
Die „Punisher – Splatter-Ausgabe“. Copyright: Panini Comics
Als der Punisher zu sich kommt, hat er keine Ahnung, wo er sich befindet. Mehr noch, er weiß nicht einmal mehr, wer er eigentlich ist. Nur das Chaos um ihn herum wirkt vertraut. Als habe er selbst es angerichtet. Er befindet sich auf einem brennenden Schiff. Die dahingemetzelte Besatzung liegt überall verstreut. Da wird er von der anrückenden Polizei unter Feuer genommen. Er nutzt das aufbrandende Durcheinander und flieht von dem Tatort.
Fortan versucht er, herauszufinden, wer er eigentlich ist und wo er da hineingeraten ist. Was er nicht ahnt: Der Kingpin hat ihn in seiner Hand. Er will mit Hilfe des Punishers in der Stadt aufräumen. Dabei gerät vor allem der Gangsterboss Tombstone mehr und mehr unter die Räder. Doch der wehrt sich – einem tollwütigen Tier gleich. Die Folge ist formvollendetes und vor allem blutiges Chaos.
Frank Castle in blutrot
Die „Punisher – Splatter-Ausgabe“ erzählt ihre wenig komplexe Story überraschungsfrei und geradlinig herunter. Die Amnesie des Punishers, das Tun von Kingpin und die verzweifelte Lage von Tombstone liegen von Beginn an vor dem Leser ausgebreitet da. Statt auf ausgeklügelte Twists setzt Autor Benjamin Percy („Predator vs Wolverine“) auf Tempo satt. Entsprechend fliegt der Leser dann auch durch die Seiten und fühlt sich alsbald genauso getrieben wie Frank Castle.
Man wird förmlich in die Story hinein gesogen und man ist gespannt, wie der Punisher seine Gegner richten wird. Und genau dahin strebt Percy gnadenlos mit seiner schnörkellosen Erzählung. Und sein Partner in Crime, Zeichner Julius Ohta, liefert die dazu passenden, extrem brutalen Bilderwelten. Denn dieser Band heißt nicht ohne Grund „Punisher – Splatter-Ausgabe“.
Frank Castle räumt hier so richtig auf. Mit einer abgesägten Schrotflinte zerschießt er Schädel und andere Körperteile in ihre einzelnen Fragmente. Hirnmasse und Blut spritzen über die Panels des Comics. Knochen werden gebrochen, Gliedmaßen abgehackt und viele kleine garstige Details sorgen für einen hohen Härtegrad. Der Punsiher, per se kein Kind von Traurigkeit, wütet so richtig in diesem Band. Allerdings bleiben Autor und Zeichner insgesamt maßvoll. Setzen die Splatter-Einlagen eher highlightartig und überfluten den Leser nicht mit roter Farbe.
Abgesehen davon beherrschen düstere Bilder den Comicband. Was auch nicht verwundert, spielt die Handlung doch überwiegend bei Nacht. Die dunklen Farben passen ebenfalls hervorragend zu diesem flotten Actioncomic, der tatsächlich auch Lust hat, Action zu machen. So beherrscht eine Szenerie um den Punisher, der einem LKW hinterherjagt, mehrere Seiten des Bandes. Und man hört hier die Reifen förmlich quietschen, so dynamisch gerät das Artwork.
Leider wird man ausgerechnet genau bei dieser Sequenz immer mal wieder kurz aus der Story gerissen. Denn rund um den hier verfolgten Lump einer arischen Bruderschaft ist eine wenig gelungene Zensurmaßnahme zu vermelden. Diese passt in Farbigkeit und Compositing null zu den betroffenen Panels und Panini Deutschland wäre sicherlich besser damit gefahren, dass zu zensierende Tattoo vollends zu tilgen, als es wenig gekonnt abzudecken.
„Punisher – Splatter-Ausgabe“ bietet Action satt
Um den Comicband „Punisher – Splatter-Ausgabe“ zu verstehen, braucht es kein großes Vorwissen. Benjamin Percy und Julius Ohta reichen die wichtigsten Details in prägnanten Einzelszenen und Bildern. Der Rest ist Vorwärtsdrang pur. Der Punisher, der Kingpin und Tombstone preschen unentwegt nach vorne. Die Geschichte tut es ihnen gleich und lässt sogar Gaststars wir Spider-Man und Jessica Jones in winzigen Cameos ungläubig dem Irrsinn dieser brutalen Nacht zuschauen. Es gibt keine erhellenden Rückblenden, keine endlosen Labertiraden. Hier ist kein Wort zu viel und kein Panel überflüssig.
Während des Lesegenusses ist genau das grandios. Der Leser lechzt nach der nächsten Actioneinlage und dem nächsten brutalen Panel. Im Nachgang jedoch, würde man schon noch ein wenig mehr über den Kingpin und seine Motive erfahren. Und irgendwie kann man auch Tombstone kein Stück einordnen. Aber hey, dafür gibt es ja noch ganz andere Comics. Entsprechend rate ich, den Comic als das zu genießen, was er ist: Eskalation pur, ohne Wenn und Aber.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Punisher – Splatter-Ausgabe“
Der Panini-Comicband „Punisher – Splatter-Ausgabe“ vereint fünf Einzelhefte, die in den USA schlicht als „Punisher – Red Band 1-5“ betitelt wurden. Eine Cover-Galerie, Infos zu den Machern und ein paar einordnende Worte runden den Band ab.
Punisher Splatter-Ausgabe
Originaltitel: Punisher: Red Band 1-5
Von Benjamin Percy (Autor), Julius Ohta (Zeichnungen)
Taschenbuch: 120 Seiten, Deutsch
Verlag: Panini Verlags GmbH
Auflage: 1. Edition (30. Juni 2026)
ISBN-13: 978-3741646997
Leseprobe
In diesem Sinne:
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