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Fight – City of Darkness

Originaltitel: Tarung: City of the Darkness__Herstellungsland: Indonesien__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Nayato Fio Nuala__Darsteller: Guntur Triyoga, Volland Humonggio, Krisna Patra, Daud Radex, Fikri Baladraf, Cinta Dewi, Gouw Hartono, Reymond Knuliq u.a.
Fight - City of Darkness

Amtlich Fratzengeballer gibt es in “Fight – City of Darkness”

Reno, Coky, Daud und Galang sind von Kindesbeinen an miteinander befreundet. Damals, als die vier Waisen gemeinsam bei einer Pflegemutter lebten, passten sie genauso aufeinander auf, wie sie es heute tun. Im Erwachsenenalter rutschten alle mehr oder weniger in die Kriminalität ab und sind mit ihren Tätigkeiten dem örtlichen Verbrecherchef ein Dorn im Auge. Dies wird am offensichtlichsten, als einer der Vier nach einer vierjährigen Haftstrafe wieder auf freien Fuß gesetzt wird und das Empfangskomitee aus einem Schlägertrupp des Badasses besteht. Der gibt sich mit derart billigen Übergriffen aber bald nicht mehr zufrieden und es kommt, wie es kommen muss: Einer der vier Freunde wird ermordet! Klar, dass dies die verbliebenen drei Freunde nicht auf sich sitzen lassen können …

Seit geraumer Zeit versuchen filmische Niemandsländer wie Chile, Thailand, Malaysia oder Indonesien auf sich aufmerksam zu machen. Als Mittel zum Zweck entpuppte sich der Actionfilm, der mit seinen sattsam bekannten und in Tausenden Filmen durchexerzierten Klischees wohl eines der universell verständlichsten Genres im Filmbereich darstellt. Genauso nun auch der indonesische Streifen „Tarung: City of the Darkness“ (bei uns zu „Fight – City of Darkness“ umbetitelt), der um eine Handvoll geiler Martial Arts Einlagen eine hinlänglich bekannte Geschichte hüllt, in der eine Handvoll Freunde aufgrund äußerer Einflüsse an einem glücklichen Leben gehindert werden und irgendwann gezwungen sind, gegen die Missstände anzukämpfen. „Fight – City of Darkness“ gewinnt diesem Storygerüst keinerlei neue Seiten ab und hat vor allem zu Beginn auch ziemliche Probleme, überhaupt in Fahrt zu kommen. Erstaunlicherweise liegt das nicht etwa daran, dass die Freunde zu ausführlich vorgestellt werden. Ganz im Gegenteil, denn „Fight – City of Darkness“ fokussiert nur auf zwei der vier Freunde und stellt selbst diese nur so rudimentär vor, dass man über Informationen wie ihren Namen schon sehr froh ist.

Fight - City of Darkness

Hauptfigur Galang teilt ordentlich aus in “Fight – City of Darkness”

Ist die eigentliche Geschichte nach dem Anschieben einer wenig ersprießlichen, dafür nicht zu kitschigen Love Story dann endlich angerollt, dreht sich die ausweglose Spirale der Gewalt umso flotter und sind die Macher endlich in ihrem eigentlichen Element: Der Action. Und hier läuft der Film dann vollends Amok. Dazu muss man wissen, dass der Film sehr modern inszeniert wurde. Eine nervöse Handkamera, extrem schräge Perspektiven und ein sehr abrupter, megaschneller Schnitt beherrschen schon die Handlungsszenen und verleihen dem Film einen sehr rauen und unmittelbaren Look, der gemeinsam mit den gewählten Settings einen sehr düsteren Moloch von Stadt in Indonesien zeichnet. Urlaubsbilder spart der Film vollends aus. In der Action werden diese Stilmittel dann allesamt ins Extrem übersteigert! Dabei bekommt der Film in der Wahl seiner Perspektiven und Kameraeinstellungen fast schon einen experimentellen Look. Und der Schnitt wird so irre schnell, dass man vor bildhaften Sinneseindrücken kaum noch hinterherkommt.

Fight - City of Darkness

Harte Fights in teils experimentell schnell montierter Optik

Zwischen den irre schnellen Szenenwechseln dreht sich die Kamera um die eigene Achse, zoomt und sucht nach immer neuen, abgefahrenen Einstellungen. Dabei wechselt man unentwegt zwischen Totalen und Close Ups der Fighteinlagen hin und her und irgendwie wird man auch das Gefühl nicht los, dass die Kampfeinlagen ein wenig beschleunigt wurden, so irre schnell ist das Gebotene. Dabei machen die Darsteller richtig Dampf und haben neben schmerzhaft anzuschauenden, effektiven Moves auch einige nette High Fly Aktionen im Gepäck, die aufzeigen, dass der Silatmeister Iko Uwais (Merantau, The Raid) nicht der einzige Martial Arts Heißsporn aus Indonesien ist. Im Übrigen muten die in „Fight – City of Darkness“ aufgefahrenen Kampfsportarten wie ein Mischmasch verschiedenster Einflüsse an. Die Härte des Filmes ist auch nicht zu verachten, zumal durch die flotte Montagetechnik die harschesten Einlagen nur megakurz zu sehen sind und dadurch noch heftiger, weil sehr highlightartig gesetzt wirken.

Fight - City of Darkness

Hier gibt’s amtlich auf die Kauleiste!

Viele Leser werden bei dem Goutieren dieser Zeilen sicherlich bereits die Lippen schürzen. Rasend schnelle Schnitte … obendrein im Takt megabrachialer Musik? Erkennt man denn da überhaupt etwas oder ist alles im Bournestil verwackelt? Ich für meinen Teil kann nur Entwarnung geben, denn meines Erachtens bleiben die Choreographien der Fights immer klar erkennbar und es ist ein leichtes, zu erkennen, wer hier gerade gegen wen austeilt. Denn im Gegensatz zu Bourne geht es „Fight – City of Darkness“ nicht um Unmittelbarkeit in den Fights, eher darum, die Martial Arts zu einer Art Tempolimit zu führen und soviel Druck zu machen, wie man es bisher noch nicht zu sehen bekommen hat. Und der Bournsche Realismus ist in den langen, brachialen Fights eh außen vor. Was ebenfalls gefällt, ist, dass die Fights, die gut über den Film verteilt sind, sich an den Ton des Films anpassen und zu Beginn noch eher locker leicht daherkommen, um dann im weiteren Verlauf immer fatalere und auch brutalere Züge anzunehmen. Dennoch – und das räume ich gerne ein – wird die Montagetechnik des Filmes fraglos einige Actionfans an ihre Verständnisgrenzen bringen. Es lohnt sich allerdings, sich darauf einzulassen.

Was bleibt, ist ein weiterer Fingerzeig aus Indonesien, wohin die Reise geht, wenn man von modernen Martial Arts Filmen spricht. Die Action wird immer rauer, härter, schneller und schauwertreicher. Dass dabei Story und Charakterzeichnung kaum Schritt halten können, mutiert da anscheinend zur bloßen Randnotiz, sorgt leider aber auch dafür, dass man nie so recht in den Film hineinfindet und man sich definitiv eine dramatischere Zuspitzung der Handlung gewünscht hätte. Auch die durchaus ganz ordentlich aufspielenden Darsteller hätten etwas mehr Unterstützung seitens des Drehbuchs verdient gehabt. Doch das Hauptaugenmerk dieses energetischen Streifens liegt auf seinen Tempopassagen und in denen geht hier so richtig die Post ab. Vor allem, was die Bebilderung der brachialen, megaschnellen, weitgehend ohne Wire Work auskommenden und mit einigen Schauwerten aufwartenden Fights angeht, bekommt der Zuschauer einiges geboten. Er sollte aber zugleich keine Berührungsängste mit rasend schnellen Schnittfolgen haben. Eigenwillig mutet auch der gegen Ende zu ganz großer Form auflaufende Soundtrack des Filmes an, der die omnipräsenten Musikflächen in seltsamen Übergängen miteinander vereint. Kurzum, wer auf handfeste Action steht, macht hier nicht wirklich viel falsch. Das düstere, den Erwartungen eher zuwiderlaufende Ende rundet den gelungenen Eindruck dieses Kloppers ab.

Die deutsche DVD/Blu Ray kommt von Los Banditos Films, ist mit einer FSK 18 uncut und hat eine ordentliche Bild- und Tonqualität. Wer bei der optischen Gestaltung des Filmes auf die Idee gekommen ist, den Film auf der Blu Ray zusätzlich in 3D zu konvertieren, fragt man sich schon, denn das Schnitttempo allein und die megakurzen Einstellungen deuten schon in der 2D Fassung an, dass hier JEDES menschliche Auge/Hirn überfordert sein dürfte, irgendwelche räumlichen Eindrücke zu generieren. Die deutsche Synchro ist ok, hätte aber bei einigen Figuren deutlich lebendiger ausfallen dürfen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Los Banditos Films / Blockbuster Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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