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Lady Vegas

Originaltitel: Lay the Favorite__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Stephen Frears__Darsteller: Bruce Willis, Vince Vaughn, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Laura Prepon, Joshua Jackson, Frank Grillo, John Carroll Lynch, Corbin Bernsen u.a.
Lady Vegas

Bruce Willis als Profiwetter in “Lady Vegas”

Beth arbeitet als Private Stripper, befriedigt dabei aber eher seltsame Fetische denn sexuelle Gelüste. Dennoch hat sie sehr bald die Nase voll von diesem Job, der sie mit den abgefahrensten Typen zusammen bringt. Darum bricht sie gen Las Vegas auf, weil sie hier als Bedienung in einer Cocktailbar arbeiten will.

Doch es kommt ganz anders. Sie lernt den Profizocker Dink kennen, der sie, als er Beths Begabung für Zahlen erkennt, unter seine Fittiche nimmt. Beth bringt dem Profizocker dabei so richtig viel Glück und fühlt sich ihm auch bald amourös sehr nah. Dumm nur, dass dessen Frau Tulip etwas gegen diese Art der Beziehung zwischen den beiden hat. Beth wird gefeuert. Die Folge ist eine satte Pechsträhne für Dink, der eh der Überzeugung ist, dass ihm seine Frau Tulip Pech bringt. Ob es ihm gelingen wird, Beth wieder für seine Geschäfte zurückzugewinnen?

Lady Vegas

Rebecca Hall als Beth Raymer in “Lady Vegas”

“Lady Vegas” ist einer dieser Filme, die seltsam belanglos vor sich hin plätschern und unaufgeregt von einer Szene zur nächsten mäandern, ohne irgendwie anzudeuten, was eigentlich das Ziel der ganzen Handlung sein soll. Ist es ein großer Bluff, eine Riesenwette, ein krummes Ding, ein Heist gar? Nichts davon. Regisseur Stephen Frears bekommt einfach keinen richtigen Spannungsbogen in seinen Film eingezogen und verharrt immer in den Ansätzen. Soll “Lady Vegas” eine Romanze sein? Die (wundervoll unkitschige) Beziehung Beth / Dink deutet dies an. Oder eher eine Satire auf den American Way of Life? Die irre Naivität der Figur der Beth und die grotesk überzeichnete Tulip geben eine Ahnung davon, in welche Richtung die Reise hätte gehen können. Oder will man Kritik am Glücksspiel üben? Auch dahingehend kann man – vor allem in der selbstgefälligen und überheblichen, sich selbst vollkommen überschätzenden Figur des Buchmachers Rosie – Einschläge erkennen. Ausgeformt wird aber keine dieser Ingredienzien. Stattdessen erfahren wir, was in den USA in Sachen Glücksspiel erlaubt ist und was nicht, wie man Quoten hoch und wieder runter treibt und warum wer daran Interesse haben könnte. Das mag für Fans des Sujets Glücksspiel interessant sein, für den Unterhaltung suchenden Zuschauer sind diese Einschübe wenig ersprießlich.

Lady Vegas

Bruce Willis gibt den charismatischen Zockerprofi Dink.

Dass der Zuschauer nicht vorzeitig aufgibt, liegt an der großartig aufspielenden Darstellerriege. Allen voran die unheimlich sympathische Rebecca Hall, der man(n) als Herz des Streifens nur zu gerne folgt und die ihre Rolle gleichwohl grenzenlos naiv (ihre Figur glaubt noch zutiefst an den American Way of Life) als auch unheimlich sexy (diese irre kurzen Hosen und Röcke sind der Hammer) anlegt. Gleichzeitig hat ihre Figur einige Ecken und Kanten zu bieten, wodurch Beth vor dem Auge des Zuschauers zu einer wirklich lebendigen Figur wird! Rebecca Hall spielt dabei herrlich entspannt auf und hat immer wieder so kleine Ticks, die sie nur noch süßer machen: Etwa wenn sie mit ihren Locken herumspielt. Süß! Dink, Beths Mentor in Sachen Glücksspiel, gibt ein sehr facettenreich aufspielender, immer mit einem Augenzwinkern daherkommender Bruce Willis. Leider reizt Frears Willis’ zweifellos vorhandenes komisches Talent niemals vollends aus, weshalb man immer das Gefühl hat, Willis agiere etwas mit angezogener Handbremse. Was umso offensichtlicher wird, wenn Catherine Zeta Jones (mit viel Mut zur Hässlichkeit) als Tulip und Vince Vaughn als Buchmacher Rosie immer am Rande des Nervenzusammenbruches chargieren, dem Film ein zwei hysterisch komische Momente bescheren und “Lady Vegas” unversehens an sich reißen. Dabei kommt man aber nie umhin zu glauben, dass Frears letztlich nicht wirklich wusste, was er mit den beiden Figuren anfangen sollte. Was auch auf Joshua Jacksons (“Fringe”) unglaublich blass bleibende Figur zutrifft.

Lady Vegas

Gibt in “Lady Vegas” die Furie Tulip: Catherine Zeta Jones

Inszenatorisch kommt “Lady Vegas” sehr geerdet daher. Keinerlei moderne filmische Sperenzchen finden sich in dem Film. Maximal leicht überstrahlende Flächen geben dem Film hier und da einen unwirklichen Touch, die ansonsten unaufgeregte Bebilderung der Ereignisse passt sich aber schnell dem etwas ziellosen Treiben des Filmes an. Das man aus dem Schauplatz Las Vegas aber so wenig herausholen könnte, hätte sich vermutlich im Vorfeld des Filmes niemand träumen lassen. “Lady Vegas” könnte eigentlich überall in Amerika spielen, es würde nicht auffallen. Die unter den Bildern tönende, stimmige Musik bleibt durchgehend unauffällig und hat keinerlei Langzweitwirkung.

Genau das kann man von dem ganzen Film behaupten. Diesem fehlt einfach ein echter Höhepunkt, der berühmte Kick, das letzte Quäntchen, das ihn dann irgendwann durchstarten lässt und aus einem definitiv unterhaltsamen Film einen richtig guten macht. Was bleibt, ist ein Streifen, der vor allem von seinem spielfreudigen Ensemble und seiner wirklich leckeren Hauptdarstellerin und deren Charme lebt und ansonsten die üblichen Klischees um Auf- und Abstieg in den USA auf das Glücksspiel ummünzt, dem ansonsten aber wirklich gar nichts weiter einfällt. Ob dies der Vorlage geschuldet ist (Der Film basiert auf den Erlebnissen der echten Beth Raymer, die in ihrem Buch “Lay the Favorite” ihre Erfahrungen in Vegas niederschrieb) oder das Drehbuch ihre Erlebnisse zu wenig fokussiert verdichtet, kann ich leider nicht sagen. Was ich sagen kann, ist, dass der unaufgeregt inszenierte und diverse Chancen vergebende (vor allem jene, die dem Film ein paar humorige Momente mehr besorgt hätten) “Lady Vegas” zu den weniger gelungenen Streifen in Stephen Frears an interessanten Streifen nicht unbedingt armen Filmographie (“The Queen”, “High Fidelity”) gehört.

Die deutsche DVD/Blu Ray kommt am 14. Dezember 2012 von Universum Film, ist mit einer FSK 12 uncut und hat neben einer sehr guten Bild- und Tonqualität leider nichts an Extras zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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