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Jupiter Ascending

Originaltitel: Jupiter Ascending__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Andy Wachowski, Lana Wachowski__Darsteller: Channing Tatum, Eddie Redmayne, Mila Kunis, Sean Bean, James D’Arcy, Douglas Booth, Terry Gilliam, Tuppence Middleton, Vanessa Kirby, Maria Doyle Kennedy, Christina Cole u.a.
Jupiter Ascending

Die Matrix-Macher verheben sich mit ihrem Fantasy-Märchen “Jupiter Ascending”

„Jupiter Ascending“ beginnt mit einem Einblick in das Leben von Jupiter Jones. Eine immer stylische, niemals schwitzende und nie zu normal aussehende Putzfrau, die von der Routine ihres Jobs und ihrem Leben im Allgemeinen angeödet ist. Das ändert sich, als der Außerirdische Caine ihren Weg kreuzt. Wobei kreuzen die pure Untertreibung ist, denn der Genmix aus Menschlein und Wolf rettet die junge Dame vor ein paar garstigen Gestalten und flieht fortan mit ihr vor dem Auftraggeber der finsteren Gesellen. Der flaniert derweil über einen ausgestorben wirkenden Planeten und faselt etwas von irgendeiner Ernte. Und schon früh im Film kratzt sich der Zuschauer am Kopf und fragt sich, was hier Phase ist. Einige Actionmomente später darf dann Sean Bean („Die Stunde der Patrioten“) als Caines ehemaliger Weggefährte Stinger die bisher erlebte Geschichte zusammenfassen. Zum Glück, möchte man fast meinen. Dass „Jupiter Ascending“ Sean Bean im Grunde nur braucht, damit er dem Zuschauer die wirre Story erklärt, ist dann freilich ein einziges Armutszeugnis für das zugrundeliegende Drehbuch.

Das nimmt nun ansatzweise „Fahrt“ auf, auch wenn man das große Ganze nie so wirklich rafft. Irgendwie geht es um eine außerirdische Herrscherfamilie mit dem Namen Abrasax, die mit ihrem Volk von Welt zu Welt zieht und deren zumeist humanoide Einwohner als eine Art Jungbrunnen-Elixier benutzt. Nun ist die Mutter der Familie dann irgendwann doch verstorben und die verbliebenen Kinder Balem, Titus und Kalique streiten sich um die Thronfolge. Blöderweise ist der Genpool der Mutter ausgerechnet und irgendwie (fragt nicht wie) in Jupiter Jones gelandet. Also wird die Putzfrau zum Zünglein an der Waage für die Herrscherfrage. Und zur letzten Instanz, die unsere Erde vor der Auslöschung bewahren kann. Denn diese soll als nächstes als Jungbrunnen für die Außerirdischen herhalten…

Jupiter Ascending

Die Putzfrau und der Wolfsmensch…

Jupiter und Caine hetzen nun von Welt zu Welt und von Raumschiff zu Raumschiff und nichts davon will irgendwie Sinn ergeben. Interessieren will einen das jeweils dargebotene Kasperletheater an den jeweiligen Schauplätzen auch nicht. Da will Titus Abrasax Jupiter heiraten und dann meucheln, um die Erdenbewohner ernten zu können. Der andere, Balem, versucht es mit Erpressung und diversen Mordanschlägen. Und die einzige mögliche Thronerbin, Kalique, badet mal eben in menschlichen Genen und taucht hernach nie wieder im Film auf. Sean Bean wechselt im weiteren Verlauf des Filmes so schnell und unmotiviert die Seiten, dass dem Zuschauer schier schwindlig wird. Und als wäre das nicht schon genug Dummfug, wollen uns die Wachowski-Geschwister auch noch weismachen, dass zwischen dem total gelangweilt wirkenden Channing Tatum („White House Down“) als Caine und der permanent mit weit aufgerissenen Augen durch die Kulissen stolpernden Mila Kunis („Ted“) als Jupiter eine große Liebe aufbrandet.

Zwischendurch bekommt der Zuschauer Weisheiten serviert wie „Bienen lügen nicht!“ Das ist kein Scherz, leider! Kein Scherz ist auch, dass keine der Figuren irgendwie mit einem stimmigen Background versehen wird. Was die Darsteller abseits der überforderten Hauptdarsteller Tatum und Kunis mit wirklich erbarmungswürdigen Performances quittieren. Absoluter Tiefpunkt ist dahingehend der teils wild chargierende Eddie Redmayne. Ebenjener Redmayne, der aktuell für seine Leistung in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ diverse Preise abgreift und von den Kritikern hofiert wird. Vor allem seine Versuche, stimmlich eine Art „Pate des Weltraums“ zu entwerfen, sind schlichtweg peinlich. Weshalb man seinen Übelwicht auch zu keiner Sekunde ernst nehmen kann. Und seine Henchmen funktionieren noch weniger, da sie noch bescheuerter agieren als Redmaynes’ Balem. Eine witzige Randbemerkung ist Terry Gilliams („12 Monkeys“) Kurzauftritt wert. Vor allem deshalb, weil genau dieser Kreative seine eigenen, vor Fantasie und Details überbordenden Filmwerke schon länger nicht mehr gebändigt bekommt. Den Wachowskis ergeht es in „Jupiter Ascending“ nun sehr ähnlich…

Denn man kann es nicht anders sagen: „Jupiter Ascending“ ist in Sachen Storytelling und Schauspiel ein einziger Kollateralschaden. Zwar blitzen immer mal wieder Momente auf, in denen die Wachowskis wirklich zu erzählen beginnen (Das Geschwurbel um die storybezogen sehr wichtigen Gene sei genannt), doch sie bleiben immer in Ansätzen stecken und irgendeine dumme Folgeszene macht dann sowieso alle Bemühungen wieder zunichte. Auch klingen in den interessanteren Momenten immer wieder Anleihen bei dem eigenen Meisterwerk „Matrix“ durch, was wenig kreativ wirkt.

Jupiter Ascending

Große Bilder beherrschen die Wachowskis zweifelsohne.

Apropos Matrix: Mittels famoser, oscargekrönter technischer Finessen hoben die Wachowskis hier die Darstellung von Action auf ein ganz neues, innovatives Level. In der Folge kam kaum ein Actionfilm, der etwas auf sich hielt, ohne die Bullet-Time aus. Von diesem Willen zur Innovation ist in „Jupiter Ascending“ wirklich gar nichts mehr zu spüren. Es wirkt, als hätten die beiden Filmemacher alles in den Film reinpacken wollen, was sie cool finden: Ein paar Mangagirlies hier, coole Zeitlupen da und mittendrin irre Flugvehikel, die in wilde Raumschlachten verwickelt werden. Ganz obendrauf ein Held, der in wirklich jeder Actionszene seine Hoover-Stiefel anschaltet und im Skaterschritt aus der Bredouille surft. ABER: Das ist alles nicht halb so cool, wie die Wachowskis vermutlich dachten. Der tumbe, arg dümmlich gezeichnete Skaterboy Caine, der obendrein echt Panne ausschaut, ist letztlich sogar das genaue Gegenteil von cool. Und die Action ist in ihrer Gesamtheit kein Deut besser. Es fehlt jeglicher Impact, es geht alles viel zu schnell und die zunächst noch halbwegs physische Action wird mehr und mehr zu dem immergleichen Blitzlichtgewitter sich gegenseitig beharkender Flugobjekte…

Eines jedoch, dass kann man „Jupiter Ascending“ bzw. seinen Machern nicht in Abrede stellen: Der Film sieht fantastisch aus. Zugegeben, nicht jeder Effekt ist blitzsauber, aber im Großen und Ganzen ist der Film schon eine gewaltige Leistungsschau der Rechnerparks in Hollywood. Auch in Sachen Ausstattung ist „Jupiter Ascending“ einfach nur bombastisch: Die aufgetragenen Kostüme, die Frisuren, die Masken, das Design der Räumlichkeiten und Fluggeräte… das Techno-Märchen atmet eine Dekadenz, die ihresgleichen sucht. Und einen irgendwann auch ziemlich überfordert.

Jupiter Ascending

Die sich ständig verändernden Raumvehikel sind ein echte Schau!

„Jupiter Ascending“ ist in der Folge die filmgewordene Entsprechung eines Wimmelbildes. Er fließt über vor Details, Ideen und Informationen. Einzig dem Wimmelbild fehlt ein Rahmen. Ein Rahmen, der die Ideen und die Story in Form bringt, ihnen Grenzen setzt und sie auf ein vernünftiges Maß reduziert. Die Folge ist die totale Reizüberflutung, die letzten Endes keinen wirklichen Sinn macht. Und immer wieder stolpert man über neue Problemherde. Will zunächst die Story nicht greifen, fallen einem bei deren Anrollen sofort die desolaten Figuren auf. Versucht die Action das zu übertünchen, wird sie von Redundanzen ausgebremst und leidet an ihrer Künstlichkeit und Unübersichtlichkeit. Und wenn am Ende mal eben ein ganzer Planet zerstört wird, schaut man nur gelangweilt dem Treiben zu. Klar, es kracht und knallt an allen Ecken und die hochnotpeinliche Liebesgeschichte hat Pause, aber die agierenden Figuren sind einem total egal, die Handlung hat sich längst aus dem Film verabschiedet, der Bösewicht geht einem nur noch auf den Senkel und Held Caine zündet seine Hoover-Stiefel. Immer und immer wieder… Dazu tönt ein Score, der derart nach „Matrix 2 und 3“ klingt, dass man beinahe wehmütig an die viel gescholtenen, deutlich unterhaltsameren und kurzweiligeren Wachowski-Kopfgeburten zurückdenken muss.

Der Film läuft seit dem 5. Februar 2015 in den deutschen Kinos, ist ab 12 freigegeben und kommt von Warner Bros. Den 3D-Aufschlag kann man sich in jedem Fall sparen, da das 3D maximal in ein oder zwei effektlastigen Momenten zum Tragen kommt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 5.2.2015 in den deutschen Kinos

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