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Night Hunter

Originaltitel: Avenging Force__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Sam Firstenberg__Darsteller: Michael Dudikoff, Steve James, James Booth, John P. Ryan, Bill Wallace, Karl Johnson u.a.
Night Hunter

Sam Firstenberg drehte einen der besten Michael Dudikoff Filme: “Night Hunter”

Irgendwo in den Sümpfen von Louisiana taumeln und stolpern zwei Typen durch das Unterholz. Einer von ihnen ist schwer verletzt. Hinter ihnen her ist ein Kamerad mit weißer Maske und Samuraischwert – blutigem Samuraischwert! Gerade als die beiden glauben, sie hätten den Kerl abgeschüttelt, droht neues Ungemach. Ein Typ in Tarnfarbenkleidung fällt über sie her, kann aber überwältigt werden. Doch irgendwie scheint es in dieser Gegend ein Bad Ass Nest zu geben und daher wartet schon der nächste Gegner auf sie: Ein Berg von einem Mann, mit einer ziemlich futuristisch wirkenden Lanze. Nach diesem Zusammentreffen flüchtet nur noch einer weiter, der andere endet festgenagelt an einem Baum. Kurz bevor der verbliebene Flüchtling eine rettende Straße erreichen kann, tritt Kontrahent Nummer 4 auf den Plan und erwürgt den Mann.

Dieser Einstieg macht vor allem eines klar: Die Jagdsaison ist eröffnet!

Szenenwechsel: Wir lernen Cowboy Matt kennen. Dieser lebt mit seiner deutlich jüngeren Schwester nach dem Tod seiner Eltern bei seinem Großvater auf dem Land. Der beste Freund von Matt, Larry, hat politische Ambitionen und will in den Senat. Insbesondere einer faschistisch angehauchten Gruppe namens Pentangle ist der schwarze Politiker allerdings ein echter Dorn im Auge. Und da nun die Menschenhatz vom Einstieg von genau dieser Pentangle Gruppe durchgeführt wurde, weiß man schon, dass hier bald ordentlich gehobelt wird und auch diverse Späne fallen werden … Und so kommt es schon beim Mardi Gras, an dem Larry als Gaststar teilnimmt, zu einem Anschlag auf ihn und seine Familie, den eines seiner Kinder nicht überlebt. Matt erklärt sich daraufhin bereit, Larry bei sich aufzunehmen und so seinen Freund aus der Schusslinie zu bringen.

Larry und Matt ziehen daraufhin kurz in eine Art privaten Rachefeldzug und räumen unter den Helfershelfern von Pentangle auf. Sie wollen ein Exempel statuieren, doch das juckt den Faschoverein herzlich wenig und so startet er bald seinen nächsten Angriff, den nur Matt und seine Schwester überleben. Matts Schwester wird zudem entführt und er wird angehalten, als Beute am nächsten „Jagdausflug“ der Bruderschaft teilzunehmen, ansonsten wird seine Schwester den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen. Da haben sich die Pentangle Mannen allerdings das falsche Opfer ausgesucht, denn bald bläst der Gejagte zum Gegenschlag …

Ich bin bereit, ich fange gerade erst an …

„Night Hunter“ oder auch „Avenging Force“ ist einer DER Klassiker überhaupt, der auch über die Jahre hinweg nicht viel von seiner Anziehungskraft verloren hat. Das liegt an der stringenten, geradlinigen und straff durchgezogenen Handlung, die sich auf keine sinnlosen Nebenhandlungen einlässt. Obendrein sind es zumeist Menschenjagdfilme wie dieser, die eine fast sogartige Wirkung auf den Zuschauer haben. Denn wo sonst sollte die Sympathieverteilung eindeutiger und klarer sein, als bei einem Film, bei dem einer, dem man alles genommen hat, gegen eine Horde arroganter, gut bewaffneter Zivilisationskrüppel steht? „Night Hunter“ ist einer der frühesten Filme dieser Actionfilmspielart, dem mit „Death Ring“, „Hard Target“ oder „Surviving the Game“ noch viele andere folgen sollten. Seinen Ursprung hat dieses Subgenre freilich bei dem Klassiker „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ aus dem Jahre 1932, bei dem ein Graf mittels falscher Positionslichter Schiffe kentern lässt, um die Überlebenden bis zum Tode zu hetzen. Hier wie bei den anderen Actionklassikern dieses „Genres“ dürfte es vor allem immer der leicht zynische Unterton der „Haupthandlung“ sein, mit dem die Zensoren und Jugendschützer ihre liebe Not hatten und haben. Dementsprechend ist auch in „Night Hunter“ die eigentliche Härte eigentlich nie so exorbitant, wie man vielleicht annehmen könnte. Es gibt durchaus Aufspießungen und ziemliche blutige Schusswunden, klar, aber das Ganze bleibt doch in einem relativ vernünftigen Rahmen.

So ist die Action trotz des Rufes von „Night Hunter“ nicht einmal sonderlich spektakulär und beschränkt sich abgesehen von der recht aufwändigen Mardi Gras Ballerei auf raue, brutale Mann gegen Mann Kämpfe mit archaischen Waffen wie Armbrüsten, Speeren oder diversen Schwertern. Eine richtige Choreographie ist nicht wirklich auszumachen, was aber bei den Bedingungen (Schlamm, Match, nasse schwere Klamotten, unwegsames Gelände) vermutlich auch nur lächerlich gewesen wäre. Es geht um schmutzige Action, und die gibt es zuhauf.

Die Mardi Gras Szenen haben ordentlich Flair und wirken fast, als habe man die einfach live vor Ort gedreht, so lebendig kommt die Szenerie daher. Dabei wird der eigenwillige Charme von Louisiana selbst gut wieder gegeben. Richtig mit Atmosphäre kann „Night Hunter“ aber erst bolzen, sobald er sich in die Bayous begibt und diesen trostlosen, von Sümpfen übersäten Landstrich eindrucksvoll bebildert. Hier muss sich Firstenberg gar nicht groß anstrengen eine schmutzige Atmo zu kreieren, denn diese stellt sich mit den ersten Bildern dieser Waldlandschaften von ganz alleine ein. Und wenn dann noch die Musik von George S. Clinton einsetzt und relaxte Südstaatensounds mit Synthesizerklängen vermischt, meint man förmlich die feuchte Hitze Louisianas am eigenen Leib zu spüren.

Michael Dudikoff und Steve James (beide „American Fighter“) harmonieren prächtig miteinander und müssen inmitten all der Action auch gar nicht Schauspielern, um sich der Sympathien der Zuschauer gewiss zu sein. Sie sind die Helden und bekämpfen abgefeimte Bäddies, gibt es Vertrauenerweckenderes? Die Bösewichte sind interessant besetzt, hätten aber gerne noch einen Tick abgedrehter sein können. So wie der Oberschlingel Glastenbury, den John P Ryan (Lee van Cleefs Vertretung in „Delta Force II“) wunderbar dandyhaft und exaltiert anlegt.

Dreckig, roh, brutal und straff inszeniert, mit toller Atmosphäre aufwartend und mit passenden Darstellern, guter Musik und einigen zupackenden Actionszenen gesegnet, ist „Night Hunter“ eines DER ultimativen Highlights des 80er Jahre Kinos und zugleich mühelos Dudikoffs bester Film. Und auch wenn er aus heutiger Sicht vermutlich antiquiert wirkt und auch inszenatorisch nicht mehr mit aktuellen Actionproduktionen Schritt halten kann, verdient sich dieser Film mühelos ein Nostalgiepünktchen für die Tatsache, wie oft ich begeistert vor dem heimischen TV hockte und das immer schlechter werdende Tape immer weiter quälte. Alleine diese Kindheitserinnerungen und die Tatsache, den Film endlich uncut genießen zu dürfen, rechtfertigen in meinen Augen den Klassikeralarm und die volle Punktedröhnung!

Lange Zeit gab es den Film uncut und mit deutscher Synchro nur in UK zu erstehen. Die DVD von MGM war leider nicht ganz das Gelbe vom Ei. Ausgeblichene Farben (wobei der Film eh nie eine sonderlich prägnante Farbpalette hatte), mangelnder Kontrast und Rauschen in den Nachtszenen zeugen vom Alter des Filmes. Der deutsche Sound liegt leider nur in Mono vor, ist aber erfreulich klar und sauber. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist das Cover, das zwar nicht schlecht ist, aber mit dem Cannon-Video-Cover einfach nicht mithalten kann! Diese Scharte wetzt nun der österreichische Vertrieb NSM Records aus, die „Night Hunter“ uncut und mit ziemlich coolen Variantcovern im deutschsprachigen Raum auswerten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: NSM Records__FSK Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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