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Dead Heat

Originaltitel: Dead Heat__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Mark Goldblatt__Darsteller: Treat Williams, Joe Piscopo, Lindsay Frost
Darren McGavin, Vincent Price, Clare Kirkconnell, Keye Luke, Robert Picardo, Mel Stewart, Professor Toru Tanaka, Martha Quinn, Ben Mittleman, Peter Kent, Cate Caplin, Monica Lewis, Peggy O’Brien, Chip Heller u.a.

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Dead Heat

„Dead Heat“ erscheint als 93. Ausgabe der „Limited Collector’s Edition“.

Masken auf! Uzis durchgeladen! Achtung, das ist ein Überfall! Wer im L.A. der 80er wohnt, kennt das Prozedere ja sicher schon. Verfolgungsjagden, Schießereien und Sachbeschädigungen gehören hier eh zum guten Ton. Wenn sich mal wieder zwei bewaffnete Gorillas vor einem Juweliergeschäft aufbauen und den Eindruck machen, gerade noch die Hauptrollen in einem mexikanischen Low-Budget-Streifen gespielt zu haben, dann ist das für den Einheimischen ein ganz normaler Dienstag. Die Szenerie könnte ebenso gut aus „Lethal Weapon“ (1987) stammen, vor allem, wenn Sekunden später Riggs und Murtaugh, pardon, Mortis und Bigelow, per Vollbremsung den Tatort crashen. Dabei gehen die schon so liebevoll miteinander um, als befänden wir uns in der Fortsetzung. Es hagelt eingespielte Frotzeleien, dicke Wummen, graue Anzüge und lange Vokuhilöckchen, und das nicht zu knapp. Hurra, wir sind mitten im Sweet Spot des guten amerikanischen Buddy-Cop-Wahnsinns.

Was sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht herauskristallisiert hat: Die Grenzen der klar umzäunten Actionfilm-Realität, welche immerhin auf gewissen Erwartungen beruht, stehen kurz davor, brutal eingerissen zu werden. Dass die beiden unrasierten Masken-Gorillas im Kreuzfeuer einfach nicht auf die Bretter gehen wollen, könnte man zuerst noch für eine typische Überzeichnung eines wilderen Genre-Vertreters halten, der es mit dem Realismus nicht so genau nimmt. Aber aus der kleinen Einschusswunde wird ein Sieb… aus dem Sieb ein Loch… und irgendwann blickt man hindurch, und wen sieht man da auf der anderen Seite freundlich winken? Das ist doch nicht etwa… Vincent Price!?

Der Prince of Menace, der Master of the Macabre, der Renaissance Man, er absolviert nur eine kleine Rolle, die vor allem gegen Filmende ins Geschehen eingreift, aber dafür eine mit großer Symbolkraft. Sein Porträtfoto alleine reicht aus, dass man eine ganz bestimmte filmische Epoche denkt, und das ist sicher nicht die Hochphase des Actionfilms. Dieser lebt schließlich von Dynamik, von Aufbau und Entladung. Für die theatralischen Posen und den durchdringenden Blick eines Vincent Price ist da normalerweise einfach keine Zeit. Seine Besetzung ist natürlich als Stunt Casting zu verstehen: Er ist die Personifikation des Horrors selbst, der sich nun wie ein Piratenkapitän auftürmt und seine Crew per Enterhaken auf die andere Seite befehligt, um das Kommando zu übernehmen. Die großkalibrigen Einschusslöcher der schießwütigen Cops und Schergen kommen da als Verbindungsportal gerade recht.

Regisseur Mark Goldblatt war als Cutter an einigen der prägendsten Actionfilme aus der Hochphase des Genres beteiligt („Terminator“, 1984; „Rambo II“, 1985; „Phantom Kommando“, 1985), hat aber auch markante Wurzeln im Horrorbereich vorzuweisen („Piranha“, 1978; „The Howling“, 1981; „Halloween II“, 1981). „Dead Heat“ ist offensichtlich sein Versuch eines Genre-Clashs und somit eine frühe Form der metafilmischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Fachgebiet, das zu jener Zeit eigentlich noch gar nicht den Peak erreicht hatte – weder die persönliche Karriere betreffend, noch in Bezug auf das Genre selbst, das die Sequels der großen Marken noch bis weit in die 90er hinein ausstreute.

Dead Heat

Nur über meine Leiche? Von wegen!

Anders als die Spoof-Komödien, die einige Jahre später völlig ungeniert zur Parodie ansetzten (am unzweideutigsten wohl in „Loaded Weapon“, 1993), lässt sich „Dead Heat“ anhand seiner Machart noch als ein Original identifizieren, das alle Grundzutaten an Bord hat und diese, soweit nicht ungewöhnlich, mit einem Augenzwinkern versieht. Der Humor ist durchaus seltsam geraten, es gibt Momente, da stutzt man und fängt zeitversetzt doch an zu grinsen, weil alles so exakt den Stereotypen entspricht und dabei durch dezente Abweichungen vom Standard über die Maßen bescheuert wirkt.

Doch der Humor, er nimmt nichts auseinander, sondern lässt die Anlagen völlig intakt. Drehbuchautor Terry Black, Bruder des für die 80er so prägenden Shane Black, lässt diesbezüglich eindeutig seine Gene walten. Treat Williams und Joe Piscopo liefern im Grunde all das, was man sich von einem Buddy-Couple dieser Art erhofft, auch wenn sie aufgrund der zum Verwechseln ähnlichen Physiognomie ihrer Visagen nicht gerade das Gegensatz-Prinzip der Paarungen Gibson/Glover oder Murphy/Nolte bedienen. Da wird schon eher auf die Ein-Ei-wie-das-andere-Karte der Paul-Brüder gesetzt, die gerade erst mit „Die Barbaren“ (1987) für Furore gesorgt hatten und später unter anderem mit „Double Trouble“ (1992) dann selbst als Großstadt-Schnüffler unterwegs waren.

Manchmal muss man fast grübeln, wer hier wer ist. Entsprechend flüssig gehen die Wortwechsel vonstatten, fast wie in einem schizophrenen Monolog. Die feinen Unterschiede zwischen den Beiden werden erst bei genauerem Blick deutlich. Piscopos Stand-Up-Comedy-Hintergrund prallt dabei quasi wie der Ball beim Squash konsequent gegen Williams‘ trockene Wand von einem Gesichtsausdruck; es ist ein Muster, das Hollywood erst jüngst wieder entdeckt hat, seit es begonnen hat, John Cena mit Partnern aller Art zu kombinieren.

Nur ist Williams‘ Rollenname Roger Mortis eben nicht nur eine Anspielung auf Roger Murtaugh aus „Lethal Weapon“, sondern auch auf den medizinischen Begriff für Totenstarre, „Rigor Mortis“ – und hier beginnt der Spaß erst so richtig. Wo die herkömmliche Action Comedy nämlich kurz vor Ernst immer hart abbremsen muss, kann Goldblatt dank seines Hybrid-Ansatzes einfach durchziehen, ohne Konsequenzen zu befürchten. Der Clou liegt darin, dass der Tod nicht länger ein Zementpfeiler ist, den es für bestimmte Figuren zu umkurven gilt, sondern eine für jedermann durchlässige Barriere.

So wird dem Opfer ermöglicht, noch aktiv an der Auflösung des eigenen Falls zu arbeiten, was zudem völlig neue Möglichkeiten für die Polizeifilm-Unterkategorie der Mordermittler-Krimis ermöglicht, mit Wurzeln zurück bis in den klassischen amerikanischen Film Noir, in dem schließlich auch bereits Leichen wie Vögelchen sangen („Sunset Boulevard“, 1950) oder Hauptfiguren einfach die Identität abstreiften wie Schlangenhaut („Die schwarze Natter“, 1947). Rudolph Matés „Opfer der Unterwelt“ (1950) wird in einer Szene sogar auf einem Fernseher gespielt, und auch Komponist Ernest Troost orientiert sich deutlich an den Schattenwürfen dieser Gattung, um die Kontraste zum heiteren Grundton zu fördern.

Dead Heat

Bist du einmal perforiert, dann tötet’s sich ganz ungeniert.

Die Kröte des Übernatürlichen ist in diesem Kontext sicher schwerer zu schlucken als bei einem Tim-Burton-Grusler, aber hat man einmal akzeptiert, dass die Hauptfiguren nicht zwingend am Leben sein müssen, um trotzdem ordentlich auf die Kacke zu hauen, dann hat „Dead Heat“ das Potenzial, eine Erfahrung jenseits des Vorstellbaren zu werden.

Denn jetzt öffnet sich eine Dimension, die für diese Sorte Film bisher unerreichbar war. Menschen sterben, die nicht sterben sollten. Menschen sterben nicht, die sterben müssten. Und dann entern nach und nach die von Vincent Price befehligten Piraten das Set. Ein gigantischer Sumo von einem Biker mit zerhacktem Gesicht, der auch eine Kreation aus „Big Trouble in Little China“ (1986) hätte sein können, bläst aus dem Nichts zur Attacke. Körper zerschmelzen mit den zartesten Spezialeffekten, seit es Melt Movies gibt. Zombie-Henchmen entleeren ihre Magazine bei Tageslicht auf den Straßen, ohne sich Gedanken um ihre körperliche Unversehrtheit machen zu müssen. Als Höhepunkt winkt eine völlig abgedrehte Kampfszene in einem chinesischen Schlachthaus (mit Professor Tanaka aka „Subzero“ als Küchenmeister!), wo sich Mortis und Bigelow toter Schweine, Hühner und als Krönung einer wildgewordenen Rinder-Karkasse erwehren müssen, während das Stroboskoplicht alles in ein hübsch dämonisches Flackern taucht.

Das hat man so jedenfalls noch nicht gesehen. Nicht in dieser Kombination, nicht in diesem Ambiente. Was wohl auch damit zu tun hat, dass der phantastische Horrorfilm untote Kreaturen der hier gebotenen Art zwar kiloweise auf Lager hat, diese aber selten bis nie ins Donut-Revier ausliefert. Die verantwortlichen Special-Effects-Künstler arbeiteten sonst eher an Filmen wie „Nightmare on Elm Street 4“ (1988), was man unisono von Steve Johnson behaupten kann, der für die Makeup-Effekte verantwortlich zeichnete.

Ihre Arbeit wird also ausnahmsweise in einen fremden Kontext verpflanzt, was nicht nur zu interessanten Kontrasten im kompositorischen Sinne sorgt, sondern dem Ganzen zugleich einen kommentierenden Anstrich aus Perspektive eines benachbarten Genres gibt. Abgedämpft wird dieser Effekt allerdings durch Zensurauflagen; einigen Einstellungen merkt man durchaus an, dass sie ursprünglich darauf ausgelegt waren, noch mehr zu zeigen. Einige ziemlich krude Effekte blieben dennoch erhalten, was auch für den morbiden Grundton gilt, der selbst dort konserviert blieb, wo man das Bildmaterial amputieren musste.

Dead Heat

Ich hätte gerne einmal Leben erneuern zum Mitnehmen, bitte.

Natürlich ist von der bloßen Rahmenhandlung wenig zu erwarten, ist sie nämlich im Wesentlichen eine dürftige Entschuldigung dafür, möglichst viel Schaden zu stiften, ohne zu viele Figuren aus dem Spiel nehmen zu müssen. Plumpe Frankenstein-Verweise sind alles, was in dieser Richtung geliefert wird. Das passt aber auch zum leicht debilen Ton der Chose, ebenso wie zum 80s-Flair, das dank zuckender Blitze und verrückter Einfälle zum Ende der Dekade nochmal richtig auflebt. Irgendwas ist hier nämlich immer los, und darauf kommt es an. „Dead Heat“ ist weder Actionkomödienklassiker noch Horrorkomödienklassiker seiner Zeit, aber noch während die beiden Protagonisten über Freundschaft und Lebenszeit frotzeln und gen Abspann traben, wird das Erbgut beider Welten in eine Weißblende überführt. Für zwei Welten ist es der stilvolle Abgang einer herausragenden Dekade.

07 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Dead Heat“

Limited Collector’s Edition #93

„Dead Heat“ ist einfach nicht totzukriegen. Man kann ihn indizieren, wie 1989 geschehen, man kann ihn kürzen, wie in etlichen TV-Ausstrahlungen der Folgejahre geschehen, doch die VHS-Manufakturen und DVD-Presswerke entpuppten sich über die Jahrzehnte hinweg als zuverlässig ratternde Reanimationsmaschinen, die immer neue, oft überraschend gut ausgestattete Auflagen produzierten und den Kultstreifen auf diese Weise für Generationen konservierten.

Die 2010er standen dabei vor allem im Zeichen der Blu-ray, doch in den 2020ern dauerte es nicht lange, bis auch die erste Ultra-HD-Blu-ray auf dem Weltmarkt landete. Im Februar 2022 kam über Vinegar Syndrome ein Set aus UHD und Bonus-Blu-ray, das die Action-Horrorkomödie in 4K präsentierte. Nun sind in jüngerer Zeit ja so einige Veröffentlichungen des US-Labels bei Wicked Vision gelandet. Ende 2025 war somit auch für „Dead Heat“ die Zeit für eine deutsche UHD-Premiere gekommen.

Die Verpackung

Am ungewöhnlichen Umfang der Auswertung lässt sich erkennen, dass dem Label sehr wohl bewusst ist, dass es hier einen Prestige-Titel in der Hand hält. Satte 5 (!) Mediabook-Varianten sind es geworden, darunter allerdings auch einige mit extrem geringer Limitierung. Für Pappallergiker erschien das Ganze auch noch im Scanavo Case, und zwar einmal als UHD und einmal als Blu-ray. Sogar eine DVD hat man mit ins Programm genommen, obwohl der allgemeine Trend bei Wicked Vision dahin geht, dem standhaften, aber technisch überholten Medium so langsam den Rücken zu kehren. Das alleine zeigt, dass man viele Hoffnungen darin setzt, diesen Titel auch bei einer breiteren Zielgruppe absetzen zu können.

Standard-Editionen

Welche Mediabook-Geschmacksrichtung darf’s denn sein?

Besprechungsgegenstand dieser Rezension ist das Mediabook der D-Serie. Das kommt in der einfachen, klassischen Videotheken-Aufmachung mit fettem roten Titelprint, deutscher Tagline „Diese Zwei sind nicht zu töten…“, den erwähnten „Zwei“ Rücken an Rücken mit gezücktem Ballermann und saftig zuckenden Blitzen aus der Reanimationsmaschine. Da hat man auf den ersten Blick alle wichtigen Informationen zusammen.

Dieses Artwork ist wahrlich für den schnellen Blickfang in den Regalen der Videoverleihe designt, daher überrascht es auch nicht, dass es in fast identischer Aufmachung schon auf der VHS von Highlight Video genutzt wurde. Auch Paragon Movies nutzte es schon für die DVDs und Blu-rays aus dem Jahr 2014. Hier kommt das Ganze nun mit einem klassischen Hochglanzfinish. Der rote Blocktitel wurde auch auf den Spine übernommen, so dass die zweifelsfreie Identifikation im heimischen Filmregal ebenfalls schnell erfolgt ist. Auf dem Backcover gibt es das Standard-Layout mit Inhaltsangabe, einem Streifen Screenshots, Credits, Labels, Infoboxen zu Ausstattung und technischer Spezifikation sowie Limitierungsangabe (in diesem Fall 222 Stück).

Die Cover C und D nutzen ebenfalls die Rücken-an-Rücken-Pose von Treat Williams und Joe Piscopo, variieren aber die Hintergründe. Bei C werden dessen Farben auf Schwarz-Grau-Weiß zurückgefahren. Die beiden Hauptdarsteller stehen gewissermaßen auf der Reanimationsmaschine, die ein bisschen wie eine Plattform in einem Raumschiff aussieht, oder auch jene, die Seth Brundle in seinem Labor in „Die Fliege“ gebaut hat. So gesehen werden hier also die Science-Fiction-Anteile im Horror-Anteil des Films herausgekehrt. Bei D wiederum breitet sich ein digitaler Feuerball vor einer in lila-violette Farbverläufe getauchten Großstadt-Skyline aus; der Filmtitel wiederum wird von einer Zombiehand als Polizeimarke ins Bild gehalten.

Noch prominenter ist die sich als Officer ausweisende Zombiehand auf Cover B platziert, denn dort nimmt sie das gesamte obere Zentrum ein und wird von weiteren zuckenden Blitzen umschmeichelt, die das potenzielle Schwarz des Hintergrunds in schimmerndes Blau verwandeln. Und während Williams auf der linken Seite relativ konventionell mit der Waffe zielt, bekommt man Piscopo auf der rechten Seite in einer eher ungewöhnlichen Pose zu sehen: Er hält nämlich mit beiden Händen einen Schlüpfer vor seiner Brust. Was zum…?

Cover A ist die einzige Neuanfertigung, eine Kreation von Zachary Jackson Brown, der bei Wicked Vision zuletzt für einige Veröffentlichungen aus dem Puppet-Master-Universum als Künstler in Erscheinung getreten war. Auch er kommt nicht von der Idee weg, dass Williams und Piscopo „Rücken“ haben, wobei Ersterer im Zombie-Make-Up mit Strubbelhaaren abgebildet ist und aus der Ferne fast aussieht wie ein völlig derangierter Michael Myers. Darüber hinaus zeigt Brown aber Herz für Vincent Price, den er im schmucken weißen Anzug elegant zwischen die Partner schiebt. Explosionen und coole Karren auf dem Highway dürfen natürlich nicht fehlen. Illustriert ist das alles in einem weichen, feinen Stil mit vielen Details, kräftigen Farben und leuchtenden Überblendungen.

In der Scanavo-Variante setzt die UHD übrigens auf Cover B, die Blu-ray-Edition auf Cover A und die DVD auf Cover D.

Standard-Editionen

Als wäre die Fülle an Mediabook-Optionen noch nicht genug der Auswahl, bekommt man „Dead Heat“ auch im praktischen Keep Case – wahlweise als Ultra-HD Blu-ray, Blu-ray oder DVD.

Im Inneren des Mediabooks werden die Artwork-Komponenten wie erwartet neu verarbeitet. Der Polizeimarken-Zombie hält für das Bild hinter dem Disc-Tray gleich doppelt die Pranken hoch; auf dem Frontcover des Booklets bekommt auch Cover C seine verdiente Zweitauswertung, ebenso wie Joe Piscopo mit Höschen auf dem Backcover des Booklets.

Das bietet aber zusätzlich noch das schräge japanische Poster, das wenig überraschend den Fokus mal wieder auf Schmelz-Horror und anderes abgefahrenes Zeugs legt, anstatt den eigentlichen Film in seiner Gesamtheit akkurat abzubilden. Insofern ein hübsches Dokument inhaltlich verfälschender Vermarktung.

Das Booklet

Und an Texten möge es euch nicht mangeln, solange Christoph N. Kellerbach den Füller schwingt. Der sieht diesmal eine überaus fruchtbare Epoche vor sich, weswegen er sich gar nicht lange mit historischen Vorläufern aufhält, sondern gleich ins Eingemachte taucht. Während der Autor die Produktionsgeschichte des Films aufrollt, wird mal wieder deutlich, wie eng das Action- und Horrorkino jener Zeit tatsächlich miteinander verwoben war und wie hoch die Dichte an Filmen ist, die schließlich zum Klassiker gereift sind. Es geht um die Schauspieler, die Effekte, die blöden Sprüche, und Déjà-Vus der geliebten Evergreens ploppen auf, wenn Kellerbach sie nicht ohnehin schwarz auf weiß im Text erwähnt.

Auf Seite 14 ist dann erstmal Schluss mit Vorproduktion, Dreharbeiten und Veröffentlichung, aber als Epilog nimmt sich Kellerbach ungewöhnlich viel Zeit und Platz, um darauf hinzuweisen, was „Dead Heat“ bei allem Humor am Ende zu einem tragischen, für manche Zuschauerschicht vielleicht sogar traumatischen Filmerlebnis macht – und das, obwohl die ganz derben visuellen wie emotionalen Härten in der finalen Schnittfassung eigentlich unter den Tisch gefallen sind. Ab Seite 18 folgt dann noch eine Galerie mit Aushangfotos, die sich bis zum japanischen Poster durcharbeitet, so dass am Ende wieder 24 Seiten zusammenkommen.

Das Bild

2021 beauftragte Vinegar Syndrome eine 4K-Restauration vom 35mm-Kameranegativ und sorgte so für die UHD-Weltpremiere im Folgejahr. Wicked Vision nutzt dieses Master nun als Grundlage, ließ aber wie üblich über LSP-Medien ein neues Encoding anfertigen. Im Internet findet man Bildvergleiche zwischen beiden Fassungen, in denen auffällt, dass die deutsche Disc deutlich dunkler ausfällt. Die Vinegar-Fassung neigt stark zur Überstrahlung; Objekte drohen in den weißen Flächen oft aufgelöst zu werden.

Während die Wicked-Vision-Version im Direktvergleich umgekehrt auf den Standbildern fast wieder einen Tick zu dunkel aussieht, kann man das nicht vom bewegten Bild behaupten. Das wirkt nicht nur in Sachen Helligkeit perfekt austariert, sondern profitiert auch von den Vorzügen der 4K-Restauration: intaktes Filmkorn, enorme Plastizität und ein dynamischer Umgang mit Nacht-Tag-Sequenzen gehört zu den besonderen Qualitäten dieses Transfers. Auf der UHD kommt durch das Dolby Vision ein Mittendrin-Effekt hinzu, der vor allem in den ersten Minuten fast stärker einschlägt als 3D. Das sieht mal wieder alles ziemlich spektakulär aus.

Der Ton

Beim Ton kann man zwischen Deutsch und Englisch wählen. Beide Tonspuren werden als DTS-HD Master Audio 2.0 ausgewiesen, der deutsche Ton tendiert aber doch eher Richtung Zweikanal-Monoton; sollte es sich doch um Stereo handeln, ist es nicht besonders räumlich ausgefallen. Äußerst irritierend ist auch Will-Smith-Stammsprecher Jan Odle auf Joe Piscopo, aber das ist ja nichts Neues (Peter Griffin!). Wenn man keine völlige Abneigung gegen O-Ton hat, sei entschieden dazu geraten, diesen einzuschalten, denn da verteilen sich nicht nur die Ballereien, sondern jegliche Art von Hintergrundgeräuschen sowie die Musik dynamisch über die rechte und linke Seite.

Die Audiokommentare

Egal ob man sich für die UHD, die normale Blu-ray oder die DVD entschieden hat, die Audiokommentare bleiben keiner Käufergruppe verwehrt. Von der Vinegar-Syndrome-Disc konnte der englischsprachige Kommentar übernommen werden, in dem Regisseur Mark Goldblatt, Autor Terry Black und die Produzenten David Helpern und Michael L. Meltzer tiefere Einblicke in die Produktion liefern. Wie man es von einer solchen Runde direkt Beteiligter erwarten würde, wird das Geschehen auf dem Bildschirm seziert und stückweise mit Hintergrundinformationen aus erster Hand ausgestattet.

Mal geht es um die Finanzierung, mal um die Darsteller und ihr Zusammenspiel am Set, Kontinuitätsfehler und andere Mängel werden ebenso hervorgehoben wie die besten Momente, zu denen das Quartett einstimmig die Szene im China-Restaurant kürt, die dann auch gleich in eine enthusiastische Unterrichtsstunde über Spezialeffekte ausartet. Es ist hauptsächlich Goldblatt, der die Diskussion am laufen hält, aber wenn die Zeit reif ist, holen auch die anderen ihren Spickzettel mit Trivia hervor.

Für Wicked-Vision-Exklusivität sorgt erneut ein zweiter Kommentar mit dem ehemaligen Label-Mitarbeiter Laurent Ohmansiek und Dr. Kai Naumann. Die Diskussionsrunde der Filmemacher wird dadurch sinnhaft von einer filmwissenschaftlich bis filmnerdig geprägten Perspektive komplementiert. Nicht nur Naumann staunt nicht schlecht, wo Ohmansiek all seine Fun Facts ausgräbt, die nicht unbedingt in der Wikipedia stehen, aber das sind dann wohl die Benefits, wenn man durch den Job direkten Zugang zu Materialien und Kontakten aus dem Business pflegt.

Eine Überraschung ist es übrigens nicht, dass die Wahl für die gemeinsame Sitzung auf diesen Film gefallen ist, spielt doch schließlich Vincent Price eine Nebenrolle – das kann sich der Regisseur der jüngsten Price-Doku „The Vincent Price Legacy“ (2025) ja schließlich nicht entgehen lassen. Die Huldigungen spart sich das Doppel aber tatsächlich bis zum Finale auf, wenn Price etwas stärker in den Plot eingebunden ist. Bis dahin geht es um die Spezialeffekte (Naumann haut in diesem Zusammenhang etliche Fakten zur KNB Effects Group raus, die ihn offenbar ähnlich nachhaltig geprägt haben wie den Schreiber dieser Zeilen), Genre-Theorie und auch den Extended Cut, über den später noch zu sprechen sein wird. Bei allem Hintergrundwissen bleibt immer die Begeisterung für das Kino vordergründig, was die Unterhaltungen der beiden durchweg unterhaltsam geraten lässt.

Ultra-HD Blu-ray: Die Extras

Abgesehen von den Audiokommentaren beherbergt die UHD noch das Basisprogramm an Extras. In der Regel versteht man darunter den Trailer zum Film, der hier in vierfacher Ausfertigung vorliegt: einmal in Englisch, einmal in Deutsch, und zwar für jede Sprache jeweils einmal im Original und einmal im Recut, der sich vom Original dadurch unterscheidet, dass er auf Grundlage des frisch restaurierten Bildmaterials der Hauptfassung noch einmal nachgeschnitten wurde.

Bonus-Blu-ray: Die Extras – Promo-Material

Es gibt noch weiteres (Promo-) Filmmaterial, dieses ist allerdings nur auf der Blu-ray enthalten, die als zweite Disc beiliegt. Dazu gehört auch der 33-Sekunden-TV-Spot, der rein kategorisch eigentlich eng zu den Trailern gehört, aber trotzdem nicht auf der UHD gelandet ist – da blieb man wirklich streng. Das mag auch damit zu tun haben, dass der Spot offensichtlich eine Tape-Kopie ist, die mit ihrer verwaschenen Optik und dem Vollbildformat wirklich eher klassisches Bonusmaterial als Filmzubehör ist.

Zu den Basics im Wicked-Vision-Programm gehört natürlich auch immer die Bildergalerie, die mit fast 10 Minuten Laufzeit und mehr als 100 Bildern ziemlich üppig geraten ist. Mit an Bord sind etliche Artworks aus aller Welt, Szenenbilder und Hinter-den-Kulissen-Fotos sowie Storyboard-Skizzen. Dazu wird auf der Tonspur der orchestrale Score eingespielt.

Zu den interessantesten Boni gehören sicherlich die geschnittenen Szenen (17 Min.). Wie schon in den Audiokommentaren erwähnt wird, wurde einiges an Schnittmaterial produziert, welches aus Pacing-Gründen, aber auch der Freigabe wegen mehrfach umgeschnitten wurde, bis die finale Form entstanden war. Das hier vorliegende Material dürfte vor allem aus erstgenannten Gründen entfernt worden sein, hätte es das Tempo doch sehr ausgebremst und die Stimmung trübsinniger gemacht. Ein Großteil der Szenen besteht nämlich aus nachdenklichen Dialogen, in denen der Tod reflektiert wird. Zu den Highlights gehört sicherlich Linnea Quigleys Cameo als Stripperin in der Torte (alles nur ein Traum, versteht sich) sowie Dick Miller als nonchalanter Wachmann, eine Szene, von der man sich vermutlich ungerne getrennt hat. Die Szenen liegen in englischer Tonfassung mit deutschen Untertiteln vor, Musik wurde aber noch keine hinzugefügt. Das Bildmaterial weist VHS-Qualität auf und bemisst sich auf Vollbildformat.

Ein wenig versteckt findet man darüber hinaus noch weitere neun Minuten an alternativen Szenen. Die sind nämlich nicht etwa als eigener Menüpunkt aufgeführt, sondern starten automatisch am Ende des vorherigen Menüpunkts. Einleitend wird dazu folgende Texttafel eingeblendet:

Die nachfolgenden Szenen stammen von einer norwegischen VHS-Kassette und zeigen alternative Szenen, Handlungserweiterungen sowie einige Effektaufnahmen. Insgesamt sind sie sehr unspektakulär und haben zudem noch eingebrannte Untertitel.

Mit dem letzten Satz wollte man womöglich auch ein wenig möglichen Forderungen entgegenwirken, die Langfassung zur Hauptfassung zu machen, zumal sie auf einigen vorherigen Veröffentlichungen als Bonus enthalten war. Tatsächlich ereignet sich aber wenig Aufregendes in diesen Minuten. Die Leidtragende der Schnitte ist unter dem Strich vor allem Lindsay Frost, die im entfernten Material doch recht häufig zu sehen ist. Ansonsten kommt es auch öfter mal zu Überschneidungen mit dem vorherigen Block entfernter Szenen. Fraglich ist aber ohnehin, wie man das unscharfe Tape-Material mit eingebrannten Untertiteln nahtlos in die hochaufgelösten UHD-Inhalte hätte integrieren wollen.

Versteckt sind aber nicht nur die isolierten Szenen aus der norwegischen Fassung, denn ganz in der Nähe befindet sich noch ein weiteres Easter Egg. Dessen Fundort kann man auf Seite 2 dieser Besprechung nachlesen. Der Link befindet sich als „2“ ganz unten am Ende dieser Kritik.

Dann gäbe es da noch die „Archival EPK“ (6 Min.). Die Abkürzung steht für „Electronic Press Kit“ und beschreibt eine Art Video-Promo-Paket, das darauf ausgelegt ist, Journalisten, Vertriebspartnern und vergleichbaren Zielgruppen eine knappe Zusammenfassung aller Eckdaten des Filmprojekts zu vermitteln. Das geschieht hier in einer Mischung aus Filmausschnitten, B-Rolls und Interview-Segmenten. Piscopo beschreibt die Mixtur des Streifens ziemlich passend als Mischung aus „RoboCop“, „Lethal Weapon“ und „Night of the Living Dead“ – die entsprechenden Nachweise werden schließlich anhand eines actiongeladenen Best-Ofs geliefert.

MIFED Promo“ (2 Min.) klingt ebenfalls ein wenig kryptisch. Diese Abkürzung dürfte für „Mercato Internazionale del Film, der Documentario e del Multimedia“ stehen, eine heute nicht mehr existierende Handelsveranstaltung mit Sitz in Mailand. Im Grunde handelt es sich hier aber einfach um einen alternativ geschnittenen Trailer mit Off-Kommentator.

Bonus-Blu-ray: Die Extras – Interviews

Das wäre dann alles zum Promo-Paket. Die eigentlichen Extras der Scheibe haben wir damit aber noch gar nicht abgedeckt, denn die bestehen aus einem Block aus insgesamt sechs Interviews mit Beteiligten aus allen möglichen Abteilungen. Ganz oben auf der Liste steht natürlich Mark Goldblatt als verantwortlicher Regisseur (26 Min.). Dessen Prägung durch das Genre-Kino der 80er wird überdeutlich, als er von seinen Jobs an unzähligen Klassikern dieser Zeit erzählt. Man hört da jemandem zu, der dieses Kino in seinen Genen trägt. Auf „Dead Heat“ ist er recht stolz, bedauert allerdings so manche Zensurauflage und hätte das eine oder andere rückblickend lieber anders gelöst. Dennoch erinnert er sich gerne an die Dreharbeiten zurück, in denen er sich dank der Anwesenheit einer Ikone wie Vincent Price selbst teilweise wie ein Fanboy gefühlt habe. Bis zum heutigen Tag hält er außerdem Kontakt mit vielen Menschen, die an der Produktion beteiligt waren.

Visual-Effects-Spezialist Ernest Farino ist als nächstes an der Reihe (16 Min.). Wenn man nur einen Hauch von Begeisterung für die Effektarbeit der 80er Jahre übrig hat, dann hängt man dem Mann, der bei weitem nicht nur die ikonischen Title Credits aus „Terminator“ gezimmert hat, an den Lippen. Genau wie Goldblatt ist er mit dem visuellen Kino der 80er eng verbunden. Hier liefert er eine Zeitreise durch die größten optischen Momente dieser Epoche. Das bedeutet allerdings nicht, dass er ein hoffnungslos verklärter Nostalgiker wäre. Im Gegenteil; über viele Jahre hinweg attestiert er der technischen Entwicklung in diesem Bereich einen Stillstand, bis dann irgendwann Meilensteine wie „Jurassic Park“ kamen. Gerade in Bezug auf die Möglichkeiten des Compositings möchte er die alten Zeiten jedenfalls um keinen Preis zurückhaben.

Harvey Rosenstock ist der Cutter – eine auch nicht gerade uninteressante Position, um „Dead Heat“ zu kommentieren. Ihm geht es in seinem Gespräch (12 Min.) vor allem um die tonalen Aspekte des Streifens: Wie schafft man es, einen Hybriden aus Action, Horror und Komödie nicht auf eine Seite kippen zu lassen? Der Job des Cutters spielt hier eben eine entscheidende Rolle. Rosenstocks Arbeit wird an ein, zwei Fallbeispielen veranschaulicht, wobei die Regie des Features auch kreativ wird, indem sie einen „Jump-Cut-Counter“ einblendet.

Die Story von Second-Unit-Director Patrick Read Johnson (6 Min.) geht ins Ohr wie das erste Kapitel von einer dieser kitschigen amerikanischen Rags-to-Riches-Märchen. In enormem Sprachtempo schildert er, wie er als unerfahrener Kerl mit seinem Kleinwagen in Hollywood ankam, zur rechten Zeit am rechten Ort war, all seine Botenjobs immer mit Passion erledigte und sich so das Vertrauen der Produzenten und Regisseure erarbeitete, bis sich am Ende die Gelegenheit ergab, bei „Dead Heat“ ausgerechnet bei der Szene Regie zu führen, über die anschließend alle sprachen: Die Schlachttierszene. Das Interview endet ziemlich abrupt, aber wer wissen möchte, wie sich die Karriere bei Johnson anschließend entwickelte, kann ja mal einen Blick in die imdb werfen.

Das Interview mit Make-Up-Effects-Artist Steve Johnson (11 Min.) stammt dann ausnahmsweise nicht aus dem Vinegar-Syndrome-Bestand, vielmehr handelt es sich um einen Ausschnitt aus der selbst produzierten „The Vincent Price Legacy“-Dokumentation, die ihre Kinopremiere zwar schon hinter sich hat, bisher aber noch auf einen physischen Release wartet. Dementsprechend geht es auch um Abdrücke, die Johnson von der damals noch lebenden Legende des Horrorfilms nehmen durfte. Insgesamt empfindet er die Effektarbeit am Film im Gegensatz zum Großteil von Kritik und Publikum eher schlampig als großartig, aber es kommt durch, dass er den Kult-Aspekt wohl schon irgendwie nachvollziehen kann. Was seine eigenen Errungenschaften angeht, nimmt er für sich in Anspruch, einer der ersten, wenn nicht sogar der Erste gewesen zu sein, der auf die Idee kam, Verwesungsstufen bei Filmleichen per Airbrush-Technik zu simulieren.

Komponist Ernest Troost (8 Min.) macht den Deckel drauf – allerdings nicht vor der Kamera, denn er tritt lediglich als Off-Erzähler seiner eigenen Geschichte über einem eingeblendeten Standbild aus dem Film auf. Dabei erläutert er, woher die starken Noir-Anleihen in seiner Musik stammen und wieso seine Kompositionen nicht dem flapsigen Ton des Filmes folgen, sondern eher auf den Kontrast des Düsteren und Geheimnisvollen setzen.

Fazit

Dass „Dead Heat“ eher ein Prestige-Titel im Wicked-Vision-Programm ist, spiegelt sich auch an der Aufmachung: Trotz der beachtlichen Vorarbeit von Vinegar Syndrome gab man sich mit dem angelieferten Material nicht zufrieden, sondern optimierte noch einmal das Bild und produzierte zusätzliche Extras. Darüber hinaus wird mit der Veröffentlichungsstrategie parallel auf drei Medien in den unterschiedlichsten Editionen die volle Breitseite gefahren, in der hoffentlich nicht unbegründeten Annahme, zusätzliche Käuferschichten außerhalb der Stammkundschaft zu generieren. Denn „Dead Heat“ eignet sich durchaus für die Wiederentdeckung durch eine neue Generation von Actionfreunden.

Sascha Ganser (Vince)

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