| Originaltitel: Gale Force__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2002__Regie: Jim Wynorski__Darsteller: Treat Williams, Michael Dudikoff, Paul Logan, Renee Ridgeley, Tim Thomerson, William Zabka u.a. |

In „Gale Force“ gibt Michael Dudikoff den Lump.
Sam Garrett macht es immer auf seine Art. Nur warum sieht Sam Garrett, der gerade die entführte Bürgermeistertochter wiederfinden soll, in Jeans, rotem Shirt und brauner Lederjacke aus wie Jack Slater in „Last Action Hero“, wenn er es doch immer auf SEINE eigene Art macht?
Die Antwort lautet: Stock-Footage-Einsatz incoming! Und zwar massiv. Übernommen werden mal eben eine komplette Autoverfolgungsjagd, ein von einer Brücke stürzender Held und die Explosion eines Hauses. Am Ende der „Last Action Hero“-Filmschnipsel-Show hat Sam auf Arnie-Art ääääh auf seine Art herausgefunden, dass die Bürgermeistertochter ihre Entführung nur fingiert hat, um ihren Vater auszunehmen. Dumm nur, dass Sam niemand glaubt. Entsprechend heißt es im typischen Cop-Film-Duktus: Suspendierung.
Zwei Monate später ist Sam am Arsch. Da kommt sein Ex-Chef auf ihn zu. Ein guter Kumpel von ihm arbeite als Fernsehproduzent und suche für eine Realityshow einen kernigen Kandidaten, der den restlichen Muschi-Kandidaten hier und da den Marsch blasen kann. Sam heuert wirklich bei der Show an, heißt das erklärte Ziel doch, zehn Millionen Dollar zu finden. Und die Moneten will er sich im Sam-Style unter den Nagel reißen.
Auf einer Südseeinsel gelandet, beginnt sogleich die Survivor-Routine. Die Produzenten haben obendrein auch ein paar Piraten angeheuert, die für das Ausscheiden einiger Kandidaten sorgen sollen, indem sie sie mit Farbkugeln „erschießen“. Und hier beginnen dann auch die Probleme. Denn irgendwie baut sich nicht nur ein riesiger Hurrikan vor der Insel auf, nein, die Piraten rekrutieren sich obendrein aus geldgierigen Söldnern, die gar nicht daran denken, ihre Hartmantelgeschosse gegen Farbkugeln auszutauschen. Mögen die Spiele beginnen.
Michael Dudikoff im Fieswicht-Modus
Die Idee, ein paar Survival-Show-Teilnehmer auf mordlüsterne Söldner stoßen zu lassen, ist ganz lustig. Man stelle sich nur mal vor, den „Dschungelcamp“-Kandidaten würden ein paar Terroristen mal ordentlich Feuer unterm Arsch machen. Dann müsste man nicht mehr die ewigen Lebensbeichten ertragen und es gäbe nur Action. Alleine dieser Einfall hält den Film mühelos am Laufen.
Dank des heranrückenden Hurrikans zieht noch ein weiteres Stimmungshoch auf. Infolgedessen ist in „Gale Force“ wirklich immer etwas los. Actiontechnisch beschränkt man sich aber leider auf Rennen, Schreien und arg unblutiges Sterben. Die Inselkulisse weiß indes zu überzeugen, obwohl man manchmal schon den Eindruck hat, dass ganz bestimmte Wege mehr als nur einmal beschritten werden. Die werden doch nicht nur im Hinterhof eines Hotels gedreht haben? Die Explosionen sind zumeist vom Feinsten. Kunststück, stammen sie doch aus verschiedenen Dschungelactionkriegsfilmen wie „Bat 21“ und sogar „Predator“.
Je näher dann der Hurrikan rückt, umso klarer wird auch, warum man sich bisher die spektakulärsten Szenen aus anderen Filmen geborgt hat. Man brauchte schließlich das Geld für fünf Amigas und die ausgefeiltesten Corel-Malprogramme, um den überzeugendsten Sturm seit „Der Sturm“ zu entfesseln.
Zum Glück spielt der Showdown von „Gale Force“ bei tiefster Arschdunkelheit, so dass man die räudigen Effekte als Zuschauer weitgehend gar nicht erst ertragen muss. Kurzum, den Hurrikan hätte es wahrlich nicht gebraucht. Leider hat das dem Regisseur niemand gesagt. Und da der Jim Wynorski („Demolition High“) hieß, darf zumindest angezweifelt werden, ob der sich hätte umstimmen lassen. Zumindest macht er bei einer Sache alles richtig: Er verlässt sich auf seine zwei sichersten Bänke.
Treat Williams („Prince of the City – Die Herren der Stadt“) ist als Sam und damit als sympathischer Teamleader der Schatzsucher ideal besetzt. Wichtiger als dieser Charme-Bolzen par excellance ist freilich Michael Dudikoff („Night Hunter“) in seiner Rolle als Jared. Diese nutzt er, um einen Bad Ass zu geben, was bei ihm relativ selten vorkam – ein Beispiel wäre der Thriller „Nackte Sünde“. Diese Chance, gegen sein Good-Guy-Image anzuspielen, genießt er sichtlich und präsentiert sich obendrein deutlich schlanker als noch in seinen vorhergehenden Filmen. In Nebenrollen turnen mit William Zabka („Shootfighter“) und Tim Thomerson („Trancers 2010“) noch zwei bekannte B-Gesichter durch den Film.
„Gale Force“ ist ein Flickenteppich aus anderen Filmen
„Gale Force“ ist ein insgesamt relativ kurzweiliger Inseltrip mit den B-Genre-Größen Treat Wiliams und Michael Dudikoff, die die Dreharbeiten sichtlich genossen haben müssen und mit viel Spaß bei der Sache sind. Leider fehlt es an zupackender Action, die Effekte sind grottig und der Stock-Footage-Einsatz nervt beträchtlich.
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Die DVD von Starmedia ist mit einer Freigabe ab 16 uncut und bietet den Film in solider Bild- und Tonqualität. Eine deutsche HD-Veröffentlichung hat es nie gegeben.
In diesem Sinne:
freeman
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