| Originaltitel: Poltergeist III__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Gary Sherman__Darsteller: Heather O’Rourke, Tom Skerritt, Nancy Allen, Zelda Rubinstein, Lara Flynn Boyle, Kipley Wentz, Richard Fire, Nathan Davis, Roger May, Paul Graham, Meg Weldon, Stacy Gilchrist, Joey Garfield, Christian Murphy, Roy Hytower, Meg Thalken, Dean Tokuno u.a. |


„Poltergeist III“ erscheint als 83. Ausgabe der „Limited Collector’s Edition“.
Wie stille Resignation wirkt der Entschluss, die Fertigbausiedlung Richtung Großstadt zu verlassen, obwohl sie so essenziell für die ersten beiden Poltergeist-Filme gewesen ist. Die Kontinuität, an die sich „Poltergeist II – Die andere Seite“ trotz etlicher Rückschläge noch hoffnungsvoll geklammert hatte, war ohnehin passé, als Julian Beck, das neu entdeckte Gesicht der Franchise, nur wenige Wochen nach Abschluss der Dreharbeiten an seinem Magenkrebsleiden verstorben war, das die Gesichtszüge ironischerweise überhaupt erst so geformt hatte, dass es zur Marke werden konnte. Die allerletzten Hoffnungen auf einen homogenen Trilogie-Abschluss mussten mit Will Sampson ein Jahr später begraben werden, als er im Sommer 1987 eine Herzoperation nicht überlebte. „Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen“ sucht seinen Frieden nun also in einem Umzug samt Neuanfang, den Koffer notdürftig gepackt mit den letzten Andenken in Person der verbliebenen Stammkräfte Heather O’Rourke und Zelda Rubinstein.
Dass sich nicht nur Steven Spielberg und Tobe Hooper, sondern auch die Autoren Michael Grais und Mark Victor inzwischen neuen Abenteuern zugewandt hatten, damit also alle künstlerischen Verantwortlichen der bisherigen Filme zur Vergangenheit geworden waren, ist auf Anhieb spürbar. Man muss „Poltergeist III“ einen massiven stilistischen Bruch in jeder Hinsicht attestieren. Gary Sherman (Lisa – Stimme des Todes, Gesucht – Tot oder lebendig), der sich im Action- und Horrorbereich damals durchaus schon einige Sporen verdient hatte, bemüht sich in seiner Doppelfunktion als Regisseur und Drehbuchautor (in Kooperation mit seinem früheren Weggefährten Brian Taggert), zu retten, was zu retten ist, und setzt auf radikale Neuausrichtung.

Carol Anne Alone in Chicago.
Die läuft zumindest in Bezug auf die Story jedoch holprig an. Dass Hauptfigur Carol Anne, die nach den vergangenen Ereignissen hochgradig traumatisiert sein müsste, von den Eltern zu Tante und Onkel nach Chicago geschickt wird, um die Ereignisse zu verarbeiten, klingt nach einer äußerst fadenscheinigen Entschuldigung dafür, dass man vermutlich JoBeth Williams und Craig T. Nelson nicht mehr für das Projekt gewinnen konnte. Für nahezu gleichwertigen schauspielerischen Ersatz wird immerhin mit Tom Skerritt (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt) und Nancy Allen (RoboCop) gesorgt, ergänzt um den kommenden Twin-Peaks-Jungstar Lara Flynn Boyle in ihrer ersten Kinorolle, die gegenüber ihrem direkten Vorgänger Oliver Robins leichtes Spiel hat. Nichtsdestotrotz wirkt das gesamte Ausgangsszenario von vornherein befremdlich.
O’Rourke, die in den ersten beiden Filmen eher wie ein frei bedienbares Plot Device als wie ein vollwertiger Charakter mit emotionalen Ausprägungen wirkte, was sicherlich auch von ihrer puppenhaften Ausstrahlung samt schlohweißem Haar herrührt, findet sich auf einmal in einer Charakterrolle wieder und muss Szenen selbst antreiben anstatt einfach nur koordiniert zu werden. Mit der gewonnenen Erfahrung von zwölf Lebensjahren, von denen sie immerhin die Hälfte mit der „Poltergeist“-Reihe verbracht hatte, scheint ihr diese Verantwortung zunächst erstaunlich wenig Probleme zu bereiten. Forsch übernimmt sie die Initiative, reißt schlagfertige Sprüche und wird nicht mehr ausschließlich aufgrund ihrer ungewöhnlichen äußeren Erscheinung, sondern auch durch ihr Handeln zum Mittelpunkt jeder Szene. Im Grunde liefert sie genau das, was der Regisseur braucht, um den Fokus ganz auf seine Hauptdarstellerin ausrichten zu können… dem wäre zumindest so, würde ihr Schauspiel dabei doch bloß nicht so unglücklich ausfallen.

Wer sagt, dass es in der Hölle heiß sein muss?
Das mag zu gewissen Teilen bereits auf ihre Krankheit zurückzuführen sein, die kurz nach Dreharbeiten während einer Not-OP ihr Leben forderte und eine unglückliche Tradition der Franchise zu ihrem traurigen Höhepunkt führte. Teilweise jedoch hat es auch mit Skript und Schauspielführung zu tun, denn die Glaubwürdigkeit ihrer Entwicklung hält genaueren Betrachtungen kaum stand. Die lockere Art, mit der sie das Mobbing von Mitschülern und sogar manch unabsichtliche Verletzung durch näherstehende Bezugspersonen abwinkt, passt nur bedingt zur Figurenanlage und steht auch der Köderfunktion im Weg, in die Sherman sie im weiteren Verlauf doch wieder zwängt.
Ihr frei wirkendes Verhalten wirkt nämlich nicht nur aufgrund ihrer Vergangenheit äußerst fragwürdig, sondern auch zunehmend dadurch, dass sie schließlich doch wieder zum Objekt eines Tauziehens zwischen Dies- und Jenseits reduziert wird, bei dem diesmal unter anderem auch die Wissenschaft mitmischt. Richard Fire gibt in diesem Zusammenhang die vielleicht radikalste Übertreibung eines wissenschaftlichen Rationalismus zum Besten, die man jemals in einem übernatürlichen Horrorfilm gesehen hat, insofern, als dass er völlig unerklärliche Phänomene kurzerhand zur Massenhypnose umdeutet, ohne im Rahmen der übernatürlichen Prämisse je auch nur für einen Moment das eigene festgefahrene Weltbild in Frage zu stellen.
Was die erwähnten Phänomene angeht, vollzieht „Poltergeist III“ innerhalb einer ohnehin von Spezialeffekten geprägten Reihe die wohl auffälligste Wende. Der bisher verfolgte Kurs der Fleischwerdung paranormaler Erscheinungen mitsamt aller körperlicher Konsequenzen, inklusive üppiger Masken- und Modellarbeit, weicht einer Konzeption neuer, weitgehend körperloser On-Set-Spezialeffekte, die hauptsächlich auf die Manipulation von perspektivischer Wahrnehmung sowie auf atmosphärische Auskleidung setzen. Insbesondere Spiegelflächen und deren Reflexionen sind es, mit denen dieser dritte Teil überraschend konzentriert beschäftigt ist.
Die bisherige Identität der Filmreihe steht dabei aufgrund der Abkehr von der bisherigen Ausrichtung auf der Kippe, aber im Gegensatz zu den inhaltlichen Aspekten wird bei den visuellen deutlich, welches Potenzial Sherman in der Schauplatzverlagerung gesehen hat. Ein gewisses Gefühl der Enttäuschung über die fehlende Haptik schwerer Monster-Manifestationen bleibt zwar, im Gegenzug werden jedoch verblüffende optische Tricks geboten, und zwar nicht einfach nur in Form vereinzelter Einschübe, sondern als eine einzige, zusammenhängende Konzeptarbeit, die in sich selbst konsistent durchgeplant ist und das gesamte Produktionsdesign des Films nachhaltig prägt.

Ups, das war doch nicht das Nichtschwimmerbecken.
Handwerklich ist das vielleicht im Detail nicht immer astrein; so kommt es manchmal zu Koordinationsfehlern bei den Spiegelungen, deren Illusion mithilfe von Doubles erschaffen wurde, während die Eiswelten, die sich als Spuren des Jenseitigen in den urbanen Sets manifestieren, aufgrund der Konsistenz der genutzten Materialien eher wie ein Küchen-Schlachtfeld nach einer gewaltigen Baiser-Explosion wirken. Dabei ist zu bedenken: Es sind letztlich Unvollkommenheiten des Handgemachten, gewissermaßen Nachweise der Echtheit, die das Resultat womöglich sogar noch intensiver machen als bei einer makellosen Illusion, deren Authentizität man nicht verifizieren kann. Darüber hinaus bleibt die Marke „Poltergeist“ zumindest durch die leeren Räume aus diffusen hellen Lichtstreifen in kalten Farben gewahrt, wenn schon die wulstigen Alptraumkreaturen aus dem Hause Giger fehlen – wobei anzumerken ist, dass die Masken-Designer durchaus zwei, drei Arbeitsnachweise zu bieten haben, die nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Obwohl eine funktionierende Facette der „dunklen Seite des Bösen“ also zumindest in der Neuausrichtung der Spezialeffekte gefunden scheint, möchte man auf Reverend Kane, die gerade erst erschaffene Ikone in einem Zeitalter der großen Horror-Ikonen, verständlicherweise auch ohne Julian Beck nicht verzichten. Nathan Davis‘ Verkörperung hat immer noch ihre bedrohlichen Momente, die allerdings hauptsächlich vom Zusammenspiel aus Maske und Beleuchtung leben; kein Vergleich zu Beck, der eben gerade nicht wie Davis einfach als schnöder Boogeyman im Hintergrund erschien, sondern als furchteinflößender Antagonist gewissermaßen den Tod selbst repräsentierte, so dass einem die Schauer nur des Anblicks alleine wegen den Rücken herunterliefen. Diese Wirkung lässt sich schlichtweg nicht ersetzen. Selbst Freddy Krueger, der in jenem Jahr zum vierten Mal im Einsatz war, und Pinhead, der mit seinem ersten Sequel zum Star aufstieg, hätte man vermutlich unauffälliger austauschen können.

Als spirituelle Medien noch echte Handarbeit verrichten mussten.
Mit dem Tod der kleinen Heather O’Rourke kurz nach den Dreharbeiten war das Kapitel „Poltergeist“ ein für allemal abgeschlossen. Es hätte dieses tragischen Ausgangs gar nicht erst bedurft, um vorherzusagen, dass „Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen“ von Anfang an zum finalen Kapitel bestimmt war. Die groß gestartete Saga hatte sich hoffnungslos in die Sackgasse eines Spiegellabyrinths verrannt und inhaltlich keine Räume mehr gefunden, sinnvoll zu expandieren. Dass Teil 3 überhaupt noch als Teil des Kanons behandelt wird, ist neben den einzigen verbliebenen Regulars Heather O’Rourke und Zelda Rubinstein vor allem dem gelungenen Zusammenspiel von Produktionsdesign und visuellen Effekten zu verdanken, mit dem doch noch einmal Lebenszeichen gesendet werden… und der Nachweis gelingt, dass selbst Poltergeister einen Umzug überstehen können.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen“
Limited Collector’s Edition #83
Auch wenn die beiden Poltergeist‑Fortsetzungen inhaltlich nicht ganz wie aus einem Guss wirken, so gilt das zumindest für ihre Heimkinoveröffentlichungen. Die alten MGM‑Blu‑rays kamen bereits im November 2010 am selben Tag heraus, und auch die Wicked‑Vision‑Neuauflagen dürften Ende September 2024 bei vielen Käufern gleichzeitig angekommen sein.
Beim dritten Teil gab es – anders als bei „Poltergeist II“ – kein plötzlich auftauchendes 4K‑Master aus dem Ausland, was seinen geringeren Stellenwert vielleicht ein Stück weit widerspiegelt. Trotzdem blieb „Poltergeist III“ beim UHD‑Upgrade des zweiten Films im Gleichschritt: Statt einer neuen UHD gab es einfach eine weitere Blu‑ray‑Auflage mit drei zusätzlichen Mediabook‑Covern. Ein nachvollziehbarer Schritt, denn die erste Auflage mit zwei Motiven war sehr schnell ausverkauft.
Die Verpackung

Die erste Auflage liefert zwei Mediabook-Motive.
So ist „Poltergeist III“ also seit März 2026 in fünf unterschiedlichen Cover-Varianten zu bekommen. Day-One-Kunden hatten die Wahl zwischen dem auf 444 Einheiten limitierten Cover A mit einem Originalmotiv und dem 666 mal gedruckten Cover B mit einer Zeichnung von Zachary Jackson Brown. Letztere lässt Reverend in nahezu sakraler Pinhead-Pose Glasscherben auf die kleine Carol Anne niederregnen, während diese gleichzeitig von Geisterhänden attackiert wird. Interessant dabei ist, wie die Zeichnung exakt ins Zentrum der rechteckigen Fläche eingepasst wurde, so dass der schwarze Rand außen herum fast wie der Rahmen eines Spiegels wirkt, von dem gerade das Glas abplatzt.
Das ist schon fein gemacht. Das Originalmotiv bietet derweil die extreme Froschperspektive auf das John Hancock Center in Chicago, das als zulaufende Spitze aus Metall und Glas in den Himmel ragt und ganz oben am Himmel von zuckenden Blitzen umschmeichelt wird. Das einkopierte „Guckloch“ sozusagen ins Innere des Hochhauses, in dem Heather O’Rourke vor den Fenstern kniet wie vor Gefängnisgittern, wirkt ein wenig gewöhnungsbedürftig, da gibt es zum gleichen Motiv durchaus eine schönere Montage.
Und tatsächlich wurde genau die bei der diesjährigen Zweitauflage als Cover C nachgereicht. Das Hochhaus samt Perspektive ist immer noch das gleiche, aber diesmal steht die Hauptdarstellerin mit dem Rücken zum Betrachter davor, schaut sich das Naturspektakel an und darf sich dabei ganz klein fühlen. Der Titelschriftzug ist diesmal im Gegensatz zur Erstauflage unten abgedruckt und die Reihenfolge von Titel und Zusatz „Die Dunkle Seite des Bösen“ wurde vertauscht.

In der zweiten Auflage warten drei neue Artworks.
Auf Cover D bekommen wir das Guckloch noch einmal, diesmal aber im Großformat und mit schwarzem Hintergrund. Das kommt dann kompositorisch auch gleich besser. Weil nun viel leere Fläche verfügbar ist, hat man den Titel besonders groß abgedruckt und noch mit dem Zusatz „Er hat sie gefunden!“ in Kursivschrift garniert.
Cover E liegt in Hochglanz-Ausführung zur Ansicht vor und dürfte wie schon bei Cover F von Teil 2 wieder von Ralf Krause angefertigt worden sein, auch wenn sein Name im Booklet fehlt, das man für die Zweitauflage nicht mehr editiert hat. Der Künstler geht weiter seiner Collage-Leidenschaft nach und hüllt alles in einen diffusen Nebel, der ideal zu den ohnehin blumigen Flächen passt, mit denen er Zombie-Visagen und eingefrorene Körper darstellt. Wäre da nicht O’Rourkes pinkroter Schlafanzug, wäre das Ganze wieder eine durch und durch bläulich-lilane Angelegenheit mit weißen Akzenten. Das Motiv endet ein gutes Fünftel vor dem unteren Rand, wo dann prompt der Titel in gut lesbaren Großbuchstaben eingesetzt wurde. Auf dem Backcover warten wie üblich Inhaltsangabe, Credits und technische Informationen sowie außerdem eine kleine Szenengalerie.
Das Booklet
Aber so ein Buch ist ja eigentlich zum Aufschlagen da. Einmal aufgeklappt, sehen wir auf dem Frontcover des 24-seitigen Booklets das junge Mädchen, wie es Hand an Hand durch die Fensterscheibe dem alten Reverend Kane in die Augen blickt. Sicherlich ein Anblick, wie ihn die Eitleren von uns fürchten würden. Was die inneren Seiten angeht, kann man nur konstatieren: Christoph N. Kellerbach geht einfach nicht die Luft aus. Was da schon an Seiten mit Produktionsrückblicken zusammengekommen ist, kann man inzwischen wahrscheinlich nicht mehr zählen. Und so ein „Poltergeist-Fluch“, der etliche Darsteller auf dem Gewissen hat, spielt seinem Stil natürlich voll und ganz in die Karten.
Man muss aber nicht befürchten, nur Verschwörungstheorien zu lesen zu bekommen, vielmehr wird ausführlich geschildert, unter welchen Bedingungen Gary Sherman den Job als Autor und Regisseur annahm und welche Freiheiten er dabei hatte, wie die Effekte vor Ort realisiert wurden, wie mit Heather O’Rourkes Krankheit umgegangen wurde, was es mit dem Nachdreh des neuen Endes auf sich hatte und wie getrickst wurde, um eine höhere Freigabe zu bekommen, da man eine PG-Freigabe für einen Horrorfilm schließlich nicht auf sich sitzen lassen konnte.
Es kommt eine gewisse Begeisterung für die gesamte Reihe durch, aber ohnehin ist Kellerbach ja jemand, der dem niedersten Schlonz ebenso positive Aspekte abgewinnen kann wie dem unbestrittenen Meisterwerk, und so wird „Poltergeist III“ hauptsächlich für seinen radikalen Stilwechsel gelobt. Das Layout ist mit weißer Druckschrift auf nahezu komplett schwarzen Seiten, die höchstens im Licht leicht bläulich schimmern, recht schlicht ausgefallen. Auf den letzten Seiten vor den Credits folgen noch ein paar Aushangfotos und Behind-the-Scenes-Schnappschüsse.
Das Bild
Nun mag „Poltergeist III“ im Gegensatz zu seinem Vorgänger zwar keine 4K-UHD vergönnt gewesen sein, für einen neuen 2K-Transfer, der die alte MGM-Disc klar in den Schatten stellt, hat es trotzdem gereicht. Satte Kontraste, gute, durchdringende Schwarzwerte, natürliche Farben und viele Details lassen das Bild insgesamt sehr kraftvoll wirken. Gerade die vielen Spiegel- und Lichteffekte profitieren enorm von dieser Verbesserung und lassen die Stärken des Films im Bereich der praktischen visuellen Effekte umso stärker hervortreten. Die Farbpalette ist im Grau- bis Blauspektrum angesiedelt, was natürlich hervorragend mit dem gesamten Produktionsdesign harmoniert. Es gibt kurzum wenig Grund zur Klage und viele Argumente für ein Upgrade.
Der Ton
Ähnlich sieht es bei den Tonoptionen aus. Die bieten sowohl für die deutsche als auch für die englische Fassung jeweils einen 5.1-Mix, aber auch eine Stereo-Abmischung. Das ist nicht nur für verschiedene Heimkino-Konfigurationen interessant, sondern auch dahingehend wichtig, weil „Poltergeist III“ in Dolby Stereo in den Kinos lief, einer Abmischung, bei der über die Frontkanäle Surround-Effekte erzeugt wurden. Deswegen klingen die vielen Effektszenen des Films, in denen es permanent blubbert, brutzelt und heult, auch in der Stereo-Fassung extrem wuchtig; mitunter könnte man meinen, es reißt einem die Boxen von der Wand. Die 5.1-Spur bemüht sich, diese Surroundeffekte organischer im Raum zu verteilen, während die Stereo-Spur im Vergleich etwas „krachiger“ wirkt. Auch diesbezüglich werden vorherige Veröffentlichungen klar übertroffen, so dass der Hauptfilm zumindest audiovisuell zum Erlebnis werden dürfte, selbst wenn man am Inhalt etwas zu bemängeln haben sollte. Untertitel sind wie gewohnt in Deutsch und Englisch mit an Bord.
Die Audiokommentare
Wie schon beim zweiten Teil ist es wieder Michael Felsher, der als Moderator durch den ersten Audiokommentar führt. Sein Gast ist diesmal Regisseur Gary Sherman, der ein spürbar zwiegespaltenes Verhältnis zu seinem Werk pflegt. Das liegt einerseits verständlicherweise daran, dass er den Tod von Heather O’Rourke mit dieser Produktion verbindet; der Tag ihrer Beerdigung sei der schlimmste seines bisherigen Lebens gewesen. Andererseits hat es aber auch damit zu tun, dass er aus heutiger Sicht einige Dinge anders gelöst hätte.
Seiner Ansicht nach gibt es weder genug Härte noch Grusel im Film; auch die Figur des Reverend Kane bewege sich viel zu distanziert am Rande des Films, so dass sich der Zuschauer gar nicht mehr so recht auf ihn einlassen könne. Stolz ist er allerdings auf die konsequent ohne Effekte aus der Postproduktion realisierten Spezialeffekte direkt vom Set. Entsprechend gibt er aufschlussreiche Einblicke in die Realisierung derselben; alleine deswegen lohnt der Kommentar bereits. Felsher kommentiert das mit einer bemerkenswerten Unverkrampftheit, die auch mal eine kleine Dialogpause hier und da zur Folge hat. Dafür ist die Stimmung zwischen den Beiden angenehm ungezwungen.
David Furtney von poltergeistiii.com ist ebenfalls wieder mit von der Partie und bestreitet den zweiten Kommentar erneut als Solist. Wenn er seine Internetseite schon nach dem Film benennt, haut es nicht vor Überraschung aus den Socken, wenn er gleich zu Beginn klarstellt, dass er nur Liebe für den Film übrig hat, der sonst gerne verrissen wird – was wohl daran liegen dürfte, dass er den Film als Kind bereits im Kino sehen konnte. Der Kommentar selbst hingegen bleibt wie schon beim zweiten Teil auffällig nüchtern, über weite Strecken konzentriert er sich darauf, die Umsetzung der Trickeffekte aufzulösen, was zu einigen Dopplungen mit dem ersten Kommentar führt. Wer nur Zeit für einen der beiden Kommentare hat, sollte sich im Zweifelsfall an die Paarung Felsher/Sherman halten.
Die Extras
Beginnen wir bei den Extras zunächst mit den wenigen Features, die sowohl auf der Blu-ray als auch auf der beiliegenden DVD enthalten sind. Da hätten wir allen voran das alternative Ende (3 Min.). Bevor dieses eingespielt wird, klärt eine Texttafel darüber auf, dass für die Szene zwar kein Ton zur Verfügung stand, aus den entsprechenden Drehbuchseiten jedoch zumindest Untertitel rekonstruiert werden konnten. Durch den gleichzeitig eingespielten Soundtrack bekommt das Ganze auf Anhieb das Feeling einer Stummfilmaufführung. Die Szene selbst lohnt sich sehr, weil sie sowohl mit Reverend Kane als auch mit Tangina und der Familie einen anderen Umgang pflegt und darüber hinaus noch einen schönen praktischen Effektshot zu bieten hat.
Weiter geht es mit dem deutschen Trailer, der eigentlich fast ausschließlich aus einer langen Kamerafahrt über die Dächer des nächtlichen Chicago besteht, bevor eine schnelle Montage aus Filmausschnitten den Zuschauer schocken soll. Arnold Marquis scheint mit seiner markanten Stimme der Off-Kommentator zu sein, er hat aber nur eines zu sagen: „Sie sind wieder da“. Zu sehen gibt’s den Trailer auch im Recut, der allerdings nach demselben Muster verfährt. Dazu kommt noch der englische Teaser-Trailer – es bleibt fraglich, weshalb man nicht auch die deutschen Trailer so genannt hat, denn auch die englische Fassung setzt auf Luftaufnahmen, was doch eher einem Teaser als einem Trailer genügt. Blaxploitation-esk wiederum klingt die originale Tagline „Guess Who’s Back in Town?“, die hier höchstwahrscheinlich mal wieder von US-Trailer-Ikone Don LaFontaine geschnarrt wird.
Das letzte Feature zumindest der DVD ist die mit 17 Minuten Laufzeit recht großzügige Bildergalerie gefüllt mit Postern, Artworks, Lobby Cards, Stills, Behind-the-Scenes-Fotos, Storyboards und Mediencovern.

Über Scream Factory und Red Shirt Pictures entstanden drei neue Interviews zum Film.
Alle weiteren Extras sind ausschließlich auf der Blu-ray zu finden. Den Start markiert eine Reihe von kleinen Featurettes, produziert von Scream Factory und Red Shirt Pictures, begonnen mit „High Spirits“ (16 Min.), einem Interview mit Co-Autor Brian Taggert. Der ist rückblickend nicht allzu begeistert über das Ergebnis, unterscheidet aber strikt zwischen den Fähigkeiten der Macher und dem Produkt, das eben auch Opfer unglücklicher Umstände geworden sei – nicht nur, was die Krankheit Heather O’Rourkes anging, sondern unter anderem auch in Bezug auf das Budget, das zu einigen Kompromissen geführt habe. Die „Alice im Wunderland“-Aspekte des Drehbuchs, auf denen das gesamte Konzept des Films beruhte, seien aus seiner Sicht nicht mit der beabsichtigten Wirkung auf der Leinwand gelandet.
In „Reflections“ (12 Min.) reflektiert Patricia-Darstellerin Nancy Allen ihre Zeit am Set von „Poltergeist III“. Im Einstieg pflegt sie noch Schauspieler-Routine, indem sie die Motivation und den Hintergrund ihrer Figur ausführt, aber spätestens, als der Tod Heather O’Rourkes zur Sprache kommt, die sie als „alte Seele“ beschreibt, deren Anwesenheit ihr immer ein Gefühl der Sicherheit gegeben hat, wird es sehr persönlich. Von dieser Episode abgesehen, hat sie die Dreharbeiten eigentlich in guter Erinnerung, und sogar den fertigen Film mag sie persönlich lieber als den zweiten Teil.
Obwohl „Poltergeist III“ eher ein Film der visuellen Effekte und optischen Täuschungen ist, werden einige Schlüsselszenen doch auch diesmal wieder durch Make-Up-Effekte definiert. Der für diesen Bereich verantwortliche Experte, John Caglione Jr., ist Gesprächspartner in der nächsten Featurette „Mirror Images“ (13 Min.). Da sämtliche Effekte on set realisiert wurden, sei die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen aber ohnehin essenziell gewesen. Ein Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt bei der Szene, in der Lara Flynn Boyle durch das Gesicht einer mumifizierten Gestalt bricht.
Hier wurde offensichtlich tatsächlich mit Kuchenböden, Pizzateig und Wachs gearbeitet, um die lehmige, bröckelige Struktur zu rekonstruieren, die man letztlich in der Sequenz zu sehen bekommt. Aber auch das Make-Up für Kane-Darsteller Nathan Davis ist natürlich ein großes Thema, galt es doch immerhin, das unvergessliche Gesicht von Julian Beck aus dem zweiten Teil würdig zu vertreten. Zum Abgang überrascht Caglione Jr. (der übrigens einem anderen berühmten Jr. Leicht ähnelt, und zwar Robert Downey Jr.) dann noch mit einer heiteren Stripper-Anekdote.

Videothekenbesitzer mussten für die Kassetten damals noch mehr berappen als heutige Mediabook-Sammler.
„Behind the Scenes for Video Store Owners“ (7 Min.) ist eine recht selten anzutreffende Form von Archivmaterial, denn dabei handelt es sich um ein an Videothekenbesitzer gerichtetes Promo-Video, in dem diese davon überzeugt werden sollen, den Film in ihr Programm aufzunehmen. Geworben wird mit dem großen Namen der Vorgängerfilme, beziehungsweise deren Einspiel im Kino und im Home Entertainment, sowie Gewinnspielen und der prominenten Bewerbung in TV-Medien. Interessant auch, einen Einblick in die Anschaffungskosten zu erhalten: Zum Preis von 89,99$ konnte man sich damals eine Kopie sichern. Das Feature schließt mit einem ausführlichen Making-Of-Teil, in dem unter anderem auch der Regisseur und die Effektmacher in kurzen Schnipseln zur Sprache kommen.
Das „Electronic Press Kit“ (13 Min.) vom 19. Mai 1988, so listet eine Einblindung gleich zu Beginn auf, besteht aus dem Teaser, einer Featurette über die Spezialeffekte und einer Auswahl von Filmszenen. Während man den Anfangs- und Endteil auf der Disc ohnehin in besserer Qualität findet, ist der Mittelteil von besonderem Interesse. Geworben wird auch hier wieder mit der handgefertigten Qualität der Effekte, die auch die Darsteller an die Grenzen gebracht hätten. Der eigentliche Wert liegt aber darin, dass man hier nebenbei Hinter-den-Kulissen-Szenen zu sehen bekommt, die es in den anderen Features noch nicht zu sehen gab, insbesondere von Heather O’Rourke in der Wasserpfütze im Set-Nachbau einer Tiefgarage. Dabei ist zu sehen, wie sich ein Taucher mit Latex-Händen in dem Wassertank versteckt und per Funk auf Anweisungen des Regisseurs wartet, der darüber hinaus wieder in kurzen Interview-Ausschnitten auftritt, die sich ebenfalls nicht mit bereits gesehenem Material überschneiden.

Die Betreiber des „Grimm-Collective“ Youtube-Channels haben Chicago besucht, um die Drehorte von „Poltergeist III“ ausfindig zu machen.
Damit das Spiegel-Leitmotiv auch endgültig auf die Extras abfärben kann, wird auch noch das letzte Puzzleteil gedoppelt, denn erneut ist auch das „Grimm Collective“ wieder am Start. Die Weltenbummler Michael und Jessica Kolence hat es nach Chicago verschlagen, wo sie nach und nach sämtliche Drehorte des Films von ihrer Checkliste abhaken. Die Tour beginnt am Fuße des John Hancock Center, dem zentralen Schauplatz des Films. Die Aussichtsplattform in den oberen Stockwerken des Gebäudes gibt einen Vorgeschmack auf eine wirklich schöne Stadt, die in den folgenden 24 Minuten erkundet wird. Unter anderem stehen auch Einkaufszentrum und Schulgebäude auf dem Plan. Der Trip endet angemessen düster in der Tiefgarage an der Stelle, an der Carol Anne ins Jenseits gezogen wird. Der Schnitt bemüht sich darum, die Aufnahmen in einen Zusammenhang mit den Filmszenen zu bringen, Jessica hilft bei der Einordnung, indem sie Dialogzeilen nicht ganz ohne einen gewissen trockenen Humor nachstellt.
Was das Trailer-Paket angeht, wurden dem DVD-Konsumenten übrigens die englischen TV-Spots vorenthalten. Derer gibt es auf der Blu-ray insgesamt vier Stück, die alle hintereinander in einem 2-minütigen Zusammenschnitt abgespielt werden. Auch die „Drehbuch-Galerie“ sucht man auf dem Zweitmedium vergebens. Binnen 11 Minuten kann man hier zu heimeliger Horror-Musik im Skript zum Film stöbern.
Zu guter Letzt hat auch diese Veröffentlichung wieder Eier en masse. Ostereier. Wer suchet, der findet… auf Seite 2 dieses Artikels. Oder einfach auf eigene Faust.
Sascha Ganser (Vince)
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