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Running Out – Countdown des Todes

Originaltitel: No Contest__Herstellungsland: Kanada__Erscheinungsjahr: 1995__Regie: Paul Lynch__Darsteller: Shannon Tweed, Robert Davi, Andrew Dice Clay, Roddy Piper, Nicholas Campbell, John Colicos, James Purcell, Judith Scott, Louis Wrightman, Keram Malicki-Sánchez, J.D. Nicholsen, Polly Shannon u.a.
Running Out

B-Action-Rip-Off von “Stirb langsam” mir Shannon Tweed, Andrew Dice Clay und Roddy Piper: “Running Out”

„Running Out“, im Original „No Contest“, erweist sich als nicht übermäßig actionreiches, aber überraschend professionell gefertigtes B-Rip-Off von „Stirb langsam“, das auf dem Höhepunkt der Welle von „Die Hard“-Kopien Mitte der 1990er erschien.

Das Partom Hotel steht kurz vor seiner Eröffnung und soll zuvor Schauplatz einer glamourösen Veranstaltung werden: Der Wahl der Miss Galaxy, für die noch sechs Kandidatinnen im Finale stehen. Die Verleihung soll Sharon Bell (Shannon Tweed) moderieren, ehemalige Miss Galaxy und Actionstar. „No Contest“ behält gleich zu Beginn eine angenehm ironische Distanz zu seinem Thema. So ist die Tätigkeit der Hauptfigur zwar Rechtfertigung für ihre Kampffähigkeiten, aber bildet auch eine Abwechslung im Genre und verleiht dem Ganzen durch die Titel ihrer Werke, die alle mit „No“ anfangen, eine selbstironische Note.

Doch eine Handvoll eiskalter Gangster unter der Führung des skrupellosen Raymond Ulysses Brice (Andrew Dice Clay) stürmen das Hotel, töten die Wachleute und nehmen die Kandidatinnen sowie Sharon als Geiseln. Zur Versicherung, dass man es ernst meint, wird die Gewinnerin aus Frankreich kurzerhand erschossen, ehe man die Zuschauer aus dem Gebäude wirft, um eine überschaubare Anzahl Geiseln zu haben. Die Übernahme ist recht fetzig gemacht und bietet nette Action mit reichlich blutigen Einschüssen. Außerdem etabliert die Grausamkeit der Bösewichte, die sich durch einen besonderen Mangel an Zimperlichkeit auszeichnen – auch besonders inkompetenter Handlanger wird von Brice relativ sadistisch hingerichtet.

Man stellt hohe Lösegeldforderungen und versieht die Geiseln mit explosiven Armbändern, welche hochgehen, wenn sie sich zu weit von der Gruppe entfernen. Doch die kampfgewandte Sharon versucht auch als Geisel etwas gegen die Verbrecher zu unternehmen, während von außen Crane (Robert Davi), Bodyguard von Miss USA Candice Wilson (Polly Shannon), mit der Polizei arbeitet und seine Infos über die Gangster ausspielt…

Running Out

Oberschurke Raymond Ulysses Brice (Andrew Dice Clay) will Heldin Sharon Bell (Shannon Tweed) ans Leder

Das besetzte Hotel, der Kampf gegen die Gangster von innen sowie die Belagerung der Polizei von außen – „Running Out“ orientiert sich sehr klassisch an dem „Stirb langsam“-Thema. Selbst die Location ist mit einem hohen Gebäude fast identisch, während andere „Die Hard“-Varianten durch andere Schauplätze (Flugzeug, Zug, Schiff usw.) sich abzuheben versuchten. Da die bekannte Blaupause sind Teile des Verlaufs absehbar, etwa die Erstürmungsversuche durch die Polizei und die Gegenmaßnahmen der Terroristen. Doch die Geschichte wird flott und ohne größere Längen erzählt, weshalb dieser Fakt durchaus entschuldbar ist. Inszeniert Regisseur Paul Lynch („Prom Night“) den Film mit sicherer Hand, so dass der Film auch ziemlich schick aussieht, trotz eines überschaubaren Budgets, was man gerade an dem einen oder anderen Spezialeffekt sieht.

Ansonsten bietet der Film auch noch ein gewisses Maß an Humor, das natürlich weder qualitativ noch quantitativ an „Stirb langsam“ heranreicht. Doch die Sprüche (meist von Comedian Andrew Dice Clay) sind recht witzig und der Film beweist ein gewisses Maß an Selbstironie. Neben Sharons Actionstarkarriere („Bruce Lee with boobs“ nennt sie einer der Schurken einmal) sind dies Details wie eine ferngesteuerte Schussanlage mit Highscore. Ebenfalls erfreulich ist, dass die Schurkenschar zwar überschaubar ist, aber jeder eine eigene Persönlichkeit mitbringt, vom eiskalten Scharfschützen über den misogynen Sprücheklopfer bis hin zum punkigen Technikspezialisten. Eine andere große Stärke ist die, dass in dem besetzten Hotel kommt vor allem in den ersten zwei Dritteln auch ein ähnliches Feeling wie beim Original-„Stirb langsam“ aufkommt. Denn Sharon, die als Ex-Modell und Schauspielerin noch weniger Einsatzerfahrung als ein John McClane hat, versteckt sich (einmal natürlich auch im Luftschacht) vor den Schurken, nimmt sich bestenfalls einzelne Gegner und muss improvisieren, etwa wenn sie ein kaputtes Telefon mit einem Kabel repariert, um Kontakt zu den Behörden halten zu können.

Running Out

Scharfschütze Ice (Roddy Piper) gehört zur Schurkentruppe

Die Action bietet Fights und Shoot-Outs, die aber etwas ausgiebiger ausfallen könnten, aber dafür gut über den Film verteilt sind. Während die Martial-Arts-Szenen nur ganz nett sind (was vor allem an den mäßigen Fähigkeiten Shannon Tweeds liegen dürfte, die bei manchem Kick klar gedoubelt wird), sind die Shoot-Outs ziemlich gut inszeniert worden und bieten von den Einschüssen einen relativ hohen Härtegrad. Dies ist auch in der deutschen Fassung noch gegeben, aber die DVDs von Columbia Tristar sind nicht nur aufgrund der ungekürzten Fassung, sondern auch wegen des Widescreen-Formats vorzuziehen.

Shannon Tweed („Unheimliche Begegnung“) war nie die talentierteste der B-Aktricen, schlägt sich aber ganz wacker in der Hauptrolle, legt ihre Heldin weder zu tough noch zu zerbrechlich. Allerdings wird ihr die Show mehrfach durch die Nebendarsteller gestohlen, allen voran Andrew Dice Clay („Ford Fairlane“), der als schleimiger Bösewicht mit Killerinstinkt enorm großen Spaß hat. Aber auch Roddy Piper („Tough and Deadly“) als weiterer Terror-Radaubruder, der in einer In-Joke-Szene Wrestling im Fernsehen schaut, und Robert Davi („Das Jerico Projekt“) als lahmender Bodyguard mit Special-Forces-Vergangenheit lenken die Aufmerksamkeit von Tweed ab. Solide ist auch das weitere Ensemble, auch wenn die Schauspielerinnend der Models es manchmal vielleicht etwas mit dem Gekreische übertreiben.

So erweist sich „Running Out“ als spannendes und gut gemacht „Stirb langsam“-Rip-Off, das teilweise sogar das Flair des Originals erreicht, mit gut inszenierter, recht harter Action überzeugt, dem zur Genrereferenz aber mehr Schauwerte und etwas mehr Originalität fehlen, da die „Die Hard“-Blaupause doch sehr deutlich durchscheint.

In Deutschland ist „Running Out“ bisher nicht legal auf DVD erschienen. Die VHS von Warner ist ab 18 Jahren freigegeben und um ein paar der blutigsten Momente gekürzt, die 16er-Fassung im Fernsehen stark geschnitten. Auf DVD gibt es den Film beispielsweise in Großbritannien, wo er ungekürzt und in Widescreen auf der Scheibe ist.

© Nils Bothmann (McClane)

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