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Die Valachi-Papiere

Originaltitel: The Valachi Papers__Herstellungsland: Italien/Frankreich__Erscheinungsjahr: 1972__Regie: Terence Young__Darsteller: Charles Bronson, Lino Ventura, Jill Ireland, Walter Chiari, Joseph Wiseman, Gerald S. O’Loughlin, Amedeo Nazzari, Fausto Tozzi, Pupella Maggio, Angelo Infanti, Guido Leontini, Anthony Dawson, Joe Don Baker u.a.
Die Valachi-Papiere

In Terence Youngs Gangsterfilm “Die Valachi-Papiere” spielt Charles Bronson einen Mafioso

Nur ein Jahr nach „Der Pate“ warf Produzent Dino De Laurentiis („24 Stunden in seiner Gewalt“) mit „Die Valachi-Papiere“ die nächste Bestseller-Verfilmung zum Thema Mafia auf den Markt, um vom Erfolg des Coppola-Hits zu profitieren. Für die Regie heuerte er Terence Young an, der damit Hauptdarsteller Charles Bronson nach „Kalter Schweiß“ und „Rivalen unter roter Sonne“ zum dritten Mal in Folge in Szene setzte.

Rahmenhandlung ist die Erstellung titelgebender Papiere bei der Befragung des ehemaligen Mafiafahrers Joe Valachi (Charles Bronson). Valachi sitzt im Knast, wo ihm der Mob ans Leder will. Beim Duschen versucht man ihn zu erstechen, er verlangt Einzelhaft und Essen rührt er aus Angst vor Giften nicht an – hat er doch von dem Don Vito Genovese (Lino Ventura) den Todeskuss erhalten. „Die Valachi-Papiere“ zeichnet also schon Jahre vor „GoodFellas“ und Co. die Geschichte von Aufstieg und Fall eines Individuums im Mafiamilieu nach, während es in „Der Pate“ vor allem noch die Familie war, die im Fokus stand.

In Rückblenden wird nun erzählt wie Valachi im Gefängnis erste Kontakte mit Mafiaangehörigen hatte und durch seine Fahrkünste zum wertvollen Mitglied der Organisation wurde, obwohl deren Geschichte von Intrigen geprägt ist…

Die Valachi-Papiere

Nach seiner Mafiakarriere wandert Joe Valachi (Charles Bronson) in den Bau

Die Mafia in „Die Valachi-Papiere“ wird als wesentlich porösere Struktur beschrieben als in manch anderem Mafiafilm. Tatsächlich sind es hier verschiedene Stränge der Cosa Nostra, die im Wettbewerb oder gar offenen Streit miteinander liegen. Nur besonders rigide Chefs können die Familien gelegentlich einen und selbst diese sind nicht vor Anschlägen sicher. Eine Ellenbogengesellschaft, in der Valachi über lange Zeit so gut zurechtkommt, da er einfach bei seinem Job in zweiter Reihe bleibt, nicht nach höherer Macht und Verantwortung strebt.

So nimmt der Film den Zuschauer auf eine ruhig erzählte, aber dennoch packende Reise durch mehrere Jahre Mafiageschichte, in denen lediglich ein paar Mafia-Coups, meist Mob-Exekutionen, als Schauwerte dienen. Sonst fesselt „Die Valachi-Papiere“ vor allem durch die dichte Beschreibung des Mafiagefüges, in dem Macht und Eifersucht nicht zu unterschätzende Motivationen sind. Valachi ist da mit seinen bescheidenen Ansprüchen und seiner Frau, der er treu ist, ein kleines Licht, aber gerade das ist es eben, was ihm eine lange Lebensdauer beschert: Mächtige Kumpane oder Freunde mit amourösen Umtrieben erwischt es dagegen.

Die Valachi-Papiere

Valachi und der Pate Don Vito Genovese (Lino Ventura)

Zur Klasse von „Der Pate“ fehlen Terence Youngs Film dann aber noch etwas ausgearbeitetere Charaktere, selbst über Valachi erfährt man nur eher wenige Fakten, über viele Nebenfiguren gerade mal ihren Rang innerhalb der Mafia und wie sie zu Valachi stehen. Zudem schwächelt das letzte Drittel des Films etwas, in dem „Die Valachi-Papiere“ den langsamen Abstieg seiner Hauptfigur zur persona non grata nachzeichnet. Interessant ist sicherlich, dass es nicht Dekadenz, Drogensucht oder ähnliches sind, die Valachis Abstieg herbeiführen, sondern quasi rein äußerliche Umstände. Doch leider zieht Young das Tempo kaum, bis zum Ende gibt es leider keine Steigerung, sodass das Ende den Zuschauer leider leicht unbefriedigt zurücklässt.

Charles Bronson („Nevada Pass“) agiert mal wieder mit sparsamer, aber dennoch überzeugender Mimik, spielt Valachi als eine Art Arbeiterklassehelden, der halt nur für die kriminelle Seite malocht. Lino Ventura („100.000 Dollar in der Sonne“) als eiskalter Don spielt ähnlich zurückgenommen, ist aber klasse. Bronson-Ehefrau Jill Ireland („Brutale Stadt“) muss hingegen wenig leisten, der Cast der Nebendarsteller leistet ansonsten durchweg Solides.

„DieValachi-Papiere“ ist keiner von den ganz großen Gangsterfilmen, aber ein schöner, kleiner und spannender Film über eine Karriere in der Cosa Nostra. Im letzten Drittel hakt es leider etwas, aber nicht zuletzt aufgrund seiner guten Hauptdarsteller sehenswert.

„Die Valachi-Papiere“ ist hierzulande bei Koch Media auf DVD und Blu-Ray erschienen und ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. In Sachen Bonusmaterial gibt es Trailer, eine Bildergalerie und eine Featurette.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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