Frau wie einen Einrichtungsgegenstand, Elena ist unbarmherzig, wenn sie gegenüber Mann und Schwiegermutter die Oberhand hat. Orestes ist sowieso immer auf seinen Vorteil aus, leiert etwa einen Schwindel mit einem angeblichen Reliquienfund auf seinem Grund an, bei der ihm niemand anders als der Dorfpfarrer hilft. Der Pfarrer wiederum haut Orestes bei der nächsten Gelegenheit übers Ohr, sodass dieser kaum etwas von dem Betrug hat. Die Frau eines Feldarbeiters provoziert wiederum dessen Kollegen, indem sie diese unter ihren Rock gucken lässt, woraufhin ihr Mann eine Schlägerei anfängt. Die bigotten Dorfbewohner sind eh darauf erpicht die vermeintlichen und tatsächlichen Sünden des englischen Alternativtitels auf niederträchtige Weise zu bestrafen, was zu einer Spirale von Hass und Missgunst führt. Dieses Gesellschaftsportrait einer kleinen Stadt, in der alle irgendwie verdorben sind, erinnert an manche Italowestern jener Zeit, ohne dabei so weit zu gehen wie etwa „Töte, Django“.

So sieht man in der Milieuzeichnung durchaus Potential für ein Drama über Scheinheiligkeit, Begehren und Neid, dem von „Heißkaltes Blut“ jedoch nicht gerecht wird. Die Geschichte kommt nicht in die Pötte und wird von reichlich Füllszenen verlangsamt, Cosmatos‘ Regie ist ungeschliffen und grobschlächtig, das Casting der Hauptdarsteller passt nicht.

„Heißkaltes Blut“ ist in Deutschland bei Medien Vertriebs GmbH auf DVD erschienen, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Die DVD bietet lediglich deutschen Ton, das falsche Bildformat (1,33:1 statt 1,78:1), eine mäßige Bildqualität und als einziges Extra eine selbstablaufende Bildergalerie.

© Nils Bothmann (McClane)

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