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Supergirl (1984)

Originaltitel: Supergirl__Herstellungsland: Großbritannien/USA__Erscheinungsjahr: 1984__Regie: Jeannot Szwarc__Darsteller: Faye Dunaway, Helen Slater, Peter O’Toole, Mia Farrow, Brenda Vaccaro, Peter Cook, Simon Ward, Marc McClure, Hart Bochner, Maureen Teefy, David Healy, Sandra Dickinson, Robyn Mandell, Jenifer Landor, Diana Ricardo u.a.
Supergirl

In „Supergirl“ von 1984 tritt Helen Slater als Titelheldin gegen Faye Dunaway an

Mit den kommerziellen Erfolgen von „Superman“ und „Superman II“ im Nacken gab das Vater-Sohn-Produzentenduo aus Alexander und Ilya Salkind Anfang der 1980er nicht nur „Superman III“ in Auftrag, sondern auch das Spin-Off „Supergirl“ – und legte eine böse Bruchlandung hin. „Superman III“ enttäuschte, spielte aber immerhin das Doppelte seiner Kosten ein, während „Supergirl“ mit 35 Millionen Dollar Budget gerade mal 14,3 Millionen einbrachte. Die Salkinds verkauften die Rechte an Cannon, die mit „Superman IV“ ebenfalls auf keinen grünen Zweig kamen.

Es beginnt in Argo City, einer Kolonie überlebender Kryptonier, wo auch Kal-Els Cousine Kara Zor-El (Helen Slater) aufwächst. Warum es diese Kolonie gibt, diese nie in den Vorgängern erwähnt wurde und der Rest der Kryptonier nicht mitgerettet werden konnte, das sind so Details, die das Drehbuch anscheinend für nicht wichtig hält. Vielleicht waren die Gründer einfach Arschkrampen, die vor allem sich selbst retten wollen. Sonderlich viel Umsicht kann man allerdings niemandem in Argo City unterstellen, denn der tolle Erfinder Zaltar (Peter O’Toole) mopst eine wichtige Energiekugel namens Omegahedron, um Spökes damit zu machen und künstliche Bäume und Biester zu schaffen. Bei der Aktion geht das Ding ins All verloren, Argo City droht der baldige Exitus mangels Energie und Kara rast flott hinter dem begehrten Objekt, weil sie mitverantwortlich für den Schlamassel ist.

Auf der Erde landet das Teil dann vor den Füßen von Amateurhexe Selena (Faye Dunaway), die natürlich direkt damit umgehen kann und daher ihren Magier-Mentor und -Lover Nigel (Peter Cook) umgehend in den Wind schießt. Nachdem Kara Zor-El auf der Erde ankommt und in einen See crasht, entsteigt sie dem Wasser direkt im Supergirl-Outfit, obwohl sie diesen Namen bisher noch nicht verwendet hat. Naja, Hauptsache das typische Logo auf der Brust, auch ohne Unterweisung von Superman, der allerdings gerade zur intergalaktischen Friedensmission ausgerückt ist. In der Hauptreihe war er zwar eigentlich immer in irdischen Gefilden unterwegs, aber Christopher Reeve erteilte einer Cameo- oder Nebenrolle eine Absage, da musste es ohne ihn gehen.

Während ihrer Suche nach dem Omegahedron sichert sich Supergirl unter dem Namen Linda Lee einen Platz in einer Mädchenschule. Selena probiert derweil mit dem Artefakt rum, will den Schulgärtner Ethan (Hart Bochner) mit einem Liebeszauber belegen, was für Konflikt sorgt, als dieser durch einen Magie-Unfall stattdessen auf Linda abonniert wird…

Schaut euch den Trailer zu „Supergirl“ an

Ob es auf produzentische Anweisung geschah oder ob Drehbuchautor David Odell („Masters of the Universe“) selbst auf die Idee kam – irgendwer von den Filmemachern war wohl der Ansicht, dass ein Film über eine Superheldin mehr von dem braucht, was er für „Mädchenkram“ hielt. Also geraten der Streit um die Zauberkugel und Selenas spätere Eroberungsphantasien zum Nachgedanken, stattdessen ist „Supergirl“ tatsächlich so inszeniert, als würde sich die Superheldin und Superschurkin primär um den Gärtner kloppen, der über weite Strecken des Films keinen eigenen Willen hat, sondern unter dem Einfluss des Liebeszaubers steht. Warum Selena an dem Kerl, den sie nur mal kurz gesehen hat, mit einer Den-einen-oder-keinen-Einstellung festhält, ist ähnlich schleierhaft wie viele andere Drehbuchlücken, etwa wie Supergirl als Linda ohne Erdengeld zurechtkommen möchte, warum sie im Gegensatz zu Superman ihr Aussehen beliebig ändern kann (als Linda ist sie brünett) usw. usf. Darüber hinaus muss Kollege Zufall Überstunden bis zur Hirnrissigkeit schieben: Selena und Supergirl laufen beide in kurzer Folge Ethan über den Weg, Lindas Dozent ist niemand anders als Nigel und ihre Zimmernachbarin in der Schule ist natürlich Lucy Lane (Maureen Teefy), die Schwester von Lois Lane. Die Welt ist halt ein Dorf, sischer datt.

Supergirl

Auf der Erde wird Kara Zor-El (Helen Slater) zu Supergirl

Odells Drehbuch geht dann Hand in Hand mit der wahrlich uninspirierten Regie durch Jeannot Szwarc, der den Posten nach der Absage von Richard Lester und Robert Wise bekam, zwar mit „Der weiße Hai 2“ Blockbustererfahrung besaß, aber ansonsten ein besonders gesichts- und eigenschaftsloser Handwerker war. So dümpelt „Supergirl“ vor sich hin, kann die Situation nie als dringlich verkaufen und bekommt kein richtiges Tempo hin. Während die Angelegenheit fast durchweg vor sich hin plätschert, hat Selena im Finale urplötzlich eine Bergfestung erschaffen und irgendwelche Truppen irgendwo hergezaubert. Solche Holterdiepolter-Momente sind allerdings rar, meist dehnt sich der Film wie Kaugummi, etwa in den zahlreichen Flugszenen, die in „Superman“ anno 1978 noch ein Novum waren, beim mittlerweile vierten Film aus dem allerdings eher ausgelutscht sind. Und wenn Supergirl im Wendy-Modus mit einer Horde Wildpferde mitfliegt, dann wirkt es mal wieder so, als hätte keiner der Macher so richtiges Vertrauen in seine Hauptfigur als ernsthaftes Gegenstück zu Superman gehabt.

Immerhin gaben die Salkinds dem Projekt fast die gleichen Mittel an die Hand wie den Filmen der Hauptreihe, die hier jedoch in Richtung bunter Bonbonkitsch gehen. Schon Argo City wirkt wie eine Mischung aus Hippie-Kommune und Karnevalsverein, auf der Erde versucht sich das Production Design an Bilderbuchästhetik und kann eigentlich nur bei Selenas ursprünglichem Versteck in einem alten Vergnügungspark so richtig punkten. Die Set Pieces sind leider ebenso bunt, künstlich und unspiriert, wenn Supergirl einen wildgewordenen Kran aufhält, einen Abstecher in die Phantom-Zone (mit bunten Wirbelstürmen) macht oder einen sagenhaft lahmen Showdown absolviert. Einzig und allein jene Szene, in der ein unsichtbarer (= budgetsparender) Angreifer Linda in der Mädchenschule attackiert und von Supergirl aufgehalten wird, ist tatsächlich stimmig gemacht und schick getrickst.

Supergirl

Hex Hex: Selena (Faye Dunaway) will große Macht – und den Gärtner

Auch sonst gibt es da wenig Lichtblicke, wenn die Figuren sich wie Knallchargen verhalten, egal ob Heldin, Schurkin oder alle dazwischen. So können Selena und ihre Hexerei-Mitbewohnerin Bianca (Brenda Vaccaro) zwar teilweise blitzgescheite Querverbindungen ziehen, kommen aber ewig nicht auf den eher offensichtlichen Trichter, dass Linda und Supergirl ein und dieselbe Person sind. Biancas Funktion innerhalb des Ganzen ist eh nie so ganz klar, sie sorgt aber für etwas Auflockerung als komödiantisches Gegenstück zu Selena – und ist auch für die einzigen nicht missratenen Witze in dem Film zuständig. Die Liebesgeschichte, die extrem viel Raum einnimmt, wirkt dagegen soapig, künstlich und hölzern, von den moralischen Implikationen mal ganz abgesehen, dass das Objekt der Begierde fast durchweg keinen eigenen Willen hat. Lindas Leben im Internat wird zwar etwas beleuchtet (im Director’s Cut geringfügig mehr als in der gängigen internationalen Langfassung), kommt aber so kurz, dass man diesen Part auch bequem hätte streichen können. Große Schwierigkeiten wie ihr Cousin bei der Vereinbarung der Rollen als Clark Kent und Superman hat die Heldin jedenfalls nicht und zu keiner Nebenfigur baut sie eine bedeutsame Beziehung auf.

Helen Slater hat hier ihre erste Kinohauptrolle, guckt dauernd wie ein scheues Reh, macht sich als naiv-unschuldige Hauptfigur ganz gut, auch wenn der Flop ihr eine ziemliche Delle in die Karriere machte. Die zwei möglichen Fortsetzungen, für die sie unterschrieb, kamen nie zustande, danach spielte sie Nebenrollen in Filmen wie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ oder „City Slickers“ und bekam einen Hauptpart in Jack Sholders famosen TV-Zeitschleifenthriller „12:01“. Noch vor der Hauptdarstellerin in den Credits wird Faye Dunaway („Network“) genannt, die dem Affen ordentlich Zucker gibt als Over-the-Top-Schurkin, aber damit irgendwo zwischen ironisch und peinlich changiert. Nur peinlich ist Peter O’Toole („Hitler: Aufstieg des Bösen“), der sich als Erfinderzausel zum Horst macht, Hart Bochner ist gelackte Oberfläche, was dadurch noch verstärkt wird, dass seine wohl bekannteste Rolle jene als Schmierlappen Ellis in „Stirb langsam“ vier Jahre später ist. Brenda Vaccaro („Once Upon a Time in Hollywood“) kann kleine Akzente setzen, in einem Akt der Verschwendung hat Mia Farrow („Rosemaries Baby“) eine winzige Nebenrolle als Karas Mutter. Peter Cook („Derek and Clive Get the Horn“) chargiert auch eher, ähnlich wie Maureen Teefy („Scavenger Hunt“), deren Tomboy Lucy fast wie eine Karikatur wirkt, mit seitlich aufgesetzter Baseball-Cap. Für eine Anbindung an die Hauptreihe schaut dann noch Marc McClure („Zack Snyder’s Justice League“) als Jimmy Olsen vorbei, bestätigt aber nur, wie egal diese Figur schon in jenen Filmen war.

„Supergirl“ hat hin und wieder ein hübsches Set oder einen flotten Spruch, sonst ist ganze öder Nonsens mit fast durchgehend missratenen Spektakelszenen, Unmengen an Logiklöchern und einem Plot, der nie in die Puschen kommt. Dass sich Heldin und Schurkin dann in erster Linie um einen Lackaffen von Gärtner streiten wie in einer Soap mit Magie und Superkräften, ist dann noch die Krönung. „Supergirl“ ist Murks und dann noch von jener Sorte, dass man ihn eher bemitleiden als ablehnen möchte.

„Supergirl“ hatte es in Sachen Fassungen nicht einfach: Schon in den USA erschien er erst auf 105 Minuten verkürzt, die deutsche Kinofassung wurde auf 86 Minuten heruntergeschnitten. Später wurde eine internationale Langfassung von rund zwei Stunden erstellt, die auf DVD vermarktet wurde, auch hier in Deutschland von Warner. Als Bonusmaterial gibt es hier den Trailer zum Film sowie einen Audiokommentar von Jeannot Szwarc und Scott Bosco. Später erschien noch ein rund 138 Minuten langer Director’s Cut des Films. Auf den Blu-Rays von Plaion Pictures sind internationale Langfassung, Director’s Cut und deutsche Kinofassung zu finden, im Bonusmaterial der erwähnte Audiokommentar zu ILF, Trailer, Storyboards, eine Bildergalerie und ein Making of.

© Nils Bothmann (McClane)

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