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Mutiny

Originaltitel: Mutiny__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Jean-François Richet__Darsteller: Jason Statham, Annabelle Wallis, Roland Møller, Ramon Tikaram, Chaneil Kular, Simon Kluth, Jason Wong u.a.
Mutiny

In „Mutiny“ von Jean-François Richet müssen sich Jason Statham und Annabelle Wallis mit Schurken auf einem Frachtschiff herumschlagen

Jason Statham ist eine Konstante. Neben Gerard Butler ist er wohl der einzige Actionstar, der noch regelmäßig im Kino reüssiert, in Mid-Budget-Produktionen. Sogar die Regisseure teilen sie sich: Ric Roman Waugh dirigierte erst Butler in „Angel Has Fallen“, „Kandahar“ und den „Greenland“-Filmen, dann Statham in „Shelter“, nun arbeitet Statham mit Jean-François Richet, dem Regisseur des Butler-Vehikels „Plane“, für „Mutiny“ zusammen.

Dass Protagonist Cole Reed eine typische Jason-Statham-Figur ist, dürfte keinen Fan des Actionstars verwundern. Cole ist Ex-Polizist und arbeitet als Leibwächter für den Reeder Tibu Campallo (Ramon Tikaram). Dass später im Film noch mehr über eine Militärvergangenheit Coles herauskommt, ist dann höchstens für Statham-Neulinge eine Überraschung, sonst ist der Mann hier der Loner und abgebrühte Profi, den man kennt. Seitdem er Tibu einst das Leben rettete, gehört er quasi zur Familie und wird ebenso wie dessen leiblicher Sohn Kameron (Chaneil Kular) mit einer Uhr beschenkt, als die Campallos ihre Firma KMG veräußern. Als gedungene Mörder Cole und Tibu auf dem Rückweg von der Veranstaltung attackieren, macht Cole kurzen Prozess mit diesen, auch das ist klassischer Statham.

Tibu überlebt den Angriff allerdings nicht, einige der Täter sind eigentlich Polizisten, weshalb Cole bald von den Hintermännern als angeblicher Schuldiger hingestellt wird. Bei einem toten Angreifer findet der harte Hund Papiere, die ihn als Crew-Mitglied des KMG-Frachters Artemis ausweisen. Cole schleicht sich an Bord, während er seine Vertrauten anweist Kameron zu beschützen, da dieser das nächste Ziel sein könnte. Derweil wird Angie Ellis (Annabelle Wallis) wegen eines Personalausfalls als dritte Offizierin an Bord der Artemis beordert. Damit es etwas menschelt, will diese nicht, weil sie ihrer Tochter versprochen hat am Wochenende zu Hause zu sein, aber die Firma hat immer Recht, deshalb ist es Essig mit dem Familienbesuch.

Bei seiner Recherche findet Cole einen Container, in dem chinesische Flüchtlinge geschmuggelt werden. Kurz nach ihm stößt auch Angie auf das dunkle Geheimnis des Frachters, doch die Verantwortlichen haben kein Interesse daran, dass ihre Taten auffliegen, und machen Jagd auf die beiden…

Schaut euch den Trailer zu „Mutiny“ an

Ein Mann gegen eine Übermacht auf einem abgezirkelten Raum, mit etwas Hilfe, aber fast auf sich allein gestellt – „Mutiny“ verströmt leichte „Stirb langsam“-Vibes, durch den Schauplatz kommt noch ein „Alarmstufe: Rot“-Feeling auf, auch wenn das Schiff im Gegensatz zu anderen „Die Hard“-Rip-Offs nicht erst besetzt werden muss, sondern von Anfang an in der Hand der Verbrecher ist. Dass die Crew samt und sonders mit drinhängt und der griesgrämige, stark tätowierte Kapitän Marko Madsen (Roland Møller) deren Anführer ist, ahnt man schon beim frostigen Empfang Angies und dies verdichtet sich zur Gewissheit, als der Captain etwas nebulös auf die Entdeckung der geschmuggelten Menschen reagiert.

Auch sonst sind Überraschungen in „Mutiny“ eher dünn gesät: Ein Drahtzieher des Ganzen wird früh gezeigt, eine weitere Plotentwicklung zu den Hintergründen des Attentats sieht man schon meilenweit kommen, da die verantwortliche Person jene ist, von der man es von Anfang erwartet – höchstens deren Motive sind eine leichte Variation der Erwartungen, aber eben nur eine leichte.

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Cole Reed (Jason Statham) und Angie Ellis (Annabelle Wallis) müssen gemeinsam ums Überleben kämpfen (Copyright: Leonine/Lionsgate/Dan Smith)

Auch sonst ist das Handwerkerware nach dem Einzelkämpferbauplan. Cole schleicht durch das Schiff und dezimiert die Schurken, man ruft um Hilfe, ist aber weitestgehend auf sich allein gestellt. Ein paar Dialoge zu Coles Vater und Angies Tochter sollen den archetypischen Figuren etwas mehr Profil verleihen, wirken aber bemüht. Doch das Drehbuchduo aus J.P. Davis („The Contractor“) und Script-Debütant Lindsey Michel versucht erfreulicherweise nicht zu sehr aus dem Film mehr zu machen, als er letztendlich ist.

So bleibt „Mutiny“ ein angenehm schlanker 90-Minüter ohne viel Fett auf den Rippen, der zwar komplett nach Schema F funktioniert, aber dabei nicht über Gebühr aufgeblasen wird. So wird die Partnerschaft zwischen Cole und Angie auch nicht zur Liebesgeschichte aus dem Nichts überhöht, sondern sie arbeiten einfach zusammen im Überlebenskampf. Auch sie hat eine Vergangenheit bei der Marine, allerdings ohne Kampferfahrung, sodass an Coles Einzelkämpferstatus nicht gerüttelt wird, sie aber für technische Aspekte wie die Bedienung des Notrufs zuständig ist.

Regisseur Richet erreicht zwar nicht die Qualitäten seines famosen „Assault on Precinct 13“-Remakes, weiß das Gebotene aber kompetent umzusetzen, gerade mit seiner Rauminszenierung, etwa wenn sich Cole durch Anker- und Luftschächte fortbewegt, um den Häschern zu entkommen oder sie zu überraschen. Der Handlungsort des Schiffes wird ausgenutzt, beispielsweise wenn eine Wunde in einem lauten Maschinenraum versorgt wird, damit niemand die Schmerzensschreie hört. Erfreulicherweise breitet das Drehbuch solche Begründungen nicht im Dialog nochmal aus, sondern „Mutiny“ lässt sein Publikum diese Schlüsse selbst ziehen. Anderes muss man dagegen unter Actionfilmlogik verbuchen, etwa wenn Angie einen Widersacher mit einer Glasscherbe niedersticht und anschließend ein Gewehr bedienen kann, anstatt sich selbst die Hände komplett zerschnitten zu haben.

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Kapitän Marko Madsen (Roland Møller) will keine unliebsamen Mitwisser (Copyright: Leonine/Lionsgate)

Bei der Action verhalten sich Richet, sein Stunt Coordinator Steve Griffin („Aquaman: Lost Kingdom“) und sein Fight Choreographer Godefroy Ryckewaert („The Crow“) ökonomisch. Der Hinterhalt gibt einen Vorgeschmack auf Coles Fähigkeiten, die einfallsreichsten Set Pieces sind die erste und die letzte Actionszene auf dem Schiff. Zuerst gibt es am Flüchtlingscontainer einen schick choreographierten Nahkampf, der die Enge des Raums ebenso einbezieht wie die kreative Verwendung eines Schlosses als Waffe.

Im Showdown nutzt Cole erst die räumlichen Gegebenheiten eines Treppenhauses zu seinem Vorteil, danach folgt ein Mano-a-Mano-Kampf mit Kampfmesser, Feueraxt, Schiffshaken und Harpune. Da fällt dann weniger auf, dass die Nahkämpfe und Schusswechsel dazwischen eher handelsüblich und schnell vorbei sind. Hinzu kommen ein paar kreative Kills, etwa wenn Cole einem Gegner das Genick via Türzuschlagen bricht oder den Oberlump gebührend aufspießt. Mengenmäßig ist die Action nicht im Übermaß vorhanden, aber es geht regelmäßig rund, auch wenn das Dazwischen etwas weniger aufregend als in den großen Vorbildern ist.

Jason Statham („A Working Man“) spielt hier seine gewohnte Rolle, hier etwas weniger nuanciert als zuletzt in „Shelter“, aber das, was er macht, das macht er gewohnt souverän. Der Mann ist sich seiner Nische, seiner Qualitäten und auch seiner Limitierungen bewusst. Annabelle Wallis („Mercy“) schlägt sich wacker, auch wenn alle Szenen, in denen sie über ihre Tochter reden muss, wahnsinnig bemüht wirken, aber das mag auch dem Drehbuch geschuldet sein. Roland Møller („Black Lotus“) hat eine Charisma-Fresse, die ihn als Schurken prädestiniert und damit ist auch die halbe Miete eingefahren, denn viel Profil bekommt sein Fieslingscaptain nicht an die Hand. Aber der Mime kann das angemessen böse spielen, sodass er vielleicht nicht in die Topklasse der Actionbösewichte aufsteigt, aber eine solide Performance abliefert. Der Rest vom Fest sind bessere Statisten, auch Ramon Tikaram („Jupiter Ascending“), Chaneil Kular („Accused“) und Simon Kluth („Die drei ???: Toteninsel“) in nominell wichtigeren Rollen.

„Mutiny“ mag innerhalb der Jason-Statham-Solo-Vehikel kein „Homefront“ oder kein „Cash Truck“ sein, übertrifft die jüngeren Outputs des Actionstars aber. Vor allem dank Richets sauberer Regie ist das solide Routine mit „Die Hard“-Einflüssen, angenehm temporeich und kurzweilig, mit einigen gelungenen Kampfeinlagen, die einen über den handelsüblichen, vorhersehbaren Plot und viele Stereotypen aus dem Genre-Setzbaukasten hinwegsehen lassen.

Leonine bringt „Mutiny“ am 27. August 2028 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Eine ebenfalls bei der FSK eingereichte gekürzte Fassung hat eine Freigabe ab 16 erhalten und kommt wohl erst im Home-Entertainment-Bereich zum Einsatz.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Leonine__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 27.8.2026 in den deutschen Kinos

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