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Godzilla vs. Kong

Es ist so weit: In „Godzilla vs. Kong“ treten die beliebten Monster gegeneinander an, mit der geballten Finanz- und Effektpower von Warners Monsterverse im Rücken. Um den Kampf um die Krone zu rechtfertigen, bringt der Film von Adam Wingard die Suche nach einer geheimnisvollen Energiequelle in Spiel, für die man Kong von seiner Insel bringen muss. Das ruft allerdings Godzilla auf den Plan, der sich als König der Monster behaupten will.

Originaltitel: Godzilla vs. Kong__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Adam Wingard__Darsteller: Alexander Skarsgård, Millie Bobby Brown, Rebecca Hall, Kaylee Hottle, Brian Tyree Henry, Shun Oguri, Eiza González, Julian Dennison, Demián Bichir, Kyle Chandler, Lance Reddick, Hakeem Kae-Kazim, Ronny Chieng, John Pirruccello u.a.
Godzilla vs. Kong

Adam Wingard lässt die Monster im Kampf um die Krone aufeinander los: “Godzilla vs. Kong”

Als Warner und Legendary Entertainment die Rechte an Godzilla und King Kong für ihr Monsterverse aufkauften, war klar: Früher oder später würde es zum Kampf der Giganten kommen, zum zweiten Mal nach dem trashigen Toho-Film „Die Rückkehr des King Kong“, nun aber mit Top-Production-Values. Im vierten Film dieses Shared Universe ist es so weit: „Godzilla vs. Kong“.

Riesenaffe Kong lebt immer noch auf der titelgebenden Insel aus „Kong: Skull Island“, wie man schon im direkten Vorgänger „Godzilla – King of the Monsters“ erfahren hatte. Nun erhält man weitere Infos: Die Monsteraufsichtsbehörde Monarch hat die Insel unter eine Kuppel gepackt und beobachtet den Koloss, angeführt von der Wissenschaftlerin Ilene Andrews (Rebecca Hall), die gemeinsam mit ihrer taubstummen Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) ebenfalls auf dem Eiland wohnt. Auf der Schädelinsel ist Kong vor dem Royal Rumble mit Godzilla sicher, doch wird König Kong zunehmend ruhelos, als vermeintlich letzter seiner Art.

Godzilla, im Vorgänger noch als Retter der Menschheit gefeiert, attackiert für die Weltöffentlichkeit vermeintlich grundlos eine Forschungsstätte der Mega-Corporation Apex, wobei dem Zuschauer schon klar ist, dass bei den Konzern-Heinis nicht alles im Reinen ist – gehören solche Gestalten doch zu den Standardschurken des Actionkinos. Konzernchef Walter Simmons (Demián Bichir) arbeitet freilich an einer Anti-Godzilla-Waffe, für deren Bau er nach der Godzilla-Attacke nun Rückhalt hat. Zum Betrieb der Waffe benötigt er allerdings eine besondere Energiequelle. Diese vermutet der bisher verlachte Wissenschaftler Nathan Lind (Alexander Skarsgård) in der Heimat der Titanen – der Hohlerde.

Simmons hat die Technologie für eine solche Expedition, doch Lind braucht einen Titanen, der ihn und seine Crew dorthin führt. Man belatschert Monarch und will Kong zum Einfallstor in der Antarktis transportieren – doch das ruft Godzilla auf den Plan, der keinen anderen Titanen neben sich dulden will…

„Godzilla vs. Kong“ erzählt seine Geschichte mit der gewohnten Seriosität eines Hollywood-Blockbusters, hat jede Wissenschaftsgebabbel im Gepäck, kann aber kaum verhehlen, dass man sich in Sachen inhaltlicher Unfug eher der späteren Showa-Ära von Godzilla annähert, die auch immer abstrusere Konstrukte auftischte, um Monsterfights zu rechtfertigen. Also gibt es hier eine Quelle für Titanenenergie, die sich mit einer Axt für Riesenaffen verbindet, den Mythenquatsch der Hohlerde, ein unterirdisches Apex-Transportsystem, das auch in der „Men in Black“-Reihe vorkommen könnte, und ähnlichen Tinnef, nur um die Monsterkämpfe zu rechtfertigen. Auch aus späteren Godzilla-Tagen könnte ein nutellasüßer Fratz als Monster-Bezugsperson stammen, denn Jia und Kong haben eine besondere Verbindung, wobei man dem Film immerhin lassen muss, dass er diese nicht zu zuckersüß und nicht zu kitschig präsentiert. Eine Szene auf einem verregneten Schiffsdeck hat sogar leicht poetische Anflüge.

Godzilla vs. Kong

Godzilla und Kong wollen klären, wer die Nr. 1 unter den Monstern ist

Irgendwie ist natürlich klar, dass die Filmemacher bei zwei Gegnern mit großen Fanbases auf beiden Seiten keinen zu klaren Ausgang des Fights präsentieren wollen, für den Eric Pearson („Thor – Tag der Entscheidung“) und Max Borenstein („The Terror“) die Drehbuchgrundlage lieferten. Also gehen Godzilla und Kong mehrere Runden gegeneinander, mit unterschiedlichen Ergebnissen, und am Ende passiert dann das, was die Post-Credit-Szene von „Godzilla – King of the Monsters“ schon überdeutlich angekündigt hatte. *SPOILER* Beide Monster verbünden sich im Kampf gegen Mechagodzilla. *SPOILER ENDE* Seltsam ist nur der Schurkenwechsel: Ökoterrorist Alan Jonah spielt auf einmal keine Rolle mehr, obwohl der eigentlich den Grundstein für die Entwicklungen in „Godzilla vs. Kong“ legte. Auch andere zentrale Figuren des Vorgängers, wie Ilene Chen, Barnes oder die Monarch-Führungsriege, fehlen ohne jedwede Erklärung.

Kaum besser getroffen haben es dagegen die Figuren, die erneut auftauchen. Mark Russell (Kyle Chandler) absolviert einen besseren Cameo-Auftritt am Anfang und Ende des Films, seine Tochter Madison (Millie Bobby Brown) wird für einen reichlich nutzlosen Plotstrang vergeudet, in dem sie gemeinsam mit ihrem Kumpel Josh Valentine (Julian Dennison) und Verschwörungstheorie-Podcaster Bernie Hayes (Brian Tyree Henry) den Machenschaften von Apex hinterher spioniert. Ein paar kurze Zwischenschnitte ins Schurkenhauptquartier hätten zwar einen ähnlichen Effekt gehabt und wesentlich weniger Screentime gefressen, aber anscheinend wollte man nicht alle Charaktere aus dem direkten Vorgänger unter den Tisch fallen lassen, auch wenn man nicht viel Sinnvolles mit ihnen anzufangen wusste. Zumal die Bernie-Figur einen etwas üblen Beigeschmack hinterlässt: In den Zeiten von Fake News und übelsten Verschwörungsmythen hat hier also ein Typ Recht, der Spinner-Unfug über domestizierendes Fluorid im Trinkwasser und ähnlichen Unsinn verbreitet. Das wird auch kam dadurch abgemildert, dass sich Adam Wingards Film immer etwas über die Bernie-Figur lustig macht, denn der rational denkende Josh kriegt es eigentlich noch mehr ab.

Godzilla vs. Kong

Nathan Lind (Alexander Skarsgård), Ilene Andrews (Rebecca Hall) und Ilenes Adoptivtochter Jia (Kaylee Hottle) begleiten Kong auf seiner Reise

Ansonsten ist „Godzilla vs. Kong“ aber immerhin flottes Krawall-Entertainment, das sich das richtige Maß an Humor und Augenzwinkern leistet. Neben ein paar eingestreuten Gags zur Auflockerung sind das Referenzen an Actionklassiker: Kong renkt eine ausgekugelte Schulter an einem Wolkenkratzer ein wie dereinst Martin Riggs an einer Schrankwand in „Lethal Weapon 2“ und springt von einem explodierenden Schiff wie John McClane vom Hausdach in „Stirb langsam“, während es gegen Ende noch eine „Terminator“-Hommage gibt. Sogar dem Toho-„King Kong vs. Godzilla“ zollt man Respekt, wenn es hier einen Flugtransport des Riesenaffen gibt, wenn auch in wesentlich realistischer. Dazu bietet die Apex-Riege nette Bilderbuchschurken; neben dem skrupellosen Konzernchef Simmons sind dies seine bitchige Tochter Maia (Eiza González) und seine zweifelnde, noch ein Gewissen besitzende rechte Hand Ren Serizawa (Shun Oguri).

Außerdem liefert „Godzilla vs. Kong“ in der Königsdisziplin – der Monsterfights. Allerdings ist keine Non-Stop-Action angesagt: Vor dem Mehrfachshowdown in Hongkong gibt es nur einen großen God-vs.-King-Fight auf hoher See zur Halbzeitmarke und ein paar recht kurze Actionszenen zwischendurch. Wenn es allerdings ausladend kracht, dann so richtig. Wesentlich übersichtlicher und vor allem bei wesentlich besseren Lichterverhältnissen als in „Godzilla“ und „Godzilla – King of the Monsters“ hauen sich die Riesenmonster auf Fressbrett, die Effekte sind dabei mal wieder allererste Sahne und auch die Choreographie stimmt: Man schleudert einander durch Hochhäuser, benutzt Jets als Wurfgeschosse, während Godzilla seinen Blasteratem einsetzt und Kong seinen Anti-Saurier-Kieferbrecher bei der Riesenechse versucht. An den Einfallsreichtum von „Pacific Rim“ in dieser Disziplin reicht man zwar nicht ganz heran, aber immerhin fast. In Sachen Regie setzte man auf das bewährte Rezept der drei Monsterverse-Vorgänger: Wieder gab man einem Filmemacher aus dem Low- bis Mid-Budget-Genrebereich das Zepter in die Hand, dieses Mal ist es Adam Wingard, der hier souverän seine erste Blockbusterarbeit abliefert. Der hatte sich ja schon bei Filmen wie „You’re Next“ und „The Guest“ als Genrekenner geoutet, sodass die oben genannten Referenzen vielleicht auch auf sein Betreiben eingebaut wurden.

Godzilla vs. Kong

Sind der Apex-Verschwörung auf der Spur: Madison Russell (Millie Bobby Brown), Josh Valentine (Julian Dennison) und Bernie Hayes (Brian Tyree Henry)

„Godzilla vs. Kong“ kann, wie so viele Monsterfilme, allerdings schwer verschleiern, dass die Menschenszenen eher Füllmaterial sind, das Alibicharakter hat, weil man den Zuschauern keine Non-Stop-Monsterkloppe bieten kann oder möchte. So sind gerade die Nachwuchstalente Millie Bobby Brown („Stranger Things“) und Julian Dennison („Deadpool 2“) herzlich unterfordert, Kyle Chandler („Broken City“) kaum anwesend und Lance Reddick („John Wick“) in noch weniger Szenen zu sehen. Ordentlich schlägt sich Rebecca Hall („Iron Man 3“), während Demián Bichir („The Hateful 8“), Eiza González („Bloodshot“) und Shun Oguri („Lupin the 3rd“) nicht besonders originelle, aber ganz gut aufgelegte Antagonistenperformances abliefern. Am besten zieht sich jedoch Alexander Skarsgård („Hidden – Die Angst holt dich ein“) aus der Affäre, der mit seiner From-Zero-to-Hero-Darbietung auch mal etwas Wandlungsfähigkeit und Charaktertiefe zeigen darf. Brian Tyree Henry („Joker“) macht seine Sache ganz gut, einen Gastauftritt hat Comedian Ronny Chieng („Crazy Rich Asians“) als halbseidener Verkäufer.

An den bisher besten Monsterverse-Film, „Kong: Skull Island“, kommt „Godzilla vs. Kong“ nicht heran, aber der hatte auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass er mit seinem Monsterinsel-Setting keine allzu unsinnige Blödsinnsstory für genug Kaiju-Action stricken musste. Allerdings hatte der 2017er Affenauftritt auch etwas bessere Charaktere und homogener verteilte Action zu bieten. Bei „Godzilla vs. Kong“ kracht es dagegen quasi nur einmal in der Mitte und gegen Ende dann gewaltig, aber dafür so richtig exzessiv. Die Action ist fulminant, allzu große Längen gibt es abseits des Plotstrangs um Madison nicht und genug Fanservice leistet „Godzilla vs. Kong“ auch. Alles andere als perfekt, aber doch recht spaßig.

Nach mehreren Verschiebungen bringt Warner „Godzilla vs. Kong“ am 1. Juli 2021 auch in die deutschen Kinos. Von der FSK gab es eine Freigabe ab 12 Jahren.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 1.7.2021 in den deutschen Kinos

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