| Originaltitel: Seedpeople__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1992__Regie: Peter Manoogian__Darsteller: Sam Hennings, Andrea Roth, Dane Witherspoon, Bernard Kates, Holly Fields, John Mooney, Anne Betancourt, David Dunard, Charles Bouvier, Sonny Carl Davis, J. Marvin Campbell, Matt Demeritt, Debbie Lee Carrington u.a. |


Das Cover der deutschen Blu-ray-Premiere von “Seedpeople”
Jetzt aber mal im Ernst: Wer seine Kleinstadt „Comet Valley“ tauft, darf anschließend auch nicht jammern, wenn mal wieder das Böse vom Himmel regnet. Das ist ja fast so, als würden die Gallier bei Majestix vorsprechen und ihn darum bitten, ihr Dorf in „Heaven Falls“ umzubenennen.
Himmelskörper hagelten im vorangegangenen Jahrzehnt jedenfalls unzählige auf die Erde nieder, zumeist mit Kurs auf abgelegenes Wald- und Wiesenland. In der Lovecraft-Adaption „The Curse“ (1987) schlug ein Meteorit auf dem Landgut einer Farmerfamilie ein und veränderte Mensch, Tier und Vegetation; in „Der Blob“ (1988) diente ein weiterer Meteorit als Transportmittel für einen Außerirdischen in der Nicht-Form einer gelatinösen Masse. Wie das Ortsschild von „Comet Valley“ schon erahnen lässt, versteht sich die Full-Moon-Videoproduktion „Seedpeople“ nun als augenzwinkerndes Derivat solcher im Handlungsrahmen eher klein skalierter Science-Fiction-Geschichten, die ihren Ursprung zweifellos in den Groschenromanen und Comics des frühen 20. Jahrhunderts haben.
Gedreht in der malerischen Wald-, See- und Gebirgslandschaft San Bernardinos, deutet auch das Setting von „Seedpeople“ in diese Richtung. Full Moon wäre aber nicht, was es ist, würde man dort nicht über den Groschen hinaus denken. Es sind vielmehr die großen Science-Fiction-Klassiker der 50er Jahre, deren Reproduktion ins Auge gefasst werden, namentlich „Die Triffids“ und vor allem „Die Körperfresser kommen“, samt deren Verfilmungen.

Der Beginn eines wunderbaren Aufenthalts.
Das mit haufenweise Desoxyribonukleinsäure und anderen Körpersubstanzen angereicherte genetische Chaos dieser Vorlagen nutzt Regisseur Peter Manoogian („Eliminators“, „Demonic Toys“) als Gelegenheit, frei von der Leber weg eine kleine C-Produktion in Szene zu setzen, die niemandem eine Erklärung über ihre Funktionsweise schuldig ist; nicht dem Produzenten und schon gar nicht dem Publikum, das sich von den bizarren Alien-Kreaturen auf dem phosphoreszierenden Poster, bei denen es sich genauso gut um eine Giger-Version der „Schlümpfe“ handeln könnte, zu einer Sichtung hat hinreißen lassen.
In Wirklichkeit, da hatte wohl jemand heiße Liebe für die „Critters“-Filme übrig, die im gleichen Jahr zur Quadrilogie ausgebaut worden war. Rollende Kokosnüsse, die durch die Landschaft purzeln, als hätte Donkey Kong persönlich sie geworfen, lassen umgehend auf die haarigen Kreaturen aus dem All schließen, erst recht, wenn sie sich aus der Rollbewegung heraus ausklappen und als Jump Scare ihre hässlichen Gummifratzen entblößen, die nicht anders gelesen werden können als in Form einer nochmaligen Degenerierung der Animatronics aus Joe Dantes „Gremlins“ – als hätte der arme Gizmo nicht schon genug Leid zu ertragen mit den schleimig-warzigen Abkömmlingen erster (De-)Generation.
Die Effektabteilung aus dem Hause Full Moon ist dementsprechend auch spürbar an der erstaunlichen Vielfalt der Dante-Schule interessiert, schließlich reicht das aufgebotene Spektrum vom flatternden Gummispielzeug am Nylonfaden bis zum Latex-Ganzkörperkostüm, für das sich der körperbehinderte Darsteller Matt Demeritt als armer Tropf in ein schwitziges Kostüm zwängen und den lieben langen Film damit auf den eigenen Armen fortbewegen musste.

Verrückte, die bunt leuchten, bellen, aber beißen nicht.
Die vermeintliche Variabilität im Monsterdesign jedoch ist ein Trugbild. Qualitativ ist das Gebotene ohnehin mehr als durchwachsen: Während das fintenreiche Arsenal der außerirdischen Blumen zumindest für Heiterkeit sorgt (von einer Feuerschlauchsalve milchiger Flüssigkeit, die aus dem Kontext gerissen eine Persiflage auf den klassischsten aller Money Shot in der Pornoindustrie sein könnte, bis zur Maiskern-Maschinenpistole, deren Opfer als eine Art Symbol für den Tod des Popcorn-Kinos auf dem Rasen verendet), vermag die knautschige Anmutung der Aliens nicht einmal Critters-Fanboys in Verzücken zu versetzen. Erstaunlich ist allenfalls, dass mit den Found-Footage-Einschüben von einer Videokamera bei einer Undercoveraktion inmitten von infiltrierten Menschen fast schon ein wenig das Mystery-Flair der 90er-Jahre-Kultserie „Akte X“ aufkommt, die ein Jahr später an den Start ging.
Trockene Mensch-Monster-Metamorphosen, die nur über den Schnitt gelöst werden anstatt wie sonst im C-Movie-Bereich üblich durch unvollkommene Handeffekte, orientieren sich wiederum unerwartet eher an der spröden Effektivität des gehobenen Horrorfilms der 70er Jahre, zu dem eben auch Philip Kaufmans „Die Körperfresser kommen“ (1978) zu zählen ist. Die Darsteller müssen sich lediglich in die Hocke begeben und ein Schnitt später beginnen die Kugeln zu rollen – das ist nicht nur eine günstige, sondern auch eine hochgradig effektive Methode, eine Transformation mit filmischen Mitteln zu bewerkstelligen.

Wenn das Popcorn zurückschlägt.
Das alles könnte zumindest mit der Erwartung an billige Kleinstadthorror-Videothekenware vortrefflich unterhalten, unterläge nicht auch Manoogian dem Zwang, eine Handlung voranzutreiben. Ein narrativer Rahmen soll die Geschehnisse mit Bedeutung beschweren und nicht zuletzt einen letzten kleinen Twist vor dem Abspann vorbereiten, bevor sich die Klammer schließt, aber viel fällt dem Regisseur auf dieser Ebene mit seinen eher unauffälligen Darstellern nicht ein, die schon völlig aus der Haut fahren oder Aluhüte 2.0 (in Form leuchtender Reifen am ganzen Körper) tragen müssen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Twin-Peaks-Gemütlichkeit (die Dreharbeiten fanden übrigens nur wenige Filmminuten von einem Ort namens Twin Peaks entfernt statt) führt hier keineswegs zu Lynch’schem Hochgefühl, sondern lediglich zu langen Wartezeiten auf die nächste unterwältigende Alien-Attacke.

Practical Effects Mastery Supreme.
Das heute so nicht mehr reproduzierbare 80er-Flair (damals wohl schon, gedreht wurde immerhin Anfang der 90er) und die hübsche Kulisse entschädigen immerhin ein wenig für den immensen Leerlauf und die wenig überzeugenden Effekte, die der ungehemmten Freude an einem launigen dtv-Replikat der Gattung „Cosmic Invasion“ leider zu sehr im Weg stehen. Und dennoch: Dass Full Moon ausgerechnet diesem Film bis heute die Fortsetzung verwehrt, während sich Puppen und Bongs von einem Sequel zum nächsten fräsen, ist angesichts des unausgeschöpften Potenzials zumindest diskussionswürdig.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Seedpeople“
Full Moon Classic Selection Nr. 21
Um für die „Wurzeln allen Bösen“ die Saat auszulegen, boten Videotheken Anfang der 90er Jahre das perfekte Biotop. Kein Wunder, dass der Billigheimer „Seedpeople“ nie die Kinos von innen sah, sondern vielmehr die VHS-Regale bevölkerte, damals noch unter dem Alternativtitel „Sway“.
Schaut in den Trailer zu „Seedpeople“
Damals wie heute funkeln uns die gleichen hässlichen Alien-Eier mit ihren hasserfüllten Augen von einem Poster aus an, das auch ein düsteres Fantasy-Märchen ankündigen könnte. Als X-Rated 2003 eine DVD auf den Markt brachte, wurde das gleiche Motiv genutzt, all die Freuden der Practical-Effekts-Magie verheißend, nach denen die Schatzjäger beim Inspizieren der hiesigen Regale stets Ausschau hielten. Zwar brachte man damals auch ein äußerst fragwürdiges Alternativcover, dessen Zuckerguss-Motiv auch auf ein ganz anderes Genre verweisen könnte, doch glücklicherweise bleibt Wicked Vision ebenso wie die amerikanische Full-Moon-Blu-ray aus dem Jahr 2024 dem Originalmotiv treu, das nun die 21. Ausgabe der „Full Moon Classic Selection“ ziert.
Die Verpackung

Die Blu-ray von “Seedpeople” bietet das Artwork ohne Rahmen auf voller Fläche als Wendecover.
Wer nicht ausgerechnet gerade mit dieser Ausgabe in die Reihe einsteigt, weiß schon, was verpackungstechnisch zu erwarten ist: Ein Scanavo Keep Case nämlich, das mit einheitlichem Silberrahmen-Look und anthrazitfarbenem Ledermuster-Hintergrund auf Wiedererkennungswert und Einheitlichkeit im heimischen Regal setzt, sofern man mehrere Titel der Reihe besitzt. Das FSK-Logo ist lediglich als Sticker auf der Verpackungsfolie zugegen. Trotzdem ist wie immer auch ein Wendecover enthalten, bei dem auf den Rahmen verzichtet wird und das Cover-Motiv somit die ganze Fläche ausfüllt. Dieses entspricht dann auch wirklich 1:1 der US-Disc, inklusive Titelfont und Zusatz „The Root of All Evil…“. Lediglich der weiße „Remastered“-Schriftzug wurde eingespart – was aber keinen Rückschluss auf den Inhalt der Disc zulässt…
Das Bild
Denn sehr wohl bedeutet auch die deutsche Disc natürlich eine HD-Premiere für unsere Breitengrade, die 1:1 von der US-Vorlage übernommen worden sein dürfte. Wenn man bedenkt, dass wir es hier mit einer Produktion aus den frühen 90ern für den Videomarkt zu tun haben, kann sich der Transfer durchaus sehen lassen. Höchstwerte werden natürlich in keiner Kategorie erreicht, aber die Attraktivität der kalifornischen Naturlandschaften kann sich dank der kontrastreichen Farben und des soliden Schärfepegels gerade bei Wide-Angle-Shots weitestgehend ungehindert entfalten. Einzelne Einstellungen wirken auch mal etwas verrauscht, was insbesondere die nächtlichen Szenen betrifft, die an anderer Stelle gedreht wurden, doch insgesamt bleiben Eindrücke überaus klarer und frischer Aufnahmen zurück, die den Ansprüchen an ein anspruchsloses Monsterflick (ha!) vollkommen genügen.
Der Ton
Da „Seedpeople“ in Deutschland schon zu VHS-Zeiten ausgewertet wurde, existiert seither auch eine deutsche Synchronisation, die eventuellen Importeuren ausländischer Discs natürlich entgehen würde. Hier liegt sie in einer recht lauten Stereo-Abmischung in DTS-HD Master Audio vor. Die Stimmen werden leider in den meisten Sequenzen von einem blechernen Klang begleitet, der empfindlicheren Naturen auch aufdringlich erscheinen könnte, zumal sie sich mit den Effekten und dem Soundtrack einen kleinen Loudness War liefert. Im laufenden Betrieb ist das aber weniger dramatisch als es klingt. Qualitativ gehört die Synchro allerdings nicht zur Speerspitze. Viele bekannte Stimmen lassen sich nicht heraushören, einige Sprecher dürften in ihren Rollen auch gerne noch etwas überzeugender klingen; das ist aber nicht ein Problem alleine dieses Films, sondern betrifft ein Gros aus der entsprechenden Budgetklasse.
Wie bereits die alten DVDs hat natürlich auch die neue Blu-ray alternativ den englischen Originalton im Programm, der weitgehend sauber, natürlich und differenziert klingt. Die Zeilen der Darsteller sind gut verständlich und verbinden sich organisch mit der übrigen Kulisse. Die deutschen (oder wahlweise auch englischen) Untertitel sollten den Wechsel zum O-Ton nochmals einfacher machen, falls man sich mit der deutschen Fassung nicht arrangieren kann. Schade ist es, dass man die existierende englische 5.1-Abmischung nicht mit auf die Disc gepackt hat, obgleich wohl davon auszugehen ist, dass diese bei einem solchen Film keinen allzu hohen Mehrwert geliefert hätte.
Die Extras
Dass beim Bonusmaterial nicht das gesamte Potenzial ausgeschöpft wurde, schmerzt da schon eher. Die neue britische Blu-ray von 88 Films (VÖ: Mai 2025) hat nämlich einen Audiokommentar mit Dave Wain und Matty Budrewicz zu bieten, der sich aber wohl einfach noch in einem Exklusivfenster befindet; auf der vorliegenden deutschen Scheibe könnte man hingegen meinen, ein Film wie „Seedpeople“ sei einfach nicht relevant genug, als dass man in einem Kommentar noch einmal viele Worte über ihn verlieren müsste. So bleibt es also bei dem Minimum von zwei Tonspuren.
Zumindest die obligatorische „Videozone“-Featurette mit einer Laufzeit von knapp 10 Minuten ist mit an Bord. Die Drehpausen-Interviews und B-Roll-Ausschnitte ermöglichen einen kurzen Einblick in die Realisierung einiger Effekte. Zum Schmunzeln regen einige der Regieanweisungen an („just do Seedpeople stuff“). Der Unterhaltungswert dieses Making Of liegt jedenfalls nicht allzu weit unter dem des Hauptfilms.
Auch der englische Originaltrailer darf nicht fehlen. Genau wie die „Videozone“ und der Hauptfilm wurde er von Wicked Vision mit neuen deutschen Untertiteln ausgestattet. Damit ist der Sack dann aber auch zu.
Wer sich einen Film wie „Seedpeople“ kauft, weiß, was er tut… sollte man zumindest meinen. Dass hier nicht gerade der „Die Körperfresser kommen“ der 90er gedreht wurde, dürfte offensichtlich sein. Dass mancher B-Movie- und Trash-Afficionado auf seine Kosten kommt, ist aber nicht ausgeschlossen. Die deutsche Blu-ray aus der „Full Moon Classic Selection“ sorgt für die Grundvoraussetzungen, um einfach mal einen Selbsttest zu wagen – mit einer soliden Präsentation, zwei Tonspuren und einem kleinen Extras-Paket.
Sascha Ganser (Vince)
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