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Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Originaltitel: Zone Troopers__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1985__Regie: Danny Bilson__Darsteller: Tim Thomerson, Timothy Van Patten, Art LaFleur, Biff Manard, William Paulson, Peter Boom, Max Turilli, Eugene Brell, John Leamer, Bruce McGuire, Alviero Martin, Mike Manderville, Achille Brugnini, Ole Jorgensen u.a.

Review Nr. 1 – von Nils Bothmann (McClane)

Zone Troopers

In dem von Charles Band produzierten Krieg-Action-Sci-Fi-Mix „Zone Troopers“ treffen treffen Soldaten im Zweiten Weltkrieg auf ein Alien

Kriegsfilm trifft Phantastik, Soldaten treffen auf Kreaturen des Horror- und Science-Fiction-Kinos – sollten Produzent Charles Band und seine Firma Empire Pictures mit „Zone Troopers“ etwa Wegbereiter von Genremixes wie „Predator“, „Operation: Overlord“ und „Primitive War“ gewesen sein? Nach Ansicht des Films muss die Antwort lauten: Nein.

„Zone Troopers“ spielt in Italien im Jahr 1944. Amerikanische G.I.s ziehen hier in den Krieg gegen die Wehrmacht der Nazis, vier der US-Boys lernt man in den ersten Filmminuten kenn. Joey Verona (Timothy Van Patten) ist ein junger Comic- und Sci-Fi-Fan. Das knurrige Frontschwein George ‘Mittens‘ Minnensky (Art LaFleur) steht dagegen mehr Zigaretten und tauscht dafür seinen Süßigkeitenvorrat ein. Starreporter und Kriegsberichterstatter Dolan (Biff Manard) hat schon General Patton interviewt und sucht hier nach einer neuen Story an der Front. Sergeant Patrick Stone (Tim Thomerson) wird meist nur „Sarge“ oder „Iron Sarge“ genannt, weil er als unverwüstlich gilt. Der Rest der Einheit wird dagegen bald bei einem Angriff der Wehrmacht niedergemäht, den nur dieses Quartett überlebt.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Amerikaner und Aliens gehen zu Kriegszeiten im Umgang mit fremden Kulturen mit gutem Beispiel voran.

Bis hierhin ist alles klassischer Kriegsfilm, doch nachdem die vier Überlebenden getrennt werden, stoßen beide Trupps auf Spuren außerirdischen Lebens. Mittens und Dolan durchsuchen ein Lager der SS und sehen dabei Bilder eines Raumschiffs, ehe sie geschnappt werden. Sarge und Joey hingegen finden direkt den Real Deal: Das abgestürzte Raumschiff. Auch hier tauchen bald Wehrmachtssoldaten auf und bedienen einen Topos vieler Genreerzählungen: Nazis, die für den Endsieg übersinnliche oder außerirdische Mächte in ihren Dienst stellen wollen, von „Captain America“-Comics über Michael Manns „Die unheimliche Macht“ bis hin zum bereits erwähnten „Operation: Overlord“.

Dolan und Mittens müssen feststellen, dass sie nicht die einzigen Gefangenen im Lager der Wehrmacht sind: Auch ein Alien, das den Raumschiffabsturz überlebt hat, wird doch gefangen gehalten…

Schaut euch den Trailer zu „Zone Troopers“ an

Angesichts der horrorlastigen Ausrichtung von Empire Pictures würde man bei „Zone Troopers“ einen garstigeren Film erwarten, als man am Ende bekommt. Denn die offensichtlichen Vorbilder des Krieg-Action-Sci-Fi-Mixes finden sich unübersehbar im Unterhaltungskino der Spielberg-Lucas-Bauart: Das Alien ist nicht nur freundlich, sondern in Sachen Aussehen und Verhalten klar von E.T. und Chewbacca inspiriert. Die Alienwaffen, die zum Einsatz kommen, lassen Opfer nur kurz aufleuchten und verschwinden anstatt ein Gemetzel und Gesuppe zu veranstalten. Und die Musik von Charles-Bruder Richard Band („The Resonator: Miskatonic U“) klaut an einigen Stellen überdeutlich von John Williams‘ „Imperial March“ aus „Star Wars“. An anderer Stelle läuft dagegen Swing-Musik im Stile der 1940er, die allerdings nicht immer zu den gezeigten Flucht- und Kampfszenen passen möchte, auch wenn es wohl für die zeitliche Verortung des Ganzen sorgen soll. Dabei funktioniert das Ganze eigentlich über die Ausstattung schon gut, denn es gibt Uniformen, Waffen und Fahrzeuge aus der Zeit zu sehen, denn anno 1985 gab Band seinen Filmschaffenden noch einigermaßen ordentliche Mittel an die Hand.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Ob Ripley und ihre Crew wussten, dass im anderen Flügel ihres Raumschiffs Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg herumirrten?

Tatsächlich hat der Film seine Stärken vor allem dann, wenn sich „Zone Troopers“ der Phantasterei und den Schauwerten hingibt. Verantwortlich für die Effekte: Experte und Charles-Band-Spezi John Carl Buechler („Sway“). Das abgestürzte Alien-Raumschiff etwa ist eine hübsche, in Handarbeit erstellte Kulisse und sieht wesentlich besser und stimmiger als das Rettungsvehikel, mit dem die Artgenossen des gefangenen Aliens gegen Filmende anrücken. Besagte Artgenossen tragen Helme oder sehen humanoid mit blau angepinseltem Gesicht aus, so spart man auch Geld und muss nur ein vollwertiges Alien-Kostüm basteln. Strategisch gedacht knallt es actiontechnisch am Anfang (Auslöschen der Einheit), Mitte (Flucht aus dem Lager) und Ende des Films (Showdown) etwas größer: Der italienische Stunt Coordinator Sergio Mioni („Red Sonja“) und seine einheimische Crew sorgen für Stunts und Geballer, nicht sonderlich elaboriert oder filigran, aber auf ordentlichem B-Niveau. Dramaturgisch etwas seltsam wirkt, dass das erste Set Piece am größten und spektakulärsten daherkommt. Bei der Flucht werden zwar einige Zelte mit einem Laster niedergewalzt oder in die Luft gejagt, aber die Szene ist kürzer, im Finale räumen die Ami-Soldaten dann in erster Linie statisch rumstehend mit Alien-Strahlenwaffen auf.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Genießt die Träume, bevor sie zu Schäumen werden.

Dummerweise findet das Drehbuch von Regisseur Danny Bilson („Destroyers“) und seinem Co-Autor Paul De Meo („Steel Arena“) nicht den Drive, den man angesichts der Prämisse erwarten könnte. Lange Zeit tapern die Soldaten einfach nur durch die Gegend, die Bedrohung allein im Gebiet der deutschen Soldaten wird nicht deutlich rübergebracht. Die Plotte um die Rettung des Aliens kommt ebenfalls schwer in Gang und wird immer wieder mit Füllszenen angereichert, etwa wenn Joey und Mittens entdecken, dass der außerirdische Besucher am liebsten Tabak futtert und ihnen dafür ein Gerät gibt, mit dem sie eine leichtgeschürzte Traumfrau beschwören können. Auch nicht gerade nötig, aber durchaus amüsant ist die Szene in der Mitte des Films, in welcher der Führer himself im Nazi-Zeltlager auftaucht, das Alien begutachtet und sich eine Kopfnuss vom gefesselten Mittens einfängt („Did I just k.o. Hitler?“).

Vor und hinter der Kamera sind viele Charles-Band-Vertraute beschäftigt, viele davon auch an dem ein Jahr zuvor entstandenen „Trancers“ beteiligt, etwa der spätere „Subspecies“-Regisseur Ted Nicolaou, der bei beiden Filmen für den Schnitt verantwortlich zeichnet. Mit Tim Thomerson („Dollman“) teilen sich beide Werke den Hauptdarsteller, der als hartärschiger Sergeant, der einfach nicht zu totzukriegen ist und sich durch den Film knurrt, für Laune sorgt. Art LaFleur („Kick Fire – Ohne jede Vorwarnung“) spielt seine Rolle ebenfalls mit viele Freude, ähnlich wie Biff Manard („Desert Hawk“) als von sich selbst überzeugter Reporter. Nur Timothy Van Patten („Die Klasse von 1984“) fällt etwas ab, was allerdings auch an der Rolle als leicht naives Greenhorn liegen mag. Der Rest ist kaum der Rede wert, auch wenn es ein interessantes Detail ist, dass die (meist italienischen) Darsteller der Nazis und Wehrmachtssoldaten im O-Ton ein korrektes Deutsch sprechen.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Der Verkaufsschlager bei den Alliierten: Die Wünsch-dir-die-Nazis-weg-Kanone.

„Zone Troopers“ ist angesichts seiner knackigen Laufzeit schon ganz unterhaltsam, gerade in den Actionszenen und Spezialeffekten, auch wenn diese etwas dünner gesät sind, als man vermuten könnte. Das knallige Spektakel, dass man ob der Prämisse erwarten kann, bleibt Danny Bilsons Film dem Publikum dann allerdings schuldig: Der Plot entwickelt keinen Zug, es gibt viele Füllszenen und oft stehen die Zeichen eher auf Spielberg-Imitation als auf bleihaltigen Schwartenkracher.

Nachdem „Zone Troopers“ in Deutschland lange Zeit nur auf VHS erhältlich war, hat ihn Wicked Vision jetzt als Mediabook mit DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Danny Bilson und Paul De Meo, einen Audiokommentar von Dave Wain und Matt Budrewicz, ein Making Of, Interviews, eine Bildergalerie und Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

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Review Nr. 2 – von Sascha Ganser (Vince)

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All Banner

Man könnte seine Zeit sicher schöner verbringen als in einem abgestorbenen italienischen Waldstück irgendwo ein paar Meilen hinter feindlichen Linien, in US-Uniform in einem Versteck kauernd, während aus der Ferne deutsche Stimmen erklingen. Doch kaum hat Glenn Miller seine Big Band mit dem Opener „In the Mood“ auf Betriebstemperatur gebracht, ist alles einfach groovy.

Entstanden inmitten einer aggressiven Welle von Vietnamkriegsalpträumen, mit denen Hollywoods Starregisseure tief in die psychischen Abgründe eines kollektiven amerikanischen Bewusstseins eindrangen, wirkt „Zone Troopers“ mit seinem längst vergangenen WWII-Ambiente naiv genug, um das Wesen des Kriegs wie aus Kinderaugen zu begreifen. Wo die Oliver Stones und Stanley Kubricks jener Zeit den Kombat-Hyperrealismus durch einen medialen Filter jagten und zum postmodernen Spektakel erklärten, fühlt sich „Zone Troopers“ im Vergleich wie federleichter Groschenheft-Eskapismus mit Zweite-Klasse-Ticket in die Vergangenheit an. Gleich in der ersten Szene wird Timothy Van Patten beim Lesen eines Magazins mit dem Titel „Fantastic Fiction“ gezeigt. Das ist nicht nur ein Wink in Richtung der anstehenden Verschmelzung zweier sehr unterschiedlicher Filmgattungen, sondern auch allgemein ein erster Baustein bei der Rahmensetzung für ein argloses Abenteuer, das den Krieg nicht etwa sezieren, sondern lediglich als Kulisse nutzen will, um aus der graubraunen Realität heraus den Blick auf die Möglichkeiten der Science Fiction zu richten.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

In den SciFi-Groschenheften ist die Welt noch in Ordnung.

Dass diese Empire-Produktion eher den Charme eines vergessenen TV-Kriegsfilms der 50er oder 60er Jahre versprüht als die rebellische Haltung der führenden Filmemacher der 80er, hat vielleicht auch damit zu tun, dass es zumindest für Empire-Gründer Charles Band tatsächlich ein Zeitsprung in die eigene Kindheit gewesen sein muss. Diese verbrachte er schließlich zu großen Teilen in Europa und insbesondere in Italien, wo sein Vater Albert unter anderem seinen Teil dazu beitrug, die Grundpfeiler des Spaghettiwestern zu setzen. Für viele von Bands Mitarbeitern vor Ort hingegen, darunter auch der debütierende Regisseur Danny Bilson, war es zunächst einmal ein ungewohnter Auslandseinsatz, der von etlichen Ersteindrücken geprägt gewesen sein dürfte; vielleicht weniger, was die reizarmen Waldkulissen anging, aber doch zumindest bezüglich der kleinen und großen Herausforderungen, die bei einem Projekt fern des heimatlichen Kontinents anfallen können.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Beim Bau des Raumschiff-Sets hat man sich nicht lumpen lassen.

Vielleicht fühlt es sich deswegen so urig an, zu sehen, wie sich Art LaFleur, Timothy Van Patten und Biff Manard am Lagerfeuer gegenseitig Mut zusprechen, während Tim Thomerson als knallharter Sergeant stets vier Schritt entfernt steht und die Truppe absichert. In dieser Phase hat der Film nichts außer seine charismatischen Protagonisten und den Swing des einleitenden Titelsongs, der jede Bewegung wie einen Tanz wirken lässt.

Glenn Miller ist es zwar, der den lockeren Grundton setzt, doch Soundtrack-Komponist Richard Band ist es, der schließlich den Genre-Swap einleitet. Noch bevor sich die dritte Kriegspartei von außerhalb überhaupt ins Geschehen einmischen kann, untermalt Band den Blick auf ein deutsches Nazilager nämlich mit klanglichen Variationen des Darth-Vader-Themes, und zwar in einer Deutlichkeit, die man nicht mehr einfach nur Reminiszenz nennen kann. Wenn bei einer derartigen musikalischen Begleitung dann auch noch so manches Nazi-Imitat unter den Darstellern der Deutschen beim Schreien von Befehlen an der eigenen Grammatik scheitert, erreicht der Film genau jenen unbedarften Humor, auf den im Grunde von Beginn an alles hinausläuft. Überhaupt: Wer eines seiner Musikstücke „The Meadow Battle“ betitelt, hat den Spagat zwischen größenwahnsinnigem Star-Wars-Imperialismus und Plastikfiguren im Sandkasten vollkommen begriffen.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Moorhuhn 1944.

Mit der Kulisse eines abgestürzten Raumschiffs in Lebensgröße, welches 20.000 Dollar und damit ein 25stel des gesamten Budgets gekostet haben soll, findet dann die SciFi-Komponente ihren Weg in die Handlung. Fortan wird „Zone Troopers“ nicht nur optisch abwechslungsreicher, sondern auch inhaltlich etwas komplexer, weil sich nun drei Parteien zwischen Baumgruppen, Wiesen und Höhlen gegenüberstehen. Wie Klaatu aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) sehen sich die Aliens in „Zone Troopers“ mit einer zerstörerischen menschlichen Natur konfrontiert, die sie mithilfe überlegener Technologie von einem Paradigmenwechsel überzeugen wollen. Der haarige Begleiter der US-Truppe könnte sogar eine Kreuzung eines unterdrückten Affen aus der „Planet der Affen“-Reihe und des „Grey Alien“-Archetyps sein, kurzum, eine humanoide Form, die den zur Bestie mutierten Menschen an seine humanistischen Ursprünge erinnert.

Viele Rückschlüsse werden aus der Konstellation allerdings nicht gezogen. Erwartungsgemäß taucht der Stoff nicht tiefer in den möglichen ethischen Diskurs ein als für einen Film dieser Klasse unbedingt nötig. Das Interesse liegt dann doch eher in den grundlegenden Vorzügen der Schundliteratur, von der das Material beseelt ist: Gewehrgeknatter, Faustschläge für den Führer und Photonenlaser en masse. Sogar die 20.000 Dollar gehen mittendrin in einem Feuerball auf. Das mag aber reizvoller klingen als es auf dem Fernseher aussieht: Gerade die SciFi-Action ist eher ein Schwachpunkt dieser insgesamt recht bewegungsarmen Produktion, die nicht nur durch das schmale Budget spürbar eingeschnürt wird, sondern dazu noch ganz bewusst auf ein Übermaß an Sex und Gewalt verzichtet, um den unschuldigen Blickwinkel nicht durch zynische Anwandlungen zu verfälschen.

Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All

Steven Spielberg würde es eine Unheimliche Begegnung der 3. Art nennen.

Damit erarbeitet sich „Zone Troopers“ im Kontext seiner Entstehungszeit auf B-Movie-Level eine gewisse Sonderstellung. Gerade umgeben von all den desillusionierenden Vietnam-Aufarbeitungen ist dieses Kriegsabenteuer eine überraschend affirmative Angelegenheit, in der sich die Genre-Leidenschaft des Charles Band als pazifistischer Ausweg aus der Kriegshölle erweist. Wer hätte das gedacht?

Informationen zur Veröffentlichung von „Zone Troopers“

Limited Collector’s Edition #96

„I Want YOU!“, sagte der pelzige Alien-Wicht auf einem der Werbeposter von „Zone Troopers“. Das mit dem Habenwollen sollte allerdings im Idealfall auf Gegenseitigkeit beruhen. Es nutzt ja alles nichts, wenn im Gegenzug kein deutscher Verleiher „Zone Troopers“ haben will. So stellt es sich jedenfalls rückblickend dar. Eine deutsche Videokassette war zwar noch im Produktionsjahr über Vestron erschienen, das war es dann aber auch schon. Dafür wurde die komplette DVD-Ära verschlafen, zumindest in Deutschland. Dabei hätte man sich zum Start des Mediums Ende der 90er im Grunde doch so toll an den frisch erschienenen „Starship Troopers“ hängen können. So rein des Namens wegen.

Entsprechend unbekannt ist der Streifen nun bei uns, selbst für die Verhältnisse einer Empire-Pictures-Produktion. Dass 2015 über Kino Lorber eine Blu-ray erschienen ist, dürften über dem Teich wohl nur wenige mitbekommen haben, zumal der Region-A-Lock die Scheibe für viele uninteressant gemacht haben dürfte. Etwas interessanter war da sicher der UK-Release über 88 Films aus dem Jahr 2022, der den SciFi-Actioner mit einigen Extras erstmals in HD nach Europa brachte. Im Frühjahr 2026 war es dann endlich auch auf dem deutschen Markt soweit: „Zone Troopers“ ist die 96. Ausgabe der „Limited Collector’s Edition“-Reihe von Wicked Vision.

Das Deckblatt der Edition, die sowohl eine DVD als auch eine Blu-ray an Bord hat, wirbt entsprechend mit der Tatsache, dass es sich nicht nur für die Blu-ray, sondern gleich für beide Medien um eine Deutschlandpremiere handelt. Das könnte sich womöglich vorteilhaft auf den Radius der Zielgruppe auswirken und somit ein wenig ausgleichen, dass diese Zielgruppe wegen des geringen Bekanntheitsgrads des Films allgemein zunächst einmal überschaubar sein dürfte.

Die Verpackung

Blu-ray

„Zone Troopers – Kriegsmission aus dem All“ kommt in drei verschiedenen Mediabooks.

Dabei reicht manch einem vielleicht sogar ein Blick auf Cover A, um sich spontan für einen Kauf zu entscheiden. Kriegsmaschinerie aus dem Zweiten Weltkrieg gegen UFOs, während im Hintergrund die Erde brennt, das würde zweifellos auch einer A-Klasse-Produktion gut stehen. Der Mittendrin-Effekt, der nicht zuletzt durch den Schulterblick des Sergeants mit „Let’s Go“-Faust zustande kommt, heftet sich klar an die Fußsoldaten-Perspektive, die Paul Verhoeven für „Starship Troopers“ wählte. Ein ziemlich fettes Versprechen, das der fertige Film zwar nicht halten kann, aber in Hochglanz auf ein Mediabook gedruckt macht dieser wild anachronistische Clash aus Kriegsfilm und 50er-SciFi so richtig was her.

Cover B und C konzentrieren sich auf das erwähnte Pelz-Alien mit Uncle-Sam-Zeigefinger, in der C-Variante sogar als akkurate Nachbildung des Originalposters von J.M. Flagg aus dem Jahr 1917. Diese Variante macht aufgrund des rotblauen Rahmens auf Eierschale als Cover ebenfalls einen ziemlich adretten Eindruck. Da füllt man sich ja regelrecht patriotisch dazu verpflichtet, „JA“ zum Kauf zu sagen. Cover B hingegen erinnert aufgrund der Jedi-Kleidung und des schwarzen Sternenhimmel-Hintergrunds eher an „Star Wars“, ist aber die einzige Wahl, wenn man den deutschen Zusatz „Kriegsmission aus dem All“ auf dem Cover haben will.

Die unendlichen Weiten des Alls liegen auch im Inneren des Mediabooks hinter den Disc-Trays und lassen die stilisierten Discs in Eierschale-Ketchuprot als Kontrast hervortreten. Nimmt man die Discs aus der Halterung, wartet dahinter wieder der Uncle-Sam-Alien. Er lässt einfach nicht locker. Und in der Tat, selbst auf dem Booklet-Cover zeigt er wieder mit haarigen Fingern auf angezogene Leute (wir unterstellen jetzt einfach mal, dass der durchschnittliche Wicked-Vision-Kunde beim Aufklappen der Mediabooks bekleidet ist).

Das Booklet

Beim Booklet hat es diesmal allerdings nur für 20 Seiten gereicht. Der Text von Christoph N. Kellerbach macht darin einen Nettoanteil von 11 Seiten aus, der Rest besteht aus ganzseitigen Szenenbildern, einer Titelseite (mit dem Zitat „Wow, das ist ja genauso wie in meinen Zukunftsromanen!“) und den Credits. Angenehm fällt der helle Seitenhintergrund mit schwarzer Druckschrift ins Auge, nachdem es zuletzt eine Häufung von eher dunklen Hintergründen mit heller Schrift in den Booklets gab. Tatsächlich spricht auch Kellerbach bereits in der Überschrift vom „vergessenen Kultfilm“, der zu Unrecht ein Schattendasein friste, wenn über die Produktionen der Empire-Schmiede gesprochen werden. Die Begründung dafür liefert wer in den letzten zwei Absätzen des Textes, in dem er den Comiccharme des Films heraushebt. Dazwischen geht es um die ineinanderfließenden Biografien von Produzent Charles Band und Regisseur Danny Bilson, die Darsteller, den Dreh in Italien, einem Land, das Charles Band alles andere als unbekannt war, den Bankrott von Empire Pictures und natürlich die Veröffentlichung, die sich hauptsächlich auf dem Videomarkt abspielte.

Das Bild

Präsentiert und beworben wird „Zone Troopers“ als deutsche HD-Premiere, denn im amerikanischen und europäischen Ausland wurde ja bereits in HD aufgetischt. Dadurch, dass es sich um einen Kriegsfilm handelt, der überwiegend in einem italienischen Wald zur Winterzeit gedreht wurde, reicht der Farbraum wenig überraschend hauptsächlich in den olivgrünen und braunen bis sandfarbenen Bereich – die guten alten Tarnfarben eben. Innerhalb dieses Rahmens erreicht der Transfer einen bisweilen angenehm hohen Detailgrad und setzt seine Akzente dabei eher dezent in gesunden Hautfarben und satten Grünflächen als in knalligen Farbkontrasten. Einige Außenszenen weisen insbesondere bei Gegenlicht einen starken Weichzeichner-Effekt auf. Filmisch wirkt das Material, das ebenso wie bei den englischen Ausgaben in 1,85:1 dargestellt wird, ohnehin jederzeit.

Der Ton

Kaum haben die Bläser den Ton angestimmt, ist man auch schon mitten im Geschehen. Dass für diesen Film lediglich eine Monoquelle existiert, mag vielleicht später beim Geknatter der Gewehre und Surren der Laserstrahlen ins Gewicht fallen, fürs Erste ist man aber mitten in der Epoche und glücklich mit dem Zweikanal-Monosignal, das auf der 88-Films-Disc noch in Linear PCM abgelegt war und hier nun im üblichen DTS-HD Master Audio nachgereicht wird. Wesentlich präziser schallt die Big Band allerdings im englischen Originalton aus den Boxen. Im Deutschen wird es allgemein nicht ganz so crispy, wobei die Dialoge von ebenso charismatischen wie überwiegend vertrauten Synchronsprechern recht ungefiltert zum Hörer durchdringen. Der typische, artifizielle Synchro-Klang hilft dabei, dieses Deutsch von demjenigen der „Deutschen“ am Set zu unterscheiden, das sich von den Synchronsprechern nicht nur durch die oft brüchige Grammatik abhebt, sondern auch sonst eindeutig der O-Ton-Spur zuzuordnen ist. Trotz dieser einfachen Differenzierbarkeit klingen sämtliche Geräuschquellen im Original wesentlich kräftiger und sind auch besser lokalisierbar, so dass sogar eine Illusion von Räumlichkeit entsteht, auch wenn sich die Soundeffekte nicht tatsächlich dynamisch über die Seitenboxen verteilen. Insgesamt kann man jedenfalls mit beiden Spuren sehr zufrieden sein.

Die Audiokommentare

Neben den regulären Tonspuren sorgen zwei Audiokommentare für eine Filmbegleitung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Die produzierende Sicht der Dinge kommt von Regisseur Danny Bilson im Gespräch mit dem Co-Autoren bzw. Co-Produzenten Paul de Meo. Fast wie ein gemeinsames Spaßprojekt blicken sie auf den Film zurück, betonen immer wieder das geringe finanzielle Risiko angesichts des niedrigen Budgets von 500.000 Dollar, die wenigen Auflagen bzw. Vorgaben und den allgemein sehr naiven Ton des Projekts. Gelegentlich rücken sie mit interessanten Details heraus (in etwa das in der Filmkritik erwähnte Detail, dass die Raumschiffkulisse alleine etwa 20.000 Dollar gekostet hat), im Wesentlich sitzen sie aber einfach in gemeinsamer Erinnerung vor der Mattscheibe und amüsieren sich auch mal ein paar Minuten wortlos mit gelegentlichen Lachern. Der deutsche Zuhörer wiederum muss schmunzeln, wenn in einer Szene darauf hingewiesen wird, dass nun einer der wenigen Akteure ins Bild kommt, der Deutsch sprechen könne, woraufhin erst einmal grammatikalisch schon fast kriminell zu bezeichnende Konstruktionen mit einem saftigen Akzent gebellt werden, die sich im Grunde eine Gefängnisstrafe verdient haben.

Eine filmwissenschaftliche Betrachtung liefern als Ergänzung Dave Wain und Matty Budrewicz, die sich bei Empire und Full Moon bereits öfter zu Wort gemeldet haben. In dem sehr organisch fließenden Gespräch wird weit über den Hauptfilm hinaus gedacht, ohne das eigentliche B-Movie-Segment je komplett zu verlassen. Das Ergebnis ist eine umfassende, sehr nah am Sujet angelegte Werkschau zum Genrekino nicht nur Charles Bands, sondern vieler seiner Kollegen, die sich im vorliegenden Mix aus Kriegsabenteuer und Science Fiction spiegeln. Dass man es hier nicht einfach nur mit Filmexperten, sondern in Teilen auch mit Fanboys zu tun hat, sorgt dabei jedenfalls für viel Charme und einen einfachen Zugang zum Gespräch; man hat schlichtweg das Gefühl, Gleichgesinnte reden zu hören, die in vielen Dingen einfach nur noch einmal etwas besser informiert sind als man selbst. Sehr schade allerdings, dass bei diesem zweiten Kommentar im Gegensatz zum ersten keine Untertitel zur Verfügung stehen, was gerade in Anbetracht von Budrewicz‘ starkem britischen Akzent einige Zuhörer vor Probleme stellen könnte.

Die Extras

Nicht nur Audiokommentare, sondern auch sonstige Extras hat es satt auf dieser Disc, was daran liegt, dass 88 Films und Kino Lorber bereits ordentlich Vorarbeit geleistet haben – unter anderem mit dem Opener „Not From this Planet“. Dahinter verbirgt sich ein Making Of mit einer Länge von mehr als einer halben Stunde. Produzent Charles Band, Regisseur Danny Bilson, Komponist Richard Band und Editor Ted Nicolaou sind die Protagonisten dieses Interviewzusammenschnitts und sorgen für einen kollektiven Rückblick in eine Zeit, in der ein paar junge, amerikanische Filmemacher Italien einnahmen, um dort ein Filmabenteuer zu bestreiten. Für die beiden Band-Brüder war es auch eine Rückkehr in die Vergangenheit, verbrachten sie doch einen großen Teil ihrer Kindheit in in Italien, da ihr Vater Albert dort Filme produzierte. Inhaltlich werden alle wesentlichen Aspekte der Filmproduktion ausgeleuchtet, insbesondere natürlich jene, in denen die Beteiligten tätig waren. Für den dokumentarischen Anstrich sorgen Filmeinschübe und Soundtrack-Einsatz.

Blu-ray

Empire-Chef Charles Band, Darsteller Tim Thomerson, Regisseur Danny Bilson und Kritiker Kim Newman (v.o.n.u.) gehören zu den Protagonisten im Bonusmaterial.

Anschließend wird Tim Thomerson in seiner eigenen Featurette zum Interview gebeten. Die 11 Minuten sind mit etlichen Themen gefüllt, unter anderem, wie er versuchte, sich für seine Rolle an Vic Morrow in der TV-Serie „Combat!“ (1962 – 1967) zu orientieren, oder wie es war, im Winter in Italien zu drehen und mittags stets ein Glas Wein serviert zu bekommen. Zum Ingmar-Bergman-Kameramann Mac Ahlberg wird ebenso ein Wort verloren wie zu den Überschneidungen in der filmischen Sozialisierung zwischen ihm selbst und Regisseur Danny Bilson. Auch das Budget und die daraus resultierenden Beschränkungen und Möglichkeiten sind ein Thema. All das und mehr wird mit dieser typischen Thomerson-Lässigkeit aus dem Handgelenk geschossen, ganz so, wie man ihn aus seinen Rollen kennt.

Danny Bilson ist als nächster an der Reihe (12 Min.). Der hat natürlich eine Menge zu erzählen, weil es seine erste Regiearbeit überhaupt war. Unter anderem spricht er über die üblichen technischen Herausforderungen am Set, etwa bei der Konstruktion der Raumschiffkulisse, beim Umgang mit dem schlammigen Untergrund und bei Gewerkschaftsstreiks. Es wird aber bisweilen auch etwas soapig, wenn er ausführt, dass Mac Ahlberg der Mann seiner Schwester war und es zu einem kalten Moment zwischen den Beiden kam, als Bilson seinen Schwager um Rat bat, dieser aber einfach wortlos ging, weil wohl im Hintergrund ein ungeklärter Familienzwist kochte… was Bilson auch deshalb sehr aus der Bahn geworfen hat, weil Ahlberg grundsätzlich als jemand galt, der schon etlichen Regisseuren mit seinen Ratschlägen aus der Patsche geholfen hat. Irritiert war er von den WWII-Memorabilia, an denen Nebendarsteller Max Turilli einen Narren gefressen hatte. Letztlich sei nicht immer alles perfekt gelaufen, auch gerade im Nachgang nicht, aber der Dreh sei eine sehr lehrreiche Erfahrung gewesen.

Immer wieder gerne gesehen ist Kim Newman, der zum Schluss noch einmal die einseitige Macher-Perspektive aufbricht und das macht, was Dave Wain und Matty Budrewicz bereits im Audiokommentar vorgemacht haben: die Perspektive des Rezipienten vertreten. Dass Newman mit Sicherheit einer der am wenigsten voreingenommenen Kritiker überhaupt ist, wird einmal mehr deutlich, als er erzählt, dass er einmal Charles Bands „Das Ende der Welt“ (1977) in einem Double Feature mit Ingmar Bergmans „Herbstsonate“ (1978) gesehen und beide Filme genossen habe. Und ohnehin steigt er ein mit der Anmerkung, er sei hier, um seinem Enthusiasmus für „Zone Troopers“ Ausdruck zu verleihen. Dazu holt er weit in seine frühen Tage als Kritiker aus, listet zunächst einmal diverse Filme auf, die für den Werdegang dieses Films wichtig waren, und so sind fünf der zehn Minuten vergangen, bis er schließlich auf den Hauptfilm zu sprechen kommt und ihn mit liebevollen, ganz und gar originellen Referenzen einordnet, die eher zum Neuentdecken einladen als billige Bestätigung beim Zuschauer zu suchen. Wirklich schade, dass ausgerechnet dieses Feature als einziges nur auf der Blu-ray und nicht auf der beiliegenden DVD enthalten ist.

Den Originaltrailer kann man wahlweise in der Widescreen- oder Vollbildfassung anschauen. Inhaltlich ergeben sich in beiden Fassungen keine Unterschiede. Schnitt und Sounddesign sind dabei eindeutig vom klassischen Trailer zu „Alien“ (1979) inspiriert, in dem eine Montage aus Bildern in immer schneller Frequenz mit einem pulsierenden Rhythmus auf der Tonspur einhergehen, ohne dass nur ein Wort gesprochen wird. Als Ergänzung wird noch eine knappe Bildergalerie (1.5 Min.) geboten, die leider diesmal nur sehr wenige Setfotos zu bieten hat, dafür aber eine Menge Mediencover aus aller Welt.

Fazit

Und am Ende fehlt einem wirklich nichts auf dieser Blu-ray-Edition zu „Zone Troopers“… außer vielleicht die Bloopers. Aber dafür hat man uns noch ein dickes Osterei im italienischen Wald versteckt. Was sich dahinter verbirgt und wo man es findet, erfahrt ihr wie üblich auf Seite 2 dieses Artikels.

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Copyright aller Filmbilder/Label: Wicked Vision__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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