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German Horror Story

Originaltitel: German Horror Story – Teutonic Terror Tales__Herstellungsland: Deutschland__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: David Brückner, Costel Argesanu, Jan Chmel, Johannes Schärfke, Daniel Flügger u.a.__Darsteller: Nicolás Artajo, David Brückner, Karsten Rybandt, Daniel Flügger, Simone Geißler, Nikki-Marie Grothe, Erik Klauß, Dennis Klose, Nadin Lucia Brehm u.a.
German Horror Story Artwork Poster

David Brückner erzählt mit zahlreichen Indie-Regisseuren die „German Horror Story“.

Aktuell sind es vor allem die „V/H/S“-Veröffentlichungen („V/H/S/85“, „V/H/S/94“, „V/H/S/Beyond“, …), die die Stärken von Anthologien aufzeigen. Junge talentierte Kreative können sich hier so richtig austoben und auch mal ultraschräge Ideen antesten. Und geht mal ein Beitrag einer solchen Sammlung so richtig in die Hose, kann zumeist der nächste wieder vollends begeistern. Auch in Deutschland versuchte man sich bereits an Horror-Anthologien. „German Angst“ oder „Deathcember“ seien genannt.

Deutsche Horrorgeschichten

Mit „German Horror Story“ steht der nächste Vertreter aus deutschen Landen in den Startblöcken. Dieser vereint gleich zehn Kurzfilme von zahlreichen Independent-Regisseuren mit folgenden Inhalten:

The Artefact

Anna wird von ihrem toxischen Kollegen Frank tagtäglich bedrängt. Eines Tages treibt er es zu weit und eine Kollegin muss Anna vor dem Kerl retten. Um ihm zu entkommen, zieht Anna sogar um. In ihrer neuen Bleibe beobachtet sie eines Nachts, wie etwas aus dem Weltall in der Nachbarschaft abstürzt. Sie geht zu der Absturzstelle und findet hier ein seltsames Artefakt. Dieses hat erstaunliche Auswirkungen auf Anna. Davon nichts ahnend, steht auf einmal Frank vor Annas neuer Bleibe…

Evil Eyes

Lisa hatte irgendwas mit Nick. Etwas, bei dem man laut Nick riesige Scheiße gebaut habe. Scheiße, die vor allem ihn nun unentwegt zu verfolgen scheint. Als Nick Lisa bei ihrem abendlichen Jogginglauf auflauert und ihr von seinen Problemen berichtet, glaubt sie ihm freilich kein Wort. Als sie jedoch weiter joggt, meint sie, gefährlich leuchtende Augen im Unterholz zu erspähen…

Your Video

Es klingelt an der Tür einer jungen Frau. Als sie öffnet, liegt da ein Päkchen. Darin befindet sich ein Handy. Auf dem Handy ist ein Video gespeichert, in dem ein Killer eine Frau umbringt. Unsere Heldin beschließt, dem auf dem Päckchen vermerkten Absender zu folgen. Nicht ihre schlaueste Idee…

Don’t lose your Face

Ben ist eigentlich verliebt in Marta. Doch die hat längst erkannt, an was für einen toxischen Vollidioten sie da geraten ist. Sie erwirkt ein Kontaktverbot, was Ben nicht daran hindert, sie weiter mit seiner „Liebe“ zu bedrängen. Zumindest verspricht er Marta, dass sie ihn nie wieder zu Gesicht bekommen werde. Was für frappierende Folgen das hat, wird Marta alsbald erfahren…

Echoes from the Abyss

Eine Forscherin findet im Ewigen Eis eine Höhle voller seltsamer Kreaturen. Eine davon nimmt sie mit, um sie zu untersuchen. Damit erweckt sie aber alle anderen Kreaturen in der Höhle zum Leben. Und die haben große Lust, unsere Welt zu erobern…

The Whole Truth

Ein Reporter will mit einem Verschwörungstheoretiker ein Interview führen. Aber das Gespräch nimmt sehr bald einen sehr bedrohlichen Verlauf. Doch wer ist hier der Täter und wer das Opfer?

Silent Monitor

Eine Frau arbeitet im Home-Office und behält ihr Kind mittels technischer Gadgets im Blick. Während sie arbeitet, passieren – von ihr lange unbemerkt – seltsame Sachen mit ihrem Kind…

After Darkness comes the Light

Diese Episode erzählt von einer jungen Frau, die mit einem Begleiter durch ein Waldstück läuft und hier plötzlich auf eine eigenartige Frau und deren aggressive Gefolgschaft trifft. Wenige Augenblicke später entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod…

Lights

Flackernde Lichter, seltsame Kreaturen und fiese Träume: Das Leben einer jungen Frau wird seit Tagen von eigenartigen Ereignissen bestimmt. Ein von ihr konsultierter Psychologe hat daran aber definitiv ein zu großes Interesse…

The Embrace of the Sea

Für Schmuckstücke, die sie in Handarbeit fertigt, sucht eine Frau am Strand eines Meeres nach passenden Steinen. Da fällt ihr einer in Form eines Fisches ins Auge. Als sie diesen verarbeiten will, geschieht Sonderbares…

Die Rahmenhandlung

Mortis und Giggles, zwei seltsame Kreaturen, rahmen mit ihrem Tun diese Stories. Während Giggles ein Diener von Mortis zu sein scheint, gibt Mortis eine Art Cryptkeeper. Er ist interessiert an deutschen Horror-Geschichten und liest aus einem Buch die soeben vorgestellten Storys vor. Vor jeder Episode teast er selbige an und deutet auf die Lehre hin, die man aus der jeweiligen Story ziehen könnte. Inszeniert wurde die Rahmenhandlung von David Brückner („Rapunzels Fluch 1+2“), der zudem die Episode „Silent Monitor“ inszenierte und treibende Kraft hinter dem gesamten Projekt war.

Schaut in die Anthologie hinein

Deutscher Horror in Kurzfilmform

Die einzelnen Episoden der „German Horror Story“ versuchen eine große Bandbreite des Horrorgenres zu bedienen. Es geht um Aliens, seltsame Kreaturen, brutale Killer, Zombies, gefährliche Träume sowie seltsame Fundstücke und Artefakte. Dabei schwanken die Episoden in ihrer Qualität des Schreckens deutlich.

So flüchten sich einige Episoden zu offensiv in den „Wir erzählen Horror, da muss man nicht alles verstehen“-Ansatz. Das ist mal durchaus reizvoll, etwa in David Brückners Episode „Silent Monitor“. In anderen Fällen ist es allerdings einfach nur frustrierend. Genannt sei die viel zu offene Story „Evil Eyes“ oder die total kryptische, an einer üblen Synchronisation leidende Episode „Lights“. Zumindest hat die aber einen geilen Synthwave-Score.

Apropos Synchronisation. Einige Regisseure haben ihre Kurzgeschichte offensichtlich auf Englisch gedreht. Was nachvollziehbar ist, da man die Episode so auch international als Referenz nutzen kann. Für die deutsche Veröffentlichung wurden diese Episoden aber freilich übersetzt. Leider ist die Synchronisation dieser Episoden durchgehend eher schwach ausgefallen.

Und Gastgeber Mortis, bei dem man freilich durchgehend an die „Geschichten aus der Gruft“ denken muss, klingt leider immer, als würde er unter einer Maske steckend sprechen – was er ja auch tut. Nur wirkt die Figur dadurch wenig authentisch beziehungsweise real. Und teils versteht man auch nicht, was sie zu sagen hat. Im oben eingebundenen Trailer wirkt die englische Stimme WESENTLICH besser.

Inhaltlich sei auf jeden Fall hervorgehoben, dass auch bei „German Horror Story“ die Episoden mit den richtig steilen Pointen am besten funktionieren und im Gegenzug zu den verrätselten Episoden auch stärker in Erinnerung bleiben. Die Highlights für mich bildeten dahingehend Jan Chmels sehr kurze, aber angenehm dichte Story „Your Video“, die ultraschwarzhumorige „Don’t lose your Face“ von „Monster on a Plane“-Regisseur Ezra Tsegaye und „The Whole Truth“ von Kris Santa, die cool mit den Erwartungen des Zuschauers spielt.

In technischer Hinsicht wird eine Menge Vielfalt geboten. David Brückner selbst macht bei seiner Episode „Silent Monitor“ Anleihen bei der „Paranormal Activity“-Reihe, wenn auf einem Monitor Gruseliges passiert. Episoden wie „Your Video“, „Silent Monitor“ oder „The Embrace of the Sea“ kommen weitgehend oder total ohne Dialoge aus. „Lights“, das atmosphärische Highlight der Anthologie, wird obendrein in Schwarz-Weiß und im 4:3-Format gereicht.

Im ultraschmalen Format kommt derweil „After Darkness comes the Light“ daher. Diese Episode ist ohnehin ein echtes technisches Schmuckstück von „German Horror Story“. Die mit harten Kontrasten und kalten Farben arbeitende Geschichte von Alois R. Knapps Torres (als Stuntprofi etwa für „John Wick: Kapitel 4“ tätig) ist bis zur Pointe ein klasse One Take, der obendrein mit einer komplexen, gut choreographierten Actionszene aufwartet. Leider ist die Pointe der Story eher mau.

„The Artefact“ ist als Bestandteil der Anthologie insofern interessant, dass er stark auf CGI setzt. Selbst bei einem Splattereffekt, der allerdings nicht so toll ausschaut. Alle anderen Episoden sind im Vergleich doch deutlich mit Fokus auf Handmade-Effekte umgesetzt. Wobei sich der Brutalitätsgrad erstaunlich in Grenzen hält. Am frappierendsten gerät dahingehend „Evil Eyes“, wo schonmal ein Herz aus dem Brustkorb gerissen wird.

„Echoes from the Abyss“ hingegen wurde als Animationssequenz umgesetzt. Mittels Künstlicher Intelligenz schuf Regisseurin Shamila Lengsfeld eine farbpralle (die Farbpalette kippt häufiger bis ins Neonfarbene), mit garstigen Kreaturen-Designs arbeitende Optik, die im Verbund mit weiblicher Erzählstimme und stimmiger Musik viel Atmosphäre pumpt. Dabei setzte die Regisseurin eher auf Einzelbilder, in die rein oder heraus gezoomt wird, was für ausreichend Bewegung sorgt, um ordentlich zu funktionieren.

„German Horror Story“: Mal so mal so

Es hat seinen Grund, dass ich in meiner Einleitung auch ein paar deutsche Anthologien benannt habe. Denn freilich kann „German Horror Story“ in Sachen Budgets und damit verbundenen Drehzeiten oder Teamstärken nicht mit den amerikanischen Vorbildern der aktuell so beliebten „V/H/S“-Reihe mithalten. Da sind „German Angst“ und „Deathcember“ schon eher brauchbare Vergleichswerte. Denn die Macher hinter der vorliegenden Independent-Horror-Anthologie müssen schon sichtlich aus wenig Geld das Maximum herausholen.

Doch das gelingt meines Erachtens ordentlich. Am Ende steht eine Anthologie, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Und je nach Gusto wird beim geneigten Zuschauer die eine Episode besser und die andere schlechter funktionieren. Meine Lowlights waren „Lights“ und „Evil Eyes“. Als Highlights würde ich „The Embrace of the Sea“, „After Darkness comes the Light“ (wegen ihrer technischen Stärke), „Don’t lose your face“ und „Your Video“ benennen.

Den zwischen den Hochs und Tiefs changierenden Rest würde ich als „unterhaltsam, aber steigerungsfähig“ beschreiben. Einige der betreffenden Episoden leiden an ein paar nicht so gelungenen Schauspielleistungen, andere wurden arg steif synchronisiert und wieder andere überzeugen technisch oder storyseitig nicht hundertprozentig.

04 von 10

Die „German Horror Story“ wird aktuell ausschließlich digital ausgewertet und kann bei Prime Video und anderen Streamern gegen einen Obulus geliehen und gekauft werden. Hier wird die Anthologie mit einer Freigabe ab 16 eingeordnet.

In diesem Sinne:
freeman

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