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Lisa – Stimme des Todes

Originaltitel: Lisa__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Gary Sherman__Darsteller: Staci Keanan, Cheryl Ladd, D.W. Moffett, Tanya Fenmore, Jeffrey Tambor, Edan Gross, Julie Cobb, Michael Ayr, Lisa Moncure, Tom Dugan, Frankie Thorn, John Hawker, Drew Pillsbury, Elizabeth Gracen, Dennis Bowen u.a.

Lisa - Stimme des Todes Banner

Lisa - Stimme des Todes

„Lisa – Stimme des Todes“ ist der dritte Titel der „Thrill Kill Collection“.

Nachdem sie eines Abends auf der Straße einem Mann namens Richard begegnet, kann die 14-jährige Lisa (Staci Keanan) an nichts anderes mehr denken als an diesen gutaussehenden Fremden. Über sein Autokennzeichen macht sie seine Telefonnummer ausfindig und spielt ihm am Telefon vor, eine Bekannte aus früheren Tagen zu sein. Es entwickelt sich ein Flirt aus Distanz, dem Richard mit zunehmender Ungeduld begegnet. Er möchte die geheimnisvolle Bekannte endlich persönlich treffen. Was Lisa nicht ahnen kann: Richard ist der Candlelight-Killer…

Per Schnur gebunden an den unmittelbaren Raum, wird der Wirkungsbereich doch weit über das Sichtbare hinaus gedehnt: Das Telefon ist nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der Kommunikationsmedien, sondern darüber hinaus ein wunderbares Plot Device für Thriller aller Art. Das wusste schon Alfred Hitchcock („Bei Anruf Mord“, 1954), ergo natürlich auch William Castle. Letzterer brachte zum Ende seiner Karriere mit „Es geschah um 8 Uhr 30“ (1965) noch einmal ordentlich die Leitungen zum Glühen, indem er zwei junge Babysitterinnen vor ein Telefonbuch setzte und sie wahllos Leute anrufen ließ, um ihnen ein mysteriöses „Ich habe gesehen, was Sie getan haben“ einzuflüstern – bis sie die Nummer eines Serienkillers erwischten, der tatsächlich etwas getan hatte.

1988 kam es zu einem Remake in Form eines TV-Films. Für eine echte medientheoretische Neuausrichtung, wie sie die Mobilität des Handys ermöglicht hätte, war es noch ein paar Jahre zu früh, aber in Sachen Jugendkultur trennen Tammy Lauren und Shawnee Smith bereits Welten von den Backfischen aus dem Original. In die gleiche Zeit der Spätachtziger-Jugendkultur inklusive Guns-n-Roses-Poster, George-Michael-Schwärmereien und rosa Kaugummiblasen fällt auch „Lisa – Stimme des Todes“, dessen Konzept demjenigen des Castle-Remakes derart ähnlich ist, dass man es wiederum fast für ein Remake des Remakes halten könnte – mit dem kleinen Unterschied, dass es diesmal nicht einfach willkürliches Teenage Boredom ist, das zu der schicksalhaften Telefonverbindung führt, sondern zielgerichtete jugendliche Rebellion gegen das Regelwerk der Vormundschaft.

Dadurch verschiebt sich in der bis dahin vollständig auf spielerischen Nervenkitzel ausgelegten Rezeptur nicht nur die Dynamik zwischen den Anrufern, sondern es wird auch ein Schlag Familiendrama hinzugefügt, mit dem eine gewisse zwischenmenschliche Tiefe Einzug erhält, auf die es jemand wie William Castle nie angelegt hatte. Während die junge Protagonistin Lisa (Staci Keanan) ihre adoleszenten Anwandlungen zwar ähnlich rücksichtslos an ihrer Umwelt abreagiert wie ihre Vorgängerinnen, inszeniert Gary Sherman das Katz- und Mausspiel mit dem mordenden Extremromantiker am anderen Ende der Leitung nicht ausschließlich um des Thrills willen, sondern auch als eine Art psychologisches Ventil, das auf die Beziehung zwischen Lisa und ihrer alleinerziehenden Mutter Katherine (Cheryl Ladd) verweist.

Die leisen Zwischentöne, die sich in den Dialogen zwischen Keanan und Ladd ergeben, gehören tatsächlich zu den Highlights des eher sanften Thrillers. Im Zusammenspiel wirken die beiden Schauspielerinnen natürlich, es gelingt ihnen, alltägliche Fragestellungen der Erziehung im Rahmen einer angeschlagenen familiären Konstellation auf den Punkt genau abzubilden und die kollidierenden Erwartungen an die Welt sowohl aus Sicht Mutter als auch der Tochter gleichermaßen begreifbar zu machen.

Mit ihrer kontrollierenden Art hätte man Katherine problemlos zum lästigen Hindernis jugendlicher Entfaltung reduzieren können; stattdessen entschied man sich dazu, ihre Hintergründe aufzuarbeiten, um ihr Verhalten nachcollziehbar zu machen. Umgekehrt wäre es ebenso einfach gewesen, Lisa in das Rollenbild des aufmüpfigen Görs zu zwängen, das nur allzu bereitwillig in alle Fallen tappt, die das Genre in petto hat. Stattdessen wird gerade im Umgang mit den Freundinnen deutlich gemacht, weshalb sie dieses egozentrische Verhalten an den Tag legt, das sie letztlich in die Bredouille bringt, wegen der man hier einschaltet.

Umgekehrt fällt D.W. Moffett als düsterer Einzelgänger eine vergleichsweise undankbare Rolle zu. Er wird zwar durch die naive Teenager-Perspektive des Films zu einem Mysterium überhöht, bleibt aber im Endeffekt ein reiner Plot-Katalysator und dadurch ein simples, funktionales Objekt, ganz entgegen des Zeitgeists, der sich fasziniert vom Innenleben der Serienkiller zeigte. Die Ehrfurcht, die man einem Tom Noonan in „Manhunter – Roter Drache“ (1986) oder einem Anthony Hopkins in „Das Schweigen der Lämmer“ (1991) entgegenbrachte, die jeweils vergleichsweise kleine Rollen mit großer Nachwirkung versahen, bleibt Moffett verwehrt. Am ehesten möchte man ihn noch bei den innerlich toten Yuppie-Killern à la Patrick Bateman („American Psycho“) einreihen, unter dem Strich bleibt er aber ein zweckgerichtetes Instrument und seine pathologischen Muster reine Behauptungen ohne Widerhall.

Obwohl für das Kino produziert, deutet die Inszenierung eher auf eine bessere TV-Produktion hin. Die Regie bleibt kühl, nüchtern und weist kaum herausstechende Merkmale auf. Allenfalls die nächtlichen Eindrücke der Lagerhallenviertel von LA verströmen eine gewisse spezielle Stimmung. Ähnliche Eigenschaften zeigten auch schon Gary Shermans bekanntere Arbeiten „Dead & Buried“ (1981) und „Poltergeist III“ (1988), die allerdings ausgleichend in Sachen Kamera, Ausleuchtung und Spezialeffekte ein paar Pfeile im Köcher hatten. Schauwerte dieser Art hat „Lisa – Stimme des Todes“ praktisch keine zu bieten, selbst die Mordszenen deuten die üblichen Zutaten trotz der durchgehend volljährigen Opfer allenfalls an, verbannen sie dann aber außerhalb des Bildkaders. Vermutlich ging es darum, tonale Entgleisungen zu verhindern, da man die komplette Handlung schließlich aus den Augen einer Heranwachsenden verfolgt, selbst wenn sie gerade nicht anwesend ist.

Vorteil einer solchen optisch eher schmucklosen Ausrichtung kann natürlich sein, dass der Fokus komplett auf die Handlung verlagert wird. Wundertaten sind von dem Skript eher nicht zu erwarten, die Story ist aber wasserdicht genug, um die Langeweile nicht nur von der Teenagerin im Mittelpunkt, sondern auch vom Zuschauer fernzuhalten. Immerhin wird man am laufenden Band mit brisanten Situationen versorgt, Noir-Anspielungen inbegriffen (wie das weiße Kleid beim Blind Date). Derweil verstricken sich die unverbindlichen Telefongespräche zwischen Fremden zu einer handfesten Notlage für die Hauptfigur. Diese wird von Staci Keanan im Spiel wie auch im Ernst durchaus überzeugend abgeliefert – eine Grundvoraussetzung dafür, dass man hier überhaupt am Ball bleibt. Eine Ähnlichkeit zu Maia Brewton, die in „Parker Lewis“ die Rolle von Parkers Schwester Shelly spielte, ist übrigens nicht ganz von der Hand zu weisen, insbesondere, wenn man die dramatischeren Momente der Comedy-Serie zum Vergleich heranzieht.

Ansonsten ist „Lisa – Stimme des Todes“ ein eher biederer Psychothriller von der Stange, nahezu ohne inszenatorische Raffinesse. Er lebt und überlebt vor allem durch seine authentische Abbildung einer entfremdenden Großstadt-Anonymität, in der eine alleinerziehende Frau um ihre Tochter kämpft und die Tochter zugleich um sowie gegen einen Psychopathen, der letztlich ein Zerrbild damaliger Jugendidole darstellt, über die selten mehr bekannt war als das gedruckte Abbild in einer Zeitschrift oder auf dem Fernsehbildschirm. In der Darstellung solcher Aspekte spielt Gary Sherman seine Stärken als Regisseur aus. Für einen schweißtreibenden Vollblut-Thriller fehlt es aber an Härten und Kreativität.

05 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Lisa – Stimme des Todes“

Thrill Kill Collection #3

Sofern man nicht vor vielen Jahren die Warner-VHS erstanden hat, dürfte man „Lisa – Stimme des Todes“ wohl allenfalls von einer seiner gelegentlichen TV-Ausstrahlungen kennen… es sei denn, man importiert gerne aus den USA und nennt die MGM-DVD von 2012 oder die Blu-ray von 2015 sein Eigen. Was den deutschen Markt angeht, markiert die dritte Ausgabe der „Thrill Kill Collection“ von Wicked Vision – wie schon die zweite – eine Premiere auf einem digitalen Medium.

Die Verpackung

Lisa - Stimme des Todes Wendecover

„Lisa – Stimme des Todes“ ist die dritte Ausgabe der „Thrill Kill Collection“ und kommt wieder inklusive Wendecover ohne Rahmen.

Entsprechend der Vorgaben der Kollektion handelt es sich auch diesmal um einen Single-Blu-ray-Release im robusten Scanavo Case. Das Cover-Artwork orientiert sich eng an der alten Warner-VHS und weicht somit von den in den USA erhältlichen Motiven deutlich ab. Die Teenagerin im Nachtkleid, die sich anstelle des Hörers über der Gabel eines überdimensionalen Tastentelefons räkelt, verfolgt offensichtlich einen symbolistischen Stil, der den medialen Unterbau des Thriller-Konstrukts im Film hervorhebt. Dass die Hintergrundfläche völlig in weiß gehalten ist, legt den Fokus um so mehr auf das Objekt im Zentrum. Im Unterschied zur VHS, die lediglich unter dem reduzierten Titel „Stimme des Todes“ verkauft wurde, ist hier zusätzlich der auch als Originaltitel dienende Name der Hauptfigur mit dickem, roten Kreidestrich abgedruckt, wobei der Rotton exakt dem des Telefons entspricht, was für eine äußerst symmetrische Gesamtansicht sorgt.

Der schwarze Rahmen mit kleinem „Thrill Kill Collection“-Icon nimmt dem aufgeräumten Motiv jedenfalls keinen Platz zum Atmen. Wer trotzdem gerne die gesamte Fläche für das Poster reserviert haben möchte, kann auch diesmal die Einlage umdrehen und auf diese Weise den schwarzen Rahmen verschwinden lassen. Ein FSK-Logo wäre hingegen kein Grund zum Umdrehen, denn das findet man lediglich als Sticker auf der Verpackungsfolie. Auf dem Backcover befindet sich auf beiden Seiten eine kleine Screenshot-Strecke, eine Inhaltsangabe mit kurzer filmhistorischer Einordnung, die Filmcredits und Logos, Ausstattungshinweise, technische Spezifikationen, Rechtehinweise und der EAN-Code.

Das Booklet

Im Inneren ist auf der linken Seite ein Booklet eingeklammert, dessen Cover dem Motiv der US-Blu-ray entspricht. Staci Keanan liegt hier in der typischen Telefon-Pose einer Teenagerin auf dem Rücken und macht das, was Teenager in den 80ern/90ern eben so machten… Stunden über Stunden an der Strippe hängen.

Lisa - Stimme des Todes Booklet

„Lisa – Stimme des Todes“ enthält ein Booklet mit alternativem Artwork und Text zum Film von Christoph N. Kellerbach.

20 Seiten umfasst der Inhalt, wobei 16 Seiten (Netto ohne schmückendes Beiwerk vielleicht 14) auf einen weiteren Text von Vielschreiber Christoph N. Kellerbach verwendet werden. Der findet in der Biografie Gary Shermans („Gesucht – Tot oder lebendig“) etliche Anhaltspunkte, wie es zur Idee für „Lisa – Stimme des Todes“ kam. So lebte auch seine Tochter Melissa als Scheidungskind bei ihrer alleinerziehenden Mutter. Immer schon habe sie endlich mal einen Film von ihrem Vater sehen wollen, was sich bei einer Vita voller Horror und Tod schwierig gestaltete.

Also sollte dieser Thriller zumindest aus Sicht einer Teenagerin erzählt werden. Im folgenden geht Kellerbach auf Finanzierung und Besetzung ein, sowie auf die Dreharbeiten und gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen Regisseur und Studio, was das Finale anging. Sehr heißblütig liest sich die Kontroverse um die MPAA-Freigabe, die nach Protesten schließlich doch noch vom R-Rating auf eine PG-13 abgestuft wurde. Der Kino-Run soll trotz fehlender Werbung erfolgreich gelaufen sein, wurde aber dennoch zwecks Heimkinovermarktung zurückberufen, was den Autoren dazu verleitet, eine „Hausarrest“-Parallele zwischen den Bestrafungen für Teenager im Allgemeinen und diesem Film einzubauen. Und, Ende gut, alles gut: Nicht nur vielen Zuschauern, auch Shermans Tochter soll „Lisa – Stimme des Todes“ sehr gut gefallen haben.

Das Menü

Bevor man sich jedoch das Booklet zur Brust nimmt, hat man hoffentlich erst einmal die Disc eingelegt. Einen mit arg ironischer Musik unterlegten „Thrill Kill Collection“-Einspieler und ein Rechtehinweis mit Wurstverarbeitungs-Warnung später ist man im Menü gelandet, wo man zwischen Filmstart, Kapitelauswahl, Setup und Extras auswählen kann. Das Menü kann auch als Pop-Up während des laufenden Films eingeblendet werden. Als Navigationspfeil dient ein Blutklecks, der sich jeweils von einem Menüpunkt zum nächsten verschiebt.

Das Bild

Die Zeiten des 1,33:1-Vollbildes sind zum Glück vorbei. Dieser immerhin auch für die Kinoauswertung produzierte Streifen liegt auf der Blu-ray im Originalformat 1,85:1 in 1080p-Auflösung vor und holt so ziemlich das beste aus dem Material heraus. Die natürliche Lichtsetzung sorgt zumindest in den Tagszenen für einen sehr ausgeglichenen Kontrast. Konturen werden präzise abgebildet, gleichwohl nicht aufdringlich hart gezeichnet. Dazu passend ergeben sich in Innenräumen leichte Weichzeichner-Effekte, wenn Licht durch die Fenster fällt. Das Korn rieselt im Hintergrund, teilweise vermischt mit vereinzelten Schmutzartefakten. Auf Distanz betrachtet wirkt das Bild allerdings ausgesprochen ruhig und sauber. Die Hauttöne tendieren leicht ins Orangene, wirken aber immer noch einigermaßen natürlich. Dass „Lisa – Stimme des Todes“ ein optisch eher unauffälliger Film ist, sorgt letztlich für einen sehr neutralen Gesamteindruck, aber der Transfer als solcher schneidet in so ziemlich allen Kategorien durchaus gut ab.

Der Ton

Wie von Wicked-Vision-Veröffentlichungen gewohnt, liegen die beiden Tonspuren im Format DTS-HD Master Audio vor, hier im Zweikanal-Format. Das gleiche Format nutzte bereits die US-Disc. Der englische O-Ton zeigt deutliche Vorteile in der Raumaufteilung. Wenn der Killer zuschlägt, sägen die Gitarren schrill und laut über beide Boxen verteilt; das klingt auf der deutschen Spur schon deutlich enger.

Auch die Kulisse Los Angeles liefert hinter der räumlichen Musikuntermalung einen eigenen kleinen Surroundeffekt, vom Grillenzirpen in der Nacht bis zum Verkehrstreiben auf den Hauptstraßen bei Tag. Die deutsche Synchro-Spur liegt zwar in der Abmischung klar über den Effekten und der Musik, geht aber qualitativ in Ordnung und ist auch gut besetzt: So hören wir zum Beispiel Torsten Sense als Stimme des Killers und haben dabei gleich Agent Dale Cooper aus „Twin Peaks“ vor dem inneren Auge, zumal D.W. Moffett durchaus entfernte Ähnlichkeit mit Kyle McLachlan teilt. Auch Bianca Krahl (Charlize Theron, Emily Blunt), Tobias Meister (Brad Pitt, Jack Black), Leon Boden (Denzel Washington), Martin Keßler (Nicolas Cage) und weitere prominente Sprecher tummeln sich in diversen größeren und kleineren Rollen.

Der Audiokommentar

Schon auf der amerikanischen Blu-ray konnte man 2015 den Audiokommentar von Regisseur Gary Sherman hören, der auch seinen Weg auf die deutsche Edition gefunden hat. Sherman scheint nicht unbedingt ein guter Alleinunterhalter zu sein; die Sprechpausen sind mitunter so lang, dass man vergisst, einen Audiokommentar zu hören und der leise im Hintergrund abgespielte Originalton in den Vordergrund rückt. Auch ist nicht alles, was er sagt, unbedingt essenziell; da kann es schon mal passieren, dass eine lange Phase der Stille für den Satz „Wendy is a very funny character“ unterbrochen wird, nur um danach wieder in langes Schweigen zu verfallen.

Andererseits streut er gelegentlich interessante Informationen ein wie etwa die, dass es seine Stimme ist, die auf den Anrufbeantwortern erklingt, und dass er diese Art von Cameos bereits in einigen seiner Filme absolviert hat. Seine Stimme klingt über die Maßen relaxt und könnte manchmal etwas mehr Antrieb vertragen, dann wiederum kann es aber auch mal sein, dass er plötzlich mitsingt, wenn Bo Diddley auf der Tonspur zum Rock’n’Roll ansetzt – kein Wunder, hat er über den Musiker in jungen Jahren doch sogar eine Dokumentation gedreht. Unter dem Strich jedoch muss man sagen: Ein Co-Kommentator bzw. Moderator, der gezielt Fragen stellt, hätte hier sehr gutgetan.

Die Extras

Auch im ersten Video-Interview (34 Min.) ist Gary Sherman wieder zu Gast, diesmal auf einer Bank in einem Park in Gesellschaft von Ross Albert, der als Cutter beteiligt war. Albert tritt aber nur gelegentlich als Stichwortgeber in Erscheinung, es ist diesmal hauptsächlich der Regisseur, der das Reden übernimmt. In der ersten Viertelstunde geht er gezielt auf „Lisa – Stimme des Todes“ ein, indem er vor allem jene Fakten liefert, die schließlich auch im Booklet zur Edition landeten.

Dabei wird auf Anhieb deutlich, wie wichtig ihm dieser Film immer noch ist, insbesondere, als er auf die aus seiner Sicht misslungene Schlusseinstellung eingeht, die er am liebsten im Rahmen eines Director’s Cuts verbessern würde. Darüber hinaus stehe er dazu bereit, falls ihm jemand erlauben würde, ein Remake mit zeitgemäßen Mobiltelefonen zu drehen. In der zweiten Hälfte des Interviews geraten nach und nach auch weitere seiner Regiearbeiten in den Fokus, bevor wieder die Kurve zurück zu „Lisa“ gelegt und ein insgesamt doch recht zufriedenes Fazit gezogen wird.

Separat kommt im zweiten Interview (18 Min.) dann noch der Darsteller des Candlelight-Killers zur Sprache. D.W. Moffett ist bis heute ein vielbeschäftigter Darsteller, der im Schnitt ein bis zwei Filme pro Jahr abliefert und dazu noch Auftritte in TV-Serien hat; zuletzt war er unter anderem in „One Battle After Another“ zu sehen. Hier geht es aber nun hauptsächlich um seine Rolle als Serienkiller, im Speziellen, was ihn an der Figur gereizt hat, wie er den Job bekommen hat und wie er sie schließlich vor der Kamera interpretiert hat. Im Verlauf des Gesprächs spricht er auch über seine persönliche Philosophie, mit der er seinen Job angeht, unter anderem im Umgang mit Autoren, die ihre Figuren vor der Dynamik am Set zu beschützen versuchen. Am Ende geht es noch kurz um Gordon Hesslers Kriegsfilm „Die Galgenvögel“ und den Dreh in Jugoslawien.

Auch der US-Trailer im Vollbildformat, offenbar aufbereitet für den VHS-Release, ist auf der Scheibe enthalten und fasst die Schwerpunkte des Films recht treffend, aber auch ein wenig spoiler-lastig zusammen. Dazu kommt eine zweiminütige, musikalisch unterlegte Bildergalerie mit Postern, Stills und VHS-Covern aus aller Welt.

Untertitel

Sämtliche Extras, inklusive des Audiokommentars, sind optional deutsch untertitelt. Für den Hauptfilm stehen deutsche und englische Untertitel zur Verfügung.

Fazit

Auch wenn selbst produzierte Features auf dieser Ausgabe nicht enthalten sind, ist das von der US-Disc lizensierte Paket erfreulich reichhaltig für einen Film dieser Sorte: Fast eine Stunde an Bonusmaterial, zuzüglich eines Audiokommentars, dazu der Hauptfilm in solider Qualität mit englischer und deutscher Tonspur. Da kann man schon zufrieden sein, erst recht, nachdem die letzte deutsche Heimkinoveröffentlichung so alt ist, dass sie nach dem Abspielen noch zurückgespult werden musste. Zusammen mit der Booklet-Beigabe und der stilbewussten Aufmachung reiht sich „Lisa – Stimme des Todes“ jedenfalls ideal in die „Thrill Kill Collection“ ein und bietet erneut eine etwas andere Facette des Genres, das man sich hier auf die Fahne geschrieben hat.

Sascha Ganser (Vince)

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