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Hitler: Der Aufstieg des Bösen

Originaltitel: Hitler: The Rise of Evil__Herstellungsland: USA/Kanada__Erscheinungsjahr: 2003__Regie: Christian Duguay__Darsteller: Robert Carlyle, Stockard Channing, Jena Malone, Julianna Margulies, Matthew Modine, Liev Schreiber, Peter Stormare, Friedrich von Thun, Peter O’Toole, Zoe Telford, Terence Harvey, Justin Salinger, Thomas Brodie-Sangster u.a.
Hitler: Der Aufstieg des Bösen

Mit zwei Emmys prämiertes Biopic von Christian Duguay: „Hitler: Der Aufstieg des Bösen“

Christian Duguay („Hydrotoxin – Die Bombe tickt in dir“) wechselte im Laufe seiner Karriere immer wieder zwischen Produktionen für den Kino-, Video- und Fernsehmarkt, mit unterschiedlicher Resonanz, wobei seine zweifache Emmy-gekrönte TV-Biographie zu Hitlers Aufstieg sicherlich zu den am besten aufgenommenen zählt.

Obwohl sich „Hitler: The Rise of Evil“ allein auf die Jahre vor der Machtübernahme konzentriert und konsequent im Jahr 1934 endet, ist das immer noch viel Material, das Duguay in rund drei Stunden Laufzeit unterzubringen hat. So werden die Kindheit und Jugend Hitlers im Schnelldurchlauf abgehandelt, auch seine vergeblichen Versuche ein Studium an einer Kunstakademie anzufangen sowie seine Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg werden auf das Wesentliche verkürzt. Wobei das Wesentliche hier nicht allein die historischen Fakten sind; einige Freiheiten nimmt sich der Film zugunsten von Dramaturgie, spekuliert gerade über Hitlers Privatleben, auch wenn sich der Rahmen recht genau an historischen Ereignissen abarbeitet.

Als junger Mann kommt Adolf Hitler (Robert Carlyle) nach München und soll dort Informationen über die Deutsche Arbeiterpartei sammeln. Doch Hitler ist alsbald beeindruckt von der Bewegung und macht dort selbst Karriere…

Hitler: Der Aufstieg des Bösen

Robert Carlyles ahmt Hitlers Mimik und Gestik eindrucksvoll nach

„Hitler: The Rise of Evil“ ist ein gelungener TV-Film, muss aber auch mit den Limitierungen seines Formats kämpfen: Keine Widescreenbilder und ein begrenztes Budget für Ausstattung und Locations machen die Größe mancher Szene nur ansatzweise erfahrbar. Egal ob Putschversuche, Reichstagsdebatten oder Massenaufläufe, Duguay muss mit seinen Mitteln haushalten, kann aber gut kaschieren, dass er hier nicht so ausschweifend wie bei einer Kinoproduktion arbeiten konnte. Dass diese amerikanische-kanadische Produktion größtenteils in Tschechien und nicht in Deutschland gedreht wurde, kann Duguay nicht immer ganz verschleiern, meist jedoch effektiv davon ablenken, dass hier nur nachgebaut und nachgestellt wurde.

Ein Vorteil des TV-Formats dagegen ist die Länge des Films, der selbst in seiner dreistündigen Form recht zackig die Stationen von Hitlers Aufstieg abarbeitet, seine persönliche Seite ebenso behandelt wie seine Beziehung zu verschiedenen anderen Akteuren: Sein Unterstützer Ernst Hanfstaengl (Liev Schreiber) und dessen Frau Helene (Julianna Margulies), der Journalist Fritz Gerlich (Matthew Modine), der in seinen Artikeln vor der Gefahr warnt, die von Hitler ausgeht, Ernst Röhm (Peter Stormare), der spätere SA-Anführer und Hitlers Mann fürs Grobe, seine Nichte Geli (Jena Malone), um nur die wichtigsten zu nennen. Dabei überschneiden sich Politisches und Privates, denn Hitler interessiert sich geradezu obsessiv für Helene wie auch später für Geli, so wie auch sein privater Judenhass, sein Machstreben und seine Paranoia prägend für seine Politik werden. Tatsächlich balanciert Duguay sein Panoptikum an Figuren überraschend gut aus, behält aber stets einen nüchternen Ton: Emotionen wie Wut, Trauer oder Liebe finden rein zwischen den Figuren statt, der Zuschauer bleibt als reiner Beobachter auf Distanz, was sicher etwas trocken ist, gleichzeitig aber bei der Beurteilung des historischen Geschehens ausgesprochen hilfreich ist.

Hitler: Der Aufstieg des Bösen

Ernst Hanfstaengl (Liev Schreiber) folgt Hitler und dessen Partei

Denn dadurch, dass Duguay nie große Sympathien oder Antipathien aufbaut, folgt der Zuschauer interessiert dem Weg in die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts, stets mit der Frage (aus heutiger Sicht) konfrontiert, warum kaum jemand erkannte bzw. früh genug erkannte, woraufhin Hitlers Politik hinauslief, warum kaum Versuche unternommen wurden ihn zu stoppen und meist dann, wenn es schon zu spät war. Wie Hitler die Massen für sich gewann, wie geschickt seine Rhetorik ansetzte und wie er seine Gegner (nicht nur) mundtot machen zu wusste, aber auch wie ineffektiv die Gegenmaßnahmen seiner Opponenten waren. So erzeugt Duguay trotz oder gerade wegen seiner Trockenheit und Distanz, seines Abarbeitens von Stationen einen Sog, der den Aufstieg des späteren Diktators näherzubringen weiß.

Dabei profitiert er von der Darstellung Robert Carlyles („The Tournament“), der optisch vielleicht nicht die naheliegendste Wahl war, dies aber durch eine hervorragende Imitation von Hitlers Redeweisen, Manierismen und Bewegungen wettmacht, der das entsprechende Charisma mitbringt um die Sogwirkung begreifbar zu machen, die der größenwahnsinnige Diktator auf die Menschen in der Weimarer Republik hatte. Stark sind auch die Darbietungen von Peter Stormare („Tokarev“) und Liev Schreiber („The Last Days on Mars“), Jena Malone („Inherent Vice“) schlägt sich trotz wenig Screentime recht wacker, was man aber auch über Peter O’Toole („Jeanne d’Arc – Die Frau des Jahrtausends“) in der Rolle des Paul von Hindenburg sagen kann. Matthew Modine („Transporter – The Mission“) ist bisweilen etwas blass, überzeugt aber auch, während Julianna Margulies („Ghost Ship“) in ihrer stets etwas distanziert wirkenden Rolle den wenig bleibendsten Eindruck in dem recht prominenten Ensemble hinterlässt.

„Hitler: The Rise of Evil“ ist kein klassischer erzählter, figurenzentrierter und auf Spannung oder Emotionen fokussierter Film, sondern eine quasidokumentarische Nachstellung der titelgebenden Aufstiegs – gewissen künstlerischen Freiheiten in Sachen Faktendeutung zum Trotz. Mit den TV-typischen Limitierungen in Sachen Budget und Look weiß Duguay allerdings umzugehen, sein Hauptdarsteller Robert Carlyle verkörpert Hitler beeindruckend und trotz einiger Längen zieht der TV-Film in seinen nüchternen Art in seinen Bann.

Die deutsche DVD von Universal ist mit FSK 12 ungekürzt und enthält als Bonusmaterial Texttafeln zum Zeitgeschehen und den im Film gezeigten Personen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universal__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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