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Onslaught

Mit dem Action-Horror-Mix „Onslaught“ kehrt Adam Wingard in die Gefilde seiner Durchbruchsfilme „You’re Next“ und „The Guest“ zurück. Drei hochgezüchtete Supersoldaten brechen aus einem Labor aus und töten alles, was ihnen über den Weg läuft. Die Veteranin Adria Arjona setzt sich in einem Trailerpark zur Wehr. In der Hommage an klassisches Genrekino wirken in Nebenrollen Dan Stevens, Reginald VelJohnson, Michael Biehn und Rebecca Hall mit.

Originaltitel: Onslaught__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Adam Wingard__Darsteller: Adria Arjona, Dan Stevens, Reginald VelJohnson, Eric Wareheim, Michael Biehn, Blake Kennedy, Drew Starkey, Rebecca Hall, Alex Pereira, Jacob Scipio, Leon M. Brown, Dave Campbell u.a.
Onslaught

In „Onslaught“ von Adam Wingard sind neben Hauptdarstellerin Adria Arjona auch Dan Stevens, Reginald VelJohnson und Rebecca Hall zu sehen

„Blair Witch“, „Death Note“, „Godzilla vs. Kong“, „Godzilla x Kong“ – in den letzten Jahren steuerte Adam Wingard eigentlich nur Adaptionen und Sequels bestehender Franchises bei. „Onslaught“ markiert nun die Rückkehr in die Gefilde seiner Durchbruchsfilme „You’re Next“ und „The Guest“, in deren Erzählwelt er nach Aussagen des Regisseurs auch angesiedelt sein soll.

So soll die Geheimorganisation, die hier eine Rolle spielt, die gleiche wie in „The Guest“ sein. Für jene arbeitet auch der Wissenschaftler Hans Kammler (Dan Stevens), laut der notdürftigen Erläuterungen des Drehbuchs eine Art Nazi-Mad-Scientist in dritter Generation, in Europa zur Fahndung ausgeschrieben. Der vogelwilde Vorspann zieht dann noch u.a. Parallelen zur Anwerbung von Wernher von Braun nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem man Hans noch bei irgendwelchen Dominanzritualen mit seiner Frau Hanna (Rebecca Hall) gesehen hat, die dem Einstieg schon mal eine derbe Trash-Note geben. Hans macht sich auf den Weg zur Arbeit; in einem Forschungslabor wird an Supersoldaten geschraubt, die Kugeln wegstecken, weder Gnade noch Schmerz kennen und mit dem Töten erst bei Stopp durch ihre Kontrollettis aufhören.

In der Nähe einer Trailerpark-Siedlung startet auch Protagonistin Celeste (Adria Arjona) in den Tag, mit Schießübungen mit schwerem Gerät. Einiges davon darf die an PTSD leidende Veteranin eigentlich gar nicht besitzen, die sich als Verwalterin des besagten Trailerparks durchschlägt. Als ihr Ex Griffin (Jacob Scipio) die gemeinsame Tochter Daisy (Blake Kennedy) kurzfristig bei ihr ablädt, wird der Tag nicht einfacher für die traumatisierte, barsche Ex-Soldatin. Nebenbei lernt man weitere Figuren aus Siedlung kennen, darunter Vietnamveteran Josiah (Reginald VelJohnson) und Polizist Kovacks (Eric Wareheim).

In Kammlers Labor läuft der erste Praxistest der drei Supersoldaten – je nach Sichtweise – besonders gut oder besonders schlecht. Denn das Trio massakriert nicht nur seine Testgegner, sondern befreit sich mit einem Trick auch auf blutigste Weise. Die programmierten Killermaschinen schwärmen aus, in Richtung des Trailerparks…

Schaut euch den Trailer zu „Onslaught“ an

Dass Adam Wingard das Genrekino der 1970er, 1980er und 1990er schätzt, ist seinen Arbeiten seit je her anzumerken – „The Guest“ etwa verglich er mit John Carpenters „Halloween“ und James Camerons „Terminator“. Auch „Onslaught“ besitzt einen Grindhouse-artigen Old-School-Look, von den Schriftzügen bis zur Optik, konkreten Filmen wird auf verschiedene Weise gehuldigt. Michael Biehn hatte seine bekannteste Rolle in „Terminator“, Reginald VelJohnson in „Stirb langsam“, womit zwei Actionklassikern schon durch das Casting die Ehre erwiesen wird. Die außer Kontrolle geratenen Supersoldaten erinnern an „Universal Soldier“, das Belagerungsszenario im Schlussakt an „Assault on Precinct 13“, während die Blutbäder des Films in Splatter- und Slasher-Tradition daherkommen. Die Schurken greifen dabei nicht nur zur Wumme, sondern auch zu Metzgerbeil und Kettensäge, wobei gerade der Supersoldat mit letzterer Waffe oft rumrennt wie Leatherface aus den „Texas Chainsaw Massacre“-Filmen. Doch Wingard macht kein reines Zitatenkino, kein Trivial Pursuit der Genrereferenzen, sondern baut dies in seinen eigenen Stil ein, mit dem er tonal an „You’re Next“ und „The Guest“ anschließt.

Onslaught

Veteranin Celeste (Adria Arjona) muss ums Überleben kämpfen (Copyright: Richard Foreman / A24)

Dummerweise fühlt sich „Onslaught“ im Direktvergleich weniger wie ein kohärenter Film an, eher wie eine Ansammlung von mehr oder weniger gelungenen Ideen. Mit einigen davon trommelt er derbe auf der Trashpauke herum, vor allem mit der Hans-Kammler-Figur. Der trägt lange Haare zur Halbglatze, leckt die Füße seiner Frau, raucht Kette und hört in einer Tour deutsche Schlager, etwa Karel Gotts „Paint It Black“-Cover „Rot und Schwarz“. In eine ähnliche Kerbe haut auch der Special Operative Cyrus (Drew Starkey), der auf den Fall der Supersoldaten angesetzt wird und dafür seine Auszeit in einem S&M-Sexclub unterbrechen muss. Dummerweise kauft man dem zugedröhnten Lauch den Status als Ausnahmeagent kaum ab, zumal er meist eh nur die Leichen hinter den manipulierten Randalinskis aufsammeln und ein paar Untergebene an den Tatorten befehligen muss.

Zudem ist „Onslaught“ selbst nach Genrelogik schon ziemlich uneben. Da radieren die Supersoldaten einen ganzen Stützpunkt von Bewachern aus, die sie und ihre Schwachstellen eigentlich kennen müssen, lassen sich dann aber vergleichsweise einfach von Celeste und ihren Mitstreitern ausschalten – das Ende kommt so abrupt, dass man fast noch auf einen weiteren Showdown oder eine neue Bedrohung wartet. Auch bei den Hintergründen zeigt sich das Drehbuch ausgesprochen sparsam: Die Killer haben anscheinend Bock auf Töten, wollen sich dabei nicht kontrollieren lassen und suchen nach immer neuen Opfern, das war’s. Immerhin geht „Onslaught“ dann auch nur schlanke 90 Minuten, arbeitet einen Großteil davon dann allerdings auf die unvermeidliche Konfrontation zwischen traumatisierter Veteranin und unmenschlicher Bedrohung hin, die kürzer ausfällt als gedacht. Ein Intermezzo an einem Truckstop treibt den Blutzoll nach oben, fällt aber eher in die Effekt- als in die Actionsparte, da die ganzen armen Würste vor Ort eigentlich nur dahingemetzelt werden, ohne nennenswerte Gegenwehr.

Onslaught

Die Supersoldaten mit den Namen Butcher, Cockroach und Crybaby sind echte Horrorgestalten (Copyright: Richard Foreman / A24)

Im Finale liefert „Onslaught“ dafür dann einen recht packenden Überlebenskampf. Viele der Trailerpark-Bewohner sind das erwartbare Kanonenfutter, die näher vorgestellten Figuren Celestes Helfer im Überlebenskampf. Dass die Heldin die ganze Zeit über nicht an ihr komplettes Arsenal kommt, enttäuscht die Erwartungen etwas, treibt dafür die Fallhöhe hoch, wenn man mit kaum mehr als einer Schrotflinte, einem Gewehr und wenig Munition gegen die Tötungsmaschinen antritt. Action- und Horror-Elemente halten sich die Waage, wenn man sich in den Trailern mit den dünnen Wänden verschanzt, Daisy auf der Flucht vor einem Killer unter einem Wagen durchkriechen muss oder die verzweifelten Verteidiger zum Gegenangriff übergehen. Der Härtegrad ist hoch, wenn Kettensägen in Körper eindringen, erschossene Opfer auf einem Grill abfackeln oder das Hackebeil zum Einsatz kommt.

Optisch, akustisch und inszenatorisch gelingen Wingard immer wieder Glanzstücke, etwa eine Nachtfahrt zu dröhnendem Synthie-Rocksound oder eine Atmosphäre der Bedrohung, wenn die Supersoldaten in der Nähe des Truckstops auftauchen. Die Killermaschinen, irgendwo zwischen Leatherface, Jason Vorhees und den UniSols einzuordnen, sind imposante Erscheinungen, die langsam durch die Nacht stapfen, stets stumm bleiben und später mit einem Laster durch die Gegend rollen, der ihr wuchtiges, unaufhaltsames Auftreten in Vehikelform spiegelt. Das Drehbuch von Wingard und seinem Stammautor Simon Barrett („Azrael – Angel of Death“) hält da allerdings nicht mit. Viele Figuren sind zwar schräg, kommen aber kaum richtig zum Zuge, sodass sie verschenkt wirken, wie Füllmaterial für die Zeit zwischen den Schauwerten. Ein Plottwist zu den Supersoldaten soll für mehr Fallhöhe sorgen, verpufft aber, da „Onslaught“ zu wenig an seinen Figuren dranbleibt. Und der Mutter-Tochter-Subplot wirkt wie eine pflichtschuldige Vermenschlichung der dauerangepissten, manchmal nur begrenzt sympathischen Hauptfigur. Dass diese kein Mutter-des-Jahres-Material ist (die Tochter übernimmt den Abwasch, weil Mami dazu kaum in der Lage ist), ist eine willkommene Abkehr von Klischees, aber „Onslaught“ zeigt von Celestes Überforderung wesentlich mehr als von ihrer Zuneigung.

Onslaught

Baylor (Michael Biehn) soll die Experimente überwachen (Copyright: Richard Foreman / A24)

Adria Arjona („A Killer Romance“) bemüht sich sichtlich dieser Figur schauspielerisch mehr Facetten und mehr Mutterliebe auf den Weg zu geben, kommt allerdings aufgrund des Materials doch immer etwas eindimensional daher. Von klangvollen Namen haben viele absolute Nebenrollen und enttäuschend wenig Screentime, etwa Rebecca Hall („Lady Vegas“), Genreveteran Michael Biehn („American Dragons“) oder Wingard-Regular Dan Stevens („Cuckoo“), der in seinen Szenen immerhin dem Affen ordentlich Trash-Zucker gibt. Auch Jacob Scipio („Bad Boys: Ride or Die“) schaut nur für eine Sequenz vorbei. Mehr zu tun haben Reginald VelJohnson („Full Contact – Mit blanken Fäusten“) als Alterspräsident unter den Veteranen (er war noch in Vietnam) sowie Eric Wareheim (vom Comedy-Duo Tim & Eric) als Möchtegern-Superbulle, der eigentlich nur ein ganz kleines Licht ist. Blake Kennedy ist eine ziemlich gute Kinderdarstellerin, die weder nervig noch naseweis oder neunmalklug daherkommt, Daisy trotzdem als Mädchen spielt, das durch die Umstände eigentlich etwas zu erwachsen für ihr Alter ist. Die Darsteller der Supersoldaten sind in ihrer Verkleidung kaum zu erkennen, haben aber die nötige Präsenz. Dagegen schwächelt Drew Starkey („Hellraiser – Das Schloss zur Hölle“), was aber auch an der schwach geschriebenen Rolle liegen mag.

So muss man Adam Wingards Rückkehr zu den kleinen Filmen, die ihn groß machten, wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Einerseits zeigt sich gerade inszenatorisch immer wieder das Können des Regisseurs, der die Einflüsse von Genreklassikern aufnimmt, ihnen aber mit eigener Handschrift Tribut zollt. Auch die Schauwerte können sich sehen lassen, sind aber gar nicht so ausgiebig wie gedacht. Andrerseits schwächelt die Plotte bisweilen arg, die Charaktere sind oft freakig, aber nicht mehr als das, sodass „Onslaught“ zwischen seinen Set Pieces manchmal etwas durchhängt. Wingards Action-Horror-Mix hat definitiv etwas, wirkt aber am Ende des Tages doch eher wie eine Ansammlung von Ideen und weniger wie ein runder Film.

Starke:

Plaion Pictures/StudioCanal bringt „Onslaught“ am 3. September 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Plaion Pictures/StudioCanal__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 3.9.2026 in den deutschen Kinos

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